Samstag, 1. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



Kapitel 4 - Breaking News

Hendrik, 19:43 Uhr

            "Hab ich die Scheiße ihnen zu verdanken?"   
Kaum hatte ich den Anruf auf dem billigen, aber dafür anonymen Wegwerfkomlink angenommen, schnauzte mich unser Auftraggeber barsch an. Ich blinzelte sein Videobild im AR verdattert an und bekam von einem ungelenken 'Ähm...?!' abgesehen keinen Pieps heraus. Mein Blick verriet ihm, dass ich keine Ahnung hatte, wovon er sprach, weshalb er seinen rüden Tonfall wieder etwas zurücknahm: "Schalten sie NDR Kanal 4 ein!"         
            Folgsam startete ich die TV-App meines Komlinks und wartete, bis der Minibildschirm vor der linken Hälfte meines Gesichtsfelds erschien. Die Nachrichten liefen gerade und verhießen nichts Gutes.          
            "
... wurde eine Mitarbeiterin der PR-Abteilung von Bürgermeisterin Lyzhichko bereits seit Dienstag Abend vermisst.", salbaderte die Moderatorin von Hamburg Heute mit einem süffisant unbeeindruckter Lächeln.      
            Als der NDR ein Bild von Stefanie Halvers einblendete, war klar, dass es sich tatsächlich um 'unsere' Vermisste handelte. Zunächst dachte ich mir nichts dabei. Früher oder später musste noch jemand anderes auf die Idee kommen nach ihr zu suchen. Vielleicht hatte jemand einen Kontrollanruf bei ihren Verwandten getätigt oder hatte versucht sie zu erreichen und war misstrauisch geworden. Ich gebe zu, dass es naiv von mir gewesen war, so eine Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben, denn am Ende des Beitrags ließ die Nachrichtensprecherin die eigentliche Bombe platzen:          
            "
Unbestätigten Gerüchten zufolge handelt es sich bei Stefanie Halvers um die Geliebte der Bürgermeisterin. Rudolf Neukollen von der Christlichen Volkspartei Hamburgs nahm dies zum Anlass den lockeren Lebenswandel der Bürgermeisterin scharf zu kritisieren."      
             Ich hatte genug gesehen und schaltete die Übertragung aus. Es war so unglaublich lächerlich. Da leben wir nun in der Erwachten Welt. Um uns herum Magie, Fabelwesen, spontane Mutationen, die wunderlichsten technischen Errungenschaften, Naturkatastrophen, in Chaos versinkende Teile des Planeten, Gesellschaften, die kollabieren... Um uns herum tauchen jeden Tag neue Phänomene auf, die unser Leben auf den Kopf stellen, aber immer noch ist eine einfache Lesbe in der Politik ein Anlass zu einem Aufschrei der Empörung. Haben wir nicht wichtigere Probleme?        
            Ich war mir nun sicher, dass die konservativen Gegner von Lyzhichko aus der Sache einen multimedialen Shitstorm entfesseln würden, um sie aus dem Amt zu kegeln. Und wer auch immer die Kampagne leitete, hatte mit Sicherheit auch mit dem Mord zu tun - zumindest indirekt. Ich atmete tief durch bevor ich sprach. "Sie haben ein Leck im Rathaus."   
            "Sind sie sicher? Sie könnten überwacht worden sein.", konterte der Schmidt skeptisch. 
            "Es ist nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Uns ist niemand aufgefallen, der uns verfolgt hätte. Da WIR keine Informationen an die Presse rausgegeben haben, ist das der logische Schluss. Vielleicht wollte sich nur einer was dazuverdienen, als er an die Presse gepetzt hat. Oder aber sie haben einen Maulwurf in ihren Reihen, der für die Gegenseite arbeitet." Das gab dem Decker am anderen Ende der Leitung erst mal Stoff zum Grübeln. Ich konnte geradezu sehen, wie sich seine grauen Zellen in den Sattel schwangen und losritten. Sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich zusehends unter der Vorstellung eines Spions im Rathaus. "Tut mir leid, dass ich sie so angefahren haben. Ich dachte wirklich...", entschuldigte er sich zerknirscht.     
            "Schwamm drüber. Wie wir ihnen bereits gestern gesagt haben, überlebt man in unserem Geschäft nicht lange, wenn man indiskret vorgeht." Er nickte, erleichtert darüber, dass ich es ihm nicht krumm nahm. Als Runner und ganz besonders im noch schmutzigeren Geschäftsfeld der Politik konnte man leicht paranoid werden - und das oft auch noch aus gutem Grund. "Haben sie etwas herausfinden können?"     
            "Leider ja. Wirklich sicher sein können wir erst ,wenn wir einen Zahnabgleich machen können, aber ich fürchte Frau Halvers ist tot."  
            "Wie?..."         
"Wir haben die Leiche einer erwürgten Frau im Kofferraum eines Dienstwagens der Stadt gefunden, den man im Eppendorf Park See versenkt hat. Der Ausweis der Vermissten war in ihrer Hosentasche. Es... tut mir leid."        
            Der Schmidt fiel in dumpfes Schweigen und dachte über die Konsequenzen nach, die er aus der Neuigkeit würde ziehen müssen. Bevor er mir antwortete, bekam auch Sunetra einen Anruf. Um ungestört reden zu können, ging sie auf dem Parkplatz der Schatzinsel etwas auf Abstand zu Lightning und mir. Wer da wohl dran ist? Es wird doch nicht diese Yashida Type sein?
            "Haben sie die Leiche entsorgt?", wollte der Schmidt wissen und riss mich damit aus meinen Gedanken.           
            "Entsorgt? Nein! Sie befindet sich in einem Kühlhaus, wo sie bis zum Abschluss der Mission sicher verwahrt wird. Ich denke, die Bürgermeisterin wird von ihr Abschied nehmen wollen."         
            "Da haben sie Recht. Dennoch - ich werde sie noch nicht vom Tod ihrer Lebensgefährtin in Kenntnis setzen. Ich hoffe doch sehr, dass sie die Polizei nicht von ihrem Fund informiert haben!?" Langsam wurde es lästig, wie er unsere Intelligenz beleidigte. "Noch einmal: Nein! Wir haben niemanden informiert. Sie haben klargemacht, dass wir die Polizei raushalten müssen. Aber das bedeutet nicht, dass wir wahllos Beweise vernichten werden, die den Täter überführen könnten."
            Der Schmidt nichte zustimmend.      
"Gut. - Je länger ich über ihre Theorie nachdenke, umso plausibler erscheint sie mir. Der Zeitpunkt zu dem der NDR mit dieser Nachricht rauskommt, erscheint mir nicht zufällig gewählt worden zu sein. Schon seit Monaten bereiten wir einen wichtigen PR-Auftritt von Frau Lyzhichko vor. Für morgen Früh war eine Wahlkampftour durch die Hamburger Viertel angesetzt, die an den Hafen angrenzen. Zum Abschluss sollte der Tag mit der Grundsteinlegung eines Renaturierungsprojekts der Hamburger Binnengewässer gekrönt werden. Das sollte eine richtig große Veranstaltung werden, aber jetzt ist alles für den Arsch. Jetzt interessiert sich jeder nur noch für ihre Affäre mit Frau Halvers.  
            Darum habe ich mich dazu entschlossen, ihren Auftrag anzupassen. Finden sie heraus, wer das Leck im Rathaus ist! Und ich will wissen, wer sie getötet hat!"          
            "Geht klar. - Was das WER angeht, haben wir schon eine Theorie." Der Schmidt zog eine Augenbraue hoch. "Ich höre."     
            "Frau Halvers Spur führt zur Schatzinsel. Wir glauben, dass sie hier unter falschem Namen gearbeitet hat, um politische Gegner ihrer Geliebten auszuspionieren. Wenn sie dabei aufgeflogen ist, wäre das ein starkes Tatmotiv. Wissen sie etwas hierüber?"  
            Er schüttelte den Kopf. "Nein. Wenn sie wirklich so etwas in diesem 'Sumpf' getan hat, dann hatte sie weder einen offiziellen, noch einen inoffiziellen Auftrag, von dem ich wissen würde." Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Arbeiten sie einen Plan für ihr weiteres Vorgehen aus und informieren sie mich so schnell wie möglich! In zwei Stunden wird die Bürgermeisterin eine Pressekonferenz geben und ich will wissen, was ich ihr davor an Infos mitgeben kann." 
            Damit legte er auf und ich sah Lightning an, die ebenfalls ratlos auf dem Parkplatz stand. Noch vor einigen Minuten hatten wir einen Plan - und nun DAS! Und zu allem Übel fing es auch noch an wie aus Eimern zu schütten.           
            Was für ein Scheißtag!
 
