Donnerstag, 3. September 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 9 - Our Little Shop Of Horrors

                Dick und zäh drückten sich ölig riechende Rauchschwaden durch die zerschlissenen Papierwände der Schiebetüren und wanderten träge zum zerstörten Garten, wo sie sich auflösten. Sanadas Automatikgewehrfeuer und magische Geschosse aus dem Inneren des Tempels hatten die Türen mehrfach perforiert. Entschlossen schob der Japaner ein weiteres Magazin in seine Waffe und lud durch, während wir anderen die Munition, die wir entbehren konnten, an ihn abgaben. Er würde sie dringender brauchen als wir, wenn er unsere zahlreichen Feinde in Schach halten wollte. Das würde uns die Gelegenheit geben, ihrem Boss auf die Pelle zu rücken.  
            „Und du bist dir ganz sicher?“, fragte ich über den Lärm hinweg.
      
            „Ganz sicher. Ocyon ist in diesem Teil des Tempels.“           
Sunetra zeigte auf die massiven Holzwände des Gebäudes, die nur hier und da von Oberlichtern durchbrochen wurden, und an schönen Tagen die Sonnenstrahlen im Morgengrauen herein ließen.
              
            Sanada lehnte sich wieder aus seiner Deckung und bestrich den Raum dahinter mit einer Salve. Das wütend klingende Geschrei wurde noch ein wenig giftiger, aber es traute sich niemand zu uns herauszukommen. Soweit wir wussten, hatten sich dort lediglich Besessene verschanzt, was uns einen Vorteil verschaffte, denn sie bissen sich am Null-Magier die Zähne aus. Sie konnten so viele Manablitze, Energiegeschosse und was wusste ich noch alles auf ihn abfeuern, ohne dass er davon auch nur ein fitzekleines bisschen zu spüren bekam. Seine Aura absorbierte alles, was sie aufzubieten hatten. Es hätte ihn mehr gestört, wenn sie Kieselsteinchen geworfen hätten. Wahrscheinlich ahnten die Kerle nicht einmal, womit sie es zu tun hatten. Hatte sich Ocyon deshalb an die Front gewagt? Spürte er, dass etwas in der Nähe war, an dem selbst er sich die Zähne ausbeißen könnte? Ich beneidete den Japaner eine wenig um seine Fähigkeiten.
       
            So oder so, wir würden rasch handeln müssen, wenn wir das hier überstehen wollten. Wie lange hatten wir für den anstrengenden Aufstieg gebraucht? Ich sah auf meine Uhr am Handgelenk und zählte nicht ganz sechzig Minuten. Seit der Explosion im Dorf waren vielleicht zehn bis fünfzehn Minuten vergangen, was bedeutete, dass die bewaffnete Verstärkung, selbst wenn die Kerle den gesamten Weg hinauf rannten, was ich aufgrund der Steigung stark bezweifelte, noch wenigstens eine Viertelstunde brauchen würden. Zeit genug, um dem Bastard das Fell über die Ohren zu ziehen oder einen Heldentod zu sterben. Selbstredend zog ich Ersteres vor.      
            Ocyon dachte jedoch nicht daran, es uns einfach zu machen.
            Es war Largo, der noch vor uns anderen die Veränderung bemerkte. „Irgendwas stimmt nicht mit dem Wind.“               
            Er hatte recht. Zunächst kaum merklich, ließ der Druck nach, den die seitlichen Böen ausgeübt hatten. Ich musste nicht mehr so viel Kraft in das rechte Bein investieren, um einen stabilen Stand zu haben. Zugegeben, es liegt in der Natur der Sache, dass der Wind auch mal die Richtung wechselt, aber nachdem wir die letzten Stunden im Unwetter verbracht hatten, flaute der Sturm ungewöhnlich schnell ab.       
            Dann erklang ein Geräusch, das mich an das gewaltsame Anhalten eines alten Tonbands erinnerte. So eins von der Sorte, die man zur Zeit des Kalten Krieges im letzten Jahrhundert benutzt hatte. Richtig, von damals als die Welt noch schwarz-weiß war!
            Es klang, als würden Modulation, Lautstärke und Geschwindigkeit des abgespielten Soundeffekts binnen Sekundenbruchteilen auf Null heruntergewürgt werden. Gleichzeitig veränderte sich der Luftdruck und es knackte mehrfach in den Ohren, bis sich die Trommelfelle an die neuen Bedingungen gewöhnt hatten. Ich blinzelte und bewegte den Unterkiefer ob des unangenehmen Gefühls im Schädel von einer Seite zur anderen.
            Alyssa schüttelte den Kopf und rieb sich mit einem kleinen Finger durch die Ohrmuschel, während Hank lediglich mürrisch schnaubte.
            Plötzlich setzte ein lauter werdendes, grollendes Tosen ein, das von hundert Geröll mahlenden Mühlsteinen unterlegt wurde. Der Wind drehte um uns herum, bis ich den Eindruck gewann, dass er aus dem Tempel kam, was aber keinen Sinn ergeben wollte. Erst als ich mich umdrehte, weil die Menschenmagierin erstaunt auf das begrünte Heiligtum starrte, verstand ich, wieso ich den Sinneseindruck falsch interpretiert hatte. Dort überm Teich sammelten sich allerlei Blattwerk, kleine Ästchen und Regentropfen, die im Kreislauf eines lokalen Wirbelsturms gefangen zu sein schienen. Der Wind blies nicht, sondern es war im Gegenteil ein Sog entstanden. Fasziniert von dem Schauspiel, konnte ich die Augen nicht abwenden.
             
