Prolog
‚Schatten dominieren
diesen Ort.‘
Der Priester spürte die hasserfüllte Präsenz durch
jede Ritze, jede Spalte quellen, wie sie wucherte, sich tumorartig ausbreitete,
die Seelen der Menschen infiltrierte und korrumpierte, alles und jeden ins Böse
verkehrte. Shinta war unwohl in seiner Haut, doch er wusste tief in seinem
Inneren, dass er nun, im entscheidenden Moment, nicht mehr zögern durfte. Seine
Mission war, den Schatten zu bannen, der vor einiger Zeit damit begonnen hatte,
von der Neu-Tokioter Unterwelt aus sein Netz zu spinnen.
Viele
Mühen und unzählige Gefallen hatte es ihn gekostet die Spur bis zu dieser Bar
zu verfolgen. Karaoke und leichte Mädchen wurden hier neben Sake, Whiskey und
Snacks auf der Karte angeboten. Unter normalen Umständen würde sich der
Priester einen Dreck um die zwielichtigen Geschäfte scheren, die hier
abgewickelt wurden. Bezahlter Sex stand nicht besonders hoch auf seiner
Beliebtheitsskala, aber es gab weiß Gott schlimmere Verfehlungen. Doch unlängst
hatte sich der Amüsierschuppen in eines der Nester verwandelt, in dem Es zu hausen pflegte. Während seiner
Recherchen hatte der Shintopriester herausgefunden, dass sich das Wesen
besonders in der Nähe von Außenseitern der Gesellschaft wohlfühlte.
Unter den Verzweifelten und
Ausgestoßenen, die nichts mehr zu verlieren hatten, rekrutierte es auch seine
Söldner. Manche von ihnen unterwarfen sich freiwillig seinem unbeugsamen
Willen, andere zwang es mit Gewalt unter seine Kontrolle. Der traurige Rest
bekam keine Chance von der Begegnung mit dem Leibhaftigen zu erzählen.
Nun
saß der Priester im Halbdunkeln unter dem Treppenansatz in Deckung und wartete
mit wachsender Anspannung darauf, dass Es
ihm in die Falle ging.
Vier Männer saßen im Raum
verteilt in den Sitzecken der Bar und unterhielten sich ausgelassen mit den
Prostituierten. Sie tranken Bier aus Flaschen. Ein weiterer Mann verlor sein
Geld an einen Spielautomaten, der ihn mit vielen blinkenden Lichtern und dem leeren
Versprechen auf einen schnellen Gewinn ausnahm. Mit dem Rücken zu ihnen stand
ein junger Ork am Eingang und beobachtete die Straße. Er, die Prostituierten
und die Kellnerin trugen ein Mal, das man nur im Astralraum sehen konnte.
Normalerweise leuchteten die Auren lebender Personen mehr oder weniger stark,
aber diese wiesen dunkle Flecken auf, mit denen sie wie das Vieh eines Bauern
markiert worden waren. Der Priester war sich nicht sicher, aber er hätte
schwören können, dass die Male nicht wahllos aufgetragen worden waren, sondern
zu einer ihm fremden Schriftsprache gehörten.
Vor
diesen Leuten musste er sich besonders in Acht nehmen. Es war zu erwarten, dass
sie versuchen würden den Schatten zu verteidigen. Er könnte sie zuerst töten,
um seine Chancen zu verbessern, aber er war ein Priester und kein
Auftragskiller. Seine Taten mussten von höheren Zielen inspiriert sein. ‚Wenn ich erfolgreich bin, sollte auch seine
Kontrolle über sie erlöschen. Vielleicht kann ich sie so retten.‘
„Meister!
Meister!“, rief die Kellnerin gehorsam.
Sie war das schwächste Glied in der Kette
gewesen. Das hatte der Priester sofort erkannt. Ihre Astralprojektion flackerte
leicht, weil sein Einfluss auf sie nicht absolut war. Darum war Shintas Wahl
auf sie gefallen. Verstohlen hatte er einen Zettel in ihre Schürze gleiten
lassen. Darauf standen magisch aufgeladene Worte der Segnung. Zusammen mit dem
Spruch, den er ihr ins Ohr geflüstert hatte, festigte sich ihre Aura wieder.
Die dunklen Flecken waren schwächer geworden, der Einfluss des übernatürlichen
Parasiten auf sie nahezu gebrochen. Die Kellnerin schien einen Moment lang
desorientiert, gehorchte dann aber der Aufforderung des Priesters und rief die
Verderbnis aus dem Obergeschoss herbei.
Nichtsahnend
bewegte sich von oben eine tiefschwarze, grollende Gewitterwolke durch den
Astralraum und stieg die Stufen herab. Der Geistliche umfasste den Griff seines
Holzstabes nun so fest er konnte. Er hoffte, dass der Bannspruch, den er hinein
geschnitzt hatte, seinen Zweck erfüllen würde. Schweißperlen sammelten sich auf
seiner Stirn, während sich vom Hinterkopf kleine Bäche in den Nacken ergossen.
Shinta wechselte wieder zurück
in die normale Welt und beobachte, wie sich ein Mann näherte. Auf den ersten
Blick wirkte er wie ein Obdachloser, aber seine Kleidung war zu hochwertig und teuer,
als dass sie jemand aus der Gosse besitzen konnte. Er trug eine zerschlissene
Marken-Jeans und einen dunkelgrauen, mit rostfarbenen Sprenkeln übersäten
Kapuzenpulli. Er war barfuß unterwegs. Die Füße waren vom Schmutz der Straßen
schwarz gefärbt, die Zehennägel ungepflegt. Viel zu lang gewachsen, begannen
sie sich zu gelblichen Krallen zu verformen und schnitten in ihr eigenes
Fleisch.
Wer
jedoch hinter die Dinge schauen konnte, erkannte, dass dieser Mann schon vor
geraumer Zeit aufgehört hatte, ein Mensch zu sein. Und der Shintopriester
konnte wahrhaftig sehen!
Einige Zeit lang starrte der
Mann die Kellnerin schweigend an. Unbehagen breitete sich von ihm aus und
sammelte sich wie ein schauriger Nebel über dem Fußboden. Dann senkte das Wesen
den Kopf, als hätte es etwas entdeckt. Es griff in die Schürze und zog den
Zettel mit den Segensworten hervor. Ohne ein äußeres Anzeichen ging es
schlagartig zwischen seinen Fingern in Flammen auf. Ein Klumpen aus Blei
sammelte sich im Bauch des Priesters, als er Ascheflocken zusah, wie sie
zitternd herab schwebten.
Nun
lächelte die Kellnerin derart übertrieben, als hätte sie den Verstand verloren.
Tränen aus Blut quollen ihr aus den Augen. Es gerann auf ihren Wangen binnen
weniger Sekunden, wie Wachs aus einer wieder und wieder auslaufenden Kerze.
„Er
ist gekommen, wie ihr vorhergesagt habt, oh Eroberer.“
‚Eroberer?!
