Sonntag, 10. März 2013

Einmal Schwarzwald und zurück



Kapitel 6 - Das alte Rein-Raus-Spiel
C-Level

          Routine. Das war es, was Paul Adams an seinem Job am meisten schätzte und was er in den letzten achtzehn Stunden so schrecklich vermisst hatte.      
          Seit mehr als drei Jahren leitete er die Sicherheitskräfte der geheimen Forschungseinrichtung mitten im Niemandsland des Schwarzwaldes und nie war es auch nur zu dem geringsten Zwischenfall gekommen. Nie wurden die Experimente der Magier gestört und es gab keine Beschwerden. Herrlich langweilig war es gewesen und darauf war Paul mächtig stolz. Doch seit letzter Nacht stand seine wohlsortierte und geordnete Welt Kopf.        
          Statt Stille erfüllte nun geschäftige Betriebsamkeit die Gänge der Anlage und über jedem Handgriff und jedem Gespräch lag eine ungewohnte Nervosität. Hektisch sicherten die Sesselfurzer unter den Augen der Wachmannschaften alle Daten, katalogisierten das Inventar und packten die wichtigsten Sachen vorsorglich ein. Kurz: man bereitete sich darauf vor die geheime Anlage zu evakuieren, denn sie war nicht länger geheim. Die Flucht der fünf Testpersonen war für seine Abteilung geradezu beschämend gewesen, zumal sie auch noch fünf Tote zu beklagen hatten. Beim Gedanken an die Schreiben, die er den Angehören zustellen würde müssen, wurde Paul wütend.
          Inständig hoffte er, dass das Aufräumkommando, das 'BlackTechs' Mutterkonzern 'AG Chemie' aus Ludwigshafen kurzfristig eingeflogen hatte, erfolgreich war und die Ausreißer finden konnte - auch wenn die Anwesenheit der Söldner ihn an sein Versagen erinnerte.        
          Es beunruhigte ihn, dass sie sich noch nicht zurückgemeldet hatten. Nur zu gerne würde er die Notevakuierung abblasen und die erlittene Blamage zumindest teilweise wieder auszubügeln.   
          Wenn er sich im Augenblick nur nicht so nutzlos fühlen würde.    
          Unschlüssig und nur oberflächlich ging er einige Berichte durch, um erfolglos das Treiben um ihn herum auszublenden, als die Glastür zur Sicherheitszentrale zur Seite glitt und Herbert mit zwei gepanzerten Söldnern  den Raum betrat. Sein Kollege hatte ebenfalls schon bessere Tage erlebt. Ständig fummelte er mit seinen Händen an der Krawatte und blickte ängstlich zu Boden.
Zwei weitere Söldner bezogen vor der Tür Posten. Ein Stein fiel Paul vom Herzen. Beinahe übermütig sprang er aus seinem Bürostuhl auf und grüßte militärisch.
Hoffentlich hatten sie gute Nachrichten

          Der Söldner musste ein Ork sein. Seine Gesichtszüge waren auffallend menschlich, aber die Hauer, die breiten Schultern und die Tatsache, dass er sogar Paul mit seinen ein Meter achtzig um mehr als einen Kopf überragte, waren eindeutige Indizien für seine Herkunft.
Eher lässig als zackig erwiderte der Ork seinen Gruß und nahm den Helm ab. Tatsächlich - er sah relativ menschlich aus.
          Seltsam, dass er sich auf die Schnelle nicht erinnern konnte, dass er ihn am Morgen gesehen hatte, als er die Söldnergruppe vom Privatflughafen im Wald abgeholt hatte. Andererseits war er zu dem Zeitpunkt ganz schön durch den Wind gewesen und hatte sich wohl schlicht keine Details merken können.      
          Am Vormittag war er noch viel zu sehr damit beschäftigt gewesen den Einlauf zu verdauen, den ihm Professor Doktor von Dachau verpasst hatte. Wenigstens war keiner seiner Untergebenen dabei gewesen.      
          Der Söldner starrte ihn eine Sekunden lang grimmig an. Konnte es etwa sein, dass etwas schief gegangen war? Paul schluckte schwer und traute sich kaum zu fragen. Er ermahnte sich Haltung zu bewahren, hustete leise, schielte zum Namensschild seines Gegenübers und begann das Gespräch mit unerwartet fester Stimme: " Nun, was können sie berichten, Herr... äh ... Stapper?"       

          "Dass romantische Waldspaziergänge nicht mein Ding sind.", knurrte der Ork aus einem Mundwinkel zurück. Dabei entblößte er einige scharfe Zähne.  
          Warum mussten Mietsoldaten immer diese 'böser-harter-Kerl-Nummer' abziehen? Das nervte tierisch.   
          Einige Momente des schweigsamen Starrens später, fühlte sich der Metamensch endlich geneigt mit den wichtigen Dingen herauszurücken. "Was die entlaufene Ware angeht kann ich vollen Erfolg vermelden."        
          Sofort hob sich Pauls Laune beträchtlich. Sie hatten sie?! Ein Glück! Damit war sein Kopf aus der Schlinge des Magiers.
          "Ahhh, dachte ich mir doch, dass ihnen das ein Lächeln aufs Gesicht zaubern würde.", schob Stapper hinterher, konnte aber mit dem Seitenhieb die Stimmung nicht mehr trüben.
          "Hervorragend! Sie haben ganz schön auf sich warten lassen..."
          "Ey, wir mussten denen in den Wald nachlaufen. Das waren fast drei Stunden Fußmarsch mit vollem Geraffel am Leib."
          Plötzlich schüttelte sich der Ork vor Lachen und stieß grunzend die Luft durch die Nase aus.

"Sie werden es nicht glauben, aber wir haben diese Vollidioten doch glatt beim Grillen erwischt. Die dachten wohl ernsthaft, dass die Party vorbei gewesen wäre."
Diese Art von Humor konnte Paul nicht teilen, aber er musste dennoch Lächeln. Er konnte es kaum erwarten die guten Neuigkeiten von Dachau zu melden. "Sie hätten ja wenigstens Bescheid sagen können. Wir haben uns schon Sorgen gemacht."   
          "Sorgen?! Um uns? Sie sind gut. - Ich frage mich wie es diese Amateure überhaupt hier raus schaffen konnten.
Auf dem Weg hier rein sind mir im Zufahrtstunnel zur Tiefgarage die Geschütztürme in der Tunneldecke aufgefallen. Warum haben sie die nicht einfach zu Klump geschossen, als sie die Gelegenheit dazu hatten?"
          Sofort fühlte sich der Sicherheitschef in die frühen Morgenstunden zurückversetzt, als von Dachau exakt das gleiche gefragt hatte. Und wieder glich seine Antwort mehr einer Ausrede als einer Erklärung: "Also, wir sind eher darauf eingerichtet, Personen von der Anlage fern zu halten, anstatt sie drinnen festzusetzen. Wir sind schließlich kein Gefängnis. Und außerdem war es mitten in der Nacht. Die meisten Männer der Sicherungsmannschaft waren in ihren Quartieren und als wir erfuhren, dass der Gegner IN der Einrichtung war, war es zu spät die Geschütze zu aktivieren."