            „Was zum Henker…?“, stammelte Hank verdattert, als die nächste Phase eingeleitet wurde. Wie auf ein Fingerschnippen hin, wechselte die Welt Farben und Kontrast. Die Nacht wurde auf einmal in kalten Grün- und Blautönen illuminiert, die ich aus der chemischen Reaktion in Leuchtsticks kannte. Gleichzeitig wurde alles anorganische immer dunkler, bis es beinahe schwarz geworden war. Lediglich die Konturen schimmerten leicht, sodass nicht alles zu einer undefinierbaren Masse verschmolz.       
            Überall dort, wo Moos wuchs, strahlten helle Flecken auf den Steinen. Das gleiche galt auch für die anderen Pflanzen und das Jahrhunderte alte Holz des Tempels. Der Himmel hingegen glomm Indigofarben. Wolken und Regen waren unsichtbar geworden. Dass noch Tropfen herunter kamen, konnte ich nur daran ausmachen, dass mein Gesicht nass wurde, als ich nach oben sah. Alyssa und Sunetra leuchteten wie Glühbirnen auf, während Hank und Largo deutlich weniger zur Lichtverschmutzung beitrugen.           
            Besonders krass sah unser Rigger aus. Lücken klafften in seinem Körper wie in einem unvollständigen Puzzle. Augen, Teile des Schädels und ein Arm fehlten. Es handelte sich um die Körperteile, die man chirurgisch entfernt und durch Implantate ersetzt hatte. Nicht zum ersten Mal in dieser Nacht lief mir ein kalter Schauer über den Rücken.           
            „So sieht der Astralraum aus, oder?“
 
Sunetra und Lighning taten das, was man bei rhetorischen Fragen für gewöhnlich macht und sparten sich die Antwort. Largo hingegen kam nicht mehr mit. "Wovon redet ihr? Von der komischen Windhose abgesehen sieht alles aus wie immer."          
            "Er kann es wegen seiner Cyberaugen nicht wahrnehmen.", erklärte Lightning ohne den Blick von dem Schauspiel zu nehmen. "Aber dass du und Hank es auch sehen könnt, kann nichts Gutes bedeuten."     
            Largo wurde ärgerlich. "Und was heißt das auf Deutsch? Red Klartext!"      
            Wie aufs Stichwort jagte mit einem lauten Schmettern ein purpurner Blitz durch den Teich und riss ein Loch in den Himmel. Von Largo abgesehen zuckten wir erschrocken zurück und schirmten unsere Augen ab. Es roch nach Ozon und etwas, das meiner Nase vollkommen unbekannt war. Die Härchen auf meinem Körper richteten sich ob der ionisierten Luft auf, was mich mehr gruselte als mir lieb war. Als sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, erkannte ich eine Art glühenden Ballon, der sich wie eine Blume am frühen Morgen öffnete und seine leuchtend pulsierenden Blütenblätter rings um den Teich legte. Mit einem Mal sah das Gewässer lebendig aus, was beileibe kein verheißungsvoller Gedanke war.        
            "Ich hab ein ganz beschissenes Gefühl bei der Nummer, Leute.", murmelte Lightning tonlos, während Sunetra den Griff um das Heft ihres Katanas verstärkte. "Es wird Zeit unseren Fremdenführer in den Tümpel zu stopfen.", konstatierte Hank, allerdings ohne Humor in seiner Stimme. Er war von den Geschehnissen genauso entsetzt wie wir.           
            "Fass mich an und du brauchst in Zukunft Prothesen, um dir auch nur einen Kaffee zu kochen.", warnte Sanada und pumpte wieder Blei in den Tempel. Unerfreute Schreie folgten als Antwort.
            "Wir müssen uns beeilen!"    
Sunetra wandte sich zum Gehen, aber der Zwerg ließ sie nicht. "Erklärung! JETZT!"           
            Die Magierin atmete tief durch, um sich zu beruhigen. "Ocyon hat einen Astralrift erschaffen und dadurch das Portal aktiviert. Wenn wir uns nicht sputen kommen noch mehr Geister."
            Scheiß Karma! So viel zu unserem zeitlichen Vorsprung.
"WAS!?", entfuhr es Largo, dem die metaphysische Welt noch nie geheuer gewesen war. "Worauf warten wir dann noch? Auf geht's!"
            "Nicht so schnell!", sie hielt ihn bei der Schulter fest und betrachtete den Tempel genauer. Ich konnte nicht erkennen wonach sie Ausschau hielt, also vermutete ich, dass sie mehr sehen konnte, als Hank oder meine Wenigkeit.      
            "Ocyon zieht sich durch den rechten Flügel zurück." Sie zeigte auf Hank und dann auf eine der Wände mit mehr Papier und Holz statt stabilem Gemäuer. "Mach da einen Durchbruch! Wir anderen sind direkt hinter dir."