Was geht hier wirklich vor?‘
Plötzlich
hatte der Priester das Gefühl, dass ihm wichtige Informationen fehlten, dass er
nicht genug vorbereitet in diesen Kampf gegangen sein könnte. Bevor ihn die
aufkeimende Panik lähmen konnte, fasste er sich ein Herz und tauchte unter der
Treppe auf, schwang den Stab und rief:
„Im
Namen von Amaterasu banne ich dich aus dieser Welt. Verschwinde dorthin, wo du
hergekommen bist!“
Der
Stab traf den Mann ungebremst auf den Kopf. Er hatte keinen Versuch unternommen
auszuweichen und Shinta erkannte augenblicklich warum:
'Weil ich keine Gefahr für ihn bin.'
Dann explodierte um sie herum ein gleißendes Licht, das an den Rändern
lilafarben ausfranste. Der gesamte Raum schien wie eine Glocke zu vibrieren,
sodass das Sichtfeld des Geistlichen an Schärfe verlor. Für einen Wimpernschlag
blieb die Welt stehen und das Monstrum offenbarte sich in seiner ganzen
Schrecklichkeit.
Zunächst
weigerte sich Shintas Verstand zu akzeptieren und stemmte sich mit aller Macht
gegen den Anblick. Unerbittlich schlossen sich Klauen aus nackter Angst um sein
Herz. Dann zerbrach etwas in ihm und jedes einzelne Pigment wurde aus seinen
Haaren gefegt, wie Samen von einer Pusteblume, vom Wind auf Reisen schickt.
Zurück blieb ein schlohweißes, strohiges und wirr wachsendes Kraut, das nur
noch vom Haargummi gebändigt wurde.
Eine
Druckwellenkaskade, die sich vom Boden her schräg nach oben fortpflanzte ,
erschütterte die Bar und riss jeden von den Beinen. Scheiben sprangen, Gläser
zerplatzen, Sichtschutzwände aus Teakholzimitat zwischen den Sitzgruppen wurden
eingerissen, Putz rieselte von der Decke und eine der Lampen verlor ihren Halt.
Krachend landete sie auf den Fliesen.
Erdig
schmeckender Staub zog in Schwaden durch die Luft, sodass der Priester husten
musste. Mühsam rappelte er sich auf, indem er sich an einem umgeworfenen Tisch hochzog.
Seine Knie waren aus Pudding und sein Puls raste. Dann sah er zu dem Monster
und blinzelte irritiert. Der Staub musste ihm seine Sinne verwirrt haben.
Schatten und Mann waren eins
und doch wieder nicht.
Es sah beinahe wieder wie ein Mensch aus, aber im Schein der flackernden Lampen
verrieten die Schatten seine wahre Gestalt. Unförmig wölbte sich der ausladende
Buckel zu einem scheinbar deformieren Becken, das auf kräftigen Beinen ruhte,
die unnatürlich abgewinkelt zu stehen schienen. Dort, wo der sein Kopf die
Lichtstrahlen hätte blockieren müssen, klaffte eine Loch im Schattenspiel.
Stattdessen wuchsen unzählige Tentakel aus seinem Rumpf. Sie schlängelten
umeinander, richteten sich bedrohlich auf, schnappten um sich.
Endgültig
gewann Panik die Oberhand.
Er musste auf schnellstem
Wege aus der Bar entkommen, wenn er diese Nacht überleben wollte. Nur wie?!
Da, die Tür stand offen!
Überhastet stürzte der Priester zum Ausgang, doch bevor er auch nur in die Nähe
der Schwelle kam, flogen die Flügel der Tür scheppernd zu. Im letzten Moment
konnte er anhalten, ohne im vollen Lauf dagegen zu knallen.
'Das war's!'
Innerlich wappnete er sich für das Ende und zwang sich zur Ruhe. Langsam drehte
er sich zu dem Monster um. Erst jetzt bemerkte er, dass auch die anderen wieder
auf den Beinen waren. Mit durchdringenden Blicken fixierten sie Shinta, blieben
aber wie angewurzelt stehen. Nun fletschte das Wesen die Zähne und sprach in
fremden Zungen.
QenKrfsai!RhsdofojMhop459<ppof
Was war das für eine Sprache?
Panik kämpfte sich wieder
zurück an die Oberfläche. Er konnte sich nicht erinnern jemals solche Worte vernommen
zu haben. Sie ähnelten nichts von dem, das er kannte. Aber was auch immer es
gesagt hatte, die Gäste gingen kreischend auf ihn los. So weh es ihm tat, es
war an der Zeit die Samthandschuhe auszuziehen. Mit zitternden Händen zog er
das Wakizashi aus dem Saya und wehrte die ersten Angreifer mit gezielten
Schlägen ab. Ihre Angriffe waren plump und unbeholfen. Mit ihnen würde er
fertig werden, aber was war dann?
Mit einem Ausfallschritt fiel
ein dicklicher Gast an ihm vorbei. Arme und Beine des Priesters vollführten
Bewegungen, die sich nach langen Jahren des Trainings in ihr Gedächtnis
gebrannt hatten. Todesangst oder nicht. Sie scherten sich in diesem Moment keinen
Finger breit um den Geisteszustand ihres Herrn.
Blut sprudelte aus dem Hals
des Mannes und er stolpert gegen eine der Prostituierten, die versuchte den
Priester mit einem abgebrochenen Stück Glas zu schneiden. Zusammen stürzten sie
zu Boden. Lautes Knacken hallte von den Wänden wieder, als ihr linker
Oberschenkel brach und durch das dünne Fleisch wie ein Spieß hervortrat. Statt
sich vor Schmerzen zu winden, versuchte sie weiter an ihren Gegner
heranzukommen.
'Welch ein starker Wille muss das sein, der sie kontrolliert?',
dachte der Shintopriester verzweifelt, während er ihr wie in Trance die Hand
abhackte. Danach duckte er sich unter einem Arm hindurch, der ihn von hinten zu
greifen drohte.
Stich nach oben, Klinge nach
vorne ziehen und drehen. Mehr Blut benetzte den Mann und die demolierte Bar.
Feuchtes, schmatzendes Klatschen kommentierte den Aufschlag des Leibes.
Als hätte ein Kami mit ihm ein
Nachsehen gehabt, starrte er nach dem Ende seines Angriffs auf einen Gang, der
weiter nach hinten in das Gebäude führte.
'Die Toiletten!' Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen.
Shinta nahm seine Chance wahr, sprang aus der knieenden Haltung heraus und gab
Fersengeld. Auch das Monster, der Parasit, Geist, was auch immer es wirklich
war, erkannte seinen Fehler. Dieses Mal konnte es ihm keine Türen vor der Nase
zuschlagen. Hasserfüllt brüllte es und griff nach der blutbeschmierten Kellnerin.
Es bekam sie am Hals zu fassen. Seine nun wie Krallen wirkenden Finger gruben
sich in ihr Fleisch, zerquetschten Luftröhre und Kehlkopf als wären sie aus
Softeis. Ohne Mühen schleuderte es ihren sterbenden Leib in die Richtung, in
die der Priester floh.
Geschickt wich dieser aus,
sodass die Kellnerin ihn verfehlte und an der abknickenden Wand abprallte. In einem
unnatürlichen Winkel blieb sie schließlich liegen.
