Prolog
‚Schatten dominieren
diesen Ort.‘
Der Priester spürte die hasserfüllte Präsenz durch
jede Ritze, jede Spalte quellen, wie sie wucherte, sich tumorartig ausbreitete,
die Seelen der Menschen infiltrierte und korrumpierte, alles und jeden ins Böse
verkehrte. Shinta war unwohl in seiner Haut, doch er wusste tief in seinem
Inneren, dass er nun, im entscheidenden Moment, nicht mehr zögern durfte. Seine
Mission war, den Schatten zu bannen, der vor einiger Zeit damit begonnen hatte,
von der Neu-Tokioter Unterwelt aus sein Netz zu spinnen.
Viele
Mühen und unzählige Gefallen hatte es ihn gekostet die Spur bis zu dieser Bar
zu verfolgen. Karaoke und leichte Mädchen wurden hier neben Sake, Whiskey und
Snacks auf der Karte angeboten. Unter normalen Umständen würde sich der
Priester einen Dreck um die zwielichtigen Geschäfte scheren, die hier
abgewickelt wurden. Bezahlter Sex stand nicht besonders hoch auf seiner
Beliebtheitsskala, aber es gab weiß Gott schlimmere Verfehlungen. Doch unlängst
hatte sich der Amüsierschuppen in eines der Nester verwandelt, in dem Es zu hausen pflegte. Während seiner
Recherchen hatte der Shintopriester herausgefunden, dass sich das Wesen
besonders in der Nähe von Außenseitern der Gesellschaft wohlfühlte.
Unter den Verzweifelten und
Ausgestoßenen, die nichts mehr zu verlieren hatten, rekrutierte es auch seine
Söldner. Manche von ihnen unterwarfen sich freiwillig seinem unbeugsamen
Willen, andere zwang es mit Gewalt unter seine Kontrolle. Der traurige Rest
bekam keine Chance von der Begegnung mit dem Leibhaftigen zu erzählen.