Largo, 19:45 Uhr

            Erleichtert entledigte sich der Zwerg seines Bieres und ließ es in das Porzellan an der Wand fließen. Nachdem Iron den beiden Wild Cards im Casino mitgeteilt hatte, dass sie vorerst drin bleiben sollten, beschlossen Cone und Largo zunächst die Örtlichkeiten aufzusuchen. Mit voller Blase denkt es sich nun einmal schlechter. Zwar hatte er auch dem Ork eine Anti-Rausch-Tablette gegeben, aber dennoch schielte er zweifelnd in Richtung des Pissoirs neben ihm. Er verspürte keine Lust von dem grobschlächtigen Ex-Ganger angepinkelt zu werden. Als Zwerg war er hier in deutlich benachteiligter Position. Nebenher zappte der Rigger durch die Fernsehkanäle, die er über seine Cyberaugen sehen konnte ohne sich vor die Glotze setzen zu müssen. Das Meiste waren diverse Sportsender. Stadtkrieg, Fußball, Deathmatch-Polo und... 'Nanu, das kenn ich doch!'   
            Geschwind wechselte Largo wieder zwei Kanäle zurück und fühlte sich bestätigt. Auf dem Nachrichtensender N24 wurden gerade Bilder vom Jugendzentrum gezeigt, in dem sie am letzten Abend diesem Mahmut ad-Din einen Besuch abgestattet hatten. 'Und wo ich die Kids im Videospiel abgezockt hab.', dachte er grinsend.
            So amüsant wie seine Erinnerungen waren die Live-Bilder im Fernsehen allerdings nicht. Er drehte die Lautstärke hoch und schüttelte die letzten Tropfen ab.        
            "
Eilige Sondermeldung! Vor einem Jugendzentrum in Hamburg-Nord hat sich ein wütender Mob versammelt. Vereinzelt kann man erkennen, dass die vornehmlich aus Neonazis bestehende Gruppe mit Baseballschlägern und Brecheisen bewaffnet ist. Die Randalierer verlangen die Herausgabe eines türkischen Lehrers, der an der Küppers-Schule arbeitet und im Jugendtreff ehrenamtlich das Nachwuchs-Stadtkrieg-Team trainiert." Damit jeder, der mitmachen wollte, auch wusste, wem der Schädel einzuschlagen war, blendete N24 zuvorkommend ein Foto ein. "Aufmarschiert ist die Gruppe Neonazis, nachdem Gerüchte aufkamen, dass Mahmut ad-Din verdächtigt wird, die Deutsche Stefanie Halvers ermordet zu haben. Dies steht im Widerspruch zu der Meldung, dass die PR-Beraterin der Bürgermeisterin derzeit lediglich als vermisst gilt. - Wir bleiben für sie dran."          
            'DREK! Und die Bullen machen nichts?! Das ist mal wieder typisch, dass sich diese rechten Schweine nie blicken lassen, wenn es den Leuten an den Kragen geht, die schon am Boden liegen.', dachte Largo bitter und betätigte die Spülung.         
            "Pack ein, Superhirn! Wir müssen sofort raus zu den anderen. Die Kacke hat soeben begonnen mächtig zu dampfen."

