Mittwoch, 6. März 2013

Hanse Wasabi

Kapitel 1 - Rekrutierungen

        Der Volksmund sagt, dass Erinnerung schmerzhaft sein können. Das gleiche gilt aber auch dafür sich NICHT zu erinnern. Nein, ich meine nicht diese kleinen Erinnerungslücken, die einen nach einer durchzechten Nacht plagen können. Ich rede von einer ausgewachsenen Amnesie. Keinerlei Erinnerung mehr an den eigenen Namen, wo man her kommt, wer oder was man ist.
         Ein Zustand, in dem man mit aller Kraft zumindest ein paar kleine Bröckchen der Erinnerung an die Oberfläche der geistigen Suppe in seinem Schädel zu spülen versucht. Eine Anstrengung, die schon fast körperliche Schmerzen verursacht.
         Die Elfin jedenfalls verspürte die Auswirkungen eines solchen Versuches am eigenen Leib, als sie sich von ihrer Liegestatt aufbäumte, dann zusammenkrümmte als hätte man ihr einen Schwinger in die Magengrube verpasst, um anschließend dem Dekor der wanzenverseuchten kleinen Kabine eine persönliche Note hinzuzufügen. Matt wischte sie sich mit dem Handrücken den Mund trocken und ließ sich an der gegenüberliegenden Wand langsam zu Boden sinken. Sie fragte sich, wie man mit leerem Magen überhaupt noch kotzen kann.
         Der Flashback kam mit einer solchen Gewalt über sie, dass sie sich kaum auf das Gesehene konzentrieren konnte. Als die Elfin sicher war, dass sich ihr Bauch wieder beruhigt hatte, schloss sie ihre Augen, um noch einmal die Bilder Revue passieren zu lassen. Was hatte sie vorhin gesehen? Eine Lagerhalle, gigantisch hoch. Sie rannte. Allerdings konnte sie nicht sagen, ob sie jemanden verfolgte oder selber verfolgt wurde. Die Szenerie wechselte. Sie befand sich nun unter freiem Himmel. Über ihr schwebten irgendwelche chromblitzende Fluggeräte. Dann plötzlich zuckten blaue und grüne Blitze zwischen ihnen umher. Wurde da gezaubert?
         Auf einmal war sie von schemenhaften, schwarzen Gestalten umringt. Einer hob einen Arm und sie sah noch einen grell leuchtenden Strahl daraus hervor zucken. Durch die Dunkelheit, die sie umfing hörte sie nur noch eine heisere Stimme "Xerxes" flüstern.
         Ab da endete es. Die Übelkeit kam plötzlich wieder zurück. Doch bevor ihr Magen erneut revoltieren konnte, öffnete die Elfin die Augen und befand sich erneut in der tristen Wirklichkeit ihrer Schiffskabine. 

         Gerade als sie sich wieder den Erinnerungen hingeben wollte, summte es in der Beintasche ihrer Cargohose. Nach kurzem Nesteln an dem Klettverschluss zogen ihre langen Finger ein Komlink daraus hervor. Neugierig betrachtete sie das Display. 'Eine neue Nachricht', war darauf 'zu lesen. Sie kam von einem Hendrik Summerset. Wie zu erwarten sagte ihr der Name nichts konkretes, auch wenn er etwas vertraut klang. Nach kurzem Zögern öffnete sie die Nachricht.   

         'Hey Sunetra, meine Zauberfee. Hab deine Nachricht bekommen. Du scheinst je echt tief in der Scheiße zu stecken, wenn du ausgerechnet zu mir nach Hamburg kommst. Hätte nicht gedacht, dass einer Zauberschleuder wie dir jemals etwas Angst machen könnte. Um es kurz zu machen: natürlich werde ich dir helfen. Bin dir für die Sache in Kyoto noch was schuldig. Auch wenn ich sicher bin, dass meine Dankbarkeit in der damaligen Nacht doch gut zum Ausdruck kam. ^^ - Halt mich auf dem Laufenden, wann dein Schiff den Hafen erreicht. Ich werde dich dann dort abholen kommen.         
         - Hendrik
'
 


