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Samstag, 25. Juli 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 5 - Ocyons Ruf

            Falls es jemals unter Shadowrunnern so etwas wie den Stereotyp des stillen Teilhabers geben sollte, lieferte Sanada die Blaupause dafür. Unser mandeläugiger Begleiter mit den feisten Backen, der sich auffällig darum bemühte unauffällig zu wirken, war zwar fast die ganze Zeit über an unserer Seite gewesen, konnte aber mit jeglicher Umgebung verschmelzen. Egal wo wir unsere Ermittlungen durchführten, er schien augenblicklich unsichtbar zu werden, sobald wir uns nicht von A nach B bewegten. Wahrscheinlich waren die wenigsten in der Lage sich spontan an ihn zu erinnern, wenn man sie nach ihm fragen würde.       
            Er bekam die Zähne kaum auseinander und selbst wenn man ihn direkt ansprach, musste man ihm die Würmer einzeln aus der Nase ziehen. Nur selten sprach er mehr als einen zusammenhängenden Satz mit uns. Ich war mir sicher, dass es nicht daran lag, dass er mit uns ein Problem hatte. Er war schlicht ein schweigsamer Kerl. Doch auch wenn er sich nur dann und wann mitteilte, bedeutete das nicht, dass er kurz vorm Einschlafen war. Stets behielt er mit wachen, aufmerksamen Augen alles um ihn herum im Blick, wie ein lauerndes Raubtier. Am Flughafen hatte er bereits bewiesen, dass er sich seiner Haut erwehren konnte. Sanada würde uns in einem Kampf also nicht alleine lassen.
            Dennoch war da etwas an ihm, das ich nicht ergründen konnte. Ein Geheimnis umgab den Mann, genauer gesagt: ein arkanes Geheimnis. So viel hatten wir bereits auf dem Flug nach Japan festgestellt. Nur was?! Die Frauen hatten mehrere Vermutungen geäußert, aber wirklich sicher waren sie nicht gewesen. Und würde sich sein Status positiv oder negativ auf unsere Mission auswirken? Diese Frage ging mir immer wieder durch den Kopf, lediglich die Antwort blieb ich mir auch am Ende des zweiten Tages schuldig.    
            Nachdem unsere Magierinnen ihren Schwatz mit dem Mentorgeist beendet hatten, informierten sie uns über ihre neu gewonnenen Erkenntnisse. 
            „Wir müssen also nur noch herausfinden, wo Miruku seine Anhänger rekrutiert. Sanada-San, sie sind hier ortskundig. Können sie uns sagen, wo wir mit der Suche beginnen sollten?“, fragte Alyssa schließlich. Alle Anwesenden sahen ihn erwartungsvoll an.

Freitag, 10. Juli 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 3 - Dem roten Faden nach

            Es war kurz nach Elf, als ich aufwachte.         
Zwischen den Ritzen der Jalousien schlüpften Sonnenstrahlen hindurch und kitzelten in meiner Nase. Sie provozierten ein kräftiges, dreifaches Niesen, das mich aus unruhigen Träumen über vielarmige Tentakelmonster und andere Abscheulichkeiten jenseits dieser Existenzebene rissen.     
            Ich blinzelte ins morgendliche Licht, das den Farben die Intensität nahm und die Welt wie ein leicht verblasstes Foto wirken ließ. Verwirrt nahm ich einen Moment lang den Raum in Augenschein. Wie die anderen lag ich auf einem Futon, der sich als bequemere Schlafgelegenheit als zunächst vermutet herausgestellt hatte. Largos sonores Schnarchen zerteilte die verstreichende Zeit in gleich große Häppchen. Sunetra schlief ebenfalls noch tief und fest, während Alyssa gelangweilt einen Tetris-Klon auf der AR-Brille ihres Komlinks spielte. Müde winkte sie mit den Fingern einer Hand und lächelte gequält. Die Ringe unter ihren Augen verrieten mir, dass sie nicht viel geschlafen hatte.
            "Liegt's an Largo?", flüsterte ich.       
Die Menschenfrau seufzte: "Nach zwei abgesägten Regenwäldern hab ich mich daran gewöhnt. Hanks Furzkonzert hat mir den Rest gegeben."        

Samstag, 4. Juli 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 2 - Das andere Ende der Sechsten Welt

            Vor uns strahlten Myriaden Lichter des Neu-Tokioter Sprawls gegen die Finsternis an und erzeugten eine in schillerndsten Farben leuchtende, leicht pulsierende Photonenkuppel. Direkt über unseren Köpfen verharrte jedoch eine sternenklare Nacht. Es herrschte frostiges, fernöstliches Klima. Zu meiner Überraschung waren die Temperaturen auf der anderen Seite des Globus genauso enttäuschend wie daheim. Doch war es nicht der eigentliche Grund, der mich frösteln ließ. In der Dunkelheit konnte ich mehrere Gestalten erkennen. Sie trugen Lederkluft und Motorradhelme, sogar die, die aus dem Jeep gestiegen waren. Etwas an ihnen blitzte und funkelte böse, wie die Sterne, die mit silbriger Kälte vom Himmel auf uns herab starrten. Gänsehaut wuchs auf meinen Armen und die Nackenhaare stellten sich auf, als ich erkannte, was einige von ihnen in ihren Händen hielten.      
            Kurzschwerter.
Na das fängt ja gut an.