Sonntag, 10. März 2013

Einmal Schwarzwald und zurück



Kapitel 3 - Im Stollen ist die Hölle los
 
T-1-Level


          Dumpf hallte der Schlag von den Wänden des Überwachungsraums wider. Der an dem Stuhl gefesselte und geknebelte Wachmann Max sank in sich zusammen, als er sich in Morpheus Arme begab.     
          "So, der sollte eine Zeit lang Ruhe geben."    
Frustriert trat Cone gegen die Leiche des zweiten Wachmannes, der, wie wir nun wussten, einst auf den Namen 'Marc' hörte. Der Verlust des Grip zwischen Kopf und Hals sollte zukünftige Anrufungen seines Namens obsolet machen. Wenigstens ließ mein Cousin den Kopf in Ruhe. Die Szene war so schon grotesk genug.    

           
"Das Verhör hat ja mal grad gar nix gebracht. Was sollen wir denn jetzt machen?"    
          "Nun, wir wissen jetzt immerhin, dass wir uns in einer Anlage von 'Life Research Independent Ltd.' befinden, die irgendwann in den Dreißigern entstanden sein muss. Wir wissen außerdem, dass man hier irgendwelche Forschungen mit Crittern betreibt und dass es eine Tiefgarage geben muss."
          "HA! Eine Tiefgarage, die noch weiter unter uns sein soll? Das macht doch keinen Sinn. Ganz unten sind normalerweise die wichtigsten und empfindlichsten Bereiche unterirdischer Anlagen. Die Garage müsste doch hier oben sein."
          Dem Argument konnte ich nicht widersprechen, aber es war unsere bislang beste, weil einzige Spur. "Vielleicht hätte ich ihn mit einer Geistsonde bearbeiten sollen."        
          "Ich glaube nicht, Lightning, dass wir dann mehr erfahren hätten. Hier wissen die Mitarbeiter scheinbar nur über ihren unmittelbaren Arbeitsbereich Bescheid."   

          Inzwischen hatte Sunetra ihr Katana von Marcs Blut befreit und schob es besorgt in das Saya, wie die Schwertscheide in Japan genannt wird, auf ihrem Rücken zurück.
          "Vergesst nicht den Wendigo, den er erwähnt hat!", gab sie zu bedenken.         
          Angeblich war der Wendigo, der hier gefangen gehalten wurde, der ganze Stolz der Anlage.
Entgegen der landläufigen Auffassung handelt es sich bei Wendigos nicht um Critter aus alten indianischen Legenden, sondern um Orks, die mit dem MMVV infiziert waren. Unter dem Einfluss des Menschlich-Metamenschliche-Vampirismus-Virus können sich Orks in Wendigos verwandeln: zweieinhalb Meter große, weiß bepelzte und mit Krallen bewehrte Wesen, die oftmals aktive Schamanan sind und ihr Aussehen tarnen können.     
          Wendigos ernähren sich von der Lebensenergie anderer Wesen und gelten aufgrund ihres oft sadistisch-soziopathischen Verhaltens als vogelfrei. Nahezu überall auf der Erde darf man diese Entrechteten ungestraft umbringen.
Versteht mich nicht falsch! Es liegt mir nichts ferner als für diese perverse Brut eine Lanze zu brechen. Sollte mir ein Wendigo auf die Pelle rücken, werde ich nicht zögern ihn aus seinem Fell zu pusten, aber Tiere waren sie nun einmal nicht.

          "Ihr habt zu viele Horror-Trids gesehen. Zum einen handelt es sich um vernunftbegabte, intelligente Wesen. Falls wir den gefangenen Wendigo treffen sollten, können wir ihn vielleicht als Verbündeten gewinnen. Er wird auf unsere Gegner mindestens genau so sauer wie wir. Und wenn die Anlage so groß ist, wie Largo befürchtet, dann können wir jede Hilfe gebrauchen."         
          Lightning verschränkte die Arme unter ihren Brüsten und bedachte mich mit einem kritischen Blick: "Klar. Und bei der erstbesten Gelegenheit wird er uns fressen. ... Und 'zum anderen'?!"
          "Zum anderen: Wenn sich hier jemand ernsthaft Sorgen machen muss, sind das Cone und ich." 
          "Kapier ich nicht."  
Cone legte Lightning eine Hand auf den Kopf und grinste sie hungrig an: "Weil das MMV-Virus Orks in Wendigos verwandelt. Die Chance, dass wir im Gegensatz zu euch einen Angriff überleben werden, um uns ebenfalls zu infizieren, ist deutlich größer. - Bei uns würde der Spaß also nicht beim verspeist werden enden."    
          Hektisch schlug sie seine Hand weg und verzog angewidert den Mund: "Finger weg! Mich snackt keiner weg!"

          Ich seufzte schwer: "Oach, Kinners! - Largo, kannst du was mit der Brille und dem Komlink der Wachmänner anfangen?"
          "Leider nicht. Die Brille wird mit Bildern von zwei Kameras gespeist. Ich kann aber nicht umschalten oder anderweitig ins System einsteigen. Dafür fehlt mir leider die passende Software."      
          "Mist! - Irgendwelche Vorschläge? Sunetra?" 
"Hier bleiben können wir nicht. Max hat von einer Treppe erzählt, die nach unten führt. Ich denke wir sollten die versuchen, denn der Aufzug wird garantiert Video überwacht."
          "Klingt gut. Ja, Cone?"    
Der Ex-Ganger zeigte auf den kopflosen Marc: "Lasst uns etwas Futter mitnehmen, falls wir wieder auf Höllenhunde stoßen sollten."      
          Bevor ich einen angesickten Kommentar formulieren konnte, tätschelte Lightning seinen Arm und meinte: " Wir haben doch schon über zwei Meter Futter dabei."        