          Darauf zog der Ork seine Augen zu Schlitzen zusammen, beugte sich zu ihm herab und stellte ihm die Frage, die er befürchtet hatte: "Und wo waren SIE, als man ihre Basis infiltriert hatte?"
          "Im... im ... Bett. Ich muss doch auch irgendwann mal..."
          Schweiß bildete sich auf Pauls Stirn. "Herbert hier hatte das Kommando." Er kam sich wie ein Feigling vor, als er auf Herbert zeigte, der zusammen schrak. Von Dachau hatte wirklich ganze Arbeit geleistet.
"Was? Das feuchte Handtuch hier? - Öhm, nichts für ungut."
Herbert zitterte am ganzen Leib und wirkte geradezu lächerlich, als er versuchte gelassen auszusehen: "Ach... ist schon OK... Ich kann damit umgehen."         
            "Na lassen wir es mal gut sein mit den Schuldzuweisungen. Wie schaut es mit den Arbeiten am Tunnel aus?"       
          "Nun, da wir die Evakuierung vorbereiten sollten, konnten wir keine Arbeiter freistellen, um den Einsturz zu beseitigen. - Ach Drek! Nun müssen wir mit unserer Forschungsarbeit wieder von vorne beginnen."         
          "Immer noch besser als die gesamte Anlage zu verlieren."
          Da hatte er auch wieder recht. Paul dachte kurz nach. Hatte er nicht kurz zuvor noch etwas wissen wollen? Es war ihm wichtig erschienen, doch es fiel ihm erst nach einigem Nachdenken wieder ein.    

          "Dennoch, es wäre gut gewesen, wenn sie uns bereits unterwegs informiert hätten."       
          Nun verschränkte der Ork seine dicken Arme vor der Brust und lupfte eine Augenbraue. "Sie sind doch schon länger hier, oder? Dann sollte ihnen zum einen bewusst sein, dass es im Schwarzwald nur so vor Funklöchern wimmelt, und zum anderen haben wir nur das Standardprotokoll eingehalten. - Solange keine Probleme auftreten ist bis zur Heimkehr strikte Funkstille zu wahren."   Wieder konnte Paul dem Mann nicht widersprechen, aber irgendetwas war seltsam an ihm, nur dass er es noch nicht richtig in Worte fassen konnte. "Wo sind denn die restlichen Mitglieder ihrer Crew?"        
          Der Ork drehte sich um, sah zu den beiden Söldnern vor der Tür und dann zu seiner schweigsamen Begleiterin.
"Nun, die anderen tüten noch die Sauerei im Wald ein."
"Sie beseitigen also auch die Leichen?"
"Gehört alles zum Service, Meister.", grinste der Söldner und zerstreute wieder einmal Pauls Bedenken. Wahrscheinlich war er nur übervorsichtig.        
          "Kann ich noch etwas für sie tun, bevor sie abreisen?"

"In der Tat. Besteht die Möglichkeit, dass sie die Fahrzeuge der Flüchtlinge zum Flugzeug schaffen lassen könnten? Ich würde sie gerne zur weiteren Auswertung ins HQ mitnehmen."
          "Da muss ich sie leider enttäuschen. Wegen dem eingestürzten Tunnel stecken die Fahrzeuge auf dem Plateau fest. Ich habe Order gegeben die Fahrzeuge zu Verbrennen, damit wir keine Beweise zurück lassen."
       
          Hatte Paul gerade so etwas wie Traurigkeit in den Augen des Orks gesehen? Vielleicht hatte er gehofft sich die Trollhammer für private Zwecke unter den Nagel reißen zu können. Irgendwie fühlte sich der Sicherheitschef nun etwas besser.
          "Kann ich sonst noch etwas für sie tun, Herr Stapper?", fragte Paul gönnerhaft und sah den Ork erwartungsvoll an, doch der antwortete nicht direkt, sondern schien einer Stimme in seinem Komlink zu lauschen.     
          "Guter Einwand! - Ähm, Herr Adams, ich will sicher stellen, dass wir auch wirklich alle erwischt haben. Dazu bräuchte mein Rigger Zugang zu den Kameraaufzeichnungen der letzten Nacht."   
          Der Sicherheitschef dachte kurz darüber nach. Für ihn klang es vernünftig, die Toten aus dem Wald noch einmal zu bestätigen. Wenn er nun von Dachau den Erfolg meldete und sich dann herausstellen sollte, dass noch jemand mit Kenntnis von dieser Einrichtung da draußen rum lief - nicht auszudenken, was der Magier mit ihm anstellen würde.
          "Natürlich. Hier in der Zentrale haben wir derzeit keinen Platz frei. Sie sehen ja, dass noch alles drunter und drüber geht, aber oben auf der T-1-Ebene sollte noch ein freier Zugang sein. Sie bekommen für heute für den Aufzug die Freigabe für die T-Ebenen.         Herbert, sei bitte so gut und bring sie dort hin."         

          Herbert nickte nur und verließ mit den Söldnern die Sicherheitszentrale. Erst als sich die Glastür wieder hinter ihnen geschlossen hatte, erlaubte sich Paul durchzuatmen.
Hauptsache die Söldner verschwanden bald wieder und er konnte die ganze unangenehme Angelegenheit vergessen.


***

          Largo zwinkerte mir verschmitzt zu, als er den Aufzug betrat. Um genau zu sein zwinkerte mir eine astrale Projektion zu.         
          Da das Söldnerteam von 'BlackTech' keinen Zwerg dabei gehabt hatte, zauberte Sunetra vor unserer Ankunft eine physische Maske auf ihn. Statt eines Zwergs lief nun ein schlaksiger Mensch in Rüstung durch die Anlage, und solange niemand Verdacht schöpfte, sollte der Zauber seinen Zweck erfüllen. Unser gesamter Plan basierte auf gutem Schauspiel. Nur wenn wir sie überzeugen konnten, dass wir das Aufräumkommando waren, würden wir hier wieder lebend heraus kommen.   
          Nachdem sich die Fahrstuhltüren geschlossen hatten und Largo mit Sunetra und diesem Herbert verschwunden waren, öffnete ich einen Kanal zu ihnen und flüsterte:
          "Denkt daran: tretet auf, als würde euch der Laden gehören. Söldner sind oft sehr arrogant und glauben immer das Sagen zu haben. Außerdem sind hier alle ziemlich ängstlich und kleinlaut. Unsere Flucht muss für eine Menge Wirbel unter den Angestellten gesorgt haben.
Das Gespräch mit dem Sicherheitschef bestätigt mir, dass die Söldner von außerhalb stammen und sie niemand persönlich kennt. Vermutlich wurden sie von 'BlackTech' eingeflogen.
          Ich begebe mich mit Alyssa zum Zielgebiet. Wir melden uns wieder, wenn wir etwas gefunden haben."      
          Schweigend warteten wir auf die Rückkehr des Aufzugs. Alyssa musste gespürt haben, worüber ich grübelte, denn sie legte mir eine Hand auf den Arm und sah mich tröstend an: "Tut mir echt leid. Ich weiß wie sehr du an deinem Rover gehangen hast."    
          "Ach, was solls - ändern kann ich es nun auch nicht mehr. Ich verbuche es als Kollateralschaden und freu mich lieber, mit heiler Haut davon gekommen zu sein.
Ich mach mir mehr Gedanken darüber, wie ich Cone beibringen soll, dass er ein neues Motorrad braucht."

***

T-1-Level

          Ohne das geringste Geräusch zu verursachen, schwebten die Türelemente des Fahrstuhls in die Wände und gaben den Blick auf einen langen schmucklosen Gang aus Gussbetonwänden frei, den Largo bereits aus der Nacht zuvor kannte. Schweigend folgte er mit Sunetra dem Angestellten. Der Zwerg ermahnte sich vorsichtig zu sein. Bisher hatten sie Glück gehabt, aber das konnte genauso gut jeden Moment enden. 

