Sonntag, 21. April 2013

Das Gesetz der Straße



 Kapitel 4 - Rumble in Altona

            Schon seit dem frühen Morgen donnerte die Sonne unerbittlich auf die dichte Wolkendecke und verwandelte Hamburg in einen hitzig-schwülen Dampfkochtopf, als wir am nächsten Tag zu Wus Wohnung fuhren. Glücklicherweise hatte uns der Mann verraten, dass wir aufs Dach des Gebäudes mussten. Sonst hätten wir wohl vor den Klingelschildern kapitulieren müssen. Nahezu alle sechzig Namen waren in den verschiedensten asiatischen Sprachen geschrieben. Scheinbar erwartete man hier keine einheimischen Besucher oder gar Post. Am Ende war es vielleicht auch nur ein geschickter Trick, um Schlipsträger von den Behörden zu verwirren. Das Viertel jedenfalls schien fest in fernöstlicher Hand zu sein.
            Wie zu erwarten war die Haustür nicht abgeschlossen. Daher betraten wir das Erdgeschoss und sahen uns um. Der baufällige Wohnblock besaß einen bescheidenen Innenhof, in dem wild durcheinander, kreuz und quer Wäscheleinen gespannt waren. Alte Kartons und anderer Müll stapelten sich zu kleinen Türmen an den Flurwänden. Die Wände selbst waren, sofern überhaupt Tapete auf ihnen klebte, in die schrillsten, Augenkrebs fördernden Farben gekleidet. Meist sahen wir auf nackten Stein, verziert mit herunter bröckelndem Putz oder auf dünne Rigipsplatten. Von den Treppen schallte der Lärm vieler spielender Kinder herunter, weswegen einige Hausfrauen - vermutlich ihre Mütter - aus Leibeskräften nach oben schrien. Als ob das dem allgemeinen Lärmpegel zuträglich gewesen wäre.            
            Hier und da unterhielten sich Leute im Stehen bei einem Tässchen Tee in den Hauseingängen miteinander. Wir hielten vor dem Aufzug an und sparten uns beim Anblick der weit offen stehenden Türen auf den Knopf zu drücken. Nachdem der Aufzug eines Tages den Weg alles Irdischen gegangen war, hatte die Vermietungsfirma nicht unnötig in einen Ersatz investiert, sodass die Anwohner den Schacht als Müllkippe nutzten. Damit meine ich den Kram, mit dem selbst diese Menschen nichts mehr anfangen konnten. Ich wollte gar nicht wissen, was sie noch alles im finsteren Abgrund versteckten.

            "Boah, ne! Müssen wir jetzt echt bei DEM Wetter achtzehn Stockwerke hochtrappen?", stöhnte Alyssa genervt.           
            Sanft aber bestimmt nahm Cone sie bei den Schultern, drehte sie zu den Treppen um und gab ihr einen aufmunternden Klaps. "Keine Müdigkeit vorschützen! Etwas Bewegung wird dir guttun."  
            "Was willst du denn damit sagen?"   
"Dass du nur Pudding statt Muskeln hast. Auf geht's!" Ohne eine weitere Antwort der Menschenzauberin abzuwarten, setzte sich der Ork in Bewegung und stapfte mit großen Schritten voraus. 
            In den weiteren Etagen bestätigte sich das Bild, das wir im Erdgeschoss gewonnen hatten. Kinder liefen kreischend umher, während ihre fluchenden Eltern verzweifelt versuchten sie wieder einzufangen. Ein paar jugendliche Orkganger rauchten in der dunklen Ecke eines Gangs heimlich Marihuana und dachten wohl, dass man es nicht riechen könnte. Unsere Füße trugen uns den beschwerlichen Weg immer weiter nach oben. Während uns der Schweiß in Strömen am Körper herablief, passierten wir vier Trollrentner, die um einen alten Aluminiumtisch herumsaßen und Mah-Jongg spielten. Noch seltsamer mutete allerdings die Tai-Chi-Gruppe an, die aus asiatischen Senioren bestand und von einem jungen Mann trainiert wurde, dessen geschmeidige Bewegungen verrieten, dass er seinen Körper vollkommen unter Kontrolle hatte. Unablässig gab er auf Mandarin Anweisungen und führte dabei die nächste Lektion vor. Sunetra askennte ihn kurz und flüsterte mir zu, dass seine astrale Signatur schwach magisch leuchtete und er wahrscheinlich wie ich ein Ki-Adept war.    
            Wir ließen die Fitnessgruppe hinter uns, schlugen uns durch die letzten drei Stockwerke und versuchten dabei nicht unnötig Kakerlaken und anderes Viehzeug aufzuscheuchen. Jemand sollte mal diesen Leuten sagen, dass sich ihr Müll in einen Zoo verwandelt, wenn man ihn nicht entsorgt. Oben angekommen, wurden wir von einer greisen Frau empfangen, die häkelnd in einem Schaukelstuhl saß und gemächlich vor und zurück wippte. Als sie uns sah, stellte sie umgehend ihre Bewegungen ein und sah uns aus stechenden Augen misstrauisch an. Schließlich überschüttete sie uns mit einem Schwall chinesischer Begrüßungen - nun ja, bei dem Tonfall hätten es nüchtern betrachtet auch Beleidigungen sein können. Zum Glück sprach Largo ein wenig Mandarin. So konnte er der alten Dame erklären warum wir da waren. Schließlich zeigte sie wortlos auf die Tür zu ihrer Linken. Artig gingen wir an ihr vorbei. Kaum dass wir im anderen Raum waren, konnte ich auch wieder das Knarzen ihres Schaukelstuhls hören. Wahrscheinlich war sie ein viel besserer Wachhund, als es zunächst den Anschein gemacht hatte. Ich war mir nach der kurzen Begegnung jedenfalls sicher, dass sie bissiger als eine Bulldogge war.       