Schnell weiter, den Gang
hinunter, die Pendeltür aufgestoßen, vorbei an Waschbecken und Pissoirs und zum
Fenster. Es stand offen. Unter dem Fenster war ein Sims. Rasch kletterte der
Mann nach draußen und hangelte sich so schnell es ging zur Feuerleiter. Dann
ging es abwärts. Die letzten eineinhalb Meter sprang er herunter. Etwas knirschte
schmerzhaft in seinem rechten Knie, aber er konnte Laufen, für den Moment
zumindest.
Shinta befand sich in einem
Hinterhof und wusste, dass er schnellstens wieder auf eine der belebten
Hauptstraßen musste. Dort würde es ihn aus den Augen verlieren. Doch er kannte
sich hier nicht aus. Leise fluchte der Priester, weil er so töricht gewesen
war, im Vorfeld nicht die Fluchtwege ausgekundschaftet zu haben. Er hetzte in
die nächstbeste Seitenstraße und fand sich in einem Gewirr aus engeren Gässchen
wieder, die sich in einem Labyrinth verliefen. Ein, zwei Mal glaubte er den
Lärm der Hauptstraße näher kommen zu hören, doch immer dann, wenn er in die
Richtung abbog, in der er das Geräusch vermutete, landete er in einer Sackgasse
oder entfernte sich wieder von der Quelle.
Inzwischen war sein Knie
bereits beträchtlich angeschwollen und der Schmerz verstärkte sich. Lange würde
er in diesem Tempo nicht mehr durchhalten. Mit klopfendem Herzen hielt er kurz
inne und lauschte in die Nacht hinein. Er konnte weder einen Verfolger hören noch
sehen, aber das konnte täuschen. Er musste wieder weiter. Nur weg von diesem
verfluchten Ort.
Beharrlich bahnte er sich
seinen Weg durch den Irrgarten. Es musste einfach einen Ausweg daraus geben.
Zweimal links, danach rechts. Fünfzig Meter weiter zur nächsten Abzweigung. Horchen.
Links oder doch lieber rechts herum? Nein... links! Er humpelte nun mehr als
dass er lief.
Gerade als ihn sein Mut zu
verlassen drohte, bog der Shintopriester um eine Ecke und blickte geradewegs
auf die Hauptstraße. Neonlichter tauchten das Ende der Gasse in poppige Farben.
Eine Gruppe Jugendlicher tanzte zu irgendeiner Art Technomusik. Shinta konnte
sogar schon die wunderbaren, verheißungsvollen Düfte der Garküchen riechen.
Es war schon ein wenig
seltsam, dass ihm ausgerechnet jetzt sein leerer Magen in den Sinn kam. 'Der Starrsinn des Willens zu Überleben.',
dachte er erleichtert und trotzig zugleich.
Mit neuer Energie erfüllt,
legte er die letzten Meter zurück. Doch dann schien ihn eine Dunkelheit zu
umhüllen, die die Welt der Lebenden auszublenden drohte.
Wieder war da die Panik, als
wäre sie nie weggewesen. Vor Schreck quiekte der Priester wie ein Schwein, das
man lebendig aufspießte, seine Blase leerte sich und auch der rückwärtige
Schließmuskel vergaß, welche Aufgabe er zu erfüllen hatte. Shinta spürte einen
schmerzhaften Stich und danach wie sich Wärme in seinem Bauch ausbreitete.
Die schwelende Wolke gab ihn
unvermittelt frei und irgendwie schaffte er es sein Knie dazu zu überreden zu
Laufen. Meter für Meter kämpfte er sich der Straße und dem Leben entgegen. Doch
etwas zehrte rasend schnell seine Kräfte auf. Schließlich wurde dem Priester
schwarz vor Augen und er stürzte hin. Sein Magen revoltierte und presste
ruckartig seinen mageren Inhalt auf den Asphalt.
Flach atmend blieb er dort
einige Augenblicke liegen und fragte sich, was mit ihm geschehen sei. Immer
stärker spürte er ein unangenehmes Ziehen an seinem Leib. Matt drehte er den
Kopf, damit er an sich herabschauen konnte. Hundert Tonnen musste er wiegen, so
schwer fiel es ihm, ihn in Position zu halten. Blut quoll unter seinem Bauch
hervor und bildete auf dem Straßenbelag eine größer werdende Pfütze.
Plötzlich ging ein Ruck durch
seinen Körper, wodurch er auf den Rücken gedreht wurde. Shinta brauchte einen
Augenblick, um zu verstehen, dass das wurstartige Seil, das aus seinem
Unterleib ragte, nichts weniger als sein Darm war. Er war wie eine
Gitarrensaite gespannt und etwas in der Dunkelheit im Labyrinth zog an ihm. 'Nicht etwas... Er ist es!'
Das Monstrum spielte mit ihm,
wollte, dass er in seinen letzten wachen Momenten ganz genau mitbekam, was mit
ihm geschah. Mit letzter Kraft entlockte Shinta seiner Kehle ein finales,
krächzendes Wort zum Abschied an diese Welt.
"Akuma."
Endlich war es zufrieden und zog ihn zu sich in die Finsternis.
Kapitel
1 - Zwischen den Zeilen
Sunetra konnte sich nicht erinnern,
wann sie zuletzt so nervös gewesen war. Unruhig stand sie vor dem offenen
Kleiderschrank und durchwühlte ihre Garderobe. Welches Outfit war dem Anlass
angemessen? Leger oder konservativ? Schlicht oder eher prunkvoll? Sie wollte
nicht wie ein eitler Pfau aufmarschieren, der mit eindeutigen Absichten
pussieren geht, um am Ende feststellen zu müssen jemanden damit beleidigt zu
haben. Sich leichtfertig in eine solche Situation zu begeben war undenkbar und
unter allen Umständen zu vermeiden. Die Gefahr underdressed zu erscheinen war allerdings
auch nicht zu unterschätzen.
Sie
seufzte, als sie sich der nächsten Schublade zuwandte. Seitdem ihr Ex-Verlobter
Yashida Himoto sie angerufen hatte, befand sie sich in diesem Zustand der
Rastlosigkeit. Würde es sich nur um ein einfaches Date handeln, hätte sie
entspannt zu ihrer Jeans und einem schlichten schwarzen Top gegriffen. Sie
spürte, dass Yashida noch Gefühle für sie hegte, aber die Elfe sah sich
außerstande diese zu erwidern. Obwohl sie sich wieder an viele Dinge aus ihrem
alten Leben erinnern konnte, war alles, was den Japaner mit den hohen
Wangenknochen und den schmalen Lippen betraf, weiterhin wie ausgelöscht. Die
Magierin war nicht einmal in der Lage eine vages Gefühl zu diesem Thema
abzurufen. Vielleicht, wenn sie sich mehr Mühe gab? Andererseits sah sie keinen
Grund das zu tun. Erneut seufzte sie. Sie Situation war ziemlich vertrackt.
Normalerweise hätte sie sich
auf einen unterhaltsamen Abend mit Geschichten von früher eingestellt und der
Dinge geharrt, die da gekommen wären.
Hätte.
