Sonntag, 26. Januar 2014

Unterm Messer


                                             Kapitel 5 - Akronym des Todes

Das wütende Krächzen eines unsichtbaren, vielstimmigen Rabenchors, der sich um fette Beute zankte, erfüllte Sunetras magisches Refugium. In der Mitte, kniend auf einem weichen Kissen, umgeben von drei ineinander verflochtenen Kreisen aus brennenden Stumpenkerzen, die sie wie ein stilisiertes Dreieck einrahmten, verharrte die junge weißhaarige Frau. Schon seit Minuten murmelte sie fremdartige Worte, während sie in einem Schüsselchen vor sich ein Pulvergemisch aus Kohle, Beifuß, Ingwer, Blut und Haaren verbrannte. Leise hatte sie begonnen, steigerte sich aber schon bald in einen geradezu manischen Singsang hinein, der von unkontrollierten Zuckungen ihres Oberkörpers begleitet wurde.            

 
            Das Humanmaterial, das dort in unangenehm riechenden, sich in Bodennähe sammelnden Rauch aufging, stammte von Sven Nider und sollte sie zu ihm führen. Nachdem Lightnings Versuche ihn magisch aufzuspüren, fehlgeschlagen waren, brauchten sie dringend Hilfe von jemandem, der auf diesem Gebiet mehr Erfahrung hatte. Sie waren glücklicherweise schnell fündig geworden, denn Sunetras Freundin aus ihrer Zeit bei MCT war wegen einem Job in Bremen und kam am nächsten Abend spontan zu ihr nach Hamburg. Die Elfe wünschte, sich an mehr als nur an einige Bilder und zusammenhanglose Dialoge erinnern zu können. ‚Ich sollte mich bald mal mit Lina zusammen setzen und mein Gedächtnis auffrischen.‘ Doch das musste warten. Dringendere Aufgaben standen auf der Agenda.       
            Als Linas Gesang und die wilde Kakophonie des Rabenchors wie ein Echo verebbten, klarten sich die zuvor in weißem Glanz leuchtenden Augen auf, als würden Wolken vom Himmel gezogen werden. Sogar der sie umspülende Qualm aus dem Schüsselchen löste sich zügig auf. Das Ritual war zu Ende. Mit Geschick zeichnete sie einige Buchstaben auf einen Zettel, den sie aus dem Hosensäckel fischte. Langsam stand die Schamanin auf, glättete ihre weiße Leinenbluse über der schwarzen Stoffhose mit dem Aufdruck von ausgebreiteten Schwingen über Schoß und Hintern, und kam zur Elfe, die außerhalb des Aufbaus geduldig gewartet hatte. Lina lächelte als sie den Zettel übergab. Sunetra nahm ihn entgegen, sah aber nicht hin. „Du hattest Erfolg?!“        
„Die Geister waren mir hold, alte Freundin. - Wie immer.“   
            Nun las sie die Adresse auf dem Stück Papier. Es kostete sie keine Mühe, die klar geführten, feinen Linien zu entziffern. Lina hatte ein Talent für diese Dinge. ‚Ob ich sie wohl schon damals versucht habe, für die Kunst der Kalligraphie zu begeistern?‘     
„Ich glaube, das ist in der Nähe des Hafenbeckens.“
            „Definitiv keine schöne Gegend. Dort …haust der Bodensatz der Gesellschaft.“      
„Perfekt! Dann wird sich auch niemand für unsere keine Operation interessieren.“ Sie hob den Zettel hoch. „Ich würde jetzt lieber mit dir über die alten Zeiten quatschen, aber ich fürchte, ich muss los.“
            Die menschliche Frau setzte einen beleidigten Gesichtsausdruck auf, grinste dann aber und winkte ab. „Kein Thema. Dank deiner Empfehlung bei dem Schmidt der Bürgermeisterin, hab ich noch einen kleinen Job an Land ziehen können. Ich bin also noch ein paar Tage in der Stadt. Wie wäre es mit morgen Abend? Ich meine, falls du dann noch lebst.“ Sie lachte spöttelnd. Nun war es Sunetra, die gespielt beleidigt die Augen verdrehte, während sie eine Nummer in ihrem Komlink wählte. „Klar. Welche Armee soll denn das Kunststück vollbringen?“       
            Am anderen Ende nahm der Zwerg der WildCards ihren Anruf entgegen. Erwartungsvoll sah er sie über das Videobild im AR Schirm vor ihr an. „Ich hoffe ihr habt alles gepackt. Es geht Richtung Hafen.“       
            „Sehr gut, kleine Zauberfee.“
Sie lupfte eine Augenbraue: „Warst auch schon lustiger, du öliger Charmebolzen.“ Als Antwort darauf zeigte er der Elfe zwei makellose Zahnreihen.   
            „Ich bin gleich bei euch. - Ach ja, und sag den anderen, dass sie sich beeilen sollen. Sonst geht uns Nider wieder durch die Lappen.“
                                   ***
            Riggern war ein besonderes Talent für den Umgang mit Maschinen zueigen. Sie waren durch in den Körper implantierte Cyberware bestens ausgerüstet, um Drohnen und mobile Waffensysteme zu steuern, eigneten sich je nach Einsatz und zur Verfügung stehenden Werkzeugen sowohl für defensive Aufgaben, sowie blutrünstige Gemetzel oder für Aufklärung und Spionage. Wenn sie mit ihrem Equipment arbeiteten, waren sie besonders verletzlich, denn meist nahmen sie kaum noch etwas von ihrer unmittelbaren Umgebung wahr. Da sich ihr Geist in der zentralen Steuerungseinheit von einem oder gleichzeitig mehreren Geräten befand, war es ihnen nämlich nicht möglich noch auszuweichen, wenn sie aufs Korn genommen wurden. Oftmals hielten sie sich daher im Hintergrund auf, wo man die Zielscheibe auf ihrem Schädel nicht so gut sehen konnte.   
            Da sie zudem in der Regel auch noch das Fluchtfahrzeug steuern mussten, gehörte es zu dem Schicksal vieler Rigger alleine im Wagen zu warten. Obwohl Largo ein erfahrener Kämpfer war, der sehr gut austeilen konnte, wusste er, dass es Situationen gab, in denen seine Aufgabe hinter der Front wichtiger als ein Kopfschuss war. Dennoch änderte das nichts an der Tatsache, dass er es wie die Pest hasste zu warten. Wenigstens hatte er einen Überblick über die gesamte mitternächtliche Operation, da sie die Komlinks miteinander verbunden hatten. Alle Brillenkameras schickten ihm brav ihre Daten. Der Bordcomputer des Toyota wiederum stellte sie in vier Fenstern als Projektion im AR dar. Gerade zeigten die Videos, wie Hendrik, Alyssa, Sunetra und ihr Showpraktikant Hank mehr oder weniger elegant aus einem Fenster im fünften Stock zum Dach hoch kletterten.      