            Der Nachbarraum stellte sich als einen erweiterten Flur heraus, der zum einen zur Wohnung von Wu führte, und zum anderen eine Leiter offenbarte, über die man aufs Dach kam. Wie mit dem Hausherrn besprochen, kletterten wir hinauf. Oben erwartete uns ein laues Lüftchen, das etwas Abkühlung vom schwülen Hamburg brachte. Obwohl die Temperatur hier kein Jota niedriger als auf der Straße war, belebte bereits dieser leichte Wind die Sinne.
            Ein gutes Drittel des Dachs wurde von einem Gewächshaus eingenommen, in dem sich exotisch aussehende Pflanzen sowie bekanntes Obst und Gemüse mit heimischen Kräutern den begrenzten Platz teilten. Wu selbst musste sich um sein Restaurant kümmern. Dafür empfing uns seine deutlich jüngere Ehefrau. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass sie die Mutter von Wus Sohn gewesen sein konnte. Dennoch hatten die Ereignissen sie offenbar sehr mitgenommen. Müde winkte sie uns zu sich herüber.         
            Wieder halfen uns Largos begrenzte Mandarin Kenntnisse weiter. Zwar hatte Wu seiner Frau gesagt, dass besondere Gäste kommen würden, aber aus einem mir unerfindlichen Grund hatte er ihr verschwiegen, was wir abholen wollten. So startete eine etwas längere Diskussion, an deren Ende sie endlich nachgab und eine eingetopfte Frangipani aus dem Gewächshaus holte. Triumphierend hielt Cone die Giftpflanze hoch.   
            "Jetzt müssen wir den Zombies nur noch weiß machen, warum das Teil in dem Gemüseladen..." 
            Plötzlich einsetzendes Geschrei und Gerumpel unter uns, ließen meinen Cousin mitten im Satz inne halten: "Was war denn das?", stammelte er mit irritiert zusammengezogenen Augenbrauen und keine zwei Sekunden später standen wir am Rand des Dachs und blickten über die Brüstung auf die Straße herab. Keine Sekunde zu früh, denn just in jenem Moment flog ein Mann durch ein berstendes Fenster. Einen kurzen Augenblick lang schien er mit den Glasscherben wie in einem alten Cartoon in der Luft zu hängen, bevor er mit steigender Geschwindigkeit auf den Asphalt zuraste. Er klatschte so laut auf, dass sogar wir es noch hören konnten.   
            "Hab ich mir das eingebildet oder hatte der eine Kutte von den Holsten Zombies angehabt?", fragte Sunetra in die Runde und Largo nickte zur Bestätigung. Das war nicht gut, ganz und gar nicht gut. Ohne dass wir uns hätten weiter absprechen müssen, eilten wir schweigend zur Leiter und begaben uns auf den Weg zurück. Sollten uns die Zombies hierher gefolgt sein oder wollten sie dem guten Wu nur daheim einen Besuch abstatten und wir waren mal wieder nur 'versehentlich' vor Ort? Auf dem Weg aktivierten Alyssa und die Elfe ihre Foki, um ihre Reflexe zu beschleunigen. Was auch immer hier vor sich ging, wir mussten uns schnell darum kümmern. Zwar war es sehr unwahrscheinlich, dass sich die HanSec so schnell wie möglich in dieses Wohnviertel bemühen würde, aber sobald jemand den toten Ganger auf der Straße gemeldet hatte, mussten sie früher oder später hier aufkreuzen.         
            Je tiefer wir kamen, umso lauter wurden die Kampfgeräusche. Dumpfes Klatschen und Pochen, Rempeln und Rumsen vermischten sich mit Schreien und Fluchen. Wer zum Teufel prügelte sich da mit den Zombies? Die jugendlichen Kiffer garantiert nicht. Als wir im fünfzehnten Stock ankamen, war der Lärm so laut geworden, dass es nicht mehr weit sein konnte.
            Langsam bewegten wir uns auf die Ecke des Flurs zu. Dahinter mussten die Streithähne sein. Mit Handzeichen bedeutete uns Largo leise zu sein und zog seinen Elektroschlagstock hervor, der unter dem Gürtel steckte. Wir hatten bislang noch keine Schüsse gehört. Es war sicherer die Pistolen vorerst stecken zu lassen, bevor die Lage vollends außer Kontrolle geriet. Fast hatten wir die Ecke erreicht.     
            Nur noch fünf Meter. Cone bildete mit Largo und mir die Vorhut, während unsere Magierinnen, die physisch im Nachteil waren, hinter uns blieben. Als uns nur noch knapp zwei Meter von der Abbiegung trennten zog ich meinen Teleskopschlagstock auf. Mein Cousin wollte sich mit seinen Fäusten wehren.       