          Ich hoffte, dass Largo mit seinen Cyberaugen Cones dämlichen Blick festgehalten hatte. Davon brauchte ich dringend ein Poster.        


***

T-2-Level


          Vorsichtig bewegten wir uns durch den nur schwach beleuchteten Treppengang, der in die Tiefe der Anlage führte. Scheinbar wurde dieser Weg nur selten benutzt. Nach einigen Metern kamen wir zu einer Tür mit der Bezeichnung 'T-2-Level'.
          Sie war unverschlossen. Gerade als ich mich hindurch bewegen wollte, hielt mich Alyssa zurück: "Warte! Ich werde dich mit einem Zauber maskieren, damit du nicht gleich von den Wachen erkannt wirst."       
          "Klingt gut."
Sie verschränkte ihre Finger ineinander und bog sie nach außen bis ihre Gelenke leise knackten. "Na dann verpassen wir dir mal ein neues Gesicht."      
          "Kann ja nur besser werden.", grinste Largo. Ich lachte leise und verdrehte meine Augen. Währenddessen wirkte unsere Elfin einen Unsichtbarkeitszauber auf sich, damit sie mich begleiten konnte. 

          Lightnings physische Maske kribbelte auf der Haut, als sich die arakanen Energien über mich legten und mein Aussehen veränderten. Zurück blieb ein warmes Gefühl auf dem gesamten Körper, als hätte ich mich in eine Decke gehüllt.
          Sie schien zufrieden mit ihrer Arbeit zu sein:
"Perfekt! Jeder wird dich nun für Max, den Wachmann, halten."

***

          Für einen Augenblick kehrten sich die Farben um, bevor die Welt wieder wie immer aussah. Nun ja, fast.
Es war als blickte man durch eine unsauber gearbeitete Fensterscheibe. Hier und da verzerrten Einschlüsse und andere Unebenheiten die Sicht ein wenig, und alle Geräusche waren um eine Nuance dumpfer als gewohnt. Der Unsichtbarkeitszauber hatte gewirkt.   

          Fröhlich piepste es in einem dunklen Winkel ihres Verstandes, als sich die Stimme wieder einmal ungefragt zu Wort meldete: "Sehr gut! Wenn die Beute uns nicht sieht, können wir sie einfacher erlegen."         
          Sunetra schüttelte den Kopf, um die Stimme zum Schweigen zu bringen. Sie wüsste zu gerne, was das war, das da zwischen ihren Ohren herum spukte. Wenigstens konnte sicher sein, dass sie sich die Stimme nicht einbildete und verrückt geworden war.  


          Sie folgte Hendrik in einen langen Gang mit Wänden aus Gussbeton. Zwei Kameras überwachten von den beiden Enden des Flurs aus das Geschehen. Im Moment sendeten sie Bilder vom Wachmann Max, der durch die Anlage schlenderte. Alles lief also seinen gewohnten Gang.
Hendrik ging zur ersten Tür auf der linken Seite. Gerade als er zur Klinke greifen wollte, wurde sie kraftvoll aufgestoßen. Der Ork in Menschengestalt hüpfte einen Schritt zurück, um nicht von der Tür erwischt zu werden.  

          Heraus kamen zwei deutlich besser bewaffnete Männer als Max und Marc, aber in ähnlicher Uniform. Iron stockte kurz und schaute verdattert drein, als sie ihn ansprachen.
          "Hallo Max! Hast du die Sauerei oben schon mitbekommen?" Er zögerte Sunetra eine Sekunde zu lange. Daher brachte sie sicherheitshalber ihr Monofilamentkatana in Angriffsposition.        
          "Neee, was ist denn los?"
"Die Zielpersonen sind verschwunden."
          "Einfach verschwunden? Ach kommt schon!"  
"Ja, wenn ich es dir doch sage. Zuerst tauchen statt zwei, wie erwartet, gleich fünf auf. Und dann entwischen sie uns auch noch."
          "Haha, sind dann bestimmt keine normalen Touristen, wie?"

Die Elfin erinnerte sich, dass der Lottogewinn nur den Aufenthalt von zwei Gästen abdeckte. Nachdem sie Bilder der Hütte im Netz gesehen hatten und bemerkten, dass sie Platz für mehr Gäste bietet, sind die anderen spontan mitgekommen. Ein Glück für Cone und Iron - wie sich nun heraus stellte.       
          "Da kann ich nicht drüber lachen, Max!", meint einer der Wachleute kritisch.         
          "Was machst du eigentlich hier?"         
Iron musst das Türschild bemerkt haben, denn er antwortete rasch: "Och ich wollte Pause machen und schauen, was es so in der Kantine zu holen gibt."    
          "Es ist noch 'ne Menge von Steves Geburtstagskuchen da. Vielleicht schmeckt dir ja der Fraß, den seine Frau da zusammen gerührt hat."    
          "Ich versuch mal mein Glück. Wenn ich nicht in fünf Minuten wieder raus komme, schickt mir 'nen Sani!" 
          Die Sicherheitsleute lachten, kramten sich Zigaretten aus den Hosentaschen und gingen zur Treppe. Einer flüsterte zum anderen: "Sag mal, war Max früher nicht kleiner?"