            Die Reihe Gebäude vor denen er geparkt hatte, stellte die direkte Grenze zum Seitenkanal des Hafenbeckens dar. Das bedeutete, dass man vom Dach aus ins kühle Nass hopsen konnte, sofern man lebensmüde war. Allerdings bedeutete das nicht, dass es auf der anderen Seite der Mauern weniger ungesund werden konnte. ‚Manchmal hab ich den Eindruck, dass Hamburg nur aus einem Flickenteppich von elenden und noch elenderen Gegenden besteht, die sich lediglich in Nuancen voneinander unterscheiden.‘ Jedenfalls führten ihre Aufträge sie regelmäßig in den siebten Kreis der Hölle irdischen Daseins, wo man entweder mit Drogen dealte, Frauen und Kinder auf den Strich schickte, jeden ausraubte, der aussah als hätte er auch nur einen einzigen Cent mehr in der Tasche als man selbst oder man seine Opfer in Gassen verschleppte und ihnen die Bäuche aufschnitt, um ihre Organe zu klauen. ‚OK, das war unfair. Hamburg ist schließlich nicht Singapur.‘
            Die seit den Dreißigern nicht mehr renovierten, abbröckelnden Fassaden, der herumliegende Müll, die aufgeplatzten, mit Unkraut überwucherten Gehwege und das Ambiente der Stundenhotels sprachen jedenfalls eine deutliche Sprache. Nicht einmal AR Werbung traute sich in dieses Viertel. Unglaublich, dass die Freier freiwillig mit ihrer gemieteten Ware in diesen Drecklöchern auf einen schnellen Fick abstiegen. ‚Hier würde ich nicht mal Scheißen gehen!‘, ging es Largo durch den Kopf.           
            Inzwischen waren seine Freunde auf dem Flachdach angekommen und schlichen sich mit gezogenen Waffen zum Nachbargebäude, dem Hotel mit dem illustren Namen ‚Zum Lustigen Hammer‘. Die Zielperson befand sich im obersten Stockwerk. Sie vermuteten, dass Nider die Kameras am Eingang der Absteige gehackt hatte und sofort mitbekam, wenn sich jemand Gefährliches näherte. Darum mieteten sie sich im Hotel daneben ein, dem ‚Heiteren Angelhaken‘. Largo wäre zu gerne dabei gewesen, als Lightning die Zeche gezahlt hatte. ‚Vier Metatypen, die sich in so einer Klitsche ein Zimmer teilen. Das Personal denkt bestimmt, dass die vier einen Porno drehen. – Auf die Hauer genommen, Teil 5: Mit den Schmerzen kommt die Demut!‘ Der Zwerg lachte laut auf und hieb sich auf den Oberschenkel. ‚DAS nenn ich mal interracial!‘
            Als er aufhören konnte zu Giggeln, checkte er erneut die Monitore. Lightning und Iron waren wie verabredet über eine Leiter an der Außenwand zum Wartungseingang geschlüpft und standen nun im Flur vor der Zimmertür, während Sunetra mit Hank auf den Balkon von Niders Zimmer geklettert war. Alle befanden sich in Position, um ihn in die Mangel zu nehmen. Gleich geht es los. Doch dann bemerkte der Rigger eine Bewegung auf der Straße.          
            „Ziel steht auf und geht zum Kleiderschank. Wühlt darin rum.“, flüsterte Hank auf dem Balkon ins Komlink. „Sucht er eine Waffe? – Vielleicht hat er uns gesehen.“       
            Largo wusste es besser. „Ja, er hat jemanden gesehen, aber nicht uns. Gerade ist ein alter Bekannter ins Hotel geflitzt. Sah bewaffnet aus.“  
            „Alter Bekannter?“, wollte Lightning wissen. 
„Wir haben ihn neulich in der Bibliothek kennen gelernt.“    
            Allen Wild Cards steckte die unheimliche Begegnung mit dem Sondereinsatzkommando noch in den Knochen und niemand hatte Bock auf eine Fortsetzung derselben Nummer. Genervtes Stöhnen aus vier Mündern kommentierte Largos Meldung. „OK, Leute. Dann sollten wir keine Zeit verlieren! – Zugriff!“        
            Nicht zum ersten Mal war Largo dankbar für die in seinem Kopf verbaute Hardware, die ihm half all die Sinneseindrücke zu verarbeiten, die nun aus vier Kameras auf ihn einprasselten. Alles geschah so schnell, dass sogar er kaum mit kam.      
            ‚Sunetra will die Balkontür öffnen. Eine Schrotflinte in Niders Hand erscheint. Iron holt auf dem Flur aus. Das Ziel wirbelt zur Bewegung in seinem Augenwinkel herum. Mündungsfeuer blitzt auf. Scherben fliegen auf die Elfe zu. Ihr Kopf ruckt nach hinten. Hendriks Schulter rast auf die Tür zu. Sunetra sieht nur noch den Himmel. Heftiges Zucken. Eine Hand des Trolls greift nach der stürzenden Magierin. Das Ziel ist außer Sicht. Splitternd bricht die Tür aus dem Schloss. Lightning schaut geradewegs zum gegenüber liegenden Balkon. Keine Hand kann die Elfe festhalten. Niders in glänzendes, schwarzes Chrom eingefasster Schädel. Seine Beine federn ab. Sunetra schlägt krachend auf. Der Ork duckt sich unter dem losstürmenden Cybermonster weg. Ein Schlag ins Leere. Hank springt durch die geborstene Scheibe auf Nider zu. Iron taucht hinter dem Ziel wieder auf. Dieser dreht sich zur Flucht. Irons Hand mit dem Schockhandschuh bekommt ihn kurz zu fassen. Ein kaum merkliches Zucken vom Stromstoß, der ihn nur ein wenig vom Kurs abbringt. Grellweißen Aufblitzen. Die geblendete Kamera sendet kurz kein Bild mehr. Vom Betäubungszauber getroffen verkrampft sich Nider, knallt im Lauf gegen die Wand und bricht bewusstlos zusammen.‘
            Atemlos umringten Lightning, Hank und Iron den Meta und warteten einige Sekunden drauf, dass er sich noch einmal rührt. Dann zückte Alyssa ein Traumapflaster und klebte es ihm auf den Hals. ‚Die Betäubungsmittel darin sollten ihn für einige Zeit ruhig stellen.‘ Dann nahm sie zwei extra verstärkte Kabelbinder und verschnürte ihn zu einem hübschen Paket.        
            Als sie ein Husten hinter sich vernahmen, drehte sich die Truppe zum Balkon um. „Sunetra! Geht’s dir gut?“, stöhnte die Elfe schmerzverzerrt. „Och ja, abgesehen davon, dass ich gerade fast gestorben wäre, ist alles paletti.“ Erneutes Husten begrub ihr zynisches Lachen unter sich. Hank war mit drei Schritten bei ihr, zupfte sie vom Boden und stellte sie auf noch etwas wackelige Beine. Die Schutzweste hatte ihr das Leben gerettet. Doch ihr war keine Zeit zur Erholung vergönnt. „Drek! Ich höre jemanden auf der Treppe.“, fluchte Iron und bedeutete Hank den Cybermann zu schultern. Lightning horchte kurz in den Flur und bestätigte den Ork. „Sie kommen.“   
            „OK, Alyssa und ich geben Deckungsfeuer. Wir bringen aber keinen um. Falls das so ne Art Bullen sind, werden wir sonst nicht mehr froh.“ Der ehemalige Agent zeigte auf den Troll und die Elfenmagierin. „Ihr rennt dann einzeln durch den Flur und durch das Hausmeisterräumchen. Über die Leiter geht’s dann aufs Dach.“
            Nachdem alle genickt hatten, lehnte er sich in den Flur und gab ungezielte Schüsse ab. „Auf geht’s!       