Sunetra, 19:46 Uhr

            "Der Ausweis der Vermissten war in ihrer Hosentasche Es... tut mir leid.", erklärte Hendrik mit Bedauern dem Schmidt.         
            Sie schlenderten gerade über den Parkplatz zum Toyota Coaster, als ihr Auftraggeber anrief - und ausgerechnet jetzt klingelte es auch noch auf ihrem Komlink. Die Nummer war unterdrückt. 'Wer zum Teufel hat denn meine Nummer?', fragte sich die Elfe, als sie neugierig den Anruf entgegen nahm. Das Videofenster in der unteren rechten Ecke ihres AR-Schirms füllte sich mit Statik. Im Hintergrund hörte sie schweres Atmen und ein seltsames Brummen, das mal lauter und dann wieder leiser wurde. Es erinnerte Sunetra an einen Motor. "Ähm, hallo?!", sprach sie vorsichtig, woraufhin eine männliche Stimme antwortete: "Hey! Sunetra, hab ich recht? Largo hat mir deine Nummer gegeben - für den Fall, dass ich ihn mal nicht erreichen kann."       
            "Äh, Kabler?!" Die Magierin erinnerte sich entfernt an die Stimme, die sie aber bislang nur wenige Male, und dann auch nur kurz, gehört hatte. "Der einzig Wahre!", verkündete der Hacker mit stolzem Sarkasmus.  
            "Wart mal kurz!"         
Verunsichert starrte die Elfe ins Leere und lauschte den Geräuschen am anderen Ende, das sonstwo in der Welt gewesen sein konnte. Plötzlich brüllten drei Schüsse aus einer ungedämpften Pistole über den Kopfhörer. Reifen quietschten, eine Tür wurde geöffnet, der Motor wurde kurz lauter, nur um sich danach rasch zu entfernen. Nach einer elend langen Schrecksekunde platschte etwas Schweres ins Wasser.        
            "Boah, ich bin echt aus der Übung.", keuchte Kabler angeschlagen. Nachdem zwei weitere Schüsse gefallen waren, sprach er weiter: "Eure Datenspur ist für'n Arsch!"   
            "Wie meinst du das?" Sunetra erinnerte sich, dass Largo seinem alten Freund über eine tote Mailbox in der Matrix eine Nachricht hatte zukommen lassen. Der Runner sollte für die Wild Cards versuchen die gelöschten Daten auf dem Anrufbeantworter des Opfers wiederherzustellen und herausfinden, ob sich eine Spur in der Matrix bis zum Täter zurückverfolgen ließ. Zusätzlich hatte ihm der Zwerg noch die Daten zugeschickt, die sie aus ihrer Wohnung hatten mitgehen lassen.       
            "DREK!", rief der Hacker verärgert. "Wart nochmal kurz! - IHR VERDAMMTEN WICHSER!" Begleitet von einem Stakkato aus automatischen Waffen, schrie sich der Mann die Seele aus dem Leib, um den Lärm zu übertönen. Dann rumpelte etwas schwer. Kabler schoss noch einige Male. Ein weiteres Platschen erklang, gefolgt von den klingelnden Lauten von Metallrohren, die übereinander fielen und rollten.          
            "So, da bin ich wieder. Also, ich bin ins System reingekommen, aber ich bezweifle, dass die Infos euch helfen werden. Da war viel privater Scheiß drin. Beispielsweise Voicemails von ihr an sich selber - als Erinnerungen an Termine oder Sachen, die sie noch zu erledigen hatte. Im Grunde halt ganz normaler Krempel. Ohne weitere Anhaltspunkte wonach ich überhaupt suchen muss, sind die Daten bloß unbedeutender Müll. Ich kann keine relevanten Zusammenhänge erkennen. Und die Spur zu demjenigen, der den AB gelöscht hat, verliert sich in der Matrix."            Das war ärgerlich, aber die Wild Cards hatte schon damit gerechnet, dass diese Spur längst kalt war. "BLEIBST DU WOHL LIEGEN!" Weder das Knacken von brechenden Knochen in der Ferne, noch den einsetzenden Regen auf dem Parkplatz, nahm die Elfe wahr. Was der Hacker gerade trieb war irrelevant für sie. Sunetra wollte schon auflegen, als ihr die Überwachungsdrohnen im Park einfielen.         
            "Da wäre noch eins, Kabler.", begann sie, aber ihr Gesprächpartner fiel ihr ins Wort. "Schreibt mir ne Mail! Es ist gerade verdammt schlecht. - Oh FUCK, FUCK, FUCK!" Bevor die Verbindung getrennt wurde, konnte die Magierin noch schwere Maschinen und eine Explosion hören.         
            Als sich die Elfe umdrehte, um Iron und Lightning die Neuigkeiten zu erzählen, sah sie Largo und Cone mit großen Schritten durch den Regen auf sie zukommen. "Hey Kurzer! Wo warst du? Kabler hat versucht dich zu erreichen.", rief sie dem Zwerg zu.   
            "Ich war auf dem Klo. Wahrscheinlich wird weiter drin im Casino das Signal gestört. Was wollte er denn?"           
"Nun, hauptsächlich hat der Angeber Leute erschossen."    
            "Was?", fragte der Rigger entgeistert, aber sogleich winkte er wieder ab. "Egal. Erklär es mir nachher. Leute, wir sollten uns besser sputen."         
            "Was ist denn jetzt schon wieder?", seufzte Iron genervt.
"Wir müssen einen Sündenbock vor der Schlachtbank retten."