          Statt ihn noch mal genauer unter die Lupe zu nehmen, winkte der andere ab. Erleichtert ließ Sunetra die Klinge wieder sinken.        
          Gerade noch konnte sie sehen wie die Tür der Kantine wieder ins Schloss fiel. Unsichtbar wie sie war, konnte sie sie nicht einfach wieder öffnen. Das wäre zu auffällig.
Etwas zog unangenehm in ihrer Magengegend und sie strich sich über den Bauch: 'Wehe ich bekomme kein Stück vom Kuchen ab!'    

***

          Als sich der Tür laute Stimmen näherten, waren Cone, Lightning und Largo dem düsteren Treppengang nach unten gefolgt. Dort waren sie außer Sichtweite der Sicherheitskräfte, die sich nun dort oben eine Zigarettenpause gönnten. Ihre Stimmen wurden vielfach von den Wänden des engen Ganges zurückgeworfen.                    "Ich finde, Max hat gar nicht mal so unrecht, wenn er sagt, dass das keine normalen Touristen sein können."
          "Wieso?"
"Denk mal darüber nach: die sind wie vom Erdboden verschwunden. Wenn sie nur zu zweit wären - OK - dann kriegen das durchaus auch Amateure hin. Aber eine Gruppe von fünf Leuten fällt deutlich leichter auf."   
          "Ach mach dir keinen Kopf! Ich hab gehört, dass sie die Hunde freilassen wollen und im Zweifelsfall auch noch die Spezialkommandos raus gehen sollen."         

          Largo knurrte leise: "Wusste ich doch, dass die Hütte eine Falle war!"   
          Nun ging die Tür wieder auf und Max gesellte sich zu den Rauchern.     
          "Was ist denn bei euch oben los? Klemmt die Tür zum Treppenhaus nicht mehr oder warum benutzt du nicht den Aufzug?"
          Max klopfte sich mit beiden Händen auf den rausgestreckten Bauch und versuchte bedrückt drein zu schauen: "Ach, ich hab ein paar Kilo zu viel auf den Rippen. Die Bewegung wird mir gut tun."
          "Seit wann macht ihr Sesselfurzer euch etwas aus Fitness?"
Max zwinkerte dem Sicherheitsmann verschwörerisch zu und grinste: "Hab was neues am Start und muss in Form sein, wenn du verstehst, was ich meine."   
          "Lass das mal nicht deine Frau hören!"
"Ich hoffe doch, dass das unter uns bleibt?!"  
          "Klar!"

Sie rauchten ihre Kippen zu Ende, schnickten sie gegen die Wand, und verließen den Treppengang wieder. Iron sah ihnen noch einen Moment lang nach und schüttelte langsam den Kopf, als sie weiter redeten.         
          "Siehst du, sogar SO einer kriegt noch eine ab. Da wirst du doch deiner Frau mal die Meinung sagen können."  Inzwischen waren Largo und die anderen wieder nach oben geschlichen. "Hey, habt ihr was raus gefunden?"
          Eine Stimme neben Iron antwortete mit hörbar vollem Mund: "Nö, nur 'ne Kantine und Hausmeisterkram."
          Alyssa stemmte empört die Hände in die Hüften: "Habt ihr etwa was zu futtern gefunden und uns nichts mitgebracht?"
          "Schuldig im Sinne der Anklage.", presste Sunetra heraus, bemüht den Klumpen herunter zu schlucken, "Aber der Kuchen schmeckt echt scheußlich."
          "Hrmpf! Das wär meinem Magen jetzt egal. Mannooo..."

***

M-1-Level


          Eine Ebene tiefer waren scheinbar keine Kameras, die die Eingänge überwachten, sodass dieses Mal niemand im Treppenhaus bleiben musste. Sunetra führte die Gruppe mit Alyssa durch einen ringförmigen Gang, an dessen Außenwand der Schriftzug 'Artenzucht' gesprayt war. Die Zauberinnen nahmen eine ungewöhnlich starke magische Hintergrundstrahlung wahr, die das Wesen in Sunetras Kopf nervös machte. Immerhin hielt es bis auf weiteres die Klappe.

          Am Ende des Ringes versperrte eine Tür mit zwei Flügeln den Weg.      
          "Was wohl dahinter sein mag?" 
Die menschliche Zauberin schloss kurz ihre Augen: "Werden wir gleich wissen. Lass uns mal nachschauen, was sich so auf astraler Ebene tut!"   
          "Oh, oh!", kommentierte Sunetra kurz darauf den Anblick, der sich ihr bot. Es nervte Largo, dass Magier sich nie konkret äußern konnten und so taten, als könnten alle in den Astralraum blicken: "Was... was ist denn?"   
          "In dem Raum befinden sich fünf Magier, die im Kreis stehen... ihre exakten Positionen kann ich nicht bestimmen, aber ich würde sagen, dass sie die Spitzen eines Pentagramms abbilden."
          "Drek! Fünfmal Ärger.", flüsterte der Zwerg und machte langsame Schrittchen nach hinten, bis er Cone zwischen sich und die Tür gebracht hatte.          

          Lightning sah ebenfalls besorgt aus: "Das stinkt nach irgend einem magischen Ritual. Wir sollten uns verpissen, solange sie uns noch nicht bemerkt haben."       