          Vor etwa zwei Stunden, als sie ihre neue Ausrüstung auspackten, hatten sie zuletzt Kontakt mit Herrn Rabe. Er mochte kein besonderer Sympathieträger sein, aber die Spielzeuge, die er ihnen geschickt hatte, waren erstklassig. Neben den beiden Kampfdrohnen, hatte er jeden von ihnen mit Mikrodrohnen ausgerüstet, die den gesamten Run aufzeichnen würden. Zusätzlich gab es ein Erste-Hilfe-Set und einige Waffen dazu.  
          In den Transportern des Liquidationsteams fanden sie schließlich noch Blut und Einschussloch freie Schutzwesten und Körperpanzer.  
          Derart verkleidet hielt sie nicht einmal der Wachmann in der Schlucht auf, der seinen Dienst in der kleinen Wellblechhütte versah, die sie auf ihrer morgendlichen Flucht passiert hatten. Er ahnte nicht einmal, dass im Heck der Transporter je eine Kriecherkampfdrohne auf ihren Einsatz warteten. Amüsiert schmunzelte der Rigger, denn 'Drohne' war schon ein fast zu filigranes Wort für diese Panzer in Miniaturausgabe.         
          Auch die Barriere um die Anlage herum, war nach den Angaben der Elfin inzwischen verschwunden. Auf der Fahrt hierher, hatten sie ihren Schlachtplan ausgearbeitet. Er sah vor möglichst leise vorzugehen, da unklar war, mit wie vielen Streitkräften sie es zu tun bekommen würden. Doch wie sollten sie unbemerkt hinein kommen?      
          Protokolle haben in der Regel den Zweck Abläufe so zu gestalten, damit ein Mindestmaß an Qualität oder Sicherheit gewährleistet wird. Wenn es um Spionage und Infiltration geht, kann das beste Protokoll allerdings zum Bumerang werden, wenn es nicht länger geheim ist. Unverständlicherweise, aber nützlich für Shadowrunner, lernen Konzerne beziehungsweise deren Angestellten nur zögerlich dazu. Auf dem ungeschützten Bereich des Komlinks eines toten Söldners befanden sich einige Sicherheitsprotokolle für die 'Life Research'-Anlage von 'BlackTech'.
          So sahen Außeneinsätze wie dieser vor, strikte Funkstille zu wahren und erst bei Erreichen des Hauptquartiers die Kanäle zu öffnen. Die KI der Einrichtung würde dann von selbst agieren.

          Sunetra hatte zunächst ihre Zweifel, ob das klappen würde, aber tatsächlich: kaum dass sie sich dem im Fels versteckten Tor näherten, öffnete Largo die Komfrequenzen und der Weg in den Tunnel wurde freigegeben.
In der Tiefgarage hatten sie ihre Transporter geparkt und die Laderaumtüren nur angelehnt, damit die Drohnen im Zweifelsfall raus konnten. Als sie die Garage verlassen wollten, lief ihnen Herbert in die Arme, der sie sogleich zur Sicherheitszentrale gebracht hatte. Ob der Kerl immer so nervös war?

          Der stellvertretende Sicherheitschef öffnete eine Tür, hinter der ein spärlich eingerichteter Raum lag. Darin befand sich ein weiterer Bürohengst, der auf mehrere in die Luft projizierte Bildschirme starrte. Erschrocken drehte er sich auf dem Stuhl um.      
          "Ach sie sind es nur. Was gibt es denn?"        
"Diese Herren benötigen Zugriff auf die Aufzeichnungen der letzten Nacht.", informierte Herbert den Angestellten. Der nickte und betätigte einige Tasten, sodass sich die Anzeige auf den virtuellen Schirmen veränderte.
          Unmissverständlich gab der Zwerg dem lediglich mit einem Hemd und einer Krawatte gepanzerten Opfer mit einer unwirschen Handbewegung zu verstehen, dass er den Stuhl zu räumen hatte. Gehorsam verkrümelte er sich zu seinem Boss und der Rigger machte sich an den Kontrollen zu schaffen.          
          Sein Ziel war es alle Aufzeichnungen zu finden, auf denen sie zu sehen waren, sie zu markieren und anschließend zu löschen.      
          "Warum hab ich hier nur Zugriff auf die Kameradaten der Ebenen T-1 und T-2?", knurrte er Herbert an, der wie erwartet zusammenfuhr.   
          "Nun, der Kollege hat keinen Zugriff auf die anderen..."
          "Ich brauche ALLE Daten! Sonst kann ich nicht sicher gehen, dass wir alle identifiziert und ausgeschaltet haben!"  "Vielleicht, wenn ich ihnen meinen Zugriff gebe?!", stotterte der Mensch.  
          "Ich bitte darum! Je eher ich fertig bin, umso schneller sind wir hier wieder weg."
          Mehr Motivation brauchte Herbert nicht. Mit wenigen Handgriffen hatte er sich im System eingeloggt und Largo konnte sich wieder den Bildschirmen zuwenden. Den Dicken zu markieren machte deutlich mehr Spaß als mit eingekniffenem Schwanz davon zu laufen.     
          Zufrieden verschaffte er sich einen erneuten Überblick. Er lächelte schmal und öffnete unauffällig einen Kanal zu Hendrik und Alyssa.

***

T-2-Level

          "Ich dachte ich bekäme vollen Zugriff auf die Kameras. ... Ach auf den Ebenen M-1 und M-2 sind gar keine? Ah, OK.", erklang Largos Stimme in Hendriks Kopfhörer.
          "Danke, Mann, das wird unsere Arbeit erleichtern! Gute Arbeit!   
          Bin mit Alyssa auf T-2 angekommen. Da wir keine Fahrstuhlfreigabe für die M-Level haben, nehmen wir das Treppenhaus."
          "Drek!", fluchte die Magierin an meiner Seite.
"Schon gesehen. Nun ganz ruhig bleiben. Ich regel das."
          Vor uns standen zwei Wachmänner mit dem Rücken zu uns und sahen ziemlich verloren drein. Was zum Teufel sollten die schon bei der Kantine bewachen?
Als sie unser Näherkommen bemerkten, drehten sie sich hastig um, grüßten militärisch und gingen in Habachtstellung.
          Ich erwiderte ihren Gruß: "Stehen sie bequem!"      
Doch als ich weiter gehen wollte, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, wagte es der größere der beiden tatsächlich mich anzusprechen: "Wo wollen sie hin?" 
          Für die bestmögliche Wirkung fror ich meine Bewegungen augenblicklich ein und drehte mich ganz langsam zu ihm um. Dabei spannte ich alle Muskeln meines Körpers an, in der Hoffnung, dass er ihre Bewegungen unter meiner Kleidung bemerkte. Und mit jeder Sekunde, die ich länger benötigte, um mich zu drehen, wurde er rastloser.
Zufrieden bemerkte ich, dass sein rechter Fuß etwas zitterte.
          "Ich komme gerade von einer sehr anstrengenden Mission, auf der wir IHRE Scheiße aufräumen mussten. Wir sind gerade erst zurück gekehrt und ich hab eine Mordslaune. Wenn es ihnen genehm ist, werde ich mir nun im Treppenhaus eine Zigarette gönnen - oder wollen sie mir diese kleine Freude auch noch nehmen?"     
          Ich glaube, wenn ich noch ein Wort mehr gesagt hätte, wäre er weggerannt. So schluckte er nur hörbar und verneinte meine Frage mit einer hektischen Kopfbewegung.         "Na also!", brummte ich nun etwas versöhnlicher und setzte meinen Weg fort. Alyssa war so verblüfft, dass sie zunächst Schwierigkeiten hatte Schritt zu halten. "Meinst du nicht, dass du etwas übertreibst?"         
          "Keine Sorge. Ich kenne mich mit der Sorte aus. Sobald jemand kommt, der in der Hackordnung über ihnen steht, werden die meisten schnell kleinlaut."         
          An der Tür zum Treppenhaus angekommen, drückte ich die Klinke, aber nichts passierte. Solange die Wachmänner im Gang standen konnte ich schlecht das Schloss knacken. Andererseits, vielleicht musste ich das auch nicht.
          Ohne zu den Wachmännern hinzuschauen, riss ich einen Arm hoch und zeigte auf sie: "SIE! SOFORT HERKOMMEN!"
          Wie von der Tarantel gestochen kam der Lange zu uns geeilt: "Ja, was kann ich für sie tun?"     
          Nun schwenkte ich den Arm mit dem gereckten Zeigefinger auf die Tür vor mir: "WARUM IST DIESE TÜR VERSCHLOSSEN? ICH KANN SCHLECHT IN RUHE EINE RAUCHEN, WENN SIE DIE TÜREN ABSCHLIESSEN."  
          Meine Stimme ließ den Mann erbleichen. Mit zitternden Händen kramte er aus seiner Hosentasche ein Schlüsselbund und öffnete uns die Tür. Alyssa ging zuerst durch, dann folgte ich ihr. Beim Rausgehen klopfte ich dem Kerl noch auf die Schulter und lächelte ihn an: "Guter Mann! Sie kann man gebrauchen."     
          Nervös starrte er zurück ohne Anstalten zu machen zu seinem Posten zurück zu kehren.  
          "Was wollen sie noch hier? Ab, Marsch - Marsch!"    