***

            Bald schon würden die kläglichen Reste von Mirukus Seele vollends aufgebraucht sein.    
            Ocyon verabscheute die Hülle, die er derzeit bewohnte. Dieses in allen Belangen rückständige Vehikel, das ihn in seinen Möglichkeiten einschränkte, auf das er aber angewiesen war. Zumindest noch für eine kurze Weile.     
            Vor etwas mehr als acht Monaten war ihm der Transit gelungen und er hatte es geschafft einen Körper aus der Gruppe von Beschwörern zu übernehmen. Leider hatte er bei der Gelegenheit versagt auch gleich den Hai zu eliminieren. Ein Makel, den er nun zu beseitigen gedachte. 
            Wie lange wartete er schon auf diese Gelegenheit?!
Damals hatte er alles aufgeboten, um Susanoo oder wenigstens sein Gefährt zu vernichten. Doch Ocyon hatte nicht damit gerechnet, wie verwirrend es sein würde, in einen fremden Körper zu schlüpfen. Zuerst der Übergang und dann all diese seltsamen neuen Sinneseindrücke, die Art wie diese Wesen die Welt um sich herum wahrnahmen. Mehr wie ein Blinder hatte er bei dem Ritual um sich geschlagen und alle Zauberer getötet, alle bis auf diese eine.
            Benommen war er geflohen, als er erkannte, dass er nicht gewinnen konnte. In den folgenden Wochen musste er erst einmal lernen, wie diese Welt tickte, wie sein neuer Körper funktionierte. Es war eine zu gleichen Teilen interessante als auch frustrierende Zeit voller Rückschläge gewesen.        
            Zunächst hatte er von der Energie der Magierseele gezehrt, bevor es sich entschied andere Opfern zu suchen. Damals begann er einen neuen Plan auszuhecken. Ein wenig hatte er daran gezweifelt ins Jenseits zu gelangen, so viel musste er sich selber eingestehen, aber nun da er dort war, sah Ocyon ein, dass er Hilfe brauchte.        
            Erst nach langem Suchen hatte er zu diesem Ort gefunden und damit beginnen können seine Armee aufzubauen. Einen nach dem anderen hatte er seine fähigsten Agenten einzeln in diese Welt geholt. Der Vorgang war mühselig und kräfteraubend gewesen und er hatte gehofft sich mit mehr Seelen stärken zu können, bevor er die Prozedur erneut durchstehen musste.         
            Doch sein alter Feind hatte Fährte aufgenommen und früher als erwartet musste er den Astralrift erneut öffnen. Zudem musste er ihn jetzt so lange stabilisieren, dass sie alle hindurch kommen konnten. Wer weiß, ob sich nach dieser Nacht eine weitere Gelegenheit ergeben würde?!        
            Nein, sagte er zu sich selbst. Er durfte unter keinen Umständen Zweifel in sich aufkeimen lassen.           

            Und doch... In den letzten Stunden hatte sich die Präsenz des Hais der Insel genähert. Ocyon konnte ihn immer deutlicher spüren. Dann war das Haus im Dorf in Flammen aufgegangen und er wusste, dass die Zeit der Rache endlich gekommen war.        
            Nun musste er nur noch darauf warten, dass Susanoo das letzte Schlachtfeld betrat.        
            Ocyon würde bereit sein.

***

            Papierwände rissen, Holzbalken splitterten und Mörtel aus dem festen Mauerwerk bröckelte nach innen, als der Troll ohne große Mühen einen neuen Eingang schuf. Dabei hatte er seine Kraft unterschätzt und durchbrach nicht bloß diese eine Wand, sondern wäre beinahe auch durch die dahinter gerannt. Er bremste mit aller Kraft ab und prallte so mit seiner Schulter gegen das Hindernis. Sofort brachte er seine Maschinenpistole in Anschlag. Niemand außer ihm war im Raum. Gut!     
            Es sah nach einem Schlafzimmer aus. Futons lagen auf dem Boden und in Regalen neben einem Schrank standen einige Bücher. Wären die Konturen vieler Dinge um ihn herum nicht so stark hervorgehoben, er hätte Probleme sich zu orientieren. Die Astralsicht irritierte ihn. Viele Dinge waren nun deutlicher zu sehen, während andere geradezu miteinander verschmolzen und beinahe unsichtbar wurden.       
            Die anderen verschwendeten keine Zeit und enterten direkt hinter ihm den Tempel. Sunetra ging zur Tür, öffnete sie einen Spalt weit und gab dann durch Handzeichen zu verstehen, dass sie hindurch gehen und sich eilen sollten.           
            'Nichts lieber als das.', dachte sich Hank.        
Je eher der Spuk vorbei war umso eher kam er zu seinem Feierabendbier. Scheiß Magie. Der Drek war zu nichts gut. Er grunzte abfällig und folgte der Elfe, der Rest hinter ihm.      
            Sie befanden sich nun rechts vom Gang, in dem die Besessenen festsaßen, während Sanada ihnen einheizte. Wenn sie ungesehen an ihnen vorbei kämen, sollten sie dieses Okü-Dings-Arschloch schnell eingeholt haben. Es würde ihm ein Vergnügen sein, dem Sackgesicht den Kopf abzuschneiden.           
            Sunetra war ihm drei Schritte voraus. Eiligen Schrittes huschte sie beinahe geräuschlos an Götzenbildern und Statuen vorbei. Potthässlicher Tand für den er keinen Cent geben würde. Obendrein sah der Krempel aus Holz aus, als würde er wie Zunder brennen. Schreie und das knatternde TackTackTackTack aus Sanadas SMG wurden wieder lauter als sie sich der Action näherten. Erhobenen Schwertes wollte die Elfe den Quergang passieren, was sich als Glücksfall herausstellte. 
            Unvermittelt pellte sich ein Mann in Priesterrobe aus einer dunklen Nische und schlug mit einer langen Waffe zu. Das alles ging so unglaublich schnell, dass Hank keine Details erkennen konnte.
            'Was ist das jetzt wieder für ein Abfuck?!'       
Im letzten Moment, verstärkte die Elfe den Griff und zog die Klinge ein Stück höher. So fing sie zwar gerade noch den Angriff ab, wäre aber fast nach hinten gestürzt; und damit auf ihn drauf.    
            Hank konnte nur mit Mühe durch einen Ausfallschritt ausweichen und an den beiden vorbeilaufen. Ansonsten wäre er mit voller Wucht in die Kämpfenden hineingerasselt. Im Gang sah er mindestens sechs blau leuchtende Gestalten – Besessene, die sich zwischen in einer langen Reihe stehenden Statuen verschanzt hatten. Bis zu seinem Erscheinen hatten sie sich auf Sanada konzentriert, doch als er seine massige Gestalt zeigte, zog er ihre Aufmerksamkeit auf sich.      
            Worte wurden in einer fremden Sprache gezischelt und Finger zeigten auf ihn. Dem Troll wurde mulmig zumute, doch statt die Nerven zu verlieren, zielte er und drückte ab.         
            Der Kopf des ihm nächsten Feindes explodierte in einem leuchtenden Eimer Farbe, die sich über die Wände, den Boden und die Einrichtung ergoss.        
            Hank lachte hämisch und legte auf den nächsten Gegner an. Womit er jedoch nicht gerechnet hatte, war das erbarmungslose Echo, das seinem Angriff folgte.     