***

          Erst draußen auf der Treppe, atmeten die Runner wieder durch. Schweigend stiegen sie die Stufen zur nächsten Ebene hinab. Für die Elfin fühlte es sich an, als würden sie sich immer tiefer in die Höhle des Löwen begeben. Etwas bedrückendes kam über sie und ließ sich nicht mehr verscheuchen.      
          Was, wenn der Wendigo hinter der nächsten Tür lauerte?
          Hendrik mag ja recht haben, dass er in dieser Situation eher mit ihnen zusammen arbeiten würde, als sie anzugreifen, aber was wenn doch?! Der Ork vergaß, dass jeder von ihnen, der diesen Angriff überstehen würde, mit dem MMV-Virus infiziert sein könnte. 
          Sunetra erschauderte beim Gedanken daran, dass der Virus aus ihr einen Nosferatu machen könnte oder gar eine Banshee - und das wäre schlimmer als der Tod. Sie wollte weder ein Nosferatu noch ein Banshee sein.  

          "Hey, Spitzohr! Bist du schon drinnen?"         
Cones Frage riss sie aus ihren Gedanken. Er stand an der geöffneten Tür und sah sich nach ihr um. Die anderen mussten schon durch gegangen sein. Nach kurzem Hadern folgte sie ihnen und schlüpfte an Cone vorbei.       

M-2-Level

          Auf dieser Ebene versteckte sich der Gussbeton hinter einer Verkleidung aus Edelhölzern. Die dunkle Farbe deutete auf Mahagoni hin. Hier und da waren Kübel mit Pflanzen aufgestellt worden. In der Decke waren Lampen eingelassen, die ein angenehmes Licht gleichmäßig über die Gänge verteilten. Sie sollten Tageslicht simulieren, um das Leben hier unten komfortabler zu gestalten. Dieser Bereich war definitiv für jemand besonders reserviert.        
          Bevor sie sich fragen konnte für Wen, stand sie auch schon vor der Antwort. Der Gang führte zu einem langen Flur mit fünf Türen. An den ersten beiden standen die Namen Prof. Dr. Merkerich und Prof. Dr. thaum von Dachau. Die anderen Türen konnten keine so hochtrabenden Titel vorweisen, aber es war sofort klar, dass es sich um die Quartiere der fünf Magier aus dem Stockwerk über ihnen handelte. 
          Hendrik stupste sie in die Seite. Woher zum Geier wusste er wo sie gerade stand?         
          "Wollt ihr Zauberschleudern nicht mal nachsehen?"
"Besser nicht. Die Quartiere werden magisch gesichert sein."
          "Bist du dir da sicher?"    
"Das wäre als würdest du während der Predigt in die Kanzel des Dorfpfarrers pissen und erwarten, dass er das nicht mit bekommt." Der Ork zuckte mit den Achseln und zog die Unterlippe hoch.   
          "Ernsthaft, Hendrik! Unser Eindringen würde nicht unbemerkt bleiben. Ich kenne die Namen nicht, aber die Titel deuten auf wichtige Persönlichkeiten der hiesigen Magierszene hin."        
          Alyssa nickte.        
"Sagen dir die Namen etwas?"  
          "Du vergisst, dass ich nur ein kleines Licht im Konzern war und mit der akademischen Welt nichts zu tun hatte."       
          "Mist! Ich hatte gehofft rauszufinden wer uns warum an den Kragen will." Iron brütete noch einen Moment vor sich hin und überlegte, wie sie weiter vorgehen sollten.  

          "OK, hat jemand eine Idee? Fällt euch irgendwas besonderes auf, oder so?"         
          Fragend sah er von einem zum anderen, bis Cone schließlich eine Hand hob: "Guck mal: 'ne Topfpflanze!"       
          Genervt ließ Alyssa ihren Kopf in den Nacken fallen, die Schultern hängen und atmete hörbar aus. Schließlich griff sie blind nach dem ledernen Jackenärmel des Orks und knurrte, als sie ihn weg zog: "Raus hier, du Komiker!"

***

C-Level


          "Drek, wieder Kameras."
Iron schloss den Türspalt und sah zu den anderen: "Das hier dauert mir zu lange. Die werden uns noch finden, wenn wir uns zu lange hier rumtreiben. Wir sollten uns aufteilen. Ich schau mir mit Sunetra an, was sich hinter dieser Tür verbirgt und ihr anderen schaut nach, ob ihr was auf der nächsten Ebene entdecken könnt."        
          Ohne ein weiteres Wort drehten sich Largo, Alyssa und Cone um und schlichen weite die Stufen herab.
Hendrik hatte inzwischen die Tür geöffnet und hielt sie für die unsichtbare Elfe auf. "Bin drin."   


          Die Tür fiel hinter ihr zu und sie fand sich erneut in einem langen Gang aus Gussbeton wieder. Es hingen einige Hinweisschilder und knappe Dienstanweisungen an den Wänden.
          Während Hendrik versuchte sich so unauffällig wie möglich zu bewegen, zog Sunetra vorsichtshalber wieder ihr Katana aus dem Saya und hielt den Griff mit beiden Händen fest. Sollte jemand ihre Maskerade durchschauen, würde sie demjenigen nicht genug Zeit geben, um Alarm zu schlagen.
          Der Gang machte nun einen Knick nach links. Am Ende wurde er deutlich heller. Als sie näher kamen, erkannten sie, dass es sich um eine große Glastür handelte. Iron blieb am Rand stehen und warf einen vorsichtigen Blick in den Raum dahinter. Rasch zog er den Kopf wieder zurück.
          "Schau du nach! Der Raum ist voller Wachen. Einer hätte mich fast gesehen."    
          "Hmmm, sieht wie die Kommandozentrale aus."     
An der rechten Wand erstreckten sich drei große AR-Monitore, die Bilder von Helmkameras zeigten. Davor waren mehrere Konsolen installiert worden, an denen einige Soldaten arbeiteten. In der Mitte war ein breiter Planungstisch, über dem eine Projektion der Anlage steckte. Suchten sie etwa bereits in der Anlage nach ihnen oder handelte es sich vielleicht nur um die Standardansicht? Sie konnte nichts genaueres entdecken.     
          "Dreizehn Ziele, unklare Bewaffnung. Bei dreien sehe ich nur Faustfeuerwaffen. Magisch aktiv scheint niemand zu sein."
          "Gegen die haben wir keine Chance. Lass uns wieder zurück gehen."    