Denn hierbei handelte es sich um etwas ungleich
Größeres. Yashida hatte klar gemacht, dass ein wichtiger Besucher im 42. Stock
des Hilton auf die Elfe wartete und sie nicht alleine erscheinen durfte. ‚Bring unbedingt die anderen mit!‘,
hatte er ihr aufgetragen. Namen nannte er keine, aber Sunetra wusste auch so,
dass er ihre Freunde von den WildCards meinte. Sein ernster Blick implizierte
Konsequenzen, sollte sie sich nicht fügen. Susanoo, ihrem Mentorgeist, gefiel
die Unterhaltung kein bisschen. Angriffslustig fauchte er in ihrem Verstand und
wanderte seitdem ruhelos umher, was wiederum das Unbehagen in Sunetra beständig
verstärkte. Um es kurz zu machen: Die Elfe spürte Furcht in sich aufsteigen.
Sie
schüttelte sich einen Moment, um den Gedanken an eine diffus im Raum schwebende
Bedrohung zu vertreiben und riet Susanoo zur Räson zu kommen. Der sah jedoch nicht
ein auf sie zu hören und machte unbeirrt weiter. So nützlich das immaterielle
Wesen ihr im letzten halben Jahr auch gewesen war, manchmal wurde der Kami zu
einer Belastung. Die Magierin brauchte einen klaren Kopf, um sich was-auch-immer stellen zu können.
Endlich
fanden ihre Hände, was sie suchte.
Einen Hosenrock.
Das
leinene Hakama war von dunkelblauer Farbe, seine sieben Falten, die die
Tugenden der Samurai symbolisierten, waren mit dicken weißen Nähten abgesetzt
worden. Sie legte das Kleidungsstück auf ihr Bett. Nachdem der Anfang gemacht
war, fiel es ihr leicht, das restliche Outfit zusammenzustellen: Ein
blütenweißes Keiko-Gi für den Oberkörper sollte ihre spirituelle Reinheit
unterstreichen und die anthrazitfarbene, mit roter Seide durchwebte Weste als starken
Kontrast ein elegantes Element hinzufügen. Zu den Zori Sandalen kramte sie noch
ein Paar Tabi aus enganliegendem Stretch-Material aus der untersten Schublade.
Diese Socken waren knöchelhoch und besaßen einen abgeteilten großen Zeh. Damit
waren sie die erste Wahl zu ihrem Schuhwerk.
Nachdem
sie sich umgezogen hatte, überprüfte sie ihr Aussehen im Spiegel.
Schlicht,
aber formenbewusst, sendete sie folgende Botschaft aus: ‚Ich trage die Kleidung eines kampferprobten Kriegers, der in der
Etikette bewandert ist und Wert auf gepflegte Umgangsformen legt. Ich bin aus
offiziellem Anlass hier und respektiere mein Gegenüber, bin aber dennoch bereit
meinen Pflichten als Samurai nachzukommen. Also komm nicht auf die dumme Idee
mich herauszufordern!‘ Die perfekte Mischung für ein Treffen mit ungewissem
Anlass und noch ungewisserem Ausgang.
Sunetra
war zufrieden mit ihrer Wahl.
Einmal noch drehte sie sich vor dem Spiegel hin
und her, sah über ihre Schultern, um sich vom korrekten Sitz ihres Hakamas am
Hintern zu überzeugen. Plötzlich erkannte sie, dass sie für Außenstehende wie
ein aufgeregtes, unschuldiges Schulmädchen vor seinem ersten Date aussehen
musste, das von der düsteren Welt da draußen keinen blassen Schimmer hatte. Sie
lachte laut auf und fürs erste fiel alle Anspannung von ihr ab.
Das
Komlink begann zu vibrieren. Largo rief an.
„Moin moin! Wir warten schon auf dich. Schwing
deinen Arsch runter, Spitzohr!“
Die Magierin warf einen überraschten
Blick auf die Uhr. Hatte sie wirklich so lange gebraucht, um sich anzuziehen?
Peinlich! „Bin gleich da.“
Auf
dem Weg nach Draußen aktivierte sie noch fix die Alarmanlage ihrer Wohnung und
flitzte das Treppenhaus hinunter so schnell sie konnte, nahm mehrere Stufen auf
einmal und sprang über die Enden der Geländer. Sie sollten den mysteriösen
Besucher nicht zu lange warten lassen. Hoffentlich hatten ihre Freunde darauf
geachtet, dass auch der rüpelhafte Hank einen anständigen Zwirn am Leib hatte. Der
Kerl war imstande einem Staatsoberhaupt mit ölverschmierten Händen in die
Backen zu kneifen.
Endlich im Erdgeschoss
angekommen, stieß sie die Eingangstür auf und fröstelte sofort, als sie der
kühle Oktoberwind empfing. Enttäuscht sah die Magierin ein, dass der
Indianische Sommer und damit auch die letzten warmen Tage des Jahres endgültig vorüber
waren.
Dreist
parkte Largo mit dem Toyota Coaster in der zweiten Reihe, damit die Elfe nicht
weit zu laufen hatte. So zwang er die anderen Verkehrsteilnehmer zu ihrem Unmut
dazu, um ihn herum zu manövrieren. Inzwischen hatte sich schon ein beachtlicher
Stau hinter ihm gebildet. Erhobene Fäuste und wüste Flüche aus
heruntergelassenen Fenstern wurden dem Zwerg dafür zu teil. Der ließ sich davon
allerdings nicht aus der Ruhe bringen und präsentierte ihnen die kalte
Schulter.
Noch
bevor Sunetra auf dem Rücksitz Platz genommen hatte, wurde sie mit einem
Schwall herzlicher Begrüßungen überschüttet. Einige aus ihrer Truppe hatte sie
schon seit Wochen nicht mehr gesehen und war gespannt auf die Neuigkeiten, die
sie zu berichten hatten. Über die Entwicklungen bei Alyssa war sie im Bilde.
Schließlich hatten die beiden Frauen gemeinsam viel Zeit auf dem Gelände der
Shinto-Gesellschaft verbracht, bei der sie Mitglied waren. Dort hatten sie sich
vornehmlich der Kontemplation gewidmet und unter Anleitung von Maria Orzawa,
einer orkischen Zauberin, einige neue Tricks gelernt.
Einige
der WildCards hatten als Dank für die Rolle, die sie bei der Rettung der
Bürgermeisterin und damit auch der Stadt gespielt hatten, Zugang zu Ausrüstung
erhalten, an die man als Otto-Normal-Runner sonst nicht so einfach ran kam. Sie
selbst und Alyssa bestellten sich Memory-Blades. Die Form dieser Schwerter
konnte individuell angepasst werden, sodass sie wie gewöhnliche
Alltagsgegenstände aussahen. Auf Knopfdruck verwandelten sie sich bei Bedarf
wieder in Todbringende Waffen. Während einige Konzernexecs sie als Armreif
trugen, beanspruchten die Magierinnen die Gürtelvariante. Eine schöne
Überraschung in brenzligen Situationen und eine Waffe, mit der in aller Regel
nicht gerechnet wurde. Sunetra hatte kurz erwogen ihr Memory-Blade als
Alternative zu ihrem Obi anzulegen, aber sie befürchtete, dass es ihr bei dem
heutigen Treffen vermeidbaren Ärger einbringen könnte, sollte man sie damit
erwischen.