***

            Nur das wütende Zischeln Susanoos hatte sie rechtzeitig vorgewarnt.
            Die Gestalt bewegte sich mit unmenschlicher Geschwindigkeit aus ihrem Versteck zwischen zwei Statuen hervor, die wie die anderen in dem langen Gang lokalen Kamis gewidmet waren. Mit beiden Händen schwang der Schemen in der Priesterrobe einen langen Stab. Reflexartig zog sie ihr Katana hoch, um ihn abzuwehren, und hätte beinahe den langen, spitz zulaufenden Knochen übersehen, der mit dünnem vielfach gewickeltem Draht und Tape am Ende des Stabs fixiert worden war. So musste sich die Elfe mit einer Vierteldrehung um die eigene Achse aus der Gefahrenzone bringen. Dadurch wurde Hank ebenfalls zum Ausweichen genötigt und fegte dabei eine Figur von einer Kommode. Klirrend zersprang sie auf dem Boden.   
            Dort wo sich noch Sekundenbruchteile zuvor ihr Kopf befunden hatte, fegte die Klinge der improvisierten Sense durch die Luft. Im Gegensatz zu ihrem Schwert handelte es sich dabei um eine unhandliche Waffe, die deutlich langsamer geschwungen werden konnte, und für Innenräume denkbar ungeeignet war. Sunetra nutze den Schwung ihrer Drehung, brachte sich an die Seite des besessenen Priesters und führte zwei schnelle Streiche aus, die seine Robe zerschnitten und tief ins Fleisch eindrangen.
            Ihre Waffe hatte sie vor einiger Zeit mit einem Kampffokus ausgerüstet, der es ihr ermöglichte auch im Astralraum damit Schaden anzurichten. Sie verletzte also zeitgleich den Körper des Besessenen als auch den Geist, der in seinem Inneren steckte.
            Ihm entfuhr ein entsetzlicher, unmöglich klingender, gegurgelter Schrei, doch gab er ihr keine Chance noch einmal nachzusetzen. Seine Augen glühten zornig auf. Dann griff er an. Die Sense verwandelte sich zu Sunetras Erstaunen in einem todbringenden Rotor, mit dem er sie zum Rückzug zwang. Mehrfach musste sie sich wegducken, zur Seite rollen. Schließlich zwang sie ihr Katana von unten in den Klingensturm und brachte den Priester damit ins Wanken. Als er seine Deckung öffnete rammte sie ihm das Schwert in den Bauch.
            Dieses Mal war er auf die Schmerzen vorbereitet, ließ sich einen Schritt zurückfallen und stieß ihr Katana mit der Sense unbeeindruckt zur Seite. Wie von Zauberhand geführt raste der schartige Knochen wieder auf ihr Gesicht zu. Sunetra trat auf etwas und verlor das Gleichgewicht. Die Wand hinter ihr fing den Sturz ein wenig ab, sodass sie sich zur Seite gleiten und wieder in den Stand kommen konnte, aber sie hatte die Initiative im Kampf verloren. Händeringend versuchte sie sich in eine günstigere Position zu manövrieren, aber der Priester setzte ihr unerbittlich nach. Wie konnte er mit dieser Waffe nur so elend schnell sein?     
            Nicht weit von ihr brüllte Hank vor Schmerz auf. Für eine Schreckenssekunde war sie abgelenkt, die ihr Gegner gnadenlos ausnutzte, um das stumpfe Ende der Sense hinter ihren linken Fuß zu schieben und sie aus dem Stand zu hebeln. Schmerzhaft landete sie auf dem Hintern und stieß sich den Hinterkopf an der Holzwand. Sterne tanzten vor ihren Augen und Susanoo schrie weit entfernt eine Warnung, aber ihre benommenen Sinne verweigerten eine zeitnahe Reaktion.      
            Der Priester war wieder da und holte mit der Sense zum finalen Schlag aus.          
            Völlig unerwartet platzte seine Stirn auf und Blut spritze aus mehreren Wunden an Hals und Schulter. Der Körper gefror in der Bewegung und sank schließlich erschlafft zu Boden. Sunetras Herz pochte ihr bis in den Hals als wollte es durch den Mund entkommen. Schwer atmend sah sie vom Leichnam zu ihren Freunden herüber, die auf der anderen Seite des Gangs die Feinde im verrauchten Flur weiter hinten abwehrten, während ein blutender Hank in Deckung gezerrt wurde. Ein in Flammen stehendes Füchschen rannte aufgeregt zwischen ihnen herum und knurrte die Besessenen an, die ihnen zusetzten.      
            'Wann hat Lightning denn den Elementar beschworen?', fragte sich die Elfe verwundert und entdeckte erst jetzt Hendrik, der mit seiner Maschinenpistole noch immer auf den toten Priester zielte.