Alyssa, 20:04 Uhr

            Nachdem man sich auf dem Weg zum Auto gegenseitig über die neuen Entwicklungen in Kenntnis gesetzt hatte, saßen die Wild Cards durchnässt in ihrem Toyota Coaster und fuhren vom Parkplatz los. Während Largo und Hendrik vorne saßen, hatte Cone mit den Frauen auf der Rückbank Platz genommen. Auf die Windschutz-scheibe wurde die N24-Liveübertragung projiziert. Die Kamera der Nachrichtendrohne zeigte den rechteckigen Bau des Jugendzentrums mit dem großen, offenen Innenhof aus der Vogelperspektive. Das Tor war verrammelt und die Jugendlichen hatten Barrikaden errichtet, hinter denen sie sich verschanzt hatten. Vor dem Tor versammelten sich immer mehr Glatzen, aber auch eine Menge Schaulustige wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen. 'Noch hält das Tor, aber für wie lange?'    
            Es galt keine Zeit zu verlieren, aber der Rigger hatte ihnen klar gemacht, dass er selbst bei optimaler Verkehrslage mindestens fünfzig Minuten brauchen würde, bis sie am Jugendzentrum wären. Darum suchte Alyssa Mahmuts Nummer aus dem Terminkalender heraus, den sie aus der Wohnung der Toten hatten mitgehen lassen. Bestimmt hatten schon zig Reporter versucht ihn anzurufen, falls es sich nicht um eine Geheimnummer handelte. 'Hoffentlich geht er überhaupt dran.'   
            Es tutete viermal, fünfmal. Nach dem siebten Klingeln wollte Lightning schon auflegen, als es unerwartet in der Leitung knackste und Mahmuts Gesicht im Videofenster erschien. Der Mann mit den türkischen Wurzeln sah abgehetzt aus. "Ich werde verdammt nochmal keine Interviews geben! Und nun lassen sie mich endlich in Frieden! Ich habe dringendere Probleme und..." Bevor er wieder auflegen konnte, unterbrach die Magierin ihn. "Wadi, ich bin nicht von der Presse."   
            Seinen Spitznahmen zu benutzen zeigte Wirkung. Er sah Alyssas Konterfei in seinem Videofenster genauer an und erkannte sie wieder. "Ach sie sind's. Was wollen sie denn noch? Ich habe ihnen bereits alles gesagt, was ich weiß." 
            'Von wegen. Wir wissen genau, dass du etwas verheimlichst. Und darum brauchen wir dich noch.'     
            "Wir haben in den Nachrichten gesehen, was bei ihnen los ist. Sie müssen sofort alle da raus! Haben sie einen Hinterausgang oder so etwas ähnliches?"     
            "Nein! Es gibt nur das Fronttor. Aber selbst wenn, werde ich diese Kinder niemals im Stich lassen. Das Einzige, das diese Bestien da draußen davon abhält hier einzufallen, ist, dass sie nicht wissen, ob wir die Waffen vom Stadtkrieg Training hier haben."  
            "Sie haben die Kinder auch an scharfen Waffen ausgebildet?", platzte die Zauberin mittelprächtig entsetzt heraus, doch Mahmut zuckte nur mit den Schultern. "Wenn die Jugendlichen eine Zukunft in der Profiliga haben wollen, geht es nicht anders."
            "Wadi, werfen sie ihr Leben nicht aus einem falschen Sinn für Idealismus weg! Wenn sie fliehen lässt der Mob die Kinder in Ruhe." Daraufhin musste Wadi abfällig lachen. "Das glauben sie doch selbst nicht. Das ist für diese Nazischweine DIE Gelegenheit. Hier sind Orks, Trolle, Zwerge, Ausländer - und ihre Freunde. Hier ist jeder ein legitimes Ziel. Wenn die hier rein kommen, wird es in einem Blutbad enden."           
            Lightning wollte es ihm nicht über eine Verbindung sagen, die man abhören konnte, aber es ging nicht anders. "Die haben bereits eine Unterstützerin des Jugendzentrums umgebracht - und mit ihnen wollen die jetzt weiter machen." Falls sie abgehört wurden, hoffte sie, dass sie sich kryptisch genug ausgedrückt hatte, um Außenstehende rätseln zu lassen, von wem sie sprach. Einen Moment lang hielt der Lehrer den Atem an und führ sich entsetzt mit der Hand vor den Mund. "Es ist also wahr?"        
            "Ja. Es tut mir leid, Mahmut."
Dann überlegte er kurz und schüttelte den Kopf. "Nein, nein! Es geht nicht anders. Wenn ich fliehen würde, was würde das für einen Eindruck hinterlassen? Man würde mich für schuldig halten. Nein! Das werde ich nicht zulassen."   
            Mit diesen Worten kappte der Lehrer die Verbindung und das Videofenster erlosch mit einem Rauschen wieder. Alyssa schlug wütend gegen Largos Kopfstütze. "Verdammter Sturkopf! ... OK, Leute. Er sitzt im Jugendzentrum in der Falle."