Als
sie auf die Schnellstraße Richtung Neue Mitte einbogen, erzählten Hank und
Largo begeistert vom Erfolg ihrer Operationen. Sie hatten sich auf Kosten der
Stadt Muskelstraffer implantieren lassen. Diese künstlich gezüchtete Bioware
hatte Militär-Qualität und ermöglichte ihren Besitzern eine bessere Kontrolle
über die betroffenen Muskelgruppen. In den Armen sorgen sie beispielsweise für
höhere Fingerfertigkeiten. Man wurde dadurch deutlich geschickter im Umgang mit
allem, das man mit den Händen bediente. Scheinbar hatte es sich um einen
minimalinvasiven Eingriff gehandelt, denn bereits vier Tage nach der OP waren
die Jungs schon wieder fit für den Einsatz.
Iron
hatte als Einziger das Angebot des Schmidts nicht in Anspruch genommen. Er war
der Meinung keine weitere Ausrüstung zu benötigen. Stattdessen hatte er sich im
Studio seines afrikanischen Kampfsportkumpels vergraben. Wie hieß es noch mal?
Yojimbo-Gym?! Wie auch immer… Als sie den Ork mit den menschlichen
Gesichtszügen genauer in Augenschein nahm, konnte sie feststellen, dass sich das
Training zumindest auf sein Gewicht ausgewirkt hatte. Sunetra nahm sich vor,
den ehemaligen Geheimagenten bei Gelegenheit ausführlich darüber zu
interviewen, was genau er getrieben hatte. Insgesamt wirkte er außerordentlich
nachdenklich, gab sich wortkarg und schwieg im Gegensatz zu sonst die meiste
Zeit über.
Aufmerksam
beäugte er die Straßenzüge, durch die sie fuhren, schien ihren Zustand kritisch
zu beurteilen. In den zwei Monaten, die seit dem Dreitägigen-Befreiungskrieg vergangen waren, hatten die
hanseatischen Einwohner nach Leibeskräften aufgeräumt. Straßensperren hatte man
ebenso entfernt wie Trümmer von eingestürzten Häusern. Inzwischen waren die
Reparaturen an den Fahrwegen abgeschlossen worden. Immer wieder konnte man
Gerüste an Häusern sehen, die wieder neu aufgebaut oder instandgesetzt wurden.
Maler waren ebenso am Werk wie Maurer, Zimmermänner, Dachdecker, Verputzer und
Heizungsinstallateuere. Besonders Letztere waren jetzt im Dauereinsatz. Der
Winter stand vor der Tür und wenn man den Wetterfröschen Glauben schenken
durfte, würde es einer der kältesten der letzten zwanzig Jahre werden. Eine
Vorhersage, die man in einer Gegend, die ohnehin schon kühler als andere ist,
nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.
Viele
hatten ihr Leben riskiert oder verloren, um die Freiheit der Stadt zu
verteidigen. Hamburg zeigte sich gegenüber seinen Bürgern daher großzügig.
Immer dann, wenn Versicherungen fehlten oder Zahlungen verweigerten, sprang die
Verwaltung in die Bresche. Für mehrere Tausend war das Letzte, das die
Hansestadt für sie tun konnte, ihre Beerdigung zu organisieren. Noch bevor das
gröbste Chaos beseitigt worden war, wurden auf öffentlichen Plätzen
Gedenkfeiern veranstaltet, zu denen sich die Einwohner ganzer Stadtteile
versammelten. Niemand wollten fehlen, wenn von den Toten Abschied genommen
wurde. Über die Rassengrenzen hinweg schweißten die jüngsten Ereignisse die
Bürger zu einer solidarischeren Gemeinschaft zusammen, als sie es zuvor gewesen
sein schien.
Auf allen Zeremonien sprach
Hamburgs Bürgermeisterin Vesna Lyzhichko zusammen mit anderen Vertretern des
Volkes Worte des Trosts und der Hoffnung für eine bessere Zukunft. Sie
versuchte dem Verlust der Angehörigen einen Sinn zu geben. Sunetra glaubte der
Menschenfrau, dass ihr diese Auftritte persönlich sehr wichtig waren und die
Dinge auch so meinte, die sie aussprach. Auf politischer Ebene jedenfalls
zementierten sie zudem weiter ihr Ansehen in der Stadt. Sie traf in diesen
Tagen einen Nerv bei den Einwohnern, der viele ehemalige Gegner auf ihre Seite
zog. Auch im Rest der ADL hagelte es harsche Kritik an den Verantwortlichen des
Umsturzversuchs. Eine Win-Win-Situation, wie sie im Buche stand.
‚Es fehlt nicht mehr viel und man spricht
sie heilig.‘, dachte die Elfe amüsiert.
Auf
der anderen Seite hatte Lyzhichko als Folge der brennenden Nacht, in der sich Teile der Sicherheitskräfte der Stadt
auf die Seite der Invasoren geschlagen hatten, umfangreiche Säuberungsaktionen
bei der Polizei durchführen lassen. Einige landeten in Gefängnissen, andere
verschwanden für immer von der Bildfläche. Wahrscheinlich waren nicht alle von
ihnen tot, sondern wurden irgendwo zum Verhör festgehalten.
Auch die Polizeipräsidentin
Olga Kalaschnikowa, die sich nach ihrer Entmachtung offiziell in Luft aufgelöst
hatte? Wahrscheinlich. Sunetra konnte sich nur zu gut vorstellen, dass
Lyzhichko an ihrer ehemaligen Busenfreundin ein Exempel statuieren würde.
Statt
über die großzügige Auslegung der Gesetze und der Verhältnismäßigkeit der
Mittel, berichtete die Presse wohlwollend über andere Dinge. Angesichts der
vielen Toten konnten Verräter nicht übermäßig viel Mitleid oder Unterstützung
erwarten. ‚Karma ist halt eine lustige
Angelegenheit.‘
Doch
auch andere Dinge veränderten sich in Hamburg. Wer mit offenen Augen durch die
Welt ging und aufmerksam die Berichterstattung verfolgte, registrierte, dass
die Aktivitäten von Konzernen aus den UCAS im Norden der Allianz Deutscher
Länder und in Skandinavien signifikant zurückgingen. Das Vertrauen in die Partner
im Westen war schwer erschüttert worden, sodass Verträge aufgekündigt und an
Firmen aus Nippon vergeben wurden, die sich teilweise zum ersten Mal für Europa
öffneten. Zahlreiche andere japanische Konzerne verlagerten ihren europäischen Geschäftssitz
von Frankfurt in die Hansestadt. Ein Affront und Lyzhichkos Stinkefinger an den
Drachen Lofwyr, der mit seinen Freunden vom Bankenverein die Strippen hinter
dem Putschversuch gezogen hatte. Er hatte Vabanque gespielt und seinen gesamten
Einsatz verloren. Obendrein kam noch der Gesichtsverlust hinzu, die Schmach so
grandios gescheitert zu sein. Sunetra zweifelte, dass er die Angelegenheit auf
sich sitzen lassen würde. Höchstwahrscheinlich war er schon die nächste Intrige
am schmieden, um seinen Fehler zu korrigieren.
Die Frage war weniger ob er wieder zuschlagen würde, sondern
eher wann.
So
oder so, es würde spannend bleiben.