            Plötzlich stolperte ein Zombie rücklings um die Ecke, sodass wir alle reflexartig in Angriffsposition gingen. Bevor wir Männer reagieren konnten, verpasste Alyssa ihm mit ihrem Levitationszauber einen heftigen Stoß, der ihn durch das offene Flurfenster hinter ihm beförderte. Nach einigen Sekunden grüßte er mit einem dumpfen Aufprallen von der Straße zurück. Den würden wir nicht mehr wiedersehen. Schade, er schien ganz nett gewesen zu sein. Während wir unseren Weg den Flur herab fortsetzten, gratulierte ich Lightning mit erhobenem Daumen für ihre schnelle Reaktion.            
            Als wir um die Ecke kamen, erwartete uns völliges Chaos. In dem zum Hausflur offenen Räumchen am nächsten Treppenhaus schlugen und traten mindestens zwanzig Personen ohne Rücksicht auf Verluste aufeinander ein. Ein Prügeltrupp der Zombies hatte sich mit der Tai-Chi-Gruppe angelegt und kassierten saftige Prügel von den rüstigen, aber durchtrainierten Senioren. Damit hatten diese Halbstarken wohl nicht gerechnet. Wann immer einer von ihnen einem der Alten ernsthaft gefährlich werden konnte, war der Lehrer zur Stelle und wehrte die Schläge ab. Ein Zombie war so dumm und zog ein Butterfly-Messer, woraufhin ihm der Ki-Adept den Arm brach. Heulend ging der Kerl zu Boden und ließ das Messer fallen.
            Fast hätte ich bei dem skurrilen Anblick laut aufgelacht, aber noch hatten uns die Zombies nicht bemerkt und das Überraschungsmoment konnte den entscheidenden Vorteil bringen. Also beließ ich es bei einem Grinsen und schlich mit den anderen Wild Cards weiter auf die Party zu. Inzwischen griffen die Magierinnen bereits in den Kampf ein und teilten Betäubungsbolzen aus. Den Zombies war gar nicht bewusst, wie ihnen geschah, als einige von ihnen ohnmächtig zusammenbrachen.       
            Noch immer hatten sie uns nicht bemerkt. Perfekt! Ich hatte mich hinter einem Untoten positioniert und holte gerade mit dem Schlagstock aus, als mich ein Schrei schräg hinter mir zusammen-zucken ließ.   
            "GEBT AUF! IHR SEID UMSTELLT!"      
Morbus Cone hatte wieder einmal sein hässliches Haupt erhoben und lenkte mit seiner donnernden Stimme die Aufmerksamkeit einiger Zombies auf uns - dummerweise auch die von dem Kerl, auf den ich es abgesehen hatte. Verwandtschaft kann eine echte Belastung sein. Im Umdrehen brüllte der Ganger "FRESSE, DU BLÖDES ARSCHLO...", bis er mich erblickte. Denn ich stand immer noch mit hoch erhobenem Schlagstock hinter ihm und überlegte gerade, ob ich lieber ihn oder den dämlichen Ork schlagen sollte.
            Schließlich machte es Klick und mein Arm sauste auf den Zombie herab. Behände vollführte er mit seinem Oberkörper eine halbe Drehung um die eigene Achse, sodass der Stock wirkungslos an ihm vorbei sauste. Nun ergriff er die Initiative und schwang ein Kantholz mit voller Wucht gegen meinen Kopf. Stechender Schmerz randalierte in meinem Gehirn und brachte die Sinne durcheinander. Mir wurde kurz schwarz und Sternchen tanzten vor meinen Augen Tango. Viel zu langsam kam meine Sehkraft wieder zurück und es dauerte bis ich registrierte, dass ich nach hinten stolperte. Benommen nahm ich am Rande wahr, wie Largo einen anderen Zombie in die Genitalien taserte, worauf dieser weinend aufgab.
            Gerade noch rechtzeitig konnte ich meine Arme hochreißen , um den nächsten Schlag abzublocken. Sofort verpasste ich dem Kerl einen Schwinger in die Magengrube, woraufhin er wie ein Taschenmesser nach vorne klappte und ich ihm mit meinem Knie das Kinn küssen konnte. Grunzend fiel er hin und blieb regungslos liegen. Zur Sicherheit trat ich ihn noch einmal - sicher war sicher.
            Cones Zombie geriet wegen seinem am Boden liegenden Kameraden ins Wanken und ließ die Deckung fallen. Sofort war mein Cousin über ihm und ließ eine Reihe von Schlägen niederprasseln, die ihn den Weg in Morpheus Arme wiesen. Ich musste einen Schritt zurückweichen, damit er mich nicht ebenfalls umwarf.  
            Ein dritter vital Benachteiligter kümmerte sich nicht um seine Freunde, rannte auf sie zu, war mit einem Satz über sie hinweg und stürmte zwischen Cone und mir hindurch auf Sunetra zu. Er schrie aus vollem Leib und holte mit einem Knüppel aus, doch noch bevor er sie erreicht hatte, entzog ihm einer ihrer Betäubungszauber die Bodenhaftung. Von seinem Schwung weiter getragen krachte er in die Elfe und riss sie um. Verzweifelt versuchte sich die Magierin unter dem massigen Leib des Gangers hervor zu kämpfen, doch ihre Kraft reichte nicht aus, um ihn anzuheben.    