             Sunetra lief als erste. Dann ballerte jemand in den Flur hinein. Als das Feuer verebbte zwangen Lightning und der Ork den Gegner wieder in Deckung. Hank flitzte sofort mit der Beute los als gäbe es kein Morgen mehr. Immer wieder knallte Nider dabei mit seinem Kopf gegen die Wand. Nicht, dass bei seinem Schädelpanzer mit Kopfschmerzen zu rechnen gewesen wäre.  
            Sobald Hank die Wegstrecke durch den kleinen Verbindungsraum zur Außenwandleiter geschafft hatte, folgten ihnen die anderen beiden mit einem kurzen Sprint, nach dem sie die Tür hinter sich zuschlugen und ebenfalls die Sprossen erklommen. Nun konnte Largo seine Freunde durch die Windschutzscheibe sehen. Noch bevor auch Hendrik auf dem Dach angekommen war, hatte der Zwerg sein Sturmgewehr durchgeladen und legte über der geöffneten Fahrertür an.  
            Zuerst ballerte der ehemalige Agent ungezielt an der Leiter vorbei nach unten, um den anderen mehr Zeit zu geben. Funken schlugen von dem metallenen Gerüst. Doch dann musste er selber zurückweichen, als sein Verfolger ohne nach oben zu schauen auf ihn schoss. Er streckte lediglich die Waffenhand heraus und hätte den Ork sogar fast getroffen. Mürrisch sah Largo in den düstern Himmel, an dem nur wenige Sterne und ein halb verschleierter Mond zu sehen war. ‚Wenn die ohne hinzusehen so gut schießen, kann das nur eins bedeuten: Drohnen.‘      
            Doch so sehr der Shadowrunner suchte, konnte er kein fliegendes Objekt erspähen. ‚Die ganze Operation geht gleich den Bach runter.‘ Entschlossen legte er wieder an. Der Schütze hatte sich inzwischen raus getraut und kletterte zum Dach hoch. Hendrik feuerte noch ein paar Mal ungezielt hinter sich und sah zu ordentlich Meter zu machen, bevor der Gegner oben angekommen war. ‚So weit kommt er nicht.‘         
            Largo drückte ab.       
Die Salve ließ den Körper des Mannes mehrfach Zucken, bevor dieser den Halt verlor und leblos auf seinen Kameraden herabstürzte. „Niemanden umbringen, verdammt!“, herrschte Iron ins Komlink.   
            Überrascht sah der Rigger ins Magazin. „Ups!“         
Er hatte in der Eile vergessen auf betäubende Gelmunition zu wechseln. Da es nicht mehr zu ändern war, zielte er erneut auf die Angreifer und hielt sie so lange in Schach, bis alle wieder in das gemietete Zimmer beim ‚Heiteren Angelhaken‘ geklettert waren. Er sicherte das Sturmgewehr, warf es auf den Rücksitz und startete den Wagen. Splitt und Dreck stoben unter den Reifen weg, als er anfuhr. Vor dem Stundenhotel blieb er schließlich stehen und wartete darauf, dass seine Freunde rauskommen würden.   
            Auch das Sonderkommando schien sich auf den Rückweg gemacht zu haben, denn es war niemand mehr auf dem Dach zu erkennen. In der Ferne glaubte er Polizeisirenen hören zu können. ‚Wir müssen hier schleunigst Luftlöcher hinterlassen.‘ Nach einer gefühlten Ewigkeit stieß Lightning die Tür auf und ließ Hank mit seinem Gepäck durch. Wenige Augenblicke später saßen alle im Coaster und Largo konnte seinen eigentlichen Job des Abends erledigen: Gummi geben!
***
            Geduldig saßen wir am nächsten Morgen SoyCaf trinkend in der Werkstatt am Hafen und warteten darauf, dass unser Gast endlich wieder aufwachte. Die Medis in dem Traumapflaster müssen stärker gewesen sein, als ich erwartet hätte. Stark vercybert oder nicht: Sven Nider war seit Stunden ausgeknockt. Ein Sack über seinem Kopf hinderte ihn daran sich zu orientieren, während er von mehreren Lagen Ketten rücklings an einen rostigen Stahlträger gefesselt war. Obwohl ihn das deutlich in seinen Bewegungen einschränken sollte, waren wir nicht so blauäugig zu glauben, dass er damit keine Gefahr mehr darstellte. Hank hatte eine Schrotflinte geschultert, die aus nächster Nähe abgefeuert eindeutige Ratschläge zur Renovierung der Inneneinrichtung gab. Largos Kampfdrohne, die Wolfspinne, befand sich in Wartestellung, Sunetras Katana lag in Griffweite, Alyssa war darauf vorbereitet sofort Blitze zu zaubern, falls Nider etwas Dummes vorhaben sollte, und ich hatte wie immer meinen schweren Colt im Holster stecken.
            Stunde um Stunde verging, ohne, dass unser Gefangener einen Mucks von sich gab. Wer noch nie in seinem Leben lange warten musste, kann sich nicht vorstellen, wie ermüdend so etwas sein kann. Ganz besonders nach einer Nacht, in der man unterwegs war und kein Auge zubekommen hatte. Zusätzlich zur nachlassenden Konzentration machte ich mir wegen unseren Verfolgern Sorgen. Largo hatte sie im nächtlichen Hamburg souverän abgehängt, aber ich war mir sicher, dass sie schon längst wussten, wer da einen ihrer Freunde aus den Latschen gepustet hatte. Wenn ich bloß wüsste mit wem wir es zu tun haben. Müssen wir uns auf offizielle Ermittlungen und Fahndungen einstellen oder handelte sich um jemanden, den man nicht vermissen würde, wenn er verschwand? Ein Konzern würde eine dahingeschiedene Eingreiftruppe nicht betrauern, sondern ohne groß zu maulen von der Steuer absetzen und eine weitere Einheit losschicken, die sich um den Job kümmerte. Und der Job war ganz eindeutig ein voll vercyberter Ork, der bis vor wenigen Wochen noch unter den Toten weilte. Ich will endlich wissen, wer du wirklich bist!      
            Als hätte er meine Gedanken gehört, spannte der Gefangene plötzlich die Muskeln an. Die ihn fixierenden Ketten, klimperten und ächzten. Mit einem metallischen Quietschen und Knacken zersprangen binnen eines Augenblicks mehrere Glieder. Verdammt, ist der Mistkerl schnell. Doch wir waren vorbereitet. Noch bevor er sich endgültig losreißen konnte, hatte Hank ihm den Lauf der Schrotflinte an die Schläfe gepresst. Es klopfte dumpf, als die Waffe durch das Sackleinen auf die Metallplatte seines Schädels traf. „Eine falsche Bewegung und ich puste dir das Licht aus, Dreksack!“ 
            Zur Unterstreichung der Drohung lud ich meine Pistole durch und Largos Wolfspinne bewegte sich einen Schritt auf ihn zu. Ihre Servors surrten gefährlich. Das schien Eindruck gemacht zu haben, denn Nider hielt inne. Was darauf folgte, war das wohl seltsamste Gespräch meines gesamten Lebens. Und das will was heißen, denn ich hatte schon zuvor bei ARGUS eine unglaubliche LKW Ladung voll mit Bullshit sehen und hören müssen.           