Während sie die letzten Wochen hatte Revue
passierten lassen, war der Elfe gar nicht aufgefallen, dass sie bereits ihr
Ziel erreicht hatten: das Hamburg Hilton. Geschäftiges Treiben herrschte im
Viertel, da eine Konferenz japanischer und deutscher Diplomaten und
Konzernvertreter in vollem Gange war. Aus diesem Grund dauerte es eine Weile,
bis Largo einen Parkplatz in der Tiefgarage gefunden hatte.
Auf
ihrem Weg zur Rezeption beäugte Sunetra die Kleidung ihrer Freunde und war
beruhigt, dass alle geschniegelt und gebügelt in ihrem feinsten Sonntagsanzügen
erschienen waren. Ein Concierge begleitete die Gruppe, die bereits erwartet
worden war, zu einem VIP Aufzug und erteilte ihnen mittels Augenscan die
Freigabe für den 42. Stock. Immer noch wussten sie nicht, wer sie dort oben
erwarten würde und auch der Hotelangestellte ließ sich nicht überreden ihnen
etwas zu verraten. Diskretion war an einem Ort, an dem die Prominenz aus
Politik, Wirtschaft, Medien und Unterwelt ein und aus gingen, alles. Wenn man
schon in die besten Sicherheitsvorkehrungen der Stadt investiert, sollte man
nicht ausgerechnet an zuverlässigen Arbeitskräften sparen. Die Betreiber der
Hotels hatten ihre Hausaufgaben jedenfalls gemacht. Die Fahrt mit dem Aufzug
dauerte eine gefühlte Ewigkeit und ließ die Anspannung in der Elfe wieder in
unerträgliche Höhen steigen. Hoffentlich konnten die anderen ihr die Aufregung
nicht ansehen. Sie hatte schließlich einen Ruf zu wahren.
Anstatt
die Gelegenheit zu erkennen und sie aufzuziehen, unterhielten sie sich über die
neusten Nachrichten. „Es ist wieder ein Fall von Identitätssplitterung
aufgetreten.“, erzählte Alyssa.
„Wirklich?
Wer denn diesmal?“
„Keine Ahnung, hab mir den Namen nicht merken
können, aber es war ein Exec von Horizon. Ist durchgedreht und hat in einer Bar
in der Sardinenstadt um sich geballert. Nachdem man ihn überwältigt hatte,
stand er unter Schock und wusste nicht, wie er da hingekommen war. Konnte sich
wie die anderen an nichts erinnern. Ich wüsste zu gerne, was da vor sich geht.“
Largo
strich sich durch den geflochtenen Bart. „Mach dir mal nicht zu viele Gedanken,
Kurze. Für uns verspricht die neuste Entwicklung wenigstens genug Arbeit in
nächster Zeit. Es werden aktuell eine Menge hoher Konzernangestellter extrahiert,
um sie vor sich selbst oder Ihresgleichen zu schützen.“
„Ich
weiß nicht. Was, wenn es einen magischen Ursprung hat… oder sogar ein Nervengift?
Vielleicht auch sowas wie damals mit Technomancern.“, gab Alyssa zu Bedenken.
„Was
es auch ist, die Betroffenen handeln, als wären sie von etwas oder jemanden
besessen gewesen.“, fügte Hendrik hinzu. Es war seit der Begrüßung im Auto erst
das zweite Mal gewesen, dass er etwas zur Unterhaltung beigetragen hatte.
Dann
öffneten sich die Fahrstuhltüren und gaben den Blick auf Japan wieder; oder
besser gesagt: auf einen Teil davon. Ob das Stockwerk permanent in diesem Stil eingerichtet
worden oder nur für einige Gäste der Konferenz derart umgestaltet worden war,
ließ sich nicht genau sagen. Sunetra musste allerdings zugeben, dass die
Verarbeitung von hoher Qualität zeugte und das gesamte Interieur authentisch
wirkte. Jemand mit viel Liebe zum Detail hatte den Neo-Japanischen-Stil in die
ADL gebracht und ihm Leben eingehaucht.
Wie so oft, wenn die Vorsilbe Neo in einem Begriff auftaucht, handelt
es sich um etwas Altbekanntes im neuen Gewand. So auch hier. Traditionelle
Materialien wie Bambus, Kirschbaumholz, Kupferblech und Sandstein vermischten
sich mit neuartigen Gestaltungsmöglichkeiten, die an jahrhundertealte
Formenlehre angelehnt war. Herausgekommen war etwas, das modern wirkte, aber
gleichzeitig Erinnerungen an vergangene Zeiten weckte und den Betrachter die
Nostalgiebrille aufsetzen ließ.
„Hey,
Hendrik! Schau mal: ein laufender Fetisch.“
Largo knuffte den Ork mit dem Ellenbogen in die
Seite und zeigte in Richtung der jungen Frau, die auf sie zukam und so gar
nicht japanisch wirkte. Blondes, langes, zu einem Zopf gebundenes Haar,
hochgewachsen und mit viel zu großen Brüsten, stolzierte sie arschwackelnd den
Gang herunter. Lediglich ihr kurzer Kimono, der die glattrasierten Beine in
Höhe der Knie preis gab, war ein Zugeständnis an die Umgebung. Tatsächlich
erfüllten ihre Attribute so ziemlich jede Erwartung, die der durchschnittliche
Japaner an westliche Frauen hatte.
Sunetra schämte sich für ihre
Landsleute ein wenig fremd und konnte sich gut vorstellen, wie die
Stellenbeschreibung ausgesehen haben musste: ‚Gutaussehendes Blondchen mit ordentlich Holz vor der Hütte und Hang
zum Narzissmus als Vorzimmerdame für notgeile Geschäftsleute aus Fernost
gesucht.‘
Zu allem Überfluss stellte
sich Blondie dann auch noch als Heidi vor.
Wenigstens
quatschte sie sie nicht voll, sondern empfing sie freundlich, um sie ohne
Umschweife zu ihrem Treffen zu geleiten. Dabei kamen sie an qualitativ
hochwertigen Vasen, kunstvoll geschnitzten Ornamenten in dunkelbraunem Holz,
einer Bar voller echter Alkoholika und einem reichhaltig gefüllten Buffet
vorbei. Ihren Freunden lief das Wasser im Munde zusammen. Am liebsten hätten
sie sich sofort über die Speisen hergemacht. Es sah köstlich aus, doch Suntras
Magen schwieg beharrlich. Zu groß war das Unbehagen geworden, als dass sie nun
an Nahrungsaufnahme denken konnte.
Schließlich
kamen sie an einer hölzernen Schiebetür mit Papierwänden an. Vier
schwerbewaffnete Wachen standen davor, machten aber umgehend für die
Neuankömmlinge Platz. Blondie zog die Tür auf und deutete ihnen an einzutreten.
Kaum waren die Fünf drinnen, zog sie die Tür wieder zu. Sofort verstummten alle
Geräusche von Außerhalb. Ungewöhnlich bei den verwendeten Materialien. Jemand
musste einen Zauber gewirkt haben, um das Treffen abhörsicher zu gestalten. Oder
war etwa irgendwelches High-Tech verbaut worden, das sie nicht sehen konnte?
Ihre
Gedanken verstummten sofort, als sie die anwesenden Personen erkannte.