Der Mann verschwand und ich zog die Tür hinter mir zu.
          Viel zu vorhersehbar.

M-1-Level

          Der Dietrich fand den letzten Stift, ich hebelte ihn sanft darunter und entriegelte das Schloss. "Et voilà!"
"Ich dachte schon, das dauert noch länger und ich muss den Wachmann von oben holen.", stichelte Alyssa, als sie an mir vorbei in den Flur ging.   
          "Scherzkeks!"
Wie in der Nacht zuvor, bereitete mir die pure Anwesenheit auf dieser Ebene Unbehagen. Hoffentlich war niemand im Ritualraum und wir konnten ihn in Ruhe untersuchen. Schnellen Schrittes ließen wir den bogenförmigen Gang, an dessen Wand in großen Lettern die Aufschrift 'Artenzucht' prangte, hinter uns und standen kurz darauf vor einer Tür.
Alyssa askennte die Tür, um vorhandene magische Fallen aufzudecken.
          "Durch die gesamte Wand läuft ein magischer Bannkreis, der mit dieser Tür geschlossen werden kann. Derzeit ist er aber offen."         
          "Dann lass uns rein gehen!"       
"Pass auf! Etwa drei Meter in den Raum rein, beginnt eine Astralbarriere."

            Vorsichtig öffnete ich die unverschlossene Tür und erblickte einen kleinen Zwischengang, der als Umkleidekabine diente. Auf der linken Seite stand ein schmaler Schrank und gegenüber waren mehrere Kleiderhaken angebracht worden. Vermutlich hingen im Schrank die Ritualroben der Magier. Auf leisen Sohlen schlich ich hinein, mit Lightning direkt hinter mir.
Vor der nächsten Tür wartete ich auf Lightnings Untersuchungsergebnis:
          "Sorry, ich kann dir nur sagen, dass direkt dahinter die Astralbarriere beginnt."     
          "Auf was reagiert sie?"    
"Jeder, der nicht befugt ist hier herein zu gehen, wird einen Alarm auslösen, wenn er es trotzdem tut."         
          "Hmm... was ist mit anorganischem Material?"       
"Das ist egal. - Ahhh, du willst deine Drohne rein schicken?"
          "Schlaues Mädchen.", brummte ich und drückte sanft die Türklinke herunter. Nur einen Spalt weit zog ich sie auf, aber was ich zu sehen bekam ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.
          Der Ritualraum war kreisrund. In seiner Mitte war ein etwas tiefer gelegenes Rund eingelassen. Die Wände waren von Ruß schwarz verfärbt und wo er noch nicht das Kommando übernommen hatte, waren sie blutrot. In regelmäßigen Abständen waren Fackelhalterungen und ornamentierte Metallplatten eingearbeitet worden. Fünf rechteckige Steine, die wohl als Bänke dienen konnten, standen in auf dem höheren Rund, und alte, vollgestopfte Bücherregale hatten sich dazu gesellt. 
          Vorsichtig nahm ich die Mikrodrohne von meiner Schulter und sprach leise ins Komlink: "Largo, aktivier den automatischen Filmmodus meiner Drohne!" 
          Ich wusste, dass er oben nicht frei sprechen konnte, aber als sich der kleine Roboter in den Raum bewegte, wusste ich, dass er mich gehört hatte. Leise schloss ich die Tür wieder und verfolgte den Weg der Drohne über ihre eingebaute Kamera. Von der Decke aus hatte man den besten Überblick.     
          In der tiefer gelegenen Mitte war der Boden aus einem schwarzen Stein gefertigt, vielleicht Onyx. Darin eingelassen waren metallene Runen, die ein Pentagramm umflogen. Der gesamte Raum wirkte auf schreckliche Art so mittelalterlich, dass ich befürchtete, die Inquisition würde jeden Moment hereinschneien.     
          Ein Mann in Robe befand sich ebenfalls im Raum. Scheinbar zeichnete er etwas mit Kreide auf den Boden.         
          "Da, siehst du den Altar hier vorne?" Alyssa zeigte auf einen Punkt in der Übertragung. "Du meinst das Buch?"   
          "Ja, das ist ein Grimoire, ein Zauberbuch. Laut der Zielmarkierung von EVO, müssen wir es mitnehmen."        
Zunächst konnte ich den Marker auf der Übertragung nicht entdecken, aber Lightning hatte recht.      
          "Mist! Das bedeutet, dass wir da auf jeden Fall rein müssen und dann Alarm auslösen werden."
          "Richtig."
Nie konnte es einfach werden. Es war zum Mäuse melken.
"Komm, lass die Drohne weiter aufzeichnen. Wir schauen uns die Ebene unten genauer an. Vielleicht haben wir da mehr Glück."

***

T-1-Level

          Die Suche nach allen Aufnahmen von ihrer Truppe, war gar nicht so einfach. Dadurch, dass Sunetra bei ihrem ersten Besuch unsichtbar gewesen war, musste er aufpassen, keine Türen zu übersehen, die sich von alleine bewegten.
          Dafür hatte Largo jede Menge Aufzeichnungen sicher stellen können auf denen Höllenhunde, Barghests und sogar der gefangene Wendigo zu sehen war.         
          Zum ersten Mal seit fast zehn Minuten meldete sich Hendrik wieder über das Komlink: "Largo, wie weit bist du?"          "Knapp siebzig Prozent hab ich durch."
"Sehr gut. Sunetra, komm bitte runter auf die nächste Ebene. Wir treffen uns in der Kantine zu einer kleinen Krisensitzung."
          Die Verbindung wurde unterbrochen und der Zwerg konzentrierte sich wieder auf seine Arbeit.   
          "Kommst du alleine klar?", wollte Sunetra wissen.
"Mach dich ab! Hier bist du mir eh keine Hilfe."