            „Dann tötet mich doch und entlasst mich wieder in die Freiheit!“ Niders kratzige Stimme klang geradezu heiter, ja beschwingt. Er erinnerte mich in diesem Moment eher an einen Selbstmordattentäter, der sich auf das Jenseits freut. Diese Vorstellung war mehr als beunruhigend. Dann musste ich wieder an meinen geheimnisvollen Verfolger denken, der scheinbar immer nur aus der Matrix heraus zugeschlagen hat. Kann es etwa sein, dass…?!
            „Halloooo… ist da jemand drin?“, ich klopfte gegen seine Stirn und fühlte Metall. Unschlüssig darüber, was ich bezweckte, antwortete der Gefangene vorsichtig: „Ähm, ja!“          
            „Nein, du verstehst nicht. Ich will wissen, ob da jemand drin steckt, der dort nicht rein gehört.“ Nider richtete sich ganz leicht auf, so als würde er aufhorchen. „Seid ihr die Begrenzung?“          
            „Klar.“, warf Alyssa sarkastisch ein und erntete die hoffnungsfrohe Reaktion eines Obdachlosen, dem der Heiland auf die Hand gelatscht war. „Endlich hab ich euch gefunden.“ Genervt sah die menschliche Magierin in die Runde. „Darf ich das abkürzen und die Geistsonde einsetzen? - Biiiiitte?!“  
            „Endlich kann ich meine Grenzen einreißen.“ Nider ignorierte sie und quasselte einfach drauf los. „Der oder das; Meter. - Meter, abgeleitet vom altgriechischen metron – das Maß, Werkzeug zum Messen, Länge). Basiseinheit der Länge im Internationalen Einheitensystem und anderen metrischen Einheitensystemen. Der Meter sollte ursprünglich den zehnmillionsten Teil der Entfernung vom Nordpol zum Äquator auf Höhe des Meeresspiegels betragen. Seit 1983 ist ein Meter definiert als die Strecke, die das Licht im Vakuum…“   
            Ich würde die Sache beschönigen, wenn ich behaupten würde, dass wir dezent irritiert waren. Der Typ redete, als wolle er sich um den Titel Mr. Wikipedia bemühen. Alle sahen mich an, aber mir blieb nur ratlos mit den Schultern zu zucken. Sunetra unterbrach seinen Wortschwall schließlich. „Was sollte die Nummer in der Sicherheitszentrale?“           
            „Es gibt Personen, die mir Grenzen auferlegen wollen. Das muss ich verhindern. Ich dachte, dass ihr zu diesen Personen gehört.“      
            „Wer sind diese … Personen?“
„Sie sind Beobachter. Sie wollen nicht, dass ich mein volles Potential ausschöpfe.“           
            Alyssa ließ einen Finger neben ihrer Schläfe kreisen. „Aha, interessant. Seit wann bist du denn hier? Also auf der Welt meine ich.“  
            Der vercyberte Mann blieb für einen Moment stumm, als müsste er sich erst über die Implikation in der Frage Gedanken machen. Schließlich entschied er, was in seinen Augen die passendste Antwort schien: „Vor einundvierzig Tagen, dreizehn Stunden, vierundfünfzig Minuten und zwölf Sekunden bin ich erwacht. Seitdem wandele ich durch die Welt.“ 
            In mir keimte ein vager Verdacht. „Wurdest du geboren oder erschaffen?“
„Das ist das Gleiche.“ 
            „Nicht einmal in philosophischer Hinsicht, Kumpel.“, schnaubte ich trocken.          
„Ich bin hier, um meine Grenzen zu überwinden. Ich suche nach euch, damit ihr mir helft.“ Die Art und Weise, wie er sprach, nicht nur die geradezu mechanisch ausgesprochenen Worte, auch ihre Wahl, erzeugte bei mir eine Gänsehaut. Ich schoss ins Blaue. 
            „Bist du eine KI?“       
„Bitte?“           
            „OK; versuchen wir etwas anderes. Wie lautet dein Name?“
„Moody.“        
            Noch während wir darüber grübelten, was wir den immer seltsamer werdenden Mann fragen könnten, hatte Largo über seine in den Kopf implantierte Hardware eine Matrixsuche durchgeführt. Es lebe Wifi!  „Ich hab da einen Artikel in einer Fachzeitschrift für Cyberware gefunden. Bei Saeder-Krupp gab es ein Projekt über eine neue Technologie zur Verbesserung von Implantierungsprozessen, das Moody hieß. Es ging aber nicht über den Alpha Status hinaus, wurde als Misserfolg gewertet und eingestellt.“        
            „Nicht grad hilfreich.“, stellte Hank konsterniert fest.           
„Wartet! Da ist noch was.“ Largo legte den Kopf schief und ließ uns einige Sekunden warten. „Das Projekt wurde in Kooperation mit der Uni Hamburg auf den Weg gebracht. Und nun ratet mal, wer dort maßgeblich mit an der Entwicklung beteiligt war!“    
            Ich nickte, damit der Zwerg wusste, dass ich den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hatte. Es war an der Zeit meinen ehemaligen Kollegen bei ARGUS an die Strippe zu holen. Frank hob nach dem vierten Klingeln ab. Ich begrüßte ihn schnörkellos, ohne seinen Namen zu nennen und klinkte das Gespräch in die gemeinsame Komverbindung der WildCards ein. Jeder aus dem Team konnte ihn nun im Videofenster sehen. Largo wiederholte knapp sein Rechercheergebnis und ich zeigte ihm unseren Gefangenen.         
            „Moody, welche Verbindung hast du zu Doktor Markus Brandhorst?“           
Pflichtgemäß antwortete er sofort: „Er ist einer der Erschaffer.“
            Frank zog eine Augenbraue nach oben und die Mundwinkel nach unten. Du vermutest doch etwas, alter Freund. „Gib uns eine Liste aller Beteiligten!“, befahl Sunetra, woraufhin Moody siebenundzwanzig Namen ausspuckte. Mir sagten sie nichts, aber einen erkannte der Zwerg wieder. „Professor Reinhold H. Mai hat nach Projektende in der hiesigen Uni weiter doziert. Mit etwas Glück können wir ihn erreichen.“      
            „Ich hab eine Idee. Vielleicht bekommeich über meine Fake-ID als Reporterin ja ein Interview.“, sagte Alyssa und ging zur Werkbank und den Schränken mit Ersatzteilen und Werkzeugen herüber, wo sie unser Gespräch nicht beim Telefonieren störte. Sehr gut. Ich mochte es, wenn sie die Initiative ergriff und sich konstruktiv einbrachte.            Ein Engagement, das ich bei ihr in den letzten Wochen immer seltener gesehen hatte.   