***

            Hank lachte schallend, während der erste Gegner in einer berstenden Blutblase zu Boden ging. Largo hätte Dank Sanadas Rauchgranate nur wenig davon sehen können, wenn seine Cyberaugen nicht gerade auf Infrarotspektrum umgestellt gewesen wären. So hatte er den vollen Überblick.    
            Ihm gefiel die Situation nicht. Magische Portale, Monster, die aus Welten jenseits von sonstwo auf die Erde krabbeln wollten und dazu noch all das Geistergesocks, das diese armen Leute kontrollierte. Er hasste diesen ganzen oldschool Fantasy Bimbam wie die Pest. Etwas tief vergrabenes in seinem Gedächtnis erinnerte ihn an die Ironie, dass er seine Existenz lediglich dem gestiegenen magischen Niveau auf dem Planeten zu verdanken hatte. Glücklich machte es ihn deswegen aber noch lange nicht, der Testaufführung zur Apokalypse beiwohnen zu dürfen.         
            Wenigstens musste er nicht auch noch den Anblick der Astralebene ertragen, sondern sah die Welt weiterhin so wie sie war. Zurzeit halt in Infrarot.           
            Zwei leuchtende Gestalten huschten im vermeintlichen Schutze des Rauchs von einer Deckung zur anderen. Largo entsicherte sein Sturmgewehr und legte an.  
            Plötzlich zuckte Hank mehrfach. Der Troll grunzte wütend und entlud eine weitere Feuergarbe in den Gang, doch er verfehlte sein Ziel. Wovon war er bloß getroffen worden? Die Kerle waren doch unbewaffnet gewesen. Dann fiel ihm wieder ein, dass die Besessenen mit Sicherheit magische Geschosse abfeuerten, die er nicht sehen konnte. Verdammter Drek!     
            Bevor Hank ein drittes Mal feuern konnte, verkrampfte er sich und Blut schoss aus Nase und zwischen zusammengebissenen Zahnreihen hindurch. Seine Automatik fiel klappernd auf den Boden und er sank vor Schmerzen schreiend auf die Knie.          
            Mit wenigen Schritten war der Zwerg bei ihm und feuerte mehrfach lange Salven auf die Gegner ab. Zwei von ihnen gingen zu Boden. Bei einem war er sich nicht sicher, aber dem anderen hatten die Projektile den Brustkorb aufgerissen. Der stand definitiv nicht mehr auf.        
            „Hey Eckzahn! Alles klar?“ Largo stupste den Troll mit dem Stiefel an und ließ den Gang keine Sekunde aus den Augen. Der letzte Angriff hatte sie vorerst in Deckung gezwungen. Zudem setzte ihnen Sanada von der anderen Seite aus wieder zu. Für den Moment sollten sie Ruhe haben.      
            Alyssa gesellte sich zu ihnen und murmelte eine Zauberformel. Ihre Hände begannen zu glühen, dann tropfte etwas zähflüssiges aus den Fingern, das wie Lava aussah. Der Holzboden verkohlte an der Stelle, an der sie auftraf. Nach wenigen Sekunden nahm ein brennender Fuchs Gestalt an und japste eingeschnappt. „Beschütz uns vor allen Angreifern! Und… sorry für die unangenehme Umgebung.“ Largo sah sie irritiert an, was die Magierin zu einer Erklärung veranlasste: „Die vielen Wassergeister machen den Feuerelementar nervös.“   
            „Schön, dass ich und Fifi was gemeinsam haben.“   
Hank stütze sich schwer keuchend auf einer seiner Pranken auf und griff mit der anderen nach der Waffe. Er hustete Blut hervor. Die magischen Geschosse hatten die Panzerweste ignoriert und waren direkt auf ihn eingeprasselt. Auf einmal fühlte sich Largo unangenehm schutzlos in dem Gang. „Komm schon, wir müssen hier weg!“     
            „Verdammte, scheiß Fotzen!“, fluchte der Troll, konnte aber nicht aufstehen. Blutbläschen sammelten sich auf seiner Unterlippe und fielen in einer Traube zu Boden.         
            Largo nahm das Gewehr in die andere Hand und griff dem Troll unter den Arm. Er zog mit aller Kraft, aber der Kerl war zu schwer für ihn allein. "Wenn wir das hier überleben, setz ich dich auf Diät!"     
            Hendrik heilte hinzu und nahm ihn von der anderen Seite. Zusammen zogen sie ihn in Richtung der relativ sicheren Deckung bei der nächsten Tür. Auf halbem Weg ließ Iron den Hauptgefreiten a.D. los, zog seine Maschinenpistole und feuerte in die Richtung, aus der sie in den Tempel eingedrungen waren. Erschrocken brachte auch der Rigger instinktiv seine Waffe in Anschlag, aber als er sah, dass die Gefahr gebannt war, kümmerte er sich wieder um den Verletzten.    
            „Der Priester ist tot und die Elfe lebt, also hilf mir gefälligst!“
Widerwillig, als würde er an den Worten seines Freundes zweifeln, ließ er die MP sinken und machte sich wieder an die Arbeit. Lightning gab ihnen unterdessen Deckung indem sie ihrerseits Energieblitze auf die Gegner wirkte. Lichtbögen tauchten die Wände in gespenstisches Licht. Endlich hatten sie die Tür erreicht, aber Hank war blass geworden und spuckte noch mehr Blut.       
            Das sah gar nicht gut aus.