***

T-2-Level

          Behutsam setzte ich die randvollen Tassen auf dem Tisch ab, damit nichts von der lauwarmen Brühe, die sich Kaffee schimpfte, überschwappte.   
          "Greift zu Mädels! Es sieht ölig aus, riecht wie alte Socken und schmeckt zum Kotzen, aber wir haben reichlich davon da."     
          Immerhin sparten die Hersteller von SoyCaf nicht an Koffein, was ehrlich gesagt dem Zeug auch die einzige Daseinsberechtigung verlieh. Wir mussten alle unsere Sinne beisammen haben, wenn wir das hier ohne Verluste durchziehen wollten.       
          "Was habt ihr raus gefunden?", wollte Sunetra wissen. Alyssa stellte ihre Tasse ab und fuhr sich mit der Zunge über ihre Lippen. "Der Ritualraum ist mit einer Astralbarriere versiegelt und die Quartiere sind wie wir schon befürchtet hatten Refugien. Im Ritualraum müssen wir ein Grimoire bergen und die Quartiere sollen wir laut den Markern alle durchsuchen."
          "Na super! Also egal wo wir anfangen: der Gegner wird alarmiert sein und dann ist die Kacke am dampfen."
          "Außerdem waren zwei Wachen vor den Privatgemächern postiert. Die müssen wir zuerst los werden. Ich weiß nur noch nicht wie."       
          Die menschliche Magierin rieb sich die Seite, die seit dem Gefecht im Wald mit Blutergüssen übersät war.
"Ich bin zwar wieder relativ fit, aber ich weiß nicht, ob ich es mit vier Magiern aufnehmen kann. Und bei dieser Merkerich können wir davon ausgehen, dass die eine harte Nuss wird."
          "Hier sind nur noch zwei Magier."        
Wir sahen die Elfin verblüfft an: "Bitte?!"       
          "Als ich mit Largo oben war, hat sich dieser Herbert mit dem Hansel im Kameraraum unterhalten und so wie es aussieht ist nicht nur von Dachau abgereist, sondern auch Frau Merkerich und noch ein weiterer Zauberkundiger. Es bleiben also nur noch zwei übrig."       
          Fix checkte ich die Aufnahmen, die die Mikrodrohne aus dem Ritualraum an mein Komlink streamte und auf der Innenseite meiner Sonnenbrille angezeigt wurden. "Unser da Vinci bemalt immer noch den Boden. Wo der eine ist wissen wir schon mal."     
          Besorgt kratzte sich Alyssa am Kopf: "Wäre nur die Frage wer der andere ist und wo er sich herum treibt."
Kaum hatte sie ihren Satz beendet, stolperte Fortuna in Gestalt eines Mannes in den Vierzigern durch die Tür. Er sah sich kurz für einen Realitätsabgleich um und vergewisserte sich, dass gerade ein Ork, ein Mensch und eine Elfin in voller Ausrüstung um einen Tisch versammelt waren.       
          "Ähm, guten Tag. Ich suche das Einsatzteam aus Ludwigshafen. Sie gehören nicht zufällig zu ihnen?"   

          Gut gelaunt hob ich meine Tasse: "Sie haben uns gefunden! Was können wir für sie tun?" 
          "Ich habe von Herrn Adams gehört, dass sie zurück sind und hätte gerne gewusst, ob sie auch Blut- und Gewebeproben der Zielpersonen mitgebracht haben."       
          "Tut mir leid, wir haben keine bei uns, aber der Rest von unserem Team war noch am Aufräumen und werden die kompletten Körper bzw ihre Reste mitbringen. Ich denke die werden jeden Augenblick hier eintreffen."     
          "Sehr gut. Seien sie bitte so gut und bringen sie nur einige Proben in mein Quartier auf der Ebene M-2. Mein Name ist übrigens Hillmanns." 
          "Machen wir doch glatt, Herr Hillmanns."      
Als er wieder aus der Tür schlüpfen wollte, hielt Sunetra ihn auf: "Nur aus purer Neugier: Wofür brauchen sie denn solche Proben? Wollen sie ihren Tod feststellen?"        
          Über Sunetras gestellte Unwissenheit musste der Magier müde lächeln. "Nein, natürlich nicht. Es waren zwei magisch Aktive unter ihnen. Ich will überprüfen, ob sie ein Refugium hatten und wo es sich befindet."
          Sie tat so als hätte sie keinen blassen Schimmer worüber er gesprochen hatte und meinte nur: "Ah... klingt spaßig!"
          Nun verdrehte er die Augen und zog hinter sich die Tür zu. Alyssa gluckste vergnügt: "Damit hätten wir auch Nummer zwei."   
          "Alyssa, wie ist es eigentlich, wenn wir das Refugium eines toten Magiers betreten? Werden dann die anderen das dann ebenfalls mitbekommen?"        
          Sie grinste und winkte mit dem Zeigefinger: "Böser, böser Ork! Hast du etwa vor, was ich denke?"         
          "Worauf du einen lassen kannst!"        
"OK, ihr zwei Witzbolde wollt Hillmanns aus dem Weg räumen. Und dann? Spätestens wenn wir unsere Suche fortsetzen, wird doch wieder Alarm ausgelöst."         
          "Das ist richtig. Dann ist aber nur noch ein Magier übrig, der uns das Leben schwer machen kann."    
          Die Elfin verschränkte daraufhin die Arme und lehnte sich zurück: "Ich glaube, es wird langsam Zeit, dass wir unsere Ablenkung einsetzen."

          Damit hatte die Japanerin gar nicht mal unrecht. Nach unserem Scharmützel im Wald, fanden wir unter der Ausrüstung unserer gedungenen Mörder auch eine Aufklärungsdrohne, die zum Arsenal der 'Life Research/BlackTech'-Anlage gehörte. Auf unserem Weg in die Schlucht schickte Largo die Drohne über den Wald nahe der Stelle, an der uns der Höllenhund überfallen hatte, wo sie seitdem ihre Kreise zog und auf weitere Anweisungen wartete. Sunetra beschwor einen Wassergeist, der sich in der Nähe postiert hatte und auf ihren Befehl zum Angriff wartete.
          Zusammen ergaben sie unser Ablenkungsmanöver. Da die Drohne Teil der Abwehrstruktur der Einrichtung war, würde ihr Alarm nicht ignoriert werden. Der Gedanke dahinter war möglichst viele Gegner von hier wegzulocken, um ohne große Gegenwehr unsere Missionsziele abhaken zu können.

          "Largo, wie ist dein Status?", fragte ich den Zwerg über Komlink.         
          "Hab knapp 85 Prozent durchgesehen."         
"Gut, gib der Drohne das Signal. Es wird Zeit, dass Bewegung in den Laden kommt."