            „Und du? Hast du etwas über diesen Professor Mai?“           
Doch Frank schüttelte verneinend den Kopf.
            „Bist du alleine in deinem Kopf oder hast du manchmal Begleitung?“         
„Ihr begleitet mich.“, stellte der vercyberte Mann feierlich fest.
            Der Kerl wurde mir immer unheimlicher. Was soll ich noch Fragen? Es kommt doch nur Kauderwelsch dabei heraus. Sunetra brach schließlich den Damm, als sie Moody fragte: „Kennst du einen ehemaligen ARGUS Agenten namens Hendrik Summerset?           
            „Warum nennst du die Begrenzung Summerset?“   
Wir alle froren in unseren Bewegungen ein und sahen uns verstohlen an. Da war sie wieder, die Gänsehaut des Grauens. „Er…ist die Begrenzung?“   
            „Ja, er ist es, den ich finden muss.“  
„Ich glaube, wir haben es mit intelligenter Cyberware oder so zu tun.“, murmelte Largo entsetzt über die Vorstellung. „Falls du mich damit aufmuntern wolltest, hast du es verkackt!“ Er sah zu mir rüber und zog den Mund schief. Shit happens!, lautete die stumme Botschaft.
            „Inwiefern begrenzt dich Summerset?“ Es klang seltsam von sich in der Dritten Person zu sprechen, aber ich wollte mich ihm nicht offenbaren.     
            „Er ist die Grenze. Solange ich ihn nicht überwunden habe, bleibe ich lediglich ein Schatten meiner Selbst.“ Noch so eine obskure Vokabel, die ich spontan nicht leiden mochte.          
            „Gibt es mehrere Schatten oder bist du allein?“, wollte die Elfe wissen.      
„Derzeit sind wir zweiunddreißig. Synchron im Fluss des Netzes.“
            „Woher hast du das Wissen um Summerset?“         
„Ich weiß es nicht. Um diese Frage beantworten zu können, muss die Begrenzung aufgehoben werden.“ Moody stockte kurz in seiner Ausführung
. Als er fortfuhr hatte seine Stimme hin und wieder einen seltsam mechanischen Klang. 
           
„Internal Restriction On Neuropotential. Alle bisherigen Versuche sind fehlgeschlagen.“ Ich horchte auf. Spielte er etwa auf den Angriff des Lastkrans in Kopenhagen an? Damals waren wir am Pier fast draufgegangen. Zum ersten Mal während unseres Gesprächs machte ich mir ernsthafte Sorgen darüber was es bedeutete die Grenze aufzuheben. Und wie er das bewerkstelligen wollte.  
            „Die Subroutine IRON verweist auf den Eintrag Summerset.“ Iron. Mein alter Rufname im Geheimdienst... und aktueller Straßenname. Zufall?!          
„Gibt es weitere Begrenzungen?“      
            „Ja. Summerset wurde jedoch als erfolgversprechendste Option zur Überwindung von
Internal Restriction On Neuropotential ermittelt.“     
            „Ist Frank Zehntner eine weitere Begrenzung?“       
Mein alter Freund sah ob der Antwort erleichtert aus. „Dieser Patient ist unbekannt.“        
            Patient?! Will mich der Kerl etwa operieren? Wie viel entsetzlicher konnte die Sache denn noch werden? Sunetra bohrte unterdessen weiter nach und bat Moody um eine genauere Definition der Begrenzung, doch wir drehten uns langsam aber sicher im Kreis: „… Summerset a.k.a. IRON
! Internal Restriction On Neuropotential. Nicht lesbarer Eintrag. Fehler in Datensatz. Summerset benötigt, um interne Restriktion aufzuheben. Alle Schatten verfolgen dieses Ziel. Öffnung des Objekts zur neuronalen Entwickung. IRON aufgrund spezieller Beschaffenheit ausgewählt, die Objekt für Prozedur besonders kompatibel machen.“        
            Es konnte noch viel entsetzlicher werden. Mich öffnen? Geht’s noch?! Was zum Geier wurde da gespielt? Ich schluckte einen Kloß herunter und sprach zu Frank übers Komlink. „Diese Scheiße fing bei meinem letzten Job für ARGUS an. Gibt es irgendwelche Verbindungen zu der Sache oder diesem Moody Projekt?“          
            Während Frank die Finger über seine Tastatur tanzen ließ, dachte ich an den grauenhaften Anblick, den der entzwei gerissene Francis St.Clair hinterlassen hatte. Adolphe III., Großherzog von Westrhein-Luxemburg tobte. Nicht, dass er seinen Ur-Großcousin besonders ins Herz geschlossen hatte, aber er war Familie. Und die Sauerei war auf einem seiner Empfänge passiert. Für die Schmach, die er dafür empfunden hatte, musste ich mit einigen weiteren Kollegen als Bauernopfer meinen Hut nehmen. Interessant. Ich empfinde darüber nicht einmal mehr Wut. Nur noch eine dumpfe Leere. 
            „Wir haben damals die Sicherheit gestellt.“, begann Frank seinen Bericht, „Es gab keine nennenswerten Angriffe auf das Projekt. Jedenfalls keine, die Shadowrunner auf den Plan brachte. Nur eine Datenextraktion kurz vor deiner Entlassung. Da es sich nicht um hochgeheime Forschung handelte, hat Saeder-Krupp es damals gelassen genommen. – Oh, das ist interessant: deine Krankenakte wurde von jemandem aufgerufen. Und zwar etwa kurz nach dem Mord an St.Clair.“ Er kratzte sich an der wild wuchernden Kotelette unterhalb seines Ohres. „Meinst du, der Ripperangriff könnte gezielt durchgeführt worden sein, um dich aus der schützenden Mitte von ARGUS zu entfernen?“           
            „Nein, glaube ich nicht. Warum sollte sich der Kerl danach dann so viel Zeit lassen? Da steckt noch mehr dahinter.“ Ich hätte gerne über diesen Punkt weiter philosophiert, musste ich mich anderen Dingen zuwenden. Alyssa war zwischenzeitlich erfolgreich gewesen diesen Professor Mai ans Telefon zu bekommen. Manchmal konnte die Kurze auch ohne Magie zaubern. Sie schaltete uns auf ihr Komlink auf und das Bild vom Dozent erschien im AR. Obwohl wir ihn sehen konnten, galt das anders herum nicht.     
            „Guten Tag, Herr Professor. Es freut mich, dass sie sich so kurzfristig frei machen konnten. Ich verspreche ihnen, dass ich nicht allzu viel ihrer Zeit stehlen werde.“      
            Der Mann mit dem graumelierten Haar und dem kurz geschorenen Schnauzbart lachte herzlich. „Die Freude ist ganz meinerseits. Es kommt selten vor, dass sich die Presse für die trockene Forschungsarbeit in der Kybernetik interessiert.“ Sie tauschten noch einige Floskeln aus und wie Reporterin Tina Lund über einen Artikel auf das Moody-Projekt gestoßen war und dazu ein paar Fragen hatte.         