***

            "Sanada! Uns geht hier der Arsch auf Grundeis!", blökte Alyssa ins Komlink und feuerte ein weiteres Geschoss ab, dem der Gegner aber ausweichen konnte. Wirkungslos zerplatzte es an der Statue vor ihm. Sie hatte seit sie auf Jigoku waren enorme Mühen ihre Zauber zu wirken und wäre sogar beinahe daran gescheitert, den Feuerelementar zu beschwören. "Ich fürchte wir brauchen was wirksameres als dein Deckungsfeuer."           
            Unmittelbar danach endete das Stakkato seiner Waffe und es wurde für einen Moment ruhig. Gerade als sich die Besessenen wieder hervorwagten, stürmte ein Flüche bellender Japaner mit der Maschinenpistole feuernd in den Gang und rückte den Feinden auf die Pelle. Sie verstanden immer noch nicht womit sie es zu tun hatten.
            Erst als er sich einen von ihnen griff und der Geist vor Pein aufschrie, nahmen selbst die mutigsten unter ihnen die Beine in die Hand. Sanada ließ das jammernde Bündel fallen, denn der Geist war besiegt und verließ seine Hülle Richtung Portal. Der Null-Magier rannte den anderen, wieder aus vollem Hals brüllend, hinterher. Dabei feuerte und trat er abwechselnd nach ihnen.  
            Kurz darauf waren sie aus dem Gang verschwunden.           
"Sie sind weg, es ist jetzt sicher...", sagte Alyssa als sie sich zur Elfe umdrehte. Sunetra hatte sich gerade erst wieder aufgerappelt und sah noch ziemlich mitgenommen aus. Sie rieb sich den Brummschädel und sah genervt zu ihrer Kollegin herüber. "Naja...", fügte sie zögerlich hinzu, "relativ gesehen zur Minute davor."  
            "Ey Leute, wir könnten eure Hilfe gebrauchen...", rief Largo, stockte aber mitten im Satz. Er starrte auf den toten Priester, der zwischen den Magierinnen lag.    
            "Was!", fragte Sunetra gereizt, aber dann sah sie es auch. Wenn ein Geist stark genug ist, kann er es unter Umständen schaffen, sich zu materialisieren, wenn sein Wirtskörper vernichtet wurde. Die Wachen im Garten hatten es geschafft, warum hatte Lightning erwartet, dass dieser hier nicht dazu in der Lage war!?
            Wie in Zeitraffer baute sich vor ihnen ein Monster zusammen, das direkt einem Horrorfilm entstammen mochte. Ein Mannshoher Muskelprotz mit massigem Rumpf und verkürzten Gliedmaßen, erschaffen aus Algen, Tang, lebendigen Krustentieren, Seesternen und einer breiten, gefächerten Muschel mit dem orangebraunweißen Muster der Meermandel als Schild über Brust und Rücken. Krabbenscheren bildeten die Enden seiner Arme. Etwa an den Stellen, an denen Sunetras Katana den Körper des Priester malträtiert hatte, waren auch auf dem Geist Schnitte zu sehen.
            Alles an dem Wesen war in ständiger Bewegung. Es verströmte einen salzig-öligen Gestank mit einer Note von süßlichem Verwesungsgeruch und Alyssa wusste, dass sie nie wieder Fisch oder etwas anderes aus dem Meer würde essen können.           
            "Fuck! FUCKFUCKFUCK!", fluchte Largo. Der Anblick des Geists veranlasste ihn nur noch heftiger an Hank zu zerren, während Hendrik mit von Schrecken gezeichnetem Gesichtsausdruck die Tür öffnete und dem Zwerg half den Kameraden in Sicherheit zu bringen. 
            Wie zur Salzsäule erstarrt, trauten sich weder Sunetra noch Alyssa etwas zu unternehmen. Erst als der Geist rasend vor Zorn aufschrie, löste sich der Bann. Todesmutig war der Feuerfuchs seinem Auftrag gefolgt und zum Angriff übergegangen. Wie eine wildgewordene Furie wühlte er in den Eingeweiden des massiven Leibs herum, zerfetzte Tang und ließ die Panzer von Garnelen knacken, riss Fischen die Köpfe ab und setzte den Gegner von innen in Brand. Wasserdampf und Qualm quollen aus dem schwelenden Leib.
            Wild um sich schlagend, erwischte das Vieh versehentlich Alyssa. Der Treffer presste alle Luft aus ihren Lungen und ließ sie vom Boden abheben. Taumelnd passierte sie eine Kamistatue, die sie reflexartig umarmte, um nicht hinzufallen. Nachdem sie sich gefangen hatte, rieb sie ihre linke Brust - das würde einen bösen Bluterguss geben. Die Schmerzen hätten größer sein können, aber der Schlag hatte sie unerwartet getroffen und ihrem Ego einen Tritt in die Weichteile verpasst.   
            Der Wassergeist hatte sicher damit gerechnet, sie allein mit seinem Anblick in die Flucht zu schlagen. 'Zu früh gefreut!'          
            Sunetra ergriff die Gelegenheit und hieb wieder und wieder auf das Monster ein. Lightning tat es ihr gleich und wirkte weitere Manabolzen, die sie in die Gegend abschoss, wo sie das Knie vermutete. Eines der Beine verlor nach dem dritten Treffer soweit an Integrität, dass das Monster einknickte. Dann stieß die Elfe einen kurzen Kampfschrei aus und hieb der Gestalt den zurechtgebastelten Kopf ab.  
            Als hätte es bloß in ihrer Vorstellung existiert, löste sich das Wesen auf. Zurück blieb nur ein irritierter Feuerelementar, der knurrend hierhin und dorthin wetzte, verwundert, wohin sich seine Beute so rasch verkrümelt hatte.  
            "Gut gemacht, Kleiner.", lobte Alyssa das Geschöpf, woraufhin es erfreut bellende Laute ausstieß. "Tut mir leid, aber eine kleine Weile brauche ich deine Dienste noch." Ohne zu mosern und stolz wie Oskar schloss er sich den Magierinnen an, die sich bereits auf den Weg zu ihren Freunden gemacht hatten.