         Die Nachricht musste die Elfin erst einmal verdauen. Falls das Komlink tatsächlich ihres war, dann musste sie vor dem Verlust ihrer Erinnerungen eine Nachricht an diesen Hendrik geschickt haben. Sie wüsste nur zu gerne woher sie sich kannten. Nein - ihr Gedächtnis weigerte sich immer noch den Streik zu beenden. Wer auch immer dieser Hendrik ist - er nannte sie 'Zauberschleuder', und das war ein Slangausdruck für Magier. Könnte es tatsächlich sein, dass sie Zauber beherrscht? Irgendwie klang es richtig für sie. Sie musste mehr über sich heraus finden und sich vorbereiten, falls die, die ihr das angetan hatten, wieder kommen würden.
         Zum ersten Mal seit sie vor Stunden mit einer Amnesie an Bord eines fremden Schiffes aufgewacht war, schöpfte die Elfin wieder Hoffnung und lächelte. Sie hatte endlich eine Spur, der sie folgen konnte. Und was noch viel wichtiger war: sie hatte endlich wieder einen Namen.  
"Sunetra also? Gefällt mir."

***

         Hamburg wird seit den Überschwemmungen, die große Teile des Umlandes und auch der Innenstadt überfluteten, auch sarkastisch als das Venedig des Nordens betitelt. Während selbst die besseren Viertel der Hansestadt nicht annähernd ein romantisches Flair verbreiten, so gilt das noch viel weniger für die abgeranzten Slums. Gangs, Überfälle, Mord und Vergewaltigung prägten das Bild der Elendskommunen des Tors zur Welt. Manchmal übrigens in exakt dieser Reihenfolge.        
         In Harburg war das nicht anders. Heruntergekommene Gebäude, überall Müll, Obdachlose und wer genau hin schaut kriegt hier sogar bessere Action geboten als in jedem Snuff-Trivid - sofern man auf diese perverse Scheiße überhaupt steht. Als umsichtiger Ork hatte ich natürlich vorgesorgt und meine Ingram Warrior griffbereit auf dem Beifahrersitz liegen. Auch wenn mein Rover 2068 diebstahlsicher war, dachte ich keine Sekunde daran auszusteigen. Das Risiko war mir dann doch zu groß. Außerdem kam mein Mantel erst letzte Woche aus der Reinigung und ich hatte keine Lust auf neuerliche Blutflecken.

         Endlich ging die Tür auf und eine zierliche Menschenfrau bewegte sich geradewegs auf meinen Wagen zu. Sie öffnete die Beifahrertür, glitt auf den Sitz und begrüßte mich mit einem lapidaren: "Nur weg hier!"
Das ließ ich mir nicht zwei Mal sagen, startete den Motor und fuhr los.

         "Nette Gegend hast du dir zum Wohnen ausgesucht. Was hat dich mehr gereizt? Die Todessehnsucht oder war's der permanente Gestank nach Urin und Exkrementen?"
         "Ich kann mir halt nichts besseres leisten, du zu groß geratener Snob!" Alyssa Hardison, alias 'Lightning' verschränkte ihre Arme, reckte das Näschen beleidigt nach oben und zog einen Schmollmund.
         "Zugegeben. Verglichen mit Harburg ist's bei mir wie im Ritz - und selbst ich hab nur 'ne Unterschicht Absteige. Also falls du ernsthaft Hilfe brauchst..."       
         "Keine Sorge. Bevor ich für meinen Unterhalt die Beine breit mache, würde ich mich sogar für  Wetwork anheuern lassen."       
         Ich lupfte eine Augenbraue. Dass die Magierin im Kampf dazu fähig war ihren Gegner zu töten, wusste ich, aber dass sie mittlerweile auch Auftragsmord durchführen würde, falls nötig, war sogar für ihre Verhältnisse extrem. Ich würde ein Auge auf sie haben müssen.
         Obwohl sie ein Mensch war, weckte sie brüderliche Beschützerinstinkte in mir. Dafür sollte sie in mehrfacher Hinsicht dankbar sein. Ich habe sie schon aus mancher Klemme raus gepaukt. Außerdem hätte sie sich von mir sonst schon längst ein paar für ihr loses Mundwerk gefangen.

         "Wenn sie mich nach deiner Festnahme interviewen, werde ich mit traurigen Kulleraugen in die Kamera schauen und mit brechender Stimme sagen: 'Das hätte ich von diesem lieben Mädchen NIE gedacht. Sie hat doch immer so nett gegrüßt.'"
         "Arschloch!" Trotzdem konnte sie sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Ich brauche dringend Geld. Und NEIN! Ich will mir keines von dir pumpen, sondern es verdienen."
         "Warum kommst du dann zu mir?"   
"Ach Hendrik. Glaubst du etwa, dass ich nicht mitbekommen habe, dass du mit deinem Cousin Cone ein Runner-Unternehmen aufgemacht hast?"