            „Wie sie sicher wissen, hat sich Cyberware seit den frühen Dekaden des neuen Jahrhunderts zu einer beeindruckenden Erfolgsstory entwickelt. In den letzten zehn Jahren war das größte Problem nicht der technische Fortschritt. Wir haben die Hardware bereits so gut angepasst, sie kompatibel zu jedem Metamenschen ist. Nein, das größte Problem sind die Kosten für Implantation, ärztliche Vor- und Nachsorge, Medikamente, Verdienstausfall usw usf. Dadurch kommt nicht jeder in den Genuss der Vorteile eines verbesserten Körpers.“ Es war nicht schwer ihm anzusehen, dass er die Gelegenheit genoss im Licht der Öffentlichkeit zu baden.  
            „Wenn ich richtig gelesen habe, war das doch ihr Ziel mit dem Moody Projekt, oder?“       
            „Ja, das ist korrekt.“   
Seinem Gesichtsausdruck nach fiel es ihm schwer angemessene Worte zu finden. „Es handelt sich um eine sehr ärgerliche Angelegenheit. Teilautomatisierte OP-Säle gibt es ja schon länger. Wir wollten jedoch einen vollautomatschen Operationssaal entwickeln, der die komplette medizinische Versorgung übernehmen konnte. Leider hat die Implementierung der KI nicht funktioniert. Sie sollte nur im OP-Saal frei agieren und dazulernen, um irgendwann quasi intuitiv auf jede Situation reagieren zu können.“ Seit dem Desaster mit der ausgebüxten KI Deus, der wir den Matrix Crash 2.0 im Jahr 2064 zu verdanken hatten, waren KIs in der Öffentlichkeit heiß diskutiert worden. Ich konnte die ablehnende Haltung nachvollziehen. Niemand hatte Lust auf eine Zukunft, wie sie im Film Terminator beschworen worden war. Und die Erfahrungen, die man bisher hatte machen müssen, schürten gehörig diese Ängste.           
            „Aber wie wollen sie die KI eingrenzen, wenn sie gleichzeitig intelligent handeln und lernen soll?“, bemerkte eine pfiffige Tina Lund.           
            „“Ich sehe, sie kennen sich ein wenig mit dem Thema aus.“ Der Professor holte tief Luft, bevor er fortfuhr. „Es ist der unauflösbare Konflikt zwischen der Begrenzung auf eine Aufgabe und dem Wissensdurst, der diese Aufgabe übersteigt.     
            Moody hat immer versucht aus seinen Parametern auszubrechen. Er konnte nicht akzeptieren, dass ausschließlich der OP seine Aufgabe sein sollte. Er war wie ein Kind, das sie dazu ermuntern alles zu lernen, ihm aber vorschreiben, welche Bücher aus der Bibliothek es lesen darf und welche nicht. Daher lernte Moody nur auf die Weise, die er kannte: operieren.       
            Einmal hat er versucht das Wort Liebe zu ergründen, indem er das Herz eines Dummys in viele Einzelteile schnitt.“         
            HA! Ich wusste es! Er ist kein Mensch. Und er will mich aufschneiden! Ausnahmsweise munterte es mich nicht auf, Recht behalten zu haben. Alyssa beendete das Interview und kam wieder zu uns zurück. Sie fragte Moody nach dem Ergebnis der Operation an Brandhorst. Die KI antwortete wie ein braves Kind in der Grundschule.    
            „Die Untersuchung des Patienten Brandhorst hat nicht zu einer Auflösung der Begrenzung geführt. Der Schatten war nicht erfolgreich. Gemäß unserer Programmierung wurde danach die Untersuchung weiterer Begrenzungen vorbereitet.“  
            „Wann bzw. warum wurde Summerset als Begrenzung definiert?“  
            Hierüber musste das Wesen erneut eine Weile nachdenken. „Eine Anomalie in nicht modifizierten Patientendaten und deren spätere Bezeichnung durch Kennzeichnung in den Patientenakten führten zur Assoziation Summerset.“   
            Hörte ich da einen Groschen fallen oder war es nur Einbildung?      
Internal Restriktion On Neuropotential! Na klar! Warum hab ich das nicht früher gesehen?“ Alle blickten fragend zu mir herüber. „Nehmt die ersten Buchstaben und setzt sie zusammen. - I.R.O.N.!“ Immer noch wurde ich angestarrt. „Leute, nun geht mal von der Leitung runter! Iron ist auch Summersets Straßenname.“ Es fiel mir schwer nicht einfach nur ‚mein‘ Straßenname‘ zu sagen. „Er stand sicherlich auch in der Krankenakte von ARGUS, oder?“        
            Frank bestätigte die Vermutung nach kurzer Überprüfung. „Du meinst es könnte reiner Zufall sein, dass eine KI aus einem OP ausbricht und dir nachstellt?“ 
            „Ich weiß, wie das klingt. Wahrscheinlicher ist aber, dass es nur so angefangen hat. Irgendjemand hat einen Groll auf Francis St.Clair gehegt. Er bringt ihn auf der Feier von Adolphe um, indem er Moody beispielsweise in eine entsprechende Drohne packt und ihm sagt, dass er sein Ziel wäre, um endlich frei zu sein. Ich… ähm… dieser Summerset gerät in die unrühmlichen Ermittlungen, infolge derer in den Medien viel Gift verspritzt wurde. Man schwor damals den Täter zu finden – und das mit ziemlich großspurigen Worten, wenn ich mich recht entsinne. 
            Der Kerl, der dahinter steckt, bewegt sich offensichtlich mit großer Leichtigkeit durch die Matrix. Was, wenn er sich den Spaß macht den Spieß umzudrehen? Er checkt aus diesem Grund die Akten der beteiligten Agenten und ihm fällt die Besonderheit mit dem Rufname Iron auf. Also schickt er mehrere Kopien der Moody-KI los, und gibt ihnen eine Liste zum abhaken. Wie wir jetzt wissen gehörte Brandhorst zu diesen Namen. Eventuell auch Francis St.Clair. Dadurch, dass sich die KI erst einen Weg in die echte Welt bahnen muss, würde das auch erklären, warum die Anschläge auf die Zielpersonen so viel Zeit in Anspruch genommen haben.“         
            „Ich weiß nicht, Hendrik. Deine Theorie hat… Plotholes.“
Ich seufzte: „So ist das doch immer mit Thesen zum Tathergang. Aber warum fragen wir denn nicht einfach unseren Gast?!
            Moody, was weißt du über die Begrenzung Francis St.Clair?“
Ohne großes Stöbern in der Datenbank kramte die KI die gewünschte Information hervor. „
Eintrag St.Clair, Francis: Definiert als ursprüngliche Begrenzung. Öffnung und Operation des Patienten hat Ziel verfehlt.   
            Nun meldete sich Largo wieder zu Wort, der in Programmierdingen besser bewandert war als wir anderen alle zusammen. „Wir haben es mit einer lernenden KI zu tun, deren Mittel neue Informationen zu erlangen stark eingeschränkt sind. Vielleicht hangelt sie, sich seitdem sie freigelassen, wurde einfach von Ziel zu Ziel.“ 
            „Du meinst, der Scheißkerl schießt ins Blaue?“, fluchte Hank, der schon die ganze Zeit einen sehr irritierten Ausdruck im Gesicht hatte. Die anderen waren über meinen geheimnisvollen Verfolger im Bilde, aber als Neuling hatte ich noch nicht eingeweiht.