Largo, 20:06 Uhr

            "Wadi, ich bin nicht von der Presse." 
Largo ging der Lärm im Auto dezent auf den Wecker. Daher entschied er nicht wie sonst manuell zu fahren, sondern klinkte sich über die Riggeradaption in die Matrix des Wagens ein und sagte den meisten seiner weltlichen Sinne 'Gute Nacht'. Eben noch sah er mit seinen eigenen Augen, wie die Wischer den in dicken Tropfen herab pladdernden Regen von der Scheibe schoben, aber in der nächsten Sekunde war er zu einem Teil des Toyota geworden und nahm fortan seine Umwelt mit Kameras, Sensoren und anderen Systemen wahr. Dieser Umstand verlieh ihm die Möglichkeit mehr zu sehen als normale Menschen. Es war sozusagen die Magie des Riggers, die ihm unter anderem die exakten Geschwindigkeiten verschiedener Körper zueinander offenbarte oder wie weit entfernt sich Objekte befanden, wie hoch der Reifendruck war oder wie viel Grip die Reifen hatten. Im Endeffekt führte das vor allem dazu, dass er den Wagen viel besser unter Kontrolle hatte, als ein normaler Fahrer. Zugegeben, derart abgekoppelt von seinem Körper sabberte er in der echten Welt aus dem Mundwinkel, aber dafür sah er Dinge, die nicht da sein sollten. So zum Beispiel der Zugangsknoten, der dem Wagen wie ein braves Hündchen zu folgen schien.  
            'Ein mobiler Hot-Spot auf der Schatzinsel? Ne, das glaube ich nicht.' Umgehend widmete er dem neuen Phänomen exakt 78,25 % seiner Aufmerksamkeit. Der Rest achtete weiter auf den Straßenverkehr und lotste den Wagen zum Tunnel, der von der Schatzinsel herunter führte. Der Zwerg hatte bereits eine Vermutung, um was es sich handelte, aber erst ein Studium der Sensordaten bestätigte sie. 'Was will denn die Flugdrohne von uns?'  Sie selbst stellte einen Zugang dar, der als aktiver Knoten in der Matrix geortet werden konnte. Die Frage war nur, ob sie bloß standardmäßig ihre Route abflog, die zufällig über die Straße führte, oder ob sie spezielle Interessen verfolgte. Als der Toyota in den Tunnel fuhr, riss die Verbindung vorerst ab, weswegen der Rigger ungeduldig auf dessen Ende wartete. Am Rande bekam er mit, wie Cone intensiv auf jemanden einredete, aber Largo konnte und wollte seine Konzentration nicht auf das Gelaber in ihm verschwenden. 'Nein, nicht IN MIR, im Wagen!', korrigierte er sich. Eingeloggt zu sein konnte die Selbstwahrnehmung stark verzerren, wenn man sich nicht in Acht nahm.        
            Endlich war wieder freier Himmel über ihren Köpfen und wie er befürchtet hatte, folgte ihnen der Hot-Spot immer noch hoch oben in der Luft. 'OK, du hast es so gewollt! Mal sehen, was deine Systeme so zu meinen kleinen Helferchen sagen.', dachte er sich vergnügt. Dadurch, dass die Drohne selbst aktiv mit der Matrix verbunden war, konnte auch der Zwerg versuchen in dessen Eingeweide vorzudringen. Sofern die Drohne mit einem vordefinierten Programm lief und nicht aktiv von einem Rigger gesteuert wurde, sollte es ihm ein Leichtes sein, an die Systeme anzudocken.   
            'Geschafft! Na allzu groß war die Herausforderung nicht gewesen.' Etwas enttäuscht war Largo seltsamerweise schon. Aber wenn er schon einmal drin war, konnte er sich auch gleich mal umsehen. 'Interessant. Hat dir etwa jemand erlaubt uns so frech auszuspionieren? Ich glaube, ich muss dir mal Benehmen beibringen.' Doch wie?          
            Reinkommen war oft einfach, aber komplexe Anweisungen erteilen war eine Aufgabe, für die ein richtiger Hacker benötigt wurde. Es musste also etwas Einfaches sein. Etwas, das dem Gegner nicht verriet, dass jemand an seinem Spielzeug herumfingerte. Nach kurzem Überlegen hatte der Toyota eine Idee. Über dem Wagen drehte die Drohne bei und flog zur Insel zurück. 'Geh heim zu Papa!', lachte er erneut auf. Hier im Inneren der Maschine war alles so viel einfacher als draußen in der echten Welt. 'Herrlich!'  
            Plötzlich fiel ihm ein, dass er eigentlich besorgt sein müsste. Niemand wird ohne Grund verfolgt. Vielleicht sollte er besser die anderen informieren.

