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Freitag, 10. Juli 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 3 - Dem roten Faden nach

            Es war kurz nach Elf, als ich aufwachte.         
Zwischen den Ritzen der Jalousien schlüpften Sonnenstrahlen hindurch und kitzelten in meiner Nase. Sie provozierten ein kräftiges, dreifaches Niesen, das mich aus unruhigen Träumen über vielarmige Tentakelmonster und andere Abscheulichkeiten jenseits dieser Existenzebene rissen.     
            Ich blinzelte ins morgendliche Licht, das den Farben die Intensität nahm und die Welt wie ein leicht verblasstes Foto wirken ließ. Verwirrt nahm ich einen Moment lang den Raum in Augenschein. Wie die anderen lag ich auf einem Futon, der sich als bequemere Schlafgelegenheit als zunächst vermutet herausgestellt hatte. Largos sonores Schnarchen zerteilte die verstreichende Zeit in gleich große Häppchen. Sunetra schlief ebenfalls noch tief und fest, während Alyssa gelangweilt einen Tetris-Klon auf der AR-Brille ihres Komlinks spielte. Müde winkte sie mit den Fingern einer Hand und lächelte gequält. Die Ringe unter ihren Augen verrieten mir, dass sie nicht viel geschlafen hatte.
            "Liegt's an Largo?", flüsterte ich.       
Die Menschenfrau seufzte: "Nach zwei abgesägten Regenwäldern hab ich mich daran gewöhnt. Hanks Furzkonzert hat mir den Rest gegeben."        

Samstag, 4. Juli 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 2 - Das andere Ende der Sechsten Welt

            Vor uns strahlten Myriaden Lichter des Neu-Tokioter Sprawls gegen die Finsternis an und erzeugten eine in schillerndsten Farben leuchtende, leicht pulsierende Photonenkuppel. Direkt über unseren Köpfen verharrte jedoch eine sternenklare Nacht. Es herrschte frostiges, fernöstliches Klima. Zu meiner Überraschung waren die Temperaturen auf der anderen Seite des Globus genauso enttäuschend wie daheim. Doch war es nicht der eigentliche Grund, der mich frösteln ließ. In der Dunkelheit konnte ich mehrere Gestalten erkennen. Sie trugen Lederkluft und Motorradhelme, sogar die, die aus dem Jeep gestiegen waren. Etwas an ihnen blitzte und funkelte böse, wie die Sterne, die mit silbriger Kälte vom Himmel auf uns herab starrten. Gänsehaut wuchs auf meinen Armen und die Nackenhaare stellten sich auf, als ich erkannte, was einige von ihnen in ihren Händen hielten.      
            Kurzschwerter.
Na das fängt ja gut an.

Donnerstag, 12. Februar 2015

Kalte Wasser

            Sunetra betrachtete die Regentropfen, die langsam an der Fensterscheibe wie kleine Glaskugeln herunter rutschten. Obwohl die Fensterfront geschlossen war und die automatische Raumtemperatur die Kälte auf der anderen Seite zuverlässig in Schach hielt, meinte sie den Wind an ihren Armen und Beinen spüren zu können. Das laute Pfeifen des nächtlichen Windes tat sein übriges.          
            Die Nacht war ihr immer lieber gewesen als die blendende Klarheit der Sonne, die die Welt in Hell und Dunkel unterteilt oder gar alles mit ihrer Helligkeit für sich beansprucht. Die andere Hälfte des Tages erschien ihr stets passender, mit den wechselnden Bedingungen von Vollmond, Wolken, künstlichem und natürlichem Licht. Der Tag war die Domäne der Optimisten und ironischerweise, der Träumer. Seine Welt war klar und hell, ganz von selbst und offen für jeden, der in sie hinein trat. Die Nacht hingegen erforderte, dass man sich mit ihr auseinander setzte, Licht und Möglichkeiten mussten den Schatten und der Dunkelheit abgerungen werden. Grau und Schwarz