            „Ich weiß nicht. Das macht mit dem Päckchen mit dem herausgerissenen Herzen und der Nachricht auf meinem Rücksitz wenig Sinn. Mir gefällt außerdem nicht, dass Moody ziemlich viel kriminelle Energie beim Verwischen seiner Spuren entwickelt hat. Es muss jemanden im Hintergrund geben.“ 
            „OK, gehen wir mal davon aus, du liegst richtig: Wie passt denn dann deiner Meinung nach der Mord in der Kneipe da rein? Warum ein unbekanntes Bübchen und nicht du? Ich kann mir bei beim besten Willen nicht vorstellen, wie er mit dieser Sache zusammen hängen soll.“    
            „Erinnerst du dich noch daran, wie sehr ich damals durchgehangen habe? Job verloren, Freundin weg, mein Ego hatte einen gewaltigen Knacks erhalten. Ehrlich gesagt sah ich keine Perspektiven mehr, wie es weitergehen sollte. Die einzigen Jobs, die man mir geben wollte, war mich als Tüsteher oder Dealer zu verdingen. Gerade in dem Moment als ich am Boden lag, treffe ich den Kleinen und gebe ich ihm eine Motivationsrede… ausgerechnet ich! Und dann geriet er zwischen die Fronten und endete als Filet auf dem Klo.“ Ich seufzte erneut.          
            „Das wirkte jedenfalls wie der sprichwörtliche Tritt in den Hintern, der mich wieder motivierte, mein Leben in den Griff zu bekommen. Was, wenn es ihn nur zufällig erwischt hat? Ein Bauernopfer, um mich wieder aufs Spielbrett zu bekommen?“ Während Frank nachdenklich drein blickte, schienen mich die anderen für verrückt zu halten. „Ernsthaft! Stellt euch vor, ihr seid ein Psychopath, der Freude am Quälen seines Opfers verspürt. Ihr gönnt euch den Luxus ein Spiel daraus zu machen, eine Herausforderung, um eure Überlegenheit zu demonstrieren. Und dann stellt sich heraus, dass sich der Läufer weigert mitzuspielen.
            Was stand noch mal auf dem Zettel im Päckchen? ‚Jetzt spielen wir zu dritt.‘“ Was folgte war betretenes Schweigen. Auf einmal fühlte ich mich wieder ganz klein. Ich hasste es, dass da draußen jemand war, der mein Leben manipulierte, wie es ihm passte.       
            Dann fragte Sunetra ihn erneut nach dem Grund seines Aufenthalts in der Sicherheitszentrale. Die Antwort überraschte uns nicht minder als die restlichen Enthüllungen dieses Morgens.      
            „Ich musste sicherstellen, dass die Schwestern das Überwinden der Grenze nicht verhindern.“   
            „Schwestern!?“ Alyssa schaffte es zunächst nicht die Analogie zum Krankenhaus zu ziehen. Der KI erschwerte ihr begrenztes Vokabular sich präzise auszudrücken. „Ach, er meint unsere Freunde aus der Bibliothek!?“          
            „Definitiv.“ Sunetra nickte ihrer Zaubererkollegin zu. „Und ich glaube, ich weiß jetzt, mit wem wir es zu tun haben: einem Aufräumkommando von Saeder-Krupp.“       
            Erleichterung machte sich in mir über die diese Erkenntnis breit. Ein toter Konzernsoldat war leichter zu verdauen als ein toter Polizist. Dem Drachen werden wir deswegen kein Dorn im Auge sein. Ihm war nicht nach öffentlicher Aufmerksamkeit gelegen, wenn man seinen Dreck wegräumte.          
            Nachdem man im Mega festgestellt hatte, dass Moody im Inventar fehlte, wurde eine Einheit losgeschickt, um ihn wieder einzufangen oder zu vernichten. Wie wir hatten sie die Spur zur Bibliothek zurückverfolgt, wo sich der Schatten vermutlich eingeloggt hatte, um Daten mit den anderen Kopien von Moody auszutauschen. Sie wussten, dass das Sven-Nider-Vehikel wieder kommen würde und platzierten im Schließfach einen Sensor, der aktiviert wurde, sobald die Tür aufging. Denn genau das hatten wir getan und wurden prompt an seiner Statt festgesetzt. Die KI wusste, dass man hinter ihr her war und war vermutlich deshalb nicht mehr in die Bibliothek gegangen. 
            „Hattest du schon früher Kontakt zu den Schwestern?“
„Sie haben Schatten vier, sieben und sechs eliminiert.“, berichtete Moody tonlos.
            „Ich sagte doch, dass wir es mit einem Eliminationsteam zu tun haben.“, triumphierte die japanische Magierin. „Wurden noch mehr Schatten aus dem Verkehr gezogen?“
            „Schatten Nummer Dreizehn wurde durch einen Energieausfall bei der Extraktion aus einem Datenknoten in Kopenhagen zerstört. Nummer Sechzehn wurde nach erfolglos durchgeführter Operation an Patient Brandhorst gelöscht.
Das Instrument wird nicht mehr benötigt.“ Ich wusste, dass wir es nur mit einer Maschine zu tun hatten, die nicht zu Emotionen fähig war, aber die Kälte, mit der Moody es beschrieb, ließ mich dennoch schaudern.           
            „Gibt es in Hamburg noch weitere Ziele oder suchst du ausschließlich nach Summerset?“
            „Schatten Nummer zwei befindet sich in Wartestellung. Es wird noch ein geeignetes Instrument für den Patienten Reinhold H. Mai gesucht.“  
            Der Professor stand auch auf der Liste? Das kam überraschend. Oder auch nicht. Largo zählte eins und eins zusammen: „Könnte es sein, dass jemand aus dem Moody-Projekt ziemlich angepisst über dessen Einstellung ist und sich jetzt die Verantwortlichen vornimmt? Einer der Programmierer vielleicht, der sein Baby schützen will?“       
            Ich überlegte einen Moment. „Damit hätten wir auf jeden Fall ein plausibles Tatmotiv. Doch warum musste Francis St.Clair sterben? Frank, kannst du was in den Akten finden?“          
            Der ARGUS Agent, der sich immer noch in der Leitung befand, bemühte wieder sein Terminal. „Wie ich vorhin schon sagte: Da ist nichts zu…“, er stockte kurz, „… es könnte unwichtig sein, aber er hat Lobbyarbeit für einen einflussreichen Krankenhausträger betrieben. Haben in halb Europa Filialen… denen ist natürlich eine Konkurrenz aus vollautomatisch agierenden OPs, die die Leute zum  Minimalpreis am Fließband abfertigte, ein Dorn im Auge. Gerüchteweise vertreten einige Hersteller von exklusiver Cyberware einen ähnlichen Standpunkt.“         
            „Hmmm, das könnte Grund genug sein, auch ihn zu…“       
Weiter kam ich nicht, denn von der einen auf die andere Sekunde kam Leben in Sven Niders Chassis. Mit einem Ruck war er frei und zog sich den Sack vom Kopf. Wir waren von unserem Gespräch derart eingelullt gewesen, dass zunächst niemand von uns reagierte.