Cone, 20:09 Uhr

            "Was ist denn da los, Marten?! Habt ihr Angst euch die Hände schmutzig zu machen?", brummte der Ork säuerlich und sah seinen Freund über die Komlinkverbindung scharf an. Es ärgerte Cone, dass die Polizei sich immer noch nicht vor dem Jugendzentrum hatte blicken lassen. Die Live-Übertragung von N24 bewies das nur zu gut. 'Was für ein Zufall ist das denn? Man hat ein ungeliebtes Förderprojekt für unterprivilegierte Kinder, dem man am liebsten Hahn zudrehen würde. Man kann das aber nicht ohne Grund tun. Auf einmal hängt man einem Türken den Mord an einer Deutschen an und liefert den Naziknilchen einen Vorwand das Jugendzentrum niederzubrennen. - Und keine Sau hilft!'           
            Cone ermahnte sich, dass er nicht nur deshalb empört sein sollte, weil es sich bei den Kindern hauptsächlich um Orks und Trolle handelte. Es war generell falsch. Und das gedachte er auch dem Herrn Hauptkommissar von der HanSec in Eimsbüttel einzubläuen. Der wiederum blickte genervt und niedergeschlagen zugleich drein. "Hör mal, mein Junge. Sei fair zu mir! Du kannst mich nicht dafür verantwortlich machen. Ich finde es selbst zum Kotzen, aber mir sind die Hände gebunden. Der Befehl kam von ganz oben. Und du weißt, was das bedeutet."       
            Der Ork verschränkte die Arme. "Also ist die Polizei doch nur der verlängerte Arm der rechten Parteien, oder was?"  
            "Red keinen Quatsch, Cone! Nur die wenigsten hier sind so eingestellt."    
            "Nur die Vorgesetzten, wie?", ätzte der Ex-Ganger, doch Marten überhörte ihn geflissentlich. "Es ändert nichts daran, dass wir Anweisung haben nicht einzuschreiten. - Ihr habt in diesem Fall viel mehr Möglichkeiten etwas zu bewirken als wir."       
            "Wie meinst du das denn?"   
"Naja, du warst doch mal Mitglied einer Gang. Vielleicht kannst du ja ein paar der örtlichen Banden motivieren, die Nazis wegzujagen." Draußen wurde es wieder heller, als der Toyota aus dem Tunnel heraus fuhr. Cone sah nachdenklich aus dem Fenster heraus. Bei näherer Betrachtung war die Idee gar nicht mal so blöd. "OK, klingt vernünftig Ich werde meinen alten Boss anrufen und sehen, was ich tun kann."    
            "Gut. Aber mach schnell! Die Lage spitzt sich gefährlich zu. Wer weiß wie lange sich der Mob noch zurück hält. Ich hab kein Bock auf Rassenunruhen in Hamburg, nur weil hier jemand einen Türken über die Planke gehen lassen will."