            Bevor wir ihr zur Hilfe eilen konnten, lösten sich drei weitere Zombies von den Rentnern und liefen auf uns zu. Largo machte einen Ausfallschritt, ließ das Muskelpaket passieren, griff dann nach seinem Arm und drehte sich dabei um die eigene Achse. Der überrumpelte Ganger konnte nicht anders als die Bewegung des Zwergs mitzumachen und raste mit dem Schädel voran geradewegs auf die Wand zu. Mit einem saftigen Krachen rauschte er durch die brüchige Wand und blieb bis zum Oberkörper darin stecken. Den Hintern des derart bewegungsunfähig gemachten Mann malträtierte der Rigger nun unter hämischem Lachen mit seinem Taserschlagstock.        
            Nummer Zwei unserer Angreifer stoppte Cone mit einem beherzten Schlag auf dessen Brustkorb. "HA! Voll auf den Soda Plexus!", rief er in angewandtem Dilettantismus triumphierend aus. Hustend gab sein Gegner auf und zog sich mit einer Hand auf der Brust und mit der anderen an der Wand entlang tastend zurück. Allzu weit kam er allerdings nicht. Der Tai-Chi-Lehrer verpasste einem anderen Untoten einen so heftigen Stoß, dass er mehrere Meter nach hinten flog. Dabei riss er Cones Zombie mit sich und krachte mit ihm durch eine dünne Wand, die nur aus Rigipsplatten bestand. Zu ihrem Unglück befand sich dahinter der Innenhof, auf dessen Boden sie nun - nur durch Wäscheleinen gebremst - zurasten. Nach wenigen Augenblicken mussten sie ihn gefunden haben, denn die Zombies stellten ihr panisches Gekreische ein und ließen uns wieder den Kampfrufen der Rentner lauschen. Immer noch verteilten die alten Leute Ohrfeigen unter den mittlerweile zurückweichenden Gangern.   
            Ach ja, ich hatte über den herrlichen Anblick fast den dritten Angreifer vergessen. Ein drahtiges kleines Wiesel mit zu viel Schminke im Gesicht und viel zu viel Aufputschmittel im Blut rannte schreiend auf mich zu. Die Bemalung war unter den Treffern der Senioren bereits ein wenig durcheinander gebracht worden und sein linkes Auge war angeschwollen. In jedem seiner Hände schwang er eine Holzstange, mit denen er unkontrolliert herum wedelte. Da er seine Deckung so sträflich vernachlässigte bekam er von mir dafür die Quittung. Ein Schlag mit meinem Teleskopschlagstock in sein Gesicht, brach ihm die Nase. Sofort stoppte er seinen Angriff, ließ seine Waffen fallen und griff, in dem vergeblichen Versuch das herausschießende Blut zurückzustopfen, an seinen Riechkolben. Alyssa erledigte den Rest, indem sie ihn mit einem ihrer Zaubersprüche ins Reich der Träume schickte.            
            Die restlichen Ganger hatten nun endgültig die Schnauze voll davon selbige poliert zu bekommen. "WEG HIER!", rief ihr Rudelführer und augenblicklich lösten sich die Halbstarken von ihren Gegnern, wichen zurück und als sie genug Abstand gewonnen hatten, rannten sie wie von der Tarantel gestochen davon. Das feige Pack ließ sogar seine verletzten Freunde zurück.    
            Feist grinsend, hievte Cone den bewusstlosen Ganger von Sunetra, die immer noch verzweifelt versuchte sich von ihm zu befreien. "Na, haste Liebe gemacht?"    
"Danke, Oni. - Und ich will nie wieder hierauf angesprochen werden." Etwas in ihrem Stolz verletzt, stand die Elfe auf und klopfte sich imaginären Staub von ihren Ärmeln. Mir war nach dem Kampf eher danach eine Dusche zu nehmen. Elende Hitze!  
            In Würde jubelten die Senioren leise, indem sie sich nur anlächelten und höfliche Verbeugungen austauschten. Schließlich trat der Tai-Chi-Meister vor, stemmte auf Brusthöhe die linke Faust in die flache rechte Hand und verneigte sich anerkennend vor uns. Sunetra erwiderte die Geste und ich nickte ihm kurz zu.          
            Derweil sondierte Cone die am Boden rumgammelnden Zombies und sah nach, ob noch einer ansprechbar war. Als er einen geeigneten Kandidat gefunden hatte, zerrte er ihn an der Kutte in die Höhe und sah zu mir rüber. "Iron, der hier tut so, als wär er am schlafen. Darf ich liebenswürdig zu dem Kerl sein?"     
            "Ich bitte darum."      
Cone bat daher höflich um Aufmerksamkeit und gönnte dem Typ ein paar Klapse auf die Backe - Orkklapse um genau zu sein. Er konnte froh sein, dass sein Kiefer nicht gebrochen war. Schon nach dem ersten Treffer strampelte er mit allen Gliedmaßen und versuchte Cone von weiteren Schlägen abzuhalten. 
            "Bitte nicht mehr schlagen!", wimmerte der Wicht wie ein kleines Mädchen und Cone ließ endlich von ihm ab.            
            "Statt hier arme Rentner anzugreifen kannst du dich zur Abwechslung mal nützlich machen."      
            "Alles! Alles was du willst!"    
"So hör ich das gern.", kommentierte der Ork und setzte seinen grimmigsten Gesichtsausdruck auf, "Sag Warg, dass wir Onearms Mörder gefunden haben! Zur Erinnerung: Er war der Gemüsehändler, den ihr gut durchgebraten habt. Wenn du Warg die Nachricht nicht überbringst, werden wir ihm sagen, dass ihr euch von alten Frauen und greisen Männern habt vermöbeln lassen."