         "Ist eigentlich mehr so eine Art Privatdetektei."
"Scheißkohl-Weißkohl. Du weißt worauf ich raus will."    Ich seufzte. "Nun gut. Wir schauen nachher bei mir daheim mal, was ich machen kann. Da steht noch ein Überwachungsauftrag offen. Es ist nichts aufregendes, aber man verdient Geld damit."
         Wie immer wenn Lightning ihren Willen bekommen hat, setzte sie ein fröhliches Gesicht auf.

         Einige Zeit lang fuhren wir schweigend durch Hamburg. Sie sah triumphierend aus dem Fenster und beobachtete den Verkehr.      
"Wen holen wir eigentlich am Hafen ab?"   
"Bitte?! Sorry, ich war in Gedanken. Sie heißt Sunetra. Eine Elfin aus Japan."     
         Lightning pfiff anerkennend: "Eine Elfin. Soso!"
"Es ist nicht was du denkst."  
         "Es ist NIE das, was der andere gerade denkt."   
"Ich hab mit ihr in Japan einige Jobs erledigt. Sie ist ebenfalls Magierin und ziemlich taff."    
         "Das muss man auch sein, wenn man als Metamensch bei den Nazi-Inselaffen lebt. - Ich bin gespannt wie sie so drauf ist."
***

       Es war immer noch früher Morgen, als wir uns bis zum Hafen vorgekämpft hatten. Wie gewöhnlich war der Verkehr die Hölle gewesen. Ich bin jedes Mal versucht mir nur für Hamburgs Straßen eine Gatling in den Rover einbauen zu lassen. Der Preis hält mich aber davon ab - außerdem war solches Equipment sogar im liberalen Hamburg verboten.
          "Da ist sie auch schon."
Lightning reckte ihren Hals, um besser sehen zu können. "Wer ist denn der Zwerg bei ihr?"
         Irgendetwas verknotete sich in meinem Bauch. Ein ungutes Gefühl? Eine Vorahnung? Das Chilihuhn von letzter Nacht? Egal. Ich parkte den Rover und ging auf die Wartenden zu.
         "Hey Sunetra, schön dich zu sehen. Nach deiner Nachricht letzte Woche..." Ich wollte der schönen Elfin zur Begrüßung um den Hals fallen, aber sie wich vor mir zurück und blickte mich kritisch an. 
"Hendrik?"
         "Der und kein anderer."
Die Magierin streckte mir zögerlich eine Hand entgegen, die ich höflich ergriff.  
         "Alles klar bei dir?"        
Sie sah mit einem mal etwas verloren aus und suchte nach den richtigen Worten. "Es tut mir leid, aber ich kenne dich nicht; nicht mehr."     
"Deine Scherze waren auch schon besser."
         Sunetra erzählte mir daraufhin von ihrer Amnesie und der mehr als nur merkwürdigen Schifffahrt. Sie wusste noch Dinge, wie Sprachen, die sie einst gelernt hatte oder welche Waffen sie trug und wie man sie einsetzte, aber alles was ihre persönliche Geschichte anging, war ihr Kopf ein weißes Blatt Papier.

         "Du bist meine einzige Spur, Hendrik. Bitte hilf mir herauszufinden, wer ich bin."        
         "Ich muss gestehen, dass ich dir nicht allzu viel verraten kann. Wir haben zwar zusammen gearbeitet, aber du hast nicht viele Details über dein Privatleben preis gegeben. ABER ich werde dir helfen so gut ich kann."
         Ich warf dem Zwerg, der bislang teilnahmslos daneben gestanden hatte, einen fragenden Blick zu.     
"Und sie sind?"    
         "Largo!" Er tippte mit zwei Fingern zur Begrüßung kurz an seinen Kopf. Lightning gluckste erfreut: "Ach wie knuffig! Da ist ja noch einer!"

         Der Zwerg sah sie fragend an. Es war genauer gesagt keine Frage, sondern eher eine Feststellung: 'Reite weiter auf meiner Größe rum und du wirst sehen auf welch kreative Weise du Selbstmord begehen wirst.'
         "Nicht beleidigt sein! Lightning ist froh, dass endlich mal jemand dabei ist, der kleiner als sie ist. Kommt ja nicht allzu oft vor." Lightning zog wieder einen Flunsch und Largo schien damit zufrieden zu sein. Ich musterte den wortkargen Zwerg einen Augenblick lang.