Alyssa, 20:13 Uhr

            Es war offensichtlich was der Schmidt dachte, als er aus dem Hintergrund hören musste, wie sich Cone für 'den Dildo' bedankte. Alyssa verschwendete daher auch keine Zeit, und zerstreute seine Gedanken: "Ähm, das ist nur ein Insidergag!  Nichts von Belang - Ha, ha!" Der Hacker rollte mit den Augen, ließ dann aber glücklicherweise davon ab, das Thema zu vertiefen. 'Muss der dämliche Hauer so laut mit Finch reden? Die Verbindung nach Berlin wird nicht besser, wenn man ins Mikro brüllt.'     
            Während der Ork mit seinem Kumpel bei der Hamburger Polizei telefoniert hatte, zerbrachen sich die Magierinnen mit Hendrik den Kopf darüber, wie man aus der verfahrenen Situation wieder heraus kommen konnte. Der Plan war so einfach und simpel, dass er klappen musste. Nachdem Stefanie Halvers vermisst und von einigen Glatzen sogar für tot gehalten wurde, musste man die Leute vom Gegenteil überzeugen; beispielsweise indem sie auf einem aktuell aufgezeichneten Video auftauchte. Da die Halvers aus offensichtlichen Gründen schlecht selber auftreten konnte, sollte einer der Wild Cards ihre Rolle übernehmen.         
            "Und wie soll das funktionieren? Niemand aus ihrer Gruppe sieht ihr auch nur annähernd ähnlich. Wenn sie ihrem Orkfreund seinen... Dildo auf die Stirn schnallen, geht der eher als Einhorn durch, als dass ihnen jemand dieses Täuschungsmanöver abnehmen wird." Der Gedanke ließ Lightning schmunzeln. Sie sollte sich die Idee merken, falls sie mal wieder ein Ablenkungsmanöver brauchen sollten. Ein orkisches Einhorn war sicher ein echter Hingucker. Doch so amüsant die Vorstellung auch war, schüttelte sie den Kopf. "Sie vergessen, dass meine Kollegin und ich in den magischen Künsten bewandert sind. Wir werden eine physische Maske wirken und so einen von uns aussehen lassen wie Frau Halvers. Die Kameras werden keinen Unterschied merken. Und zusätzlich haben wir noch ja ihren Ausweis, um ihre Identität zu bestätigen."      
            Dem Auftraggeber schien der Plan zu gefallen. "Wenn sie so eine Maske herbeizaubern können, warum geben wir denn dann nicht einfach direkt eine Pressekonferenz? Das sollte selbst den letzten Zweifler überzeugen."     
            "Die nichtmagischen Wesen können wir damit an der Nase herumführen, aber ein anderer Zauberer wird die Maskerade mit Leichtigkeit durchschauen. Tut mir leid. Das Risiko ist zu groß."       Er war ein bisschen enttäuscht, versuchte es sich aber nicht anmerken zu lassen. "Nun gut. Ihr Plan sollte uns einige weitere Stunden Atempause verschaffen. Machen sie dieses Video so schnell wie möglich. Dann sehen wir weiter. Mit etwas Glück provoziert das den Mörder genug, damit er sich aus seiner Deckung traut."                       "Das war der Plan." Lightning grinste verschwörerisch und legte auf. Das war erledigt. Nun mussten sie nur noch Mahmut die Haut retten. Hoffentlich hatte Cone aus seinem alten Boss von der Dragonhornet Gang ein paar brauchbare Kontakte heraus leiern können.