          Ihre Komlinks öffneten den gemeinsamen Kanal und Largo sprach zu ihnen: "Sind auf dem T-3-Level. Infiltriere mit meiner Mikrodrohne. Bislang konnte ich nur Schlaf- und Aufenthaltsräume entdecken. Im letzten Raum wird wohl trainiert. Es ist nicht viel los. Die meisten liegen in ihren Betten."
          "Die Ebene ist uninteressant für uns. Hol die Drohne zurück und trefft uns auf der untersten Ebene."
          "Aye!" Der Kanal schloss sich wieder.  


Aus irgend einem Grund steuerte der Ork den nächsten Raum auf der rechten Seite an und probierte die Türklinke. Zwei Wachmänner schauten überrascht von ihren Monitoren auf.
          "Hey, was machen sie denn hier?"       
Sie kannten Max nicht. Das konnte durchaus ein Nachteil sein, wenn Hendrik ihnen nun die falsche Geschichte auftischte.
          "Ähm, ich soll Professor von Dachau suchen. Wissen sie vielleicht wo er sich im Moment aufhält?"       
          "Versuchs doch mal in seinem Quartier!", wies der erste Mann ihn ruppig ab. Der andere stieß ihn in die Seite.    "Ey, sei doch nicht so zu dem Kollegen! Im Quartier wird er ihn nicht finden. Soweit ich weiß führen die heut irgend ein Ritual durch."        
          "Ah! - Sorry man, war nicht so gemeint. Der Trubel heute Nacht hat mir gut die Stimmung verhagelt."

          Der ehemalige Agent ergriff die Gelegenheit, um nachzuhaken: "Was ist denn hier eigentlich los? Bei der ganzen Aufregung hat man vergessen uns da oben über die Umstände zu informieren."      
          "Immer dasselbe, wie?!", grinste der zweite Wachmann, "Die, die es betrifft lässt man lieber dumm sterben als ihnen auch nur eine Info zu viel zu geben.
Die neuen Versuchskaninchen sind uns durch die Lappen gegangen und jetzt suchen die oben verzweifelt nach Spuren."
          "Naja, raus können sie ja nicht. Oder steht die Barriere nicht mehr?"    
          "Nee, die steht noch. - Sag mal, könnt ihr uns aushelfen? Wir haben heute Nacht so viele Monitore zu überwachen, dass es schwierig ist den Überblick zu behalten. Wenn ihr vielleicht noch die Kameras in der Tiefgarage übernehmen könntet..."  
          Max lachte krächzend: "Kein Thema, Männer. Wir sitzen doch alle im selben Boot."
          Gerade als er sich abwenden wollte, fragte der erste Wachmann erneut misstrauisch: "Hey! Wo haben sie denn ihr Komlink? Sie wissen doch, dass wir uns hier nicht ohne bewegen dürfen."        
          Peinlich berührt tastete Max sich ab und druckste verlegen herum: "Oh, Mist! Das... das muss ich oben vergessen haben. Man, ich bin aber auch total neben mir heut Nacht."   
          "Na, machen Sie sich ab und holen sie das Ding. Lassen sie sich nicht wieder ohne es erwischen!"        

          Iron nickte demütig und schloss die Tür. Mit großen Schritten machte er sich wieder zur Treppe auf.
          "Puh, das war verdammt knapp!"                  
"Was wolltest du da eigentlich?"
          "Ich hab gedacht, dass wir vielleicht aus dem Nebenraum noch eine Möglichkeit für einen besseren Blick auf die Kommandozentrale entdecken können."     
          "Dein Entdeckerdrang hätte uns fast auffliegen lassen."
"Beruhig dich wieder. Sie haben meine Story ja gefressen."
          Sie befanden sich im Treppenhaus auf der nächsttieferen Ebene, als sich die Tür darüber öffnete und sie Getrappel von zwei Leuten hörten, die sich entfernten.
"Scheinbar sind sie doch misstrauisch und schauen lieber persönlich nach."     
          "Wenn sie die Leiche entdecken, sind wir geliefert."
Sofort erhöhte er sein Schritttempo und nach wenigen Sekunden hatten sie das Ende der Treppe erreicht.

T-4-Level

          Cone drehte sich zu den Neuankömmlingen um und grinste triumphierend: "Die Tür war abgeschlossen, aber ich hab sie auch ohne deine Spielzeuge aufbekommen."    
          An der Stelle, an der sich normalerweise ein Schloss befinden sollte, prangte nun ein großes, zackiges Nichts.
          "Nicht besonders subtil, Cousin, aber das ist jetzt egal. Jeden Augenblick wird der Alarm ausgelöst werden. Wir müssen uns beeilen."       
          Beim Durchschreiten prüfte der Ork noch einmal die Tür: "Schade. War nur eine einfache Verriegelung."      
          "Ist das wichtig?", wollte Sunetra wissen.      
"Nein, aber es wäre ein gutes Gefühl gewesen, wenn ich den Alarm in Cones Schuhe hätte schieben können.", brummte er bitter.         