            Der eingeschüchterte Zombie zitterte heftig, rang sich ein Nicken ab und krabbelte von Cone weg. Mühsam rappelte er sich auf und sammelte noch ein paar seiner Kameraden ein, mit denen er davon hinkte.       
            Largo schaltete seinen Betäubungsschlagstock wieder aus und stopfte ihn zurück unter den Gürtel. "Schade. Ich hatte gehofft, dass ich ihm eine Elektroschocktherapie angedeihen lassen könnte. - Und was jetzt, Hendrik?"           
            "Jetzt kommt Phase 2. Cone, mach ein Treffen mit Kommissar Marten aus. Wir haben ein neues Beweisstück für ihn."


***

            "Hast du den Verstand verloren? Ich werde nicht den Ruf eines unbescholtenen Mitbürgers in den Schutz ziehen." Marten schlug zur Unterstreichung seiner Entscheidung mit der flachen Hand auf den Tisch, woraufhin das Glas Wasser vor ihm kurz abzuheben schien. Der Mann war Anfang Fünfzig, hatte schütteres graues Haar und im Gegensatz zu anderen Polizisten, die vom Dienst auf der Straße an den Schreibtisch gewechselt waren, litt er nicht an Überfettung, sondern machte einen überaus fitten, durchtrainierten Eindruck.      
            Cone jedenfalls machte einen schiefen Mund und sah etwas missmutig drein. Mit ernsthaftem Widerstand von seinem Kontaktmann hatte er nicht gerechnet. Dabei war unser Plan die eleganteste Lösung des Problems in Altona. In einem der Feuer, die die marodierenden Ganger gelegt hatten, war der Gemüsehändler Serhat Dayi mit seiner gesamten Familie umgekommen. Angeblich hatten die Feuerwehrmänner die Leiche des Mannes im ersten Stock gefunden. Im Arm hielt er immer noch seinen Sohn umklammert - so als habe er versucht das Kind mit seinem Leib vor den Flammen zu schützen. Wir planten Herrn Dayi den Zombies als Mörder ihres Freundes Onearm zu präsentieren. Das war allemal besser als Wu dem Hass der Zombies auszuliefern. Doch dazu brauchten wir Hauptkommissar Martens Hilfe, den wir in seiner Dienststelle in Eimsbüttel aufgesucht hatten. Es wurde Zeit, dass ich meinen stammelnden Cousin unterstützte und etwas Charme spielen ließ.
            "Herr Marten, ich kann verstehen, dass ihnen der Gedanke missfällt, einen unschuldigen Mann zu brandmarken."           
            "Er missfällt mir nicht nur - ich werde es NICHT tun, HERR Summerset!", konterte der Polizist starrköpfig. Ich atmete müde aus, faltete meine Hände auf dem Tisch zusammen und setzte ein bedrücktes Gesicht auf, um ihm zu zeigenn, dass uns die Sache ebenfalls nicht leicht fiel.         
            "Wie sieht denn die Alternative aus? Die Zombies werden weiter machen und einen nach dem anderen umbringen, den sie für den Täter halten. - Bitte verstehen sie mich nicht falsch! Am liebsten wäre es mir, wir könnten das gesamte Drekspack einsammeln und aus dem Verkehr ziehen. Diese Kerle sind nicht nur gemeingefährlich, sondern haben zusätzlich noch einen ziemlichen Dachschaden vorzuweisen. ABER, wenn wir weiteres Blutvergießen vermeiden wollen, und das so schnell wie möglich, glaube ich nicht, dass wir eine Alternative haben. Sollte ihnen eine einfallen, dann lassen sie sie hören!"
            "Ich bin Polizist, verdammt nochmal! Ich sollte den Mörder von Onearm festnehmen. Im Gefängnis wäre er sicher."           
            "Und dann hätten sie knapp zweihundert Zombies, die ihre Dienststellen überfallen werden. Glauben sie mir: die werden keine Ruhe geben, ehe nicht der Tod ihres Freundes gerächt ist. Wenn sie den Mörder aber bereits erwischt hätten, gäbe es für sie keinen Grund weiter zu machen."  
            Nun war es an Marten niedergeschlagen zu Seufzen. Er griff nach dem Topf mit der Frangipani, die wir ihm für die Asservatenkammer mitgebracht hatten. Wir hatte sie etwas angekokelt, damit es glaubwürdiger wurde, dass wir sie in dem ausgebrannten Geschäft von Herrn Dayi gefunden hatten.        
            "Und sie sind sicher, dass es diese Pflanze war, aus der das Gift gewonnen wurde?"         
            "Nun, nicht zwingend aus dieser hier, aber sie stammt aus dem selben Garten."   
            Eine Weile drehte der Polizist die Pflanze hin und her und beobachtete sie, bis er sie wieder abstellte. Seine veränderte Körperhaltung verriet mir, dass sein Widerstand gebrochen war. "OK, OK! Ich werde die Pflanze als Beweisstück aufnehmen und den Ermittlungsbericht abschließen." Er zog die Augenbrauen hoch und spießte uns mit seinem linken Zeigefinger auf. "Aber sie können vergessen, dass ich eine Pressemeldung herausgeben und den Mann in den Schmutz ziehen werde. Das werden sie diskreter erledigen müssen!"         