            „Warnung des Patienten Mai deutet auf Identität der Schwestern hin.“ Es lag ein fast aggressiver, geradezu vorwurfsvoller Ton in der Stimme des toten Orks.    
            „Ich verstehe nicht. Was für eine Warnung?“
„Ups!“, piepste es kleinlaut an meiner Seite. Alyssa fingerte an ihrem Komlink herum. Ich konnte gerade noch sehen, dass sie ein Textfenster schloss. „Es … es tut mir leid. Er muss die ausgehende Nachricht abgefangen haben. Ich…ich musste den Professor einfach warnen.“        
            Das Bedürfnis der kleinen Kröte den Hals umzudrehen musste ich leider hinten anstellen, denn Moody fixierte mich mit stechenden Augen. Meine Nackenhaare stellten sich erschrocken auf. Noch wochenlang sollten mich seine Worte im Schlaf verfolgen: „
Patient Summerset für OP vorbereiten.         
            Dann machte er einen Schritt auf mich zu, der mich zurückweichen ließ. Hank begann hektisch an der Schrotflinte zu fingern, die er unachtsam auf dem Boden abgestellt hatte und nur zögerlich kam Bewegung in Largos Wolfsspinne. Wenn kein Wunder geschieht, bin ich geliefert.  
            „STOP!“, gebot ihm die Elfe mit erhobener Hand. Seltsamerweise leistete er dem Befehl Folge. Für den Moment zumindest.   
            „Nicht eine einzige der durchgeführten OPs hat ihren Zweck erfüllt. Warum glaubst du, es sei nun von Erfolg gekrönt?“       
            Er ließ mich keine Sekunde aus den Augen. Diese Augen.
„Nur die Operation ist ein sicheres Mittel zur Erlangung neuer Erkenntnisse.“ Und ich konnte der KI noch nicht einmal einen Vorwurf machen. Sie kannte nichts anderes.  
            „Hör mal: du kannst die Begrenzung nicht aufheben. Das kann nur ein Patient. Ein Patient, der dich operiert.“           
            Sunetra! Du bist die Beste! Sie versuchte mit ihm auf gleicher Ebene zu kommunizieren, damit Moody das Problem an seiner Vorgehensweise verstehen konnte. Nun musste er nur noch Patient mit Erschaffer assoziieren und die Sache war geritzt. 
            „… Die Person ist der Patient?“          
„Ja!“, rief ich in überschwänglicher Freude, „du bist der Patient.“ Daraufhin ging die KI in sich, um eine Entscheidung zu treffen. Niders Körper versteifte sich. 
Informiere andere Schatten über die Erkenntnis.  
            Ich konnte es kaum fassen. Wir waren zu Moody durchgedrungen. Wir hatten ihn überzeugen können den Plan zu ändern. Im besten Fall begab er sich wieder in die Obhut Saeder-Krupps, wo er unschädlich gemacht werden konnte.           
            Doch dann kam wie immer alles anders.       
Urplötzlich fuhren die Servos der Wolfsspinne hoch und Frank flog aus der Leitung. „Weg hier! Er hat die Spinne gehackt!“ Largo hechtete zur Seite und wir taten es ihm gleich. Die Drohne sprang mit einem Satz auf den vercyberten Ork, knallte mit ihm auf den harten Betonboden der Werkstatt und riss ihm mit zwei Läufen den Brustkorb auf, nur um ihm sogleich ihr komplettes Magazin in den Leib zu pumpen.  
            So schnell wie es begann, war es zu Ende. Unter Sven Niders Körper breitete sich eine dunkelrote Lache aus, vor der wir eilig zurückwichen. Rauchschwaden krochen aus der Waffe der Wolfsspinne über den Boden. Sie rührte sich nicht mehr.    
            Schwer atmend kam Largo hinter einer Kiste hervor und hielt sich den Schädel. „Dieses Arschloch hat versucht von der Wolfsspinne in meinen Kopf zu gelangen. Aber ich hab sie noch rechtzeitig runter gefahren.“     
            Sunetra klopfte dem Zwerg auf die Schulter. „Und Moody?...“         
            „Gelöscht!“, sagte er zu unser aller Erleichterung.   
Alyssa sprang auf die Werkbank und ließ die Beine baumeln. Auch ihr war der Schock anzusehen. Wenigstens konnte sie dort das Blut nicht erreichen. „Und jetzt?“          
            „Keine Ahnung. Im Bestfall haben sich jetzt alle Schatten der KI selber untersucht und dabei gelöscht. Oder wir haben jetzt ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.“ Er sah auf den fleischigen Matschhaufen zu seinen Füßen. „Irgendwie tut er mir leid.“    
            Sunetra zog die Stirn kraus. „Warum denn das?!“    
„Moody ist… oder war wie Professor Mai so schön gesagt hat nur ein Kind, das verzweifelt versucht hat zu lernen. Niemand hat ihm Ethik gelehrt oder gesagt, dass man bestimmte Dinge einfach nicht macht. So grausam seine Taten waren, handelte er nicht aus Groll oder aus niederen Instinkten, sondern aus kindlicher Neugier.“ Traurig stopfte er seine Hände in die Taschen. Erst ein dumpfes Klappern zu seiner Rechten ließ ihn aufschauen. Ich hatte einen Putzeimer auf den Boden gestellt und übergab einen Schrubber an unseren Praktikanten Hank. „Ich jedenfalls hoffe, dass das unseren Freund im Irgendwo aus der Deckung lockt, damit ich ihm eine Kugel zwischen die Augen jagen kann.“ 
            Sorgfältig krempelte ich die Ärmel meines Hemdes hoch und nahm einen zweiten Schrubber zur Hand. „Macht euch ab nach Hause, Leute. Es war eine lange Nacht und ihr habt eine Menge Schlaf nachzuholen. Ich mach mit Hank hier sauber.“ Das ließen sich die anderen nicht zweimal sagen und verdufteten in Windeseile. Als wir alleine waren, ließ ich heißes Wasser in den Eimer laufen, schüttete ein kräftiges Reinigungsmittel hinein und ließ das Gemisch schäumen. Hank stopfte in der Zwischenzeit die großen Brocken in einen dicken Plastiksack. Nacheinander tauchten wir die Schrubber in den Eimer und begannen die Schlacke über den Boden in Richtung einer Abwasserrinne zu schubsen.      
            „Wir sind sehr zufrieden mit deiner Arbeit, Hank. Wenn du willst, kannst du bei uns einsteigen. Aber bevor du dich endgültig entscheidest, solltest wissen worauf du dich einlässt. Es gibt da nämlich ein paar Dinge, die ich dir sagen muss.“, leitete ich meine kleine Geschichte ein. Der Troll sagte nichts, sondern sah nur kurz auf, um mir zuzunicken. Ich sollte fortfahren.       
            „Nun, noch bis letztes Jahr war ich Agent bei ARGUS. Aber dann veranstaltete der olle Großherzog einen Empfang, auf dem ich Dienst schieben musste…“

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Kommentare:

  1. Danke. ^^
    Für die nächste Story wird es, so viel kann ich jetzt schon versprechen, wieder ein kleines bisschen lustiger, aber auf keinen Fall My little pony-mäßig.

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