          Wieder einmal befanden sie sich in einem trostlosen Gang aus grauen Gussbetonwänden. Alyssa und Largo warteten an einer weiteren Tür auf sie. Die Elfin brachte die anderen auf den neusten Stand der Dinge, als sie den nächsten Raum durchsuchten. Es handelte sich um eine kleine Garage mit unzähligen Werkzeugen. Largo hätte sich gerne näher mit ihnen beschäftigt, aber die Zeit drängte und so half er den Orks ein Falttor nach oben zu hieven, damit die Zauberinnen hindurch schlüpfen konnten. Hinter ihnen fiel das Tor krachend zu Boden.        
          Endlich befanden sie sich in der Tiefgarage und die Magierinnen konnten ihre Zauber beendeten, sodass Hendrik wieder wie er selbst aussah und Sunetra sichtbar wurde.

          Ohne Zeit zu verlieren verteilten sie sich, um die mehr als dreißig Fahrzeuge unter die Lupe zu nehmen. Hoffentlich war eins nicht abgeschlossen und sie konnten es kurzschließen. Um Strom zu sparen, illuminierten nur einige wenige Neonröhren die Garage, sodass es nach wie vor extrem duster war.   
          Eine Tür nach der nächsten wurde ausprobiert, bis Largo sie triumphierend herbei rief. Der Transport-Van, den er ausgekundschaftet hatte, war für ihre Zwecke optimal. Cone, Lightning und Sunetra versteckten sich im rückwärtigen Lieferabteil, während Hendrik mit dem Rigger vorne Platz nahm.
          "Siehst du einen Toröffner oder Zündschlüssel?"      
Hände durchforsteten die Blenden, Handschuhfach, Türfächer und Mittelkonsole... aber erfolglos.
"Sorry, hier ist nichts."    
          "Dann muss ich den Mechanismus manuell überbrücken. Warte hier auf mich!"         
          Eine Hand des Orks schoss vor und hielt den Zwerg davon ab die Tür zu öffnen. "Was denn?"        
          "Schhht! Sie sind da!"      

***

          Gefasst trat Stephan Kromeier mit seiner MP-5 im Anschlag Schritt für Schritt in die schummrig beleuchtete Tiefgarage. Eine kleine an seiner Waffe angebrachte Taschenlampe illuminierte den Weg vor ihm. Bei jedem Schritt schwenkte er die Automatik von links nach rechts, in der Erwartung, dass sich etwas bewegen würde. Dicht hinter ihm folgten seine Kameraden Felix Lindner und Dennis Baumgarten. Sie waren wie er mit einem Körperpanzer, Helm und MP-5 ausgestattet. 

          So, wie sie es in zahlreichen Trainingseinheiten gelernt hatten, bewegten sie sich bedächtig durch die Garage und teilten sich auf, um ein möglichst großes Areal abzudecken.
          Grimmig dachte Stephan an seinen Freund Marc, dem jemand den Kopf abgeschlagen hatte. Der grausige Anblick hatte sich in seine Erinnerung gebrannt. Bis zu seinem Tod würde er nicht vergessen, wie Marcs verdrehter Körper da lag, in seinem eigenen Blut getränkt. Wenn er die Kerle fand, würde er sie dafür bezahlen lassen. Sie hatten einen wehrlosen Mann getötet, der keiner Fliege was zuleide tun konnte. Er hatte bloß das Pech zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Wie nur sollte er das Marcs Frau beibringen?
          Der Gedanke trieb seine Wut noch etwas mehr an. 

Fest entschlossen trat er an das erste Fahrzeug heran, einen alten VW Bully aus dem vorigen Jahrhundert, den einer der Magier als Liebhaberstück hier untergestellt hatte. Stephan leuchtete mit der Waffenlampe in den Innenraum.
          Nichts.
So überprüfte er jedes Auto, bis er an eine Gruppe von modernen Transportern kam. Felix schloss zu ihm auf und übernahm den Ersten, während er den Mittleren der drei aufsuchte.
          Erneut wiederholte er die Prozedur und leuchtete in die Fahrerkabine. Für einen kurzen Augenblick dachte er eine Bewegung wahr genommen zu haben, aber er hatte sich wohl getäuscht. 'Nur nicht die Nerven verlieren. Du wirst sie schon früh genug finden.', ermahnte er sich im Stillen.

          Er wollte sich schon dem dritten Fahrzeug zuwenden, als Felix seinen Transporter umrundet hatte und auf der Fahrerseite der Kabine auftauchte. Nun leuchtete er ebenfalls in den Innenraum und tat so als hätte er nichts gesehen, aber Stephan konnte er nichts vor machen. Aus ungezählten Pokerrunden wusste er, wann Felix versuchte ein gutes Blatt zu verheimlichen.          
          Sein Kamerad sah ihn nun direkt an und deutete mit einem zaghaften Nicken auf die Fahrerkabine seinen Fund an. Stephan nahm tief Luft und trat wieder an die Beifahrerseite, um hineinzuleuchten. Doch dieses Mal hielt er die MP-5 etwas höher und leuchtete in einem steileren Winkel hinein - und er blickte geradewegs in die erschrockenen Augen eines Zwergs, der sich im Fußraum des Fahrers versteckte.         
          Der Söldner lächelte wölfisch. 

Endlich hatte er das Dreckschwein in der Falle.



***



          "Sssssjaaaaaaaaaaarghnsfzt!", quietschte und zischelte es über Komlink, als Largo seine Verzweiflung literarisch wertvoll zum Ausdruck brachte.
Ich wusste, dass sie ihn nun entdeckt hatten und mir nur noch wenige Sekunden blieben.