            Damit hatten wir nicht gerechnet. Es war wichtig, dass die Neuigkeit schnell die Runde machte, um unser Geschäft mit Warg zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Es lag daher nahe die Nachrichten im Trivid als Kanal zu benutzen. Daher sahen wir uns fragend an und überlegten, was man alternativ tun könnte, bis ausgerechnet Cone die richtige Idee hatte. "Sag mal, Marten, dir fallen nicht zufällig ein, zwei nicht ganz so korrekte Kollegen in Altona ein, die mit den Zombies Geschäfte machen?"   
            Alyssa pfiff anerkennend und schlug dem Ork auf die Schulter. Die Idee war zur Abwechslung brillant, denn ein korrupter Bulle, mit dem man schon lange zusammen arbeitete, war viel glaubwürdiger und zuverlässiger, als wenn man es nur in den Nachrichten gehört hatte.           
            "Junge, dir zieh ich die Hammelbeine lang, wenn du dein Mundwerk nicht in den Griff bekommst! Wie kannst du unterstellen, dass meine Kollegen mit Gangmitgliedern Geschä...", empörte sich Marten, aber dann fiel ihm ein, dass er mit Cone, einem Ganger, befreundet war, und sein Argument ein klein wenig lächerlich klingen würde. Also sackte er in sich zusammen und griff zu seinem Komlink. "Ich kenn nicht jeden Streifenpolizisten persönlich, aber ich mach ein paar Anrufe und sehe zu, dass ich einen Namen herausbekomme."

***

            Unter Rattern und Gluckern ergoss sich eine schwarzölige Brühe aus dem Automat und füllte die Tasse, die unter ihr stand. Polizeiobermeister Wenner nahm sie heraus, als die Kaffeemaschine endlich fertig war und brachte sie Polizeihauptmeister Heinrichs. Das musste er immer für ihn tun, denn er befand sich in der Hierarchie unter ihm. Dabei hätte es dem alten Fettsack ganz gut gestanden sich mal selbst die fünf Meter zu bewegen. Nichtsdestotrotz war es ein ruhiger Tag gewesen. Und ruhige Tage waren immer ein Grund zum Feiern. Also setzte er sich zu seinem korpulenten Kollegen an den Tisch im Personalraum und zuppelte am wuchtigen Oberlippenbart, um die Borsten aus den Mundwinkeln zu bekommen. Heinrichs nippte an seiner Tasse und verzog angewidert den Mund.     
            "Wuäch! Einfach ekelhaft, was die uns da zumuten."
"Och immer noch besser als gar kein Kaffee."          
            Sofort musste sein langjähriger Partner grinsen. "Da hast du auch wieder recht, Wenner. Willst du auch einen Berliner, um den Geschmack vom SoyCaf zu übertünchen?"           
            "Ne danke, ich muss auf meine Figur achten."         
"Stell dich ma nicht so an! Willste dich etwa für den Playgirl bewerben?"    
            "Ha, ha, sehr witzig, Heinrichs! So Sprüche kannst du dir echt sparen.... ey, schau mal wer da angelatscht kommt!"        
            "Wie!?"           
Heinrichs brauchte einen Moment, bis er seinen massigen Körper auf dem viel zu kleinen Stuhl gedreht bekommen hatte. Durch das Fenster in der Tür zum Personalraum konnte Wenner sehen, wie jemand zu ihnen kam. Ein ziemlich menschlich aussehender Ork in feinem Zwirn. Komplett mit Sakko, Schlips und garantiert auch gewichsten Schühchen. Was der wohl hier wollte? Musste sich verlaufen haben. Andererseits bewegte er sich sehr zielstrebig auf sie zu. Als er fast an der Tür war, sah er durch das Fenster zu ihnen und winkte kurz. Er musste sie meinen, denn außer ihnen war niemand im Personalraum. Ohne weiter zu warten kam er herein und setzte sich zu ihnen. Wenner entging nicht, dass er einen prüfenden Blick auf ihre Namensschilder warf.            
            "Moin moin. Ach das war ein Tag."     
"Moin. Und sie sind Staatsanwalt...?"
            "Oh, entschuldigen sie bitte meine Manieren. Es war ein sehr ereignisreicher Tag und ich bin noch mit dem Kopf ganz woanders." Er streckte ihnen seine Hand entgegen. "Klarke ist mein Name. Ich bin tatsächlich von der Staatsanwaltschaft. Sehr gut beobachtet Polizeihauptmeister Heinrichs."   
            Sie schüttelten beide seine Hand. Dann lehnte sich Heinrichs so weit in seinem Stuhl zurück, bis es gefährlich knarzte. "Was können wir denn für sie tun Herr Klarke."       
            "Ach eigentlich ist mir nur nach einem Kaffee und etwas Plauschen. Nicht jeden Tag hat man einen Durchbruch in einem delikaten Fall und wenn... nun mir ist dann immer nach Gesellschaft, wenn sie verstehen was ich meine."           
            Heinrichs sah zu Wenner herüber. Ihm war der Typ auch nicht ganz geheuer, aber mal abwarten, was er zu erzählen hatte. "Dann machen sie es mal nicht so spannend. Sie haben mich neugierig gemacht. Legen sie los! Wenner holt ihnen auch einen SoyCaf." Ohne zu Murren, machte sich Wenner zum wiederholten mal auf den Weg zur Kaffeemaschine.        