***

C-Level

          Paul Adams Welt war wieder in Ordnung. Seit seinem Gespräch mit diesem impertinenten Orksöldner, hatte sich sein Blutdruck normalisiert und in der Sicherheitszentrale ging alles wieder seinen gewohnten Gang. Statt der nervösen Hektik des Tages, herrschte wieder eine Atmosphäre ruhigen konzentrierten Arbeitens vor. So saß er nun an seinem Schreibtisch, sah aktuelle Berichte durch und schlürfte an einer Tasse mit heißem Earl Grey. Zufrieden registrierte er die Meldung über die Vernichtung der Fahrzeuge, die er angeordnet hatte. Sehr gut. Falls jemand nach den Touristen suchen würde, könnte er sie zumindest nicht mehr über ihre Fortbewegungsmittel aufspüren.     
          "Herr Adams!", rief einer der Sesselfurzer, der sich halb hinter seinem Monitor zu verstecken versuchte. Natürlich war das blödsinnig, denn dieser Bildschirm war wie fast alle in dieser Anlage lediglich eine AR-Projektion. Sobald man die Kontaktlinsen oder Brillen entfernte, die dem Auge den Blick auf die Augmented Reality ermöglichten, verschwanden auch alle Projektionen aus dem Sichtfeld. Paul hätte also nur seine Brille abnehmen müssen, um den Tastaturschubser voll sehen zu können.         
          Leicht genervt kratzte er sich am stoppeligen Kinn. Es half ja alles nichts. Mal sehen, was Koslowski wollte. Paul stand auf und ging zu ihm herüber.      
          "Was gibt es denn?"        
"Herr Adams, in Abschnitt 4-C wurde von einer unserer Flugdrohnen Perimeteralarm ausgelöst."       
          Sofort war die Nervosität wieder da, die ihn den ganzen Tag im Griff gehabt hatte. Ruhe bewahren! Er durfte nicht panisch werden - nicht jetzt.       
          "WAS?! - Das ist doch in der Nähe des eingestürzten Tunnels, oder nicht?"         
          "Das ist korrekt, Herr Adams." Paul rieb sich die Nasenwurzel zwischen Daumen und Zeigefinger. Er musste einen kühlen Kopf bewahren.        
          "OK, gibt es nähere Informationen?"   
Sofort ließ Koslowski, der Sesselfurzer, die Finger über die ebenfalls im AR projizierten Tasten fliegen und rief einige Menüs auf. "Es handelt sich wohl um eine magische Manifestation. - Ein Wassergeist eventuell."       
          "Schicken sie zwei Teams hoch, die sich das ansehen sollen. Und am besten geht noch einer der Magier mit."

          Noch einmal würde sich Paul Adams nicht an der Nase herumführen lassen. Dieses Mal ging er auf Nummer sicher.

***

T-2-Level

          Amüsiert tranken wir unseren SoyCaf und lauschten dem Getrappel auf dem Gang. Es klang, als wollte Adams eine ganze Division nach Draußen schicken. Plötzlich öffnete sich die Tür zur Kantine und der lange Wachmann, den ich so schön zusammen gefaltet hatte, steckte seinen Kopf herein.
          "Es wurde Alarm ausgelöst. Wollen sie nicht lieber auch mitkommen?"  
          Ich hatte so einiges vor, aber DAS garantiert nicht. Also fixierte ich ihn und mit stach meinem Finger in seine Richtung: "Junger Mann! Das ist IHRE Chance zu zeigen, was sie können. Sie haben jetzt die Gelegenheit ihre blamable Leistung von letzter Nacht wieder wett zu machen. - Und ich weiß, dass sie das können."         
          Offensichtlich hatte er wieder einen Anschiss erwartet, denn er schaute zunächst überrascht drein, grinste dann aber über beide Backen.
          "Ich werde sie nicht enttäuschen!" Und damit verschwand er wieder.    
          "Ach es ist doch immer wieder schön zu sehen wie berechenbar Beschränktheit ist."         
          Die nächsten Minuten warteten wir noch ab bis es wieder ruhig geworden war. Ein Blick auf die Übertragung aus dem Ritualraum zeigte, dass sogar der Magier losgeschickt worden war. Perfekt!      
          Nun war es an der Zeit zu Handeln. Über das leere Treppenhaus schlichen wir sodann zwei Stockwerke tiefer zu den Privatgemächern der Magier.

M-2-Level

          Unser Plan hatte schon einmal insoweit funktioniert, dass die Wachen auf dieser Ebene ebenfalls abgezogen worden waren und wir nun ungestört waren. Kaum näherten wir uns dem Flur mit den Quartieren, ploppten im AR Hinweisschilder auf, die uns anwiesen die Räume zu durchsuchen. Doch zuerst mussten wir uns noch um einen gewissen Magier kümmern.       
          "Hillmanns, so hieß er doch, oder?", flüsterte Lightning.
"Korrekt. Also wir machen es so: ich klopfe, wenn er aufmacht übergebe ich dieses Tütchen und behaupte, dass die Proben darin wären. Wenn er wieder rein gehen will, schnapp ich ihn mir und würge ihn bewusstlos."         
          Alyssa überlegte kurz und präsentierte dann einen Alternativplan: "Meinst du nicht, es wäre besser, wenn ich die Proben übergebe und du schlägst zu, wenn er sie mir aus der Hand nimmt?"         
          "Können wir auch machen. Sunetra? Hast du einen Vorschlag?"
Die Elfin hob abwehrend die Hände: "Macht ihr nur, wie ihr denkt."
          "Gut."



          Ich wollte gerade anklopfen, als Alyssa mich auf hielt: "Warte!"
          "Was denn?"
"Sollen wir vielleicht lieber ein Signalwort zum Zuschlagen benutzen? Sowas wie: 'Himbeerpudding'? Nicht dass du zu früh..."
          "Himbeerpudding? Was hat der denn hiermit zu tun?"
"Ach kam mir nur grad so in den Sinn. - Klopf schon an!"  
          Genervt verdrehte ich die Augen und klopfte dreimal fest an die Tür. Wenige Augenblicke später näherten sich Schritte und Hillmans stand in der Tür.         
          "Ah, sehr gut. Sie haben ..."                
Völlig unerwartet zerriss eine keifende Salve aus einer Maschinenpistole den Brustkorb des Magiers und gellte bösartig durch den Flur. Überrascht sackte er zusammen und gab noch ein paar gurgelnde Laute von sich, bevor er für immer schwieg.      
          Alyssa und meine Wenigkeit schauten verblüfft auf die rauchende Mündung von Sunetras MP und dann zu ihr.
"Was sollte das denn?!"   
          "Euer Gequatsche hat mich nervös gemacht."
Kopfschüttelnd trat ich über den Leichnam und sah mich in seiner Bude um. An mehreren Stellen waren im AR Gegenstände zur Untersuchung markiert. Alles Zaubererkrempel von dem ich keine Ahnung hatte. Das mussten die Mädels tun.         
          "Du weißt schon, dass irrationale, total wahnsinnige Aktionen MEIN Spezialgebiet sind, oder?", beschwerte sich Alyssa bei der Elfin. Die tätschelte nur ihren Arm und kam ebenfalls in den Raum.   
          "Ja, aber bei mir funktionieren sie auch."      
"Bevor ihr den Raum hier auseinander nehmt: Wie viel Zeit meint ihr, haben wir, sobald ihr die Quartiere der lebenden Magier betretet?"    
          "Zwei, vielleicht drei Minuten. Kommt drauf an, ob die Magier wach sind und ein Komlink greifbar haben.", schätzte Sunetra.
          "In dem Fall solltet ihr euch nur die Räume von diesem von Dachau und der Merkerich vornehmen. Dort sollten wir die wichtigsten Dinge finden. Ich geh hoch zum Ritualraum und werde dort auf euer Signal warten. Am besten gehen wir gleichzeitig vor."   
          Die Frauen sahen sich kurz an und nickten mir dann zustimmend zu. "Sehr gut. Dann wollen wir mal sehen, ob wir unsere Bestzeit unterbieten können."