          Nachdem wir die Wachen bemerkt hatten, verkroch sich der Zwerg bei den Pedalen im Fußraum, während ich leise die Tür geöffnet und mich unter dem Lieferwagen versteckt hatte. Wie der Zufall so wollte, war einer der Gegner so dumm sich genau vor mich hinzustellen.
'Ja, halt schön still, während ich mit meiner Colt auf dein Schienbein ziele!'     
          Ich atmete noch einmal aus und hielt dann die Luft an, um die Waffe so ruhig wie möglich zu halten.
Endlich drückte ich ab.

          Bellend biss meine Pistole zu und jagte eine Kugel durch die sich rasend ausbreitende Flamme, die bereits das Bein des Wachmanns umspielte. Unbeeindruckt vom Knochen fraß sich das Projektil hindurch, zerfetzte die Arteria dorsalis und beendete erst im Chassis des nächsten Lieferwagens seine Reise.
          Derart unvermittelt des Gleichgewichts beraubt kippte der Gegner überrascht um. Sofort schätzte ich seinen Aufprallpunkt ab und zielte erneut. Noch bevor er den Boden erreicht hatte, jagte ich eine zweite Kugel in seinen Schädel. Er war sofort tot.   
          Dies alles war so schnell gegangen, dass er nicht mal Zeit für einen Schmerzensschrei gehabt hatte. 

'Drei weniger eins.', zählte ich in Gedanken. Besser konnte ein Gefecht nicht beginnen.



***



          "Sssssjaaaaaaaaaaarghnsfzt!", entfuhr es Largo vor Schreck und im gleichen Augenblick hoffte er, dass die anderen ihn nicht über Komlink gehört hatten. Der Kerl vor der Beifahrertür grinste ihn wie den Hauptgewinn im Lotto an und dem Zwerg gefiel dieser Blick ganz und gar nicht. Denn er bedeutete, dass er nun schießen und keinen Gedanken an eine Festnahme verschwenden würde.

          Instinktiv stieß er die Fahrertür auf, deren Entriegelungsgriff er die ganze Zeit über fest umklammert gehalten hatte. Mit voller Wucht rammte er sie dem anderen Wachmann in die Brust, sodass er an den anderen Van gerammt wurde.         
          Als Largo sich aus dem Fußraum nach draußen fallen ließ, hörte er in schneller Folge zwei Schüsse unter dem Wagen. Wieselflink rappelte er sich auf, warf sich auf den Wachmann, der sich benommen den Brustkorb fest hielt, und schlug ihm volles Pfund auf's Maul.

          Dieser taumelte zurück, fing sich aber schnell wieder und richtete die MP-5 auf den Rigger.     
          "Nie hat man ein Messer zur Hand, wenn man es braucht.", schoss es ihm düster durch den Kopf.



***



Warten war noch nie eine von Cones Stärken und er war sich dessen durchaus bewußt. Eines Tages konnte ihn das noch in die Bredouille bringen. Aber so lange im Ladraum des Vans eingesperrt zu sein, ohne zu sehen, was draußen vor sich ging, war zu viel für ihn. Unruhig schaute er sich wie ein Tier im Käfig um und konnte nichts entdecken, das ihnen in dieser Situation geholfen hätte.



Plötzlich fiel unter dem Wagen ein Schuss - und dann noch einer. Etwas rumpelte links des Vans und der Ex-Ganger konnte sich endgültig nicht mehr zurück halten. Mit einem kräftigen Zug zerrte er an der Schiebetür, die in die Seite eingelassen war und hatte nach einem kleinen Hopser wieder festen Boden unter den Füßen. 



Vor ihm zielte ein Söldner mit seiner Automatik auf Largo. Er würde gleich schießen, wenn er nichts tat. Daher spannte Cone alle Muskeln an, nahm zwei Schritte Anlauf und sprang mit einem Satz über den Zwerg, um sich auf den Söldner zu stürzen.



Die MP-5 glitt ihm unter dem Aufprall aus den Fingern und der Ork bemerkte befriedigt, dass etwas unter dem Körperpanzer des Gegners knackte.



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"Die Jagd beginnt!", frohlockte die Stimme in Sunetras Schädel, doch dieses Mal musste sie ihr zustimmen. Sie wappnete sich innerlich für den Kampf, aktivierte dabei ihre Foki, und sprang kurz nach Cone aus dem Lieferwagen.
Gerade verpasste der Ork dem Söldner einen rechten Haken und Largo unterstütze ihn dabei. Ein Betäubungsschuss sollte hilfreich sein und so begann sie einen entsprechenden Zauber zu wirken, doch die Stimme in ihrem Kopf protestierte: "Nein, lass Diesen sein! Er ist die Beute eines anderen. - Hinter dir!"



          Die Elfin presste sich mit dem Rücken an den anderen Van und bewegte sich in Deckung vorwärts. Am Heck angekommen wagte sie einen zaghaften Blick in die Tiefgarage. Dank ihrer genetisch vererbten Restlichtverstärkung, war die schwache Beleuchtung für sie kein Problem. Zwei Reihen weiter, hinter einem Jeep versteckte sich ein weiterer Gegner. Sie konnte ihn an dem Helm erkennen, der über die Motorhaube ragte. 
          Für ihren Zauber war das genug. Doch als sie ihn entfesseln wollte, wurde sie unerwartet geblendet, sodass sie für einige Sekunden erblindete.