         "Sie tragen einen Körperpanzer unter ihrer Jacke. Nicht besonders subtil. Seit wann arbeiten sie denn als Runner?"
         "Lange genug, Eckzahn."       
"Wenn schon, dann benutz meinen Straßennamen. Iron!"

         "Lange genug, Iron."
Ich wandte mich Sunetra zu: "Sein Humor gefällt mir. Wo hast du den denn aufgegabelt."
         "Hab ihn auf dem Schiff kennen gelernt. Er ist in Ordnung. Er sucht in Hamburg nach Arbeit."
"Und 'ner Wohnung!", fügte er hinzu. "Du hast nicht zufällig was passendes für mich?"
         "Seh ich aus wie eine Vermietungsgesellschaft?"
"Naja, mit dem Strick um den Hals und dem edlen Zwirn, den du trägst..."

         Ich wollte noch zu einer schnippischen Antwort ausholen, als sich etwas im Blick des Zwergen veränderte und er an uns vorbei zum Auto sah.
         "Ihr wisst schon, dass ihr von einer Drohne überwacht werdet, oder?"
         "Bitte?!" Wir drehten uns zum Rover um und tatsächlich. Eine kugelförmige Drohne löste sich vom Unterboden des Wagens und versuchte sich aus dem Staub zu machen.
         Bevor ich meine Pistole ziehen und das Ding vom Himmel schießen konnte, fiel es plötzlich leblos zu Boden. "Was!?"
         Lightnings Lachen zog meine Aufmerksamkeit von der Drohne weg. "Hey, saubere Arbeit, Knubbelchen!"     
         Zufrieden grinsend stand der Zwerg da und starrte das wertvolle Stück Hightech an. Dann ging er darauf zu, hob es auf und warf es immer wieder in die Luft.          
         Keine Ahnung wie lange ich Maulaffen feil hielt und kein Wort raus brachte, bis endlich der Groschen fiel. "Du bist ein Rigger!?"

         "Und ich dachte schon Orks wären langsam im Kopf.", Lightning lehnte sich mit verschränkten Armen an mir an und bedachte mich mit einem provozierenden Grinsen.
         Per WiFi Verbindung konnten sich Rigger in Computersysteme hacken. Er musste sich in dem Moment an die Arbeit gemacht haben, als er das Gerät entdeckt hatte. Vorsichtig nahm ich die Drohne in die Hand. "Konntest du was heraus finden, bevor du es abgeschaltet hast?"
         Largo zuckte mit den Achseln: "Nicht viel. Es befindet sich kein Speicher im Gehäuse. Die Daten wurden direkt gestreamt. Vielleicht kann man bei näheren Untersuchungen raus finden, an welche Adresse die Daten gingen. Aber das braucht Zeit. Über die Seriennummer lässt sich vielleicht auch noch was ermitteln." 
         Sunetra blickte nervös um sich, was Lightning direkt auffiel. "Glaubst du, wir werden beobachtet?"
"Vielleicht."
"Das glaube ich nicht. Dafür hatte derjenige doch die Drohne.", warf ich ein.     
         "Mag sein, aber ich werde mal zur Sicherheit die Gegend askennen. Vielleicht versteckt sich ja jemand."
"Kannst du in deiner Situation überhaupt zaubern?"
Sunetra lächelte gequält: "Dass ich mein Gedächtnis verloren habe, bedeutet nicht, dass ich auch alle Zauberfähigkeiten damit aufgegeben habe." 
         So schloss sie ihre Augen und atmete tief durch. Ich habe schon einige Magier beim Askennen beobachtet. Normalerweise dauert es nur einige Augenblicke. Sunetra aber musste sich anstrengen, zog die Stirn kraus und verlor plötzlich das Gleichgewicht. Largo und ich fingen sie rasch auf. Naja... der Zwerg versuchte es, war aber etwas zu klein für die Aufgabe.     
         "Alles klar bei dir? Bist ziemlich grün im Gesicht."
Die Elfin keuchte und musste sich sichtlich Mühe geben sich nicht zu übergeben.       
         "Was war DAS denn? Ich war vom Astralraum ausgesperrt."

Schritte näherten sich und Lightning nahm Sunetra in Augenschein. Mit der linken Hand berührte sie ihre Wange und schloss ihre Augen. Plötzlich zog sie ihre Hand zurück, als habe sie sich verbrannt. Als sie die Augen öffnete, konnte ich so etwas wie Angst in ihnen sehen.
          "Sie... sie leuchtet wie ein Christbaum."     
"Geht das auch für Noobs?"