***

C-Level

          Gespannt wartete Paul Adams in der Sicherheitszentrale drauf, dass die Einsatzteams das Waldstück erreichen würden, in dem der Alarm ausgelöst wurde. Vielleicht sah er nur Gespenster - innerlich musste er über die Absurdität dieser Redewendung lachen; schließlich trieb sich dort ein vermeintlicher Geist herum. Nur war er gerade erst beschworen worden oder existierte er schon länger? Im Schwarzwald lebten viele erwachte Kreaturen, angezogen von der magischen Hintergrundstrahlung. Es konnte also gut sein, dass es sich um einen bloßen Zufall handelte. Aber wenn er erst kürzlich in diese Welt gerufen worden war, würde es bedeuten, dass man sie angriff.        
          Doch er würde noch einige Minuten warten müssen, bis er Gewissheit hatte. Und bis dahin verwendete er all seine Energie darauf nicht an seinen Fingernägeln zu kauen.
Fast wäre er vor Schreck an die Decke gesprungen, als ein Klingeln in seinem Ohr einen Anruf ankündigte. Bevor er abhob riskierte er einen Blick auf die Anruferdaten. Professor von Dachau. Was wollte der denn? Oder hatte ihn jemand aus der Zentrale insgeheim informiert?
Mit einem flauen Gefühl im Magen nahm er den Anruf entgegen: "Adams. Was kann ich für sie..." 
          "Welcher Idiot rennt in meinem Quartier herum? Da hat niemand etwas zu suchen!"      
          "Bitte?!" Wovon sprach der Mann?       
"Ich weiß nicht was sie meinen. Sind sie sicher?"
          "Natürlich bin ich sicher, sie Idiot! Schauen sie gefälligst nach und dann will ich wissen, wer das war!"
          Adams stotterte verunsichert ein 'Ich kümmere mich sofort darum.' ins Mikro, woraufhin der Magier die Verbindung trennte.        
          Nicht weniger verunsichert rief Koslowski ihn zu sich.
"Nicht jetzt!" Paul wandte sich ab und bewegte sich einige Schritte auf die Tür zu, aber der Angestellte ließ nicht locker.
          "Aber Herr Adams! Es ist wichtig!"       
"Es muss warten!" Wichtiger war, dass er sich nach M-2 begab und herausfand, was los war.
          "Frau Doktor Merkerich hat angerufen." Erschrocken gefror Adams in der Bewegung. Er erkundigte sich nach ihrem Anliegen, aber er wusste schon bevor Koslowski es ihm sagte, worum es ging.       
          "Sie war sehr aufgebracht, weil angeblich jemand in ihr Quartier eingebrochen wäre."       
          Der Sicherheitschef wusste nun definitiv, dass sie Infiltriert wurden. Schnellen Schrittes begab er sich zu Koslowski: "Schicken sie vier Mann hoch. Sie sollen bei Kontakt sofort das Feuer eröffnen! Und beordern sie die Teams aus dem Wald zurück. Was auch immer dort vor sich geht ist nur eine Ablenkung."       
          Zufällig warf er eine Minute später einen Blick auf den benachbarten Arbeitsplatz, an dem einige Kameras überwacht wurden. Was Paul sah, ließ es ihm eiskalt über den Rücken laufen. Er sah Herbert blutüberströmt in den Flur stürzen. Sein Stellvertreter kam ins Taumeln, brach zusammen und blieb regungslos liegen.
Sofort checkte er die anderen Übertragungen, aber der Schütze war nicht zu sehen.         
          "Ich hab es mit anders überlegt! Das Team soll sich nach T-1 begeben."
          "Jawohl, Herr Adams."

 Paul fühlte instinktiv, dass die nächsten zehn Minuten über seine weitere Karriere entscheiden würden und er hatte nicht vor arbeitslos zu werden - oder schlimmeres.        
          "Und schicken sie ein Team in die Tiefgarage und aktivieren sie die Geschütze im Tunnel. Falls sie uns entwischen sollten, haben wir sie spätestens dort in der Falle."

***

T-1-Level

          Einhundert Prozent. Die Zahl blinkte neckisch am unteren rechten Rand der Anzeige. Der Zwerg hatte alle Aufzeichnungen, die er löschen wollte markiert und forderte mit zwei Handbewegungen das System dazu auf, den digitalen Shredder anzuwerfen.
          "Was tun sie da?!", rief Herbert in seinem Rücken. Mist, Largo hatte gehofft, dass sie es nicht sehen würden. Ohne viel Federlesens riss er sein Sturmgewehr hoch und zog den Abzug durch. Der stellvertretende Sicherheitschef reagierte schneller als erwartet und brachte sich mit einem Hechtsprung aus der Schusslinie - und opferte dadurch den Angestellten hinter ihm.    
          Blutrote Blüten sprossen auf seiner Brust als die Projektile ein tödliches Blumenbeet zauberten. Herbert sprintete ohne auf seinen Kollegen zu achten zur Tür, riss sie auf und gab Fersengeld. Der Zwerg bemühte seine viel zu kurzen Beine und trat wenig später auf den Flur. Der Flüchtende war schon fast am Quergang zum Aufzug angekommen, doch zwei kurze Salven spielten mit ihm Fangen und gewannen mühelos.
          Immer noch wurden Kameradaten an sein Komlink übertragen, das noch über Herberts Zugang mit dem System eingeloggt war. Als er starb registrierte die KI das und kappte sofort die Verbindung. Zuvor aber konnte Largo noch sehen, wie vier bewaffnete Männer den Aufzug betraten.

          "Beeilt euch! Ein Abfangteam ist mit dem im Lift unterwegs. Ziel unbekannt."
Sunetras Stimme erklang am anderen Ende: "Wir sind fertig und gehen zum Treppenhaus."       
          "Bin ebenfalls unterwegs.", bestätigte Hendrik. "Largo, schick die Drohnen los! Die bekommen bestimmt gleich Besuch."
          "OK, treffen uns dann unten."    

Auf seinem Weg zur Treppe warf der Zwerg den verbrauchten Clip aus dem Sturmgewehr und steckte einen neuen hinein. Aus dem Flur trat er in den breiten Gang mit den Türen zu den Critterzwingern. Er betete inständig, dass sie nicht losgelassen wurden und dass die Tür zum Treppenhaus nicht abgesperrt war.           
          Was er allerdings sah, als er näher kam, ließ ihn grinsen. Zwei Wachen hatten ihm die Arbeit abgenommen und die Tür aufgeschlossen. Angestrengt blickten sie nach unten und versuchten herauszufinden, ob sich dort jemand aufhielt.      
          "Hey! Stehen bleiben oder ich schieße!", brüllte einer nach unten. Doch bevor er den Abzug durchdrücken konnte, zerfetzten mehrere Kugeln sein Rückgrat und ließen ihm über die Brüstung taumeln. Entsetzt konnte sein Kamerad nur mit ansehen, wie er in die Tiefe fiel.   
          Largo gab ihm keine Gelegenheit sich zu wehren.

***

Treppenhaus

          "... oder ich schieße!", drohte es laut von oben, sodass ich mich Schutz suchend an die Wand presste. Galt es mir oder dem Getrappel der Magierinnen weiter unten im Treppenhaus?
          Das Stottern eines Sturmgewehrs und der Wachmann, der daraufhin in der Mitte herab stürzend alle Stockwerke im Schnelldurchlauf abzählte, machte meine Gedanken obsolet. Neugierig trat ich an die Brüstung und riskierte einen Blick nach oben. "Ey Kurzer! Komm mal in die Puschen!" 
          "Jaja, hackt immer nur auf dem Kleinen rum.", kam die Antwort von oben zurück. Bislang lief es prächtig. Wir mussten nur noch wieder hier heraus kommen.