Ram's Children, 20:18 Uhr

            Wie ein nerviges, quengelndes Kind blökte das Kom unablässig vor sich hin. Genervt schielte Crusher in Richtung des Störenfrieds. Schließlich ließ er unter schwerem Seufzen den letzten Schwall Bier in den Humpen fließen und stellte ihn vor seinem Kameraden auf der Theke ab. Der behäbige Troll kratzte sich gelangweilt am Ansatz seines linken Horns und griff nach dem Glas, während der Wirt zum Kom herüber ging und den Anruf annahm. *Orzag's Hell - Bar und Grill. Skraa! Was gibt's?*, knurrte er auf Or'zet ins Mikro, nachdem im Display das Gesicht eines glatzköpfigen Orks erschienen war. Doch anstatt wie es sich gehörte ebenfalls mit 'Skraa!' zu antworten, glotzte ihn der unhöfliche Kerl nur blöd an und besaß dann auch noch die Frechheit in auf Deutsch anzulabern. Naja, man musste in Hamburg ja schon froh sein, dass es nicht russisch war. "Ähm.... hallo, ich wollte was mit ihnen besprechen."
            "Verpiss dich aus der Leitung, buunda Ujnort!", konterte Crusher, wenngleich er nicht glaubte, dass der dämliche Ork seine Beleidigung verstanden hatte. Dann unterbrach er die Verbindung und trottete zu seinem Zapfhahn zurück. Kaum hatte er das nächste Glas zur Hälfte gefüllt, klingelte es wieder. Schnaubend knallte der Wirt das Glas auf die Arbeitsplatte und fluchte das Kom an. Als es nicht aufhören wollte, erbarmte er sich und ging wieder zum Telefon. 'Wenn wieder dieser keine Pisser dran ist, kriegt der was zu hören.', dachte er. Dass er keinen blassen Schimmer hatte, wie er ihm dann von der Kneipe aus weh tun konnte, stimmte ihn nicht besser gelaunt.          
            Wieder war es ein Ork, aber dieser hatte geradezu menschliche Gesichtszüge. Erneut grüßte er auf Or'zet: *Orzag's Hell - Bar und Grill. Skraa!*  
            Doch dieses Mal hielt sich sein Gesprächspartner an die Etikette und antwortete ebenfalls in der Orksprache. *Skraa!*         
            *Was willst du? Hast du was mit dem Depp von vorhin zu tun?*, wollte er wissen. Sein Gegenüber lachte. *Ja, du hattest meinen Cousin dran. Verzeih ihm, aber er hatte keine gute Kinderstube. Seine Eltern hielten es nicht für notwendig ihm unsere Sprache beizubringen. Aber ihn als Nichtork zu beschimpfen war schon etwas hart.*       
            Der Kerl war ihm aus einem seltsamen Grund sympathisch. Irgendwie schien er ganz in Ordnung zu sein. *OK, was willst du von mir?*          
            *Genauer gesagt will ich etwas von den Ram's Children, Crusher.* Es war kein Geheimnis, dass Orzag's Hell die Stammkneipe der Gang war, die nur Orks und Trolle aufnahm und als Markenzeichen Trollhammer fuhr. Aber nur selten rief ein Außenstehender an und sprach ihn so unverblümt auf das Hamburger Chapter an. *Wo hast du die Nummer her?*  
            *Mein Cousin war mal bei den Dragonhornets in Berlin. Er hat seinen alten Boss Finch angerufen und von ihm deine Nummer bekommen.*
            *Wart mal! Finch? Der kleine Perversling hat die Alte vom Boss angegraben. Sag dem Wichser, dass er tot ist, wenn er sich hier nochmal blicken lässt!*     
            *Jetzt fahr mal die Hormone runter und mach dich locker! Es geht um Wichtigeres als Weiber.*  
*Lass hören!*, sagte der Troll nach einer dramatischen Pause.
            *Mach mal Kanal 4 vom NDR an! Da geht's grad unseren Jungs und Mädels an den Kragen.* Normalerweise ließ sich Crusher nichts sagen, aber er war neugierig. Als er vom Hoverball Spiel zu den Nachrichten umschaltete, murrten einige der Gäste, aber alle wussten, dass man sich mit dem Wirt besser nicht anlegte. Er sah jede Menge Glatzen vor einem Jugendzentrum, die aussahen, als wären sie auf ein wenig Rauben und Brandschatzen aus.          
            *Ich seh es mir an. Und jetzt?*        
*In dem Jugendzentrum sind fast alle Trolle und Orks. Crusher! Die scheiß Nazis haben die Jagd auf Hauer eröffnet. Und sie nehmen sich unsere Kinder vor.*    
            Er zuckte mit den Achseln und versuchte gleichgültig auszusehen. *Und was soll ich da jetzt machen?* 
*Die Bullenschweine halten sich fein raus. Ich hatte gehofft, dass die Ram's Children dem Pack mal die Leviten lesen könnten.*       
            Gerade als er daran dachte dem Kerl wie seinem Cousin zu sagen, dass er sich verpfeifen sollte, rief seine Frau zu ihm herüber. *Was willst du, Weib?*        
            Sie stand vor dem Trividschirm und beobachte die Live-Übertragung. *Das sind doch die Jungs auf die du nächste Woche Sechstausend gesetzt hast!*          
            *Was?* Er schaltete die Verbindung stumm und ging zu seiner Frau. *Bist du sicher?*    
            *Klar! Zwei von Hillus Jungs sind doch in der Mannschaft. Ich hab die mal zum Training da hingefahren.* 
            *Drek!* Mehr musste Crusher nicht hören. Er ging zurück zum Kom und schaltete den Ton wieder an. *OK, ich red mit dem Boss. Wir fahren da mal mit dem Chapter vorbei und sehen uns das an. Aber das machen wir wegen unserer Kohle und nicht wegen euch.*         
            *Mir egal warum ihr es tut - Hauptsache ihr tut es.* Dann legte der Ork auf und ließ Crusher zurück, der bereits die Nummer vom Boss in seinem Komlink wählte.

Hendrik, 20:46 Uhr

            Largo brachte den Toyota vor dem schäbigen Stundenhotel zum Stehen, wo ich mit Sunetra ein bisschen Hollywood spielen sollte. "Pass auf die Drohne auf! Die ist empfindlich!", ermahnte mich der Zwerg, als er mir das zierliche Stück Technik in die Hand drückte. Ich hielt das Gerät grinsend in die Höhe. "Weiß gar nicht was du hast. Du wirst uns doch hierüber eh permanent beobachten."          
            "Auch wieder wahr. Jetzt macht euch raus hier! Vielleicht schaffen wir es noch vor den Ram's Children beim Jugendzentrum zu sein." In dem Moment lehnte sich Alyssa nach vorne und zeigte auf den Bildschirm, der auf die Frontscheibe projiziert worden war. "Zu spät, Knubbelchen! Mach mal lauter!"      
            Tatsächlich kam gerade Bewegung in die aufgepeitschte Menge. "
... eine Gruppe von Bikern vorgefahren. Auf ihren Kutten sehe ich das Widderhorn der Ram's Children. Die Neonazis haben sie nun bemerkt und gehen ihnen entgegen, aber mehrere Mitglieder der Gang ziehen langläufige Waffen. Ich kann leider nicht genau erkennen, um welche es sich handelt. Jedenfalls scheinen es sich die Rechtsradikalen nun noch einmal zu überlegen und weichen zurück."          
            Wen wundert's? Schließlich würde ich mich auch dezent verpissen, wenn ich mich mit nur einen Baseballschläger gegen Automatikwaffen und Schrotflinten wehren müsste. Ich hatte genug gesehen und stieg aus. "Immerhin etwas, das heute klappt. Seht zu, dass ihr Mahmut da raus bekommt! Wir treffen uns dann nachher am Dock. Aber passt auf, dass ihr nicht verfolgt werdet! Die Drohne auf der Schatzinsel war vielleicht nur ein Vorgeschmack." Ich seufzte schwer. "Hab ich je erwähnt, dass ich Politik hasse?" 
            Cone, Largo und die Magierinnen antworteten unisono: "Wir auch!"

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