         "Ihre astrale Präsenz - mal ist sie voll da, dann wieder ausgeschaltet, wie bei einer Leiche. Sie ... flackert." Largo und ich sahen zuerst uns bedröppelt an und dann sie. Wir hatten kein Wort verstanden.
         "Ach Leute... es ist so, dass jedes Lebewesen im Astralraum eine gewisse Präsenz aufweist. Magisch begabte sind wie Leuchtfeuer zu sehen. Nur Tote haben keine Präsenz. Bei IHR ist es so, als ob ihre Fähigkeiten blockiert werden."
         "Danke, ich denke, ich kann wieder alleine stehen." Sunetra atmete immer noch schwer, aber sie schien stabil, sodass ich sie los ließ. Langsam wurde der Zwerg gesprächig: "Sie hat keinen Zugriff mehr auf ihre Fähigkeiten und du wirst ausspioniert. Könnte es da einen Zusammenhang geben?" Lightning kratzte sich am Kinn und stellte die unvermeidliche Frage: "Gibt es jemanden, den du im Verdacht hast?!"
         Ich blickte einige Zeit zu Boden und dachte nach. In meiner Zeit als ARGUS Agent hatte ich mir so manchen Feind gemacht, aber die Rechnungen waren beglichen, der Feind tot oder ich war mittlerweile so unwichtig geworden, dass es sich nicht lohnen würde mir jetzt noch auf die Pelle zu rücken. - Wäre da nicht dieser ominöse Schlächter, der es sich zum Hobby gemacht hat, Leuten das Herz heraus zu reißen und mir in Paketen zuzuschicken.  - Könnte er/sie/es vielleicht....?! Nein, das mit der Drohne erschien mir zu subtil.
         "Nein, leider nicht."       
Largo hob die Drohne hoch: "Vielleicht hilft uns das hier ja weiter."

         Ich musste grinsen: "Sieht so aus als hättest du für die nächste Zeit eine Bude. Du kannst bei mir pennen. Dafür wirst du dich noch ein wenig mit der Drohne beschäftigen und mir helfen rauszufinden, was hier gespielt wird. Und mit etwas Glück können wir uns dabei noch ein paar Scheinchen verdienen."
         Lightning jauchzte und hüpfte auf und ab: "GELD! GELDGELDGELDGELDGELD!"
         Der Zwerg führte mit seinem rechten Zeigefinger eine schraubende Drehung an seiner Schläfe durch: "Also das Küken hier hat schon mehr als eine Schraube locker, oder?"
         "Ach man gewöhnt sich dran. Kommt! Wir fahren zu meiner Wohnung."
"GELD! GELD! GELDGELDGELDGELD!"
         Manchmal führt der Zufall die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt zusammen. War mein Plan nicht gewesen groß ins Runnerbusiness einzusteigen? Dafür brauchte ich eine schlagkräftige Truppe, denn alleine überlebte man auf den Straßen im Jahr 2072 nicht lange. Außerdem könnte es nur mit meinem Cousin langweilig werden.
         Ein Elf, zwei Orks, ein Mensch und ein Zwerg - das klingt für den Anfang gar nicht mal schlecht. Ich war mir noch nicht sicher, was Largo anging. Ich kannte ihn nicht und ich bin von Natur aus misstrauisch.

         Entweder würde er sich beweisen oder... na, ihr wisst sicher, worauf ich hinaus will.

***

         ... mit den neusten Beschlüssen über Importzölle für die Hansestadt Hamburg, isoliert Bürgermeisterin Vesna Lyzhichko von der HUSPD (Hamburger Unabhängige Sozialistische Partei Deutschlands) sich weiter von der führenden NEEC (New European Economic Community) Politik. Das Ziel der Regierung in der Freistadt ist eine weitgehende Unabhängigkeit von der Wirtschaftspolitik der ADL, die sich über den Tropf des Länderfinanzausgleichst hauptsächlich durch Hamburg finanziert. Durch den Umsatz, der über den Hamburger Hafen erwirtschaftet wird, zahlt die Stadt mehr als 48% der Gesamtsumme in den gemeinsamen Finanzierungstopf ein.      
         Karl-Heinz Liebermann vom Institut für Politikwissenschaften in München warnt vor dieser aggressiven Sezessionspolitik Lyzhichkos: "Eine Abspaltung der Stadt aus der Allianz Deutscher Länder könnte im Extremfall zu militärischen Maßnahmen führen."



Samstag Nacht Journal, Bayrischer Rundfunk, vom 13.04.2072


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