T-4-Level

          Unten warteten bereits die Frauen auf uns. Unter ihren Armen hatten sie einige Datensticks und Bücher. "Ist das alles?"        
"Da waren noch diverse Foki und gebannte Gegenstände, aber die können wir nicht mitnehmen. Das wäre als würden wir einen riesigen Pfeil über uns tragen."         
          "Dann nichts wie raus hier!"      
Im Flur zur Tiefgarage hörten wir bereits dumpf Schüsse hallen. Wie erwartet war ein Team nach unten gefahren, um die Garage zu sichern. Mit den beiden Kampfdrohnen hatten sie aber bestimmt nicht gerechnet. 
          In der Garage bot sich uns ein fast apokalyptischer Anblick. Das Dauerfeuer der Drohnen hatte mehrere Wagen in ihre qualmenden Einzelteile zerlegt und mindestens drei Leichen schmückten den Boden.     
          Ein vierter Wachmann kauerte mit verletztem Bein am Eingang zur Garage. Als er uns sah, erhellte sich sein Blick. Tat mir wirklich leid ihn zu enttäuschen, aber wir waren nicht seine Verstärkung.        
          Unter dem linken Arm hielt ich das Grimoire umklammert, während ich mit dem rechten meine Ingram Warrior auf ihn richtete. Nachdem sich dieser ebenfalls auf die 'stille Treppe' verkrümelt hatte, warfen wir unsere Beute in den Laderaum eines unserer Transporter.  

          Largo ließ die beiden Kampfdrohnen auf dem Dach des Transporters Platz nehmen, wo sie sich mit ihren spinnenartigen Beinen dort fest klammerten. Eine schaute nach vorne und eine deckte unser Heck.     
          "So, alle hinten rein! Ich steuere uns über die Riggeradaption hier raus."         
          Alyssa verstand nicht, warum er nicht zum Fahrersitz gehen wollte: "Aber warum...!?" 
          "Wenn die Geschütztürme im Tunnel aktiv sind, will ich nicht vorne sitzen. Aber du kannst es dir dort gerne bequem machen."
          Die Spruchschleuder zog einen Flunsch: "Passe!", und sprang hinten rein. 

          Sobald sich der Rigger eingeloggt hatte, setzte sich unser Vehikel in Bewegung. Diese Volltrottel hatten scheinbar immer noch keinen blassen Schimmer wer ihnen da die Hose runtergezogen hatte, denn als wir uns dem Tor näherten, erkannte die KI uns als Freunde und zog es in die Höhe.
          Im Tunnel nahmen wir rasant an Fahrt auf.
"Festhalten! Die haben endlich kapiert wer wir sind."        
          Unmittelbar nach Largos Warnung hörten wir Schüsse über und vor uns. Der Transporter vibrierte mehrfach und dumpfe, metallische Schläge kündeten von Treffern, aber keine Kugel durchschlug die Außenhaut. Dafür verwandelten unsere Roboter die Geschütze in nutzloses Altmetall.
Kaum waren wir aus dem Tunnel herausgeschossen, sprang die hintere Drohne vom Dach und rannte in die Finsternis zurück, um dort zu explodieren und eventuellen Verfolgern den Weg zu versperren. 

          Kaum zu glauben, aber wir hatten es geschafft.

***

C-Level

          Mit wachsendem Grauen starrte Paul Adams auf den Bildschirm vor ihm. Krampfhaft klammerten sich seine Hände an die Schreibtischplatte. Er wagte nicht sie loszulassen, weil er fürchtete wie Espenlaub zu zittern, wenn er es doch täte.         
          Sein Leben war vorbei. Egal wie viel Schaden sie in der Anlage angerichtet hatten, ob sie einen Server oder nur einen Hosenknopf entwendet hatten, Paul Adams Schicksal war damit besiegelt. 
          "Sind Patrouillen in der Schlucht unterwegs?", erkundigte er sich müde und kraftlos, denn er kannte die Antwort.
          Koslowski machte sich dennoch die Mühe ihn zu informieren: "Nein, Herr Adams. Alle wurden für die Arbeiten am Tunnel abgezogen."       
          Seine Lippen bebten. Es kostete ihn alle Kraft nicht zusammen zu brechen. Für Paul klang es als spräche ein Fremder, als sein Mund seinen letzten Befehl erteilte:        "Öffnen sie eine Verbindung zu Professor von Dachau. Ich werde die volle Verantwortung übernehmen."

          Und das tat er.

***

          Nach unserer geglückten Flucht, wechselten wir in einem Waldstück wieder zu unserem 'geborgten' VW Lupus und sprengten den Transporter mit der letzten Drohne in die Luft.
          Im 'Böhze Orkze'-Mobil ging es dann nach Freiburg, wo wir Herrn Rabe des nachts an einer Tankstelle trafen. Von zwei Trucks abgesehen, die dort an den Zapfsäulen standen, waren wir alleine mit unserem Auftraggeber.        
          "Respekt! Ich hab ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass sie es schaffen würden. In ihnen scheint mehr Potential zu stecken, als man auf den ersten Blick sieht."
          Zufrieden nahm er die Tasche mit unserer Beute entgegen und bot uns dafür einige Tickets an. Alyssa nahm sie unter die Lupe und verzog den Mund in Enttäuschung: "Fahrkarten für die Magnetschwebebahn? Das ist nicht ihr Ernst, oder!?"        
          "Vollkommen. Ich rate ihnen aber in Zweiergruppen zu reisen. Das ist weniger auffällig für den Sternschutz."

          Die Menschenmagierin wurde nun ziemlich ungehalten: "OK, ich drücke es mal in einer Sprache aus, die sie hoffentlich verstehen: Geld, Pinke-Pinke, Kohle, Zaster, Penunsen, Tacken, Asche, Schotter - ich will verdammt noch mal ein paar Flocken für unsere Mühen sehen!" Wir anderen pflichteten ihr mit düsteren Mienen bei. Unerwarteter weise warf Herr Rabe daraufhin den Kopf in den Nacken und lachte aus vollem Herzen .
          "Sie sind wirklich Richards Tochter. - Keine Sorge, Frau Hardison, was ihre Bezahlung angeht, kümmert sich ihr Vater um alles. Ich war nur für die Einsatzkoordination zuständig. Sobald sie in Hamburg sind, werden sie von ihm hören."
          Augenblicklich erhellte sich unsere Stimmung und ich fühlte wie meine Glieder vor Müdigkeit schwer wurden. Der Schlafentzug der beiden letzten Tage machte sich langsam aber sicher bemerkbar. Im Zug würde ich bis Hamburg durch pennen.       
          Zum Abschied streckte mir Herr Rabe seine rechte Hand entgegen. "Was ist, wenn ich oder ein Freund sie mal wieder benötigen? Sie haben bewiesen, dass sie eine Menge auf dem Kasten haben und ich bin mir sicher, dass ihre Dienste sehr hilfreich sein könnten. - Wie kann ich sie im Schattennetz finden? Eine Runnergruppe wie die ihre hat doch sicher einen Namen, oder nicht?"

          Da sprach der Mensch ein Thema an, über das ich mir schon seit Wochen den Kopf zerbrochen hatte, aber mir wollte einfach kein guter Einfall über die Hirnwindungen stolpern.
          Plötzlich musste ich daran denken, wie wir vollkommen unerwartet und entgegen aller Wahrscheinlichkeit in unserer jüngsten Episode das Blatt gewendet hatten, um aus einer hoffnungslosen Situation als Gewinner hervor zu gehen, und da wusste ich, welcher Name der unsere war. Der eine, der zu uns passte wie kein zweiter.

          Lächelnd ergriff ich seine Hand kraftvoll und schüttelte sie: "Halten sie einfach nach den 'Wild Cards' Ausschau."
 Index

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