Demütig
verbeugte sie sich vor Yashida und dem alten Mann, um ihren Respekt zu
bezeugen. Die anderen taten es ihr gleich. Alle, bis auf Hank, der, die Hände
in die Hosentaschen gestopft, wie ein Ölgötze dastand und den Mann in der Mitte
des Raums anglotzte. Ein Fauxpas, der Sunetras Pokerface gefährlich ins Wanken
brachte. Ein solch ungebührliches Verhalten konnte in ihrer Heimat
fürchterliche Konsequenzen haben. Sie wusste, dass jeder im Team Japanisch
sprechen konnte, was für sich gesehen schon ungewöhnlich war. Darüber hatte sie
vergessen, dass das nicht gleichzeitig bedeutete auch mit der Etikette vertraut
zu sein.
Glücklicherweise
für Hank sah er wie ein Troll aus, war kein Japaner und benahm sich dem
Vorurteil gemäß wie ein Barbar. Man könnte anders ausgedrückt auch sagen: die
Erwartungshaltung ihm gegenüber war nicht besonders hoch. Der ältere Mann zog
lediglich eine Braue hoch und sandte Laserstrahlen aus seinen böse
aufblitzenden Augen aus. Als der Metamensch auch nach sekundenlangem Dauerbeschuss
nicht zu Boden gehen wollte, ließ er von ihm ab und wandte sich der Elfe zu.
Ein fetter Kloß setzte sich ihrem Hals fest.
Der
Raum war einem Teehaus im Sukiya Stil aus der Edo Zeit nachempfunden. Ein
Rahmen aus schwarzglasierten Tonziegeln, der sich an den Wänden entlang zog,
umgab den mit Bambus ausgelegten Parkettboden. Zusammen zeichneten die einzelnen
Elemente ein Zickzackmuster. Eine Bastmatte lag für die Besucher bereit. Eine
unausgesprochene Beleidigung, denn nur einem sollte es vergönnt sein sich
setzen zu können.
Yashida
trug eine Variante des Samurai-Outfits, die man als Ausgeh-Uniform bezeichnen
konnte. Auffällig waren die enormen Schulterpolster und Applikationen, die die
männliche Dreiecksform des Oberkörpers betonten. Wenn man bereits ihrem
Ex-Verlobten eine traditionelles Aussehen bescheinigte, so musste der andere
Mann direkt aus der Blütezeit der Shogune ins Jahr 2072 gereist sein. Mitte
oder Ende Fünfzig mochte er sein, trug sein schwarzes Haar, mit den grauen
Strähnen zu beiden Seiten der Schläfen, in einem Zopf, der nah an seinem Kopf
gebunden worden war. Er kniete auf einer der ausgebreiteten Matten.
Zwar
war sein stechender Blick unangenehm, aber was Sunetra wirklich beunruhigte, war
das Wakizashi, das vor ihm lag. Dabei handelt es sich mit der bis zu sechzig
Zentimeter langen Klinge um eine kürzere Variante des Katanas. Samurai führten
früher das Katana im Verbund mit dem Wakizashi mit sich. Daisho wurde das Schwertpaar des Samurais genannt. Sofern man sich
nicht in engen Räumen befand, wurde im Kampf in aller Regel nur das Katana
geführt, während das Wakizashi mehr rituelle Bedeutung inne hatte. Man schnitt
damit dem besiegten Feind den Kopf ab oder – Sunetras Nackenhaare stellten sich
auf – um Seppuku zu begehen. Rituellen Selbstmord.
Für
sich alleine gesehen war das Wakizashi nichts besonderes. Dieses jedoch lag
nicht parallel vor seinem Besitzer, sondern war mit der Klinge Richtung Sunetra
gedreht worden. Eine unverhohlene Drohung, die noch davon unterstrichen wurde,
dass das Katana des älteren Mannes zu seiner Linken lag. Als Rechtshänder war
er somit jederzeit bereit sein Schwert zu ziehen. Sunetra schluckte einen
unverdaulichen Ballen Sorgen runter. Für die WildCards stand nun alles auf dem
Spiel.
„Erkennst
du den Meister wieder?“, fragte Yashida neutral.
Sunetra nickte und sammelte ihre Gedanken. Sie
musste die nächsten Worte mit Bedacht wählen, denn sie konnten ihr Todesurteil
sein. „Ich erinnere mich leider nicht mehr an ihren vollen Namen. Überhaupt
erinnere ich mich nur noch an wenige Dinge aus meinem früheren Leben…“ Der Mann
bewegte nicht einen Muskel im Gesicht. „…aber ich erinnere mich an ihren
zweiten Namen.“
Demütig
deutete sie eine zweite Verbeugung an und wagte nicht den Blick wieder zu
heben. „Meine Freunde, es ist mir eine Ehre euch Den Eisernen Kranich vorzustellen.“
„Ikebakai-Sama
ist Aufsichtsratsmitglied von MCT und einer der einflussreichsten und
mächtigsten Männer Japans.“, fügte Yashida für die unwissenden Ausländer
geduldig hinzu.
Die
Elfe versuchte ihr wild klopfendes Herz zu ignorieren. Etwas klopfte in ihrem
Verstand und einige Erinnerungen kehrten zurück. Schmerzhafte Erinnerungen an
das Leben einer anderen Frau. Sie gehörten der Frau, die sie früher gewesen
war.
Der Meister herrschte mit strenger
Hand im Konzern, war aber stets fair gewesen. Einst hatte er sie gemocht und
protegiert. Ob er ihr heute auch noch geneigt sein würde? Schließlich hatte sie
ihn mit ihrem Verschwinden nach den schrecklichen Ereignissen auf der Insel bitter
enttäuscht. Und ein Samurai sollte so etwas um jeden Preis verhindern.
Noch vor dreihundert Jahren
wäre Ikebakai ein Daimyo gewesen, ein Lehnsherr, dem viele Samurai gefolgt
wären. Die Krieger aus der Zeit vor der Industrialisierung Nippons folgten
einem Ehrenkodex, dem Bushido. Gegen ihn zu verstoßen wurde mit dem Verlust der
Würde und der Ehre gleichgesetzt. Um seine Ehre wieder herzustellen gab es vor
allem ein Mittel: Seppuku.
Erschrocken dachte Sunetra an
das Wakizashi, das nach wie vor auf dem Boden lag. Erwartete Ikebakai-Sama
etwa, dass sie sich selbst entleibt?! Das Herz der Elfe stolperte beinahe, so
schnell schlug es nun. Mit dem weißen Oberteil, das sie trug, wäre sie bereits
passend gekleidet. Dann fiel ihr wieder ein, dass der rituelle Selbstmord in
aller Regel unter freiem Himmel stattfand. In Gebäuden hatte der Delinquent auf
weißen Reisstrohmatten zu knien, während er sich die Klinge in den Bauch stieß.
Rasch ließ sie den Blick durch den Raum schweifen. Als sie kein Tatami
entdecken konnte, schöpfte sie wieder Hoffnung.
Bislang hatte ihr Meister kein
Wort gesagt.
"Bitte seht den Gaijin an meiner Seite ihr Verhalten nach, Ikebakai-Sama.