            "Nun, ich bin noch relativ neu in Altona und bin direkt mit der Anschlagserie dieser marodierenden Bande betraut worden."         "Sie meinen die Holsten Zombies, oder?"    
"Richtig. Schon seit Tagen kamen wir mit den Ermittlungen nicht voran. Wir wussten, dass die Zombies für den Tod eines Kameraden Rache nehmen wollten und dass sie jemanden im Verdacht hatten, der mit Lebensmittel handelt."           
            Wenner stellte den SoyCaf vor dem Staatsanwalt ab und stellte sich dumm: "Sie meinen der Zombie von neulich ist einem Anschlag zum Opfer gefallen?"      
            "Danke! Ja, so sieht es aus." Erfreut nahm Klarke die Tasse entgegen und schlürfte daran. Auch er verzog angewidert den Mund. "Na besser als gar kein Kaffee."        
            Daraufhin prustete Heinrichs los und spuckte einige Bröckchen Teig und Marmelade von seinem Berliner über den Tisch. "Ha! Das Thema hatten wir auch gerade. Es gibt einfach keinen guten Kaffee für Polizisten!"   
            "Keinen guten, aber welchen für echte Männer.", konterte der Staatsanwalt mit einem gewinnenden Lächeln. Obwohl sich Wenner ermahnte vorsichtig zu sein, konnte er nicht leugnen, dass ihm der Kerl sympathisch war. Er war keiner dieser arroganten Schnösel, die sie nicht einmal eines Blickes würdigten, weil sie zu viele Lohnstufen unter ihnen standen. Vielleicht war er ja doch ganz in Ordnung.    
            "Wo war ich stehen geblieben"         
"Sie waren auf der Suche nach dem Kerl, der die Unruhen ausgelöst hat.", half Wenner ihm aus.
            "Ach ja, danke! - Die Lösung des Falls hat sich ganz spontan ergeben. Als wir nicht mehr weiter kamen, hab ich die Spusi nochmal an die Tatorte geschickt und dabei fanden wir in den Trümmern des Geschäft von dem türkischen Gemüsehändlers eine Pflanze, aus der das Gift gewonnen wird, mit dem der Zombie getötet wurde."     
            "Gratuliere. Dann können sie ja endlich den Fall abschließen." Klarke nickte, über beide Backen grinsend. Wanner sah zu seinem Kollegen und ohne ein Wort zu wechseln wussten sie, dass sie das selbe dachten. Langsam wurde klar, worauf der Staatsanwalt raus wollte. Daher lehnten sich die beiden Polizisten auf den Tisch und fixierten den Juristen, der nun fragend eine Augenbraue hochzog.    
            "Ich glaube ich weiß, warum sie gerade uns beiden diese Geschichte erzählen, Herr Klarke.", sagte Heinrichs in verschwörerischem Tonfall.   
            "Bitte?!"         
"Keine Sorge. Wir sind hier unter uns. Es gibt keinen Grund sich zu verstellen. Sie sind drauf und dran ein erfolgreicher Staatsanwalt zu werden. Wenn sie den Fall abschließen werden sie sich einen Namen machen. Sie haben zwar die Lösung gefunden, aber ihnen fehlt noch etwas. Jemand mit Connections zu den Zombies, der ihnen die frohe Kunde überbringt Und weil ihnen Altona sehr am Herzen liegt, wollen sie, dass die Untoten ganz schnell wieder in ihre Gräber zurückkehren, oder?" 
            Nun lehnte sich auch Klarke auf den Tisch, sah sich aber vorher noch einmal um, als wolle er sich vergewissern, dass nicht doch noch jemand im Raum war und ihnen zuhörte. "Kennen sie denn jemanden mit solch nützlichen Connections?"      
            "Vielleicht, vielleicht auch nicht. Vielleicht hilft auch das Füllen unserer Kaffeekasse, um unser Gedächtnis aufzufrischen. Dann würden wir den betreffenden Kollegen sogar Höchstselbst Bescheid sagen." Heinrichs nahm einen weiteren Schluck der Plörre aus seiner Tasse und versuchte es spannend zu machen. Wenner konnte er nichts vormachen, aber er schien den Staatsanwalt am Haken zu haben.  
            "Wie viel geht denn in ihre Kaffekasse hinein?"        
"Ach, so knapp fünfhundert Euro haben schon Platz darin." 
            Der Jurist stand auf, kramte sein Portemonnaie aus dem Sakko, zählte einige Scheine ab und stopfte sie in das Kästchen beim Automaten. "Wissen sie was? Ich hab sogar sechshundert hinein bekommen. Nur um etwaige Verzögerungen bei der Gedächtnisfindung zu vermeiden."  
            Triumphierend hob Heinrichs seine Tasse und prostete dem Anwalt lachend zu. "Na was sagt man denn da: Es ist mir gerade wieder eingefallen."    