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          Nicht erst seit ihrem Erlebnis auf den Dächern Kaltenkirchens einige Wochen zuvor, wusste Alyssa die Unterstützung durch einen Feuerelementar zu schätzen. Im Schneidersitz verweilend wob sie den entsprechenden Zauber und registrierte zufrieden, wie sich vor ihr ein schmaler, glühender Spalt öffnete.

          Auch nach all den Jahren, fand sie es faszinierend, wie sich in diesem Bereich Glaube und Wissenschaft die Hände reichten. Viele Mysterien hatte man bereits um die arkanen Künste enträtselt, doch wenn es um die Geisterwelt ging, musste man sich weiterhin auf Legenden, Mythen und wilde Spekulationen verlassen. Angeblich handelte es sich bei den Elementaren um Wesen, die ein Kollektivwissen besaßen. 
          Sollte sich also ein Magier ihrer eigennützig bedienen, um sie zu opfern, würden die anderen Geister das wissen und entsprechend auf ihn reagieren.

          Vor ihr materialisierte sich ein Elementar und verharrte schwebend, um ihre Befehle zu empfangen. Scheinbar hatte sich Lightning bisher keine Feinde in der Geisterwelt gemacht.
          Dieses mal hatte sie darauf geachtet, dass der Elementar nicht wieder wie ein Pornostar aussah. Stattdessen blickte sie eine verzerrte Fratze an, die in einer Art Feuerstelle zu schwimmen schien.


          Sie lächelte und gab dem Wesen seine Befehle. 



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          Sie wusste, dass es nur wenige Sekunden gedauert haben konnte, aber es kam Sunetra wie eine Ewigkeit vor, bis sie endlich wieder etwas sehen konnte. Einer von Lightnings Feuerelementaren hatte ihr die Sicht geraubt und inzwischen hatte der Söldner seinen Kopf außer Sichtweite gebracht.
          Leise fluchte sie über die verpasste Gelegenheit.
Während sie erneut einen prüfenden Blick hinter dem Heck hervor wagte, feuerte der Elementar schräg über ihr auf den Jeep. Der Flammenstrahl traf lediglich die Motorhaube und riss einen nicht unbeträchtlichen Teil des Wagens davon. Augenblicklich fing die Karosserie Feuer und begann die Tiefgarage mit Rauch zu fluten - nicht dass das bei den ohnehin bescheidenen Sichtverhältnissen noch einen Unterschied gemacht hätte.

          Erschrocken fiel der Söldner dahinter ungetroffen zu Boden, rappelte sich wieder auf und versuchte sich in eine andere Deckung zu begeben.       
          "Dieses Mal nicht, Freundchen.", dachte die Elfin und wirkte einen Betäubungsbolzen, der die Distanz zwischen ihnen in Nullzeit überbrückte. Der Gegner verkrampfte sich im Rennen und stürzte zu Boden, wo er liegen blieb.



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          Krachend und mit einem knirschenden Schmatzen schraubte Cone dem Söldner den Kopf um die eigene Achse. Dass der Klügere - und damit meine ich das Genick des Gegners - bekanntlich nach gibt, war für diesen sicherlich kein Trost. Schlaff glitt sein lebloser Körper zu Boden und Largo griff behände nach der MP-5, die auf dem Boden lag. 

          Einige Sekunden zuvor hatte Alyssas Feuerelementar die Bühne betreten und den Jeep zu Klump geschossen. Der Zwerg nahm bereits den Geruch brennenden Plastiks und Motoröls in der Nase wahr. Trotzig lud er die Automatik durch und gesellte sich zu Sunetra, die sich immer noch hinter dem Heck des Lieferwagens befand.
"Damit sollten alle erledigt sein. Machen wir uns hier raus!"
Besorgt schüttelte der Zwerg langsam den Kopf: "Oh nein, Spitzohr! Wir kriegen noch mehr Gesellschaft. Ich höre eine Menge Getrampel aus Richtung der Tür."

          Die Elfin beugte sich weiter vor, konnte aber noch nichts sehen, doch die Stimme in ihrem Kopf bestätigte erfreut, dass sich ihnen neue Beute näherte. Doch wie viele .... und waren dieses Mal auch die Magier dabei? Sie hoffte inständig, dass sie sich nicht von ihrem Ritual abhalten ließen.
          Bevor sie sich einen Plan zurecht legen konnte, wie man am besten fünf Magier aus den Latschen haut, klickte es mehrmals in der Decke über ihnen. 

          Der Rigger hatte schon geahnt, dass diese Schächte exakt zu diesem Zweck da waren, aber er hatte gehofft, dass er sich irrte. 



***



          Da sich der Wagen sowohl als eine hervorragende Deckung, als auch als formidable Möglichkeit für Hinterhalte erwiesen hatte, krabbelte ich unter ihm zu dessen Heck. Dort hoffte ich einen besseren Blick auf das Geschehen in der Garage zu erhaschen. Ich kam in dem Moment an meinem Ziel an, als bedrohliche Geräusche von oben erklangen. Um mehr sehen zu können, zog ich mich noch ein wenig weiter vor und drehte den Kopf - und was ich sah gefiel mir gar nicht.

          Aus der Decke fielen drei bewaffnete Drohnen, die mitten in der Luft anhielten und den Bereich nach Zielen scannten.
          Links von mir ging Cone in Deckung und lud die MP-5 durch, die er dem anderen Söldner abgenommen hatte: "Tja, Cousin, ich würde sagen, dass wir ganz tief in der Scheiße stecken."



          Ich konnte ihm nur stumm zustimmen. Und als die nächste Gegnerwelle die Garage betrat, wurde uns allen bewusst, dass wir hier sterben würden.


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