Sie sind nicht in unseren Gepflogenheiten bewandert.", überbrückte sie die
unangenehme Stille. Endlich reagierte auch der Kranich. Er inspizierte die
bunte Truppe, die die Elfe im Schlepptau hatte, noch einmal abschätzig bevor er
antwortete. Seine Stimme klang wie Geröll, das zwischen zwei gigantischen Mahlsteinen
zerkleinert wurde und dröhnte basslastig in ihren Ohren, hallte wie eine
abgefeuerte Waffe nach. Geradezu perfekt für eine Sprache, die für Europäer oft
hart und gebieterisch klang.
"Sie sind tief gesunken,
Sunetra-San."
San?! Hatte er sie wirklich San genannt? Es war ein Zeichen des Respekts
gegenüber jemandem, der eigentlich als gefallener Krieger galt; neues Feuer für
die Hoffnungen der Magierin, lebend aus der Sache herauszukommen.
Er deutete mit einem Nicken
an, dass sie sich zu ihm gesellen sollte. Sie gehorchte. Ohne Hast und ohne ihm
in die Augen zu sehen, kniete sie sich vor ihm auf die zweite Bastmatte.
Hendrik, Largo, Alyssa und Hank blieben stehen. Hoffentlich kam der Troll nicht
ausgerechnet jetzt auf die Idee in der Nase bohren zu müssen oder einen seiner übel
riechenden Fürze abzulassen. Die kamen einer Kriegserklärung gleich.
Der Meister nahm das Wakizashi
in die rechte Hand. Sunetras Herz stockte kurz und sie hielt den Atem an. Was
hatte der alte Mann im Sinn? Doch statt sie zum Suizid aufzufordern, schob er
die Klinge in das Saya und überreichte ihr die Waffe samt Scheide. Ein
Geschenk? Zögerlich streckte sie ihre Hand aus, halb in der Erwartung sie würde
zu Staub zerfallen, sobald sie das Wakizashi berührt.
Die Oberfläche war glatt und
kalt, nahm aber rasch die Körperwärme an. Sunetra blinzelte, überrascht darüber
noch unter den Lebenden zu weilen. Sie inspizierte die Waffe genauer. Die Hülle
war aus Teakholz gefertigt, das zum Abschluss mit Klarlack versiegelt worden
war. So konnte man die Maserungen des Materials noch erkennen. Ein
Familienwappen in Form eines stilisierten Kranichs, war als Intarsien in das
Holz eingearbeitet. Die Farbe der prunkvollen Verzierungen deutete auf
Elfenbein hin, das von einem Critter stammten mochte. Hochwertig verarbeitet,
handelte es sich nicht um ein einfaches Wakizashi, sondern um ein Kodachi. So
nannte man in ihrer Heimat die Variante, die man zu offiziellen Anlässen trug.
Gleichzeitig handelte es sich hierbei um eine Art Visitenkarte, die den Rang
und die Zugehörigkeit des Besitzers ausdrückte. Zugleich galt es auch als
Zugangspass zu bestimmten Einrichtungen von MCT.
Und dieses wertvolle Geschenk war
für sie?!
Sunetra konnte kaum glauben, was gerade geschehen war und sah Ikebakai
verwundert an.
"Das ist mehr Ehre, als
sie anderen in ihrer Position zuteilwird." Er unterstrich damit ihre
Vermutung, dass sie unter anderen Umständen zum Seppuku aufgefordert worden
wäre. Etwas hatte die Vorzeichen verändert. Oder besser gesagt: jemand.
"Es liegt mehr Ehre
darin, mein Leben dem Erreichen höherer Ziele zu widmen." Vorsichtig
widersprach sie der Einschätzung des alten Mannes, dass der Tod ihr gut gestanden
hätte.
"Yashida-San hat nie an
euch gezweifelt. Deshalb habe ich dem Gespräch zugestimmt. Wir verzeihen euch,
denn ihr habt eure Schuld beglichen. Ein Preis, den ihr zahlen musstet, auch
wenn euch die Tat zu Unrecht zur Last gelegt worden sein sollte."
Er verwies auf die toten
Priester beim desaströsen Initiationsritual. "Trotz meiner Unwissenheit,
spricht mich das nicht von meiner Schuld frei.", pflichtete sie ihm bei.
"Ich versuche lediglich meine Ehre wiederherzustellen." Nach einigen
Sekunden fügte sie noch hinzu, dass ihr Leben ihm gehören würde.
Der Vorstandsvorsitzende sah
zufrieden aus.
"Die spirituelle Verunreinigung ist immer noch auf Japans Seele
verankert." Ocyon? Sprach er etwa von dem Geist, der sich in geradezu
lovecraftscher Manier eines Priesters bemächtigt und alle Anwesenden, bis auf
sie grausam ermordet hatte? War er wieder aufgetaucht? Sunetra hoffte
inständig, dass sie sich irrte.
"Eine MCT Maschine mit
Platz für sechs Passagiere ist jederzeit startklar.", fügte Yashida hinzu.
Largo seufzte vernehmlich und jammerte auf Deutsch: "Och nö... nicht schon
wieder da hin!"
Die Elfe baute auf Ikebakais
fehlende Deutschkenntnisse und verfluchte den Zwerg innerlich für seinen
Ausbruch. Glücklicherweise behandelte der Meister ihre Freunde wie Luft.
"Bereitet euch vor und trefft
Yashida-San am Flughafen!"
Die Magierin hielt das Kodachi mit beiden Händen vor sich und bedankte sich mit
einem Nicken für das Geschenk. Ihr alter Status war wiederhergestellt. Doch die
Tatsache, dass sie die Waffe bekommen hatte, um daheim ihre Aufgaben erfüllen
zu können, stellte eine Mahnung dar. Die Gunst des alten Mannes war also in
höchstem Maße fragil.
Yashida erklärte das Gespräch für
beendet.
Sie verabschiedete sich in angemessener Weise und verließ mit den anderen
WildCards den Raum. Nachdem sich die Schiebetür hinter ihnen geschlossen hatte,
sackte sie einige Zentimeter in sich zusammen, ließ alle Anspannungen abfallen.
"Folgt mir! Ich brauch jetzt erst mal einen Drink."
An der Bar kippte sie hastig
einen Schnaps herunter und atmete durch. Ihre Freunde sahen sie ratlos an, denn
das einzige, das sie verstanden hatten, war, dass sie nach Japan fliegen
würden. Zu kryptisch hatten die Worte geklungen, die gewechselt worden waren.
Europäer sprechen meist direkt aus, was sie meinen. In ihrem Vaterland jedoch
gilt Höflichkeit als eine der höchsten Pflichten. Darum wurde Kritik in aller
Regel nicht offen kommuniziert, sondern umschrieben. Außenstehenden, die in dieser
Form der Konversation nicht bewandert waren, konnte es daher schwer fallen solchen
Gesprächen zu folgen.
Also erklärte sie ihnen erst
einmal, was sich gerade abgespielt hatte. Aus Fragezeichen wurden wissende,
teilweise besorgte Gesichter. Von ihrem Verdacht, dass Ocyon eine Rolle spielen
könnte, sagte sie lieber noch nichts. Man sollte keine Pferde scheu machen.
Als sie mit ihren Ausführungen
geendet hatte, lachte Hank schnaubend. Es klang fast nach einem Grunzen.
"Ach soooooo! Und ich
dachte schon... Für mich klang das nämlich die ganze Zeit nach: Mein Schwanz
ist der längste von allen."
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