***

            Während die Magierinnen Käpt'n Nemos Nemesis einheizten, hatte Dr. Largo Hank untersucht und verarztet. Der hatte sich vom ersten Schock erholt und fluchte bereits wieder wie ein Rohrspatz. Ich hielt das für ein gutes Zeichen.         
            Lightning kam mit Sunetra in den Gebetsraum. Ein kleiner Schrein stand an einer Wand. Auch er war von den Eindringlingen besudelt worden. Unterdessen packte Largo sein Erste-Hilfe-Set wieder ein.         
            "Er scheint keine Knochenbrüche zu haben. Vielleicht Mikrofrakturen, aber das muss ein echter Arzt diagnostizieren. Ich vermute, dass einige unwichtigere Blutgefäße im Nasen-Rachen-Raum geplatzt sind. Es sieht schlimmer aus, als es ist. Ich hab ihm ein paar starke Schmerzpflaster verpasst." 
            Ich half dem Hünen wieder auf die Beine. Unter normalen Umständen hätte er mich zum Teufel geschickt, aber auf dieser Insel war 'normal' ein Fremdwort. Also ergriff Hank meine angebotene Hand.    
            "Sehr gut, dann sollten wir weiter machen im Plan. Sunetra, siehst du irgendwo Ocyon?" 
            "Ja, er hat befindet sich auf dem Hof vor dem Tempel.", dann hielt sie inne. "Drek! Ein paar Geister im Gang haben es geschafft sich aus den toten Körpern zu befreien."          
            "Sie kommen hierher.", bestätigte Lightning düster.           
"Warum kann ich sie nicht sehen? Ich dachte, wir sehen wegen dem Astralrift ebenfalls die Astralebene.", fragte ich. Alyssa schüttelte den Kopf. "Was ihr wahrnehmen könnt ist nur das astrale Abbild der Welt, nicht den Astralraum selbst. Solange sich die Geister dort aufhalten, sind sie für euch unsichtbar."        
            Ich stöhnte genervt auf.        
"Sieh es positiv: solange sie im Astralraum bleiben, können sie euch auch nicht angreifen."         
            Welch ein Trost!          
"Wir müssen sie loswerden, bevor wir uns Ocyon stellen können. Sonst fallen sie uns in den Rücken.", fügte Sunetra hinzu und ohne weiteren Federlesens verließen die Magierinnen ihre Körper, die vor unseren Augen zu Boden fielen.           
            Ich hasse es, wenn sie das tun.