***
            Bis zum frühen Abend war die Luft noch schwüler und drückender geworden. Es brauchte nur ein Augenklimpern und man fing schon an zu schwitzen. Während die anderen Wild Cards dieses Wetter nicht gewohnt waren, bereitete es Sunetra keine großen Probleme. Dennoch war sie froh ihren echten Körper derzeit nicht spüren zu müssen. Während sich die Runnertruppe einige Blocks entfernt auf die Lauer gelegt hatte, war die Elfe in ihrem Astralkörper zum Treffpunkt mit den Zombies geeilt und wartete ,unsichtbar für Nichtmagier, im Astralraum darauf, dass sie hier auftauchten. Largo hatte vermutet, dass die Ganger den Wild Cards eine Falle stellen würden. Darum wartete Sunetra bereits seit mehr als einer Stunde vor der verlassenen Flaschenabfüllfabrik 'Bronte Softdrinks'. Wenig überraschend bestätigte sich die Prophezeiung des Zwergs. Eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Zeitpunkt kam eine ganze Wagenkolonne in Begleitung von dutzenden Motorrädern auf den Hof der Fabrik gefahren. Sunetra ersparte sich das Zählen, aber es mussten geschätzt um die neunzig Untote in Begleitung ihres Leutnants Warg hier angereist sein.   
            Kaum waren die Fahrzeuge zum Stehen gekommen, verteilten sich die teils mit vollautomatischen Waffen ausgerüsteten Ganger über das Gelände, um sich in Position zu begeben. Warg stieg nun ebenfalls aus seinem Wagen. Er war in Begleitung einer Brillenschlange, die seine Rechte Hand zu sein schien. Die beiden unterhielten sich und die Elfe wurde neugierig. Unbemerkt schlich sie sich im Astralraum an die Männer heran.      
            "Was hast du vor, wenn wir die Kohle haben?"         
"Auch wenn wir das Geld von diesen Arschlöchern kriegen, machen wir sie alle kalt. Sie hatten keinen Respekt vor uns. Niemand hat uns vorzuschreiben, was wir zu tun haben."    
            'Interessant.', dachte sich die Elfe und wechselte mit ihrer Astralprojektion in die sichtbare Ebene der Welt hinüber. "War ja klar, dass sie nicht fair spielen würden."     
            Der Zombie versuchte sich seinen Schrecken nicht anmerken zu lassen, als Sunetra ihn in seinem Rücken ansprach, aber es gelang ihm nur leidlich. "Jetzt wird mir klar, warum meine Jungs so Probleme hatten dich Schlampe kalt zu machen."        
            "Lassen wir die Komplimente mal für einen Moment sein und kümmern uns ums Geschäftliche. Haben sie die Neuigkeiten über Onearms Mörder schon gehört?"  
            Warg starrte sie angeekelt an, nickte aber schließlich. Wenner und Heinrichs waren also Hendriks kleinem Schauspiel auf den Leim gegangen und hatten Warg informiert.     
            "Gut. Der Tod ihres Freundes ist gerächt. Werdet ihr nun Ruhe geben?"    
            "Unsere Rechnung mit dem Viertel ist beglichen, aber die mit euch nicht. Ich will meine 50.000 Euro haben."           
            Damit war die Zeit für Höflichkeiten vorbei. "Jetzt spitz mal deine Ohren, denn ich werde dir das jetzt nur einmal sagen: Wir können das nun auf zwei Arten regeln. Die Geschäftliche: wir haben unser Wort gehalten. Der Rache wurde genüge getan und ihr könnt nun in aller Ruhe wieder euren Geschäften nachgehen statt eure Ressourcen in diesem schwachsinnigen Straßenkrieg zu verpulvern. Jeder von uns geht seiner Wege und gut ist.          
            Oder wir nehmen es persönlich. Ihr könnt nicht immer mit zweihundert ... ähm Moment... nur noch 189 Zombies gleichzeitig auf der Straße sein. Wir werden euch einzeln oder in kleinen Gruppen abgreifen und einen Untoten nach dem anderen endgültig kalt machen. Wir haben Zeit. Und wenn es doch eilig gehen muss, kann ich dir versichern, dass wir, bevor wir DIR fünfzig Riesen in den Rachen werfen, das Geld eher einer verfeindeten Gang geben werden, die euch mit Freuden ausradieren wird.      
            Also, wie willst du es haben? Geschäftlich oder persönlich?"
Mit hasserfüllten Augen starrte Warg die Projektion an, frustriert, dass er ihr nicht hier und jetzt ein Messer ins Gesicht rammen konnte. Er setzte schon zu einer Tirade aus Flüchen und Verwünschungen an, als die Brillenschlange ihm etwas ins Ohr flüsterte. Sofort bemühte er sich wieder in den Griff zu bekommen. Ob das Vierauge in der Hierarchie der Zombies doch höher stand als gedacht? Warg war immerhin nur einer von mehreren Leutnants und musste sicherlich noch einem Boss Rede und Antwort stehen. Aber egal was es war, es holte ihn auf den Boden der Tatsachen zurück, bevor es eskalieren konnte.  
            "Nun gut. Du und deine Metamenschenfreunde haben ab sofort in Altona Hausverbot. Damit sind wir quitt. Sehe ich euch je wieder hier rumschnüffeln, werdet ihr einen langsamen Tod sterben."   
            Sunetra musste unwillkürlich Lachen. "Das selbe gilt auch für dich, Gajin. Bleib schön hier, denn wenn du die Grenzen Altonas verlässt, werden wir dich zu unserem ganz speziellen Hobby machen. - Schönes verrotten noch, die Herren!"         
            Damit verschwand sie wieder im Astralraum. Doch bevor die Elfe zu ihren Freunden zurückkehrte, blieb sie noch ein Weilchen und genoss den Tobsuchtsanfall des zahnlosen Wargs.


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