***

            Zwei hatten sie bereits in einem Regen aus Manabolzen in die ewigen Jagdgründe zurückgeschickt, zwei weitere blieben noch übrig. Langsam aber sicher forderte der lange Kampf seinen Tribut. Die Menschenfrau fühlte, dass sie sich bedrohlich ihrem Limit näherte.           
            'Nicht schlapp machen, Alyssa!', ermahnte sie sich selbst.
Von ihrer Position aus über dem Tempel, konnte sie Ocyons massives astrales Abbild auf dem Hof sehen. Meditierte er etwa? Worauf wartete er? Waren sie keine würdigen Gegner oder sah er den Kampf generell als Angelegenheit seiner Schergen an? Wie auch immer, sie würden den Kampf schon bald zu ihm tragen. Hoffentlich schnell genug, bevor weitere Geister durch das Portal auf die Welt gelangten.      
            Ein Energiegeschoss zerplatzte unter ihnen. Der Geist zischte giftig, als ihn Sunetras Antwort herumschleuderte. Das Füchschen griff ebenfalls tapfer in den Kampf ein und hielt ihre Gegner auf Abstand. Die Wassergeister hatten einen Mordsrespekt vor dem flammenden Knäul.     
            Unterdessen umkreiste Lightning die noch unschlüssigen Gegner. Mit etwas Glück konnten sie sie so besser in die Zange nehmen. Leider erkannten sie ihr Vorhaben zu früh und teilten ihre Aufmerksamkeit auf die Magierinnen auf. Ein Bolzen traf Alyssa. Es schmerzte höllisch.           
            Gefrustet fluchte Lightning und bereitete ein weiteres Manageschoss vor. Doch auf wen sollte sie schießen? Sie entschied sich für Sunetras Gegner, denn der Feuerelementar hatte ihren Spielkameraden in eine Rauferei verwickelt.      
            Das Projektil aus arkaner Energie traf den Geist in den Rücken und löste ihn in einen feinen Nebel aus Ektoplasma auf. Nummer Zwei bekam das natürlich mit, was ihn veranlasste den Kampf abzubrechen und vorerst auf Abstand zu gehen. Füchschen setzte ihm nach, aber der Mistkerl briet ihm einen Bolzen über. Alyssas Elementar jaulte vor Schmerzen auf, war aber nicht besiegt.
            'Was hat er vor?'         
Der Wassergeist sah sich um, fixierte dann einen Punkt unter ihnen und raste plötzlich wie von der Tarantel gestochen los. Dabei gab er etwas von sich, das für Alyssa nach einem Kampfschrei klang. Er tauchte Richtung Tempel ab, ließ seine Feinde hinter sich und endlich erkannte Alyssa, was er im Schilde führte.     
            Sunetra hatte sein Ziel ebenfalls erraten und Verfolgung aufgenommen. Alyssa beeilte sich nach Kräften hinterherzukommen, bildete aber das Schlusslicht. Ihr wurde Angst und Bange bei dem Gedanken, was mit ihnen passieren würde, wenn der Geist ihre Körper vor ihnen erreichen sollte.    
            Sie musste irgendwie aufholen, koste es was es wolle! Vielleicht konnte sie ihn mit einem Manabolzen vom Kurs abbringen. Alyssa konzentrierte sich und fokussierte den Manastrom durch ihren astralen Körper.   
            Sie mochte auf Jigoku sterben, aber sie würde auf keinen Fall im Astralraum verschollen gehen.

***


            "Wie der Kampf wohl läuft?", fragte Largo besorgt, während er im Gebetsraum auf und ab wanderte, doch ich konnte zur Antwort nur mit den Schultern zucken.   
            "Ob es uns gefällt oder nicht: Jetzt ist Abwarten und Teetrinken angesagt. Außer auf ihre Körper aufzupassen, können wir nichts tun."          
            "Genau das geht mir ja gerade so auf den Zeiger. Ich will Gegner aus Fleisch und Blut. Jemanden, dem ich eine Kugel zwischen die Augen verpassen kann." Der Zwerg machte mit Daumen und Zeigefinger die Pistolengeste und zielte auf Sunetra, vor der er stehengeblieben war.  
            Plötzlich, als hätte die Elfe auf ihren Einsatz gewartet, schnellte sie durch magisch verstärkte Reflexe hoch und zerteilte mit dem Katana die Luft über ihr. Für einen Moment hatte ich den Eindruck noch etwas anderes zu sehen, aber es war bereits wieder verschwunden. Über Sunetras Gesicht war ein Ausdruck gehuscht, der mich an einen Hai erinnerte, während von der Decke ein Schemen auf sie herab getaucht war. Hatte ich es wirklich gesehen oder spielte mir die ungewohnte Astralsicht lediglich einen Streich?
            "Bist du des Wahnsinns?", stammelte ein geschockter Rigger, der vorsichtig einen Schritt zurückwich. Es hätte nicht viel gefehlt und die Elfe hätte Largo die Zeigefingerkuppe abgeschnitten. Nun schlug auch Alyssa die Augen auf und der Feuerelementar wurde wieder sichtbar. Sunetra stand auf, ihr war die Sache ein wenig unangenehm. "Sorry, aber beinahe hätte einer der Geister meinen Körper übernommen."          
            "Ist es erledigt?", wollte ich wissen.  
"Der Weg ist frei.", bestätigte die Elfenmagierin. Sie warf einen langen, rätselhaften Blick auf die Tür, die vom Gebetsraum zum Innenhof führte, und atmete tief durch. Das Monofilamentkatana wippte lüstern auf und ab, als sie es in der Hand wog. Es dürstete nach mehr Blut.     
            "Mir ist danach diese Missgeburt zum Teufel zu jagen." Sie sah uns nacheinander kampfeslustig an und grinste raubtierhaft als sie mit veränderter Stimme sprach:
            "
Ist mein Rudel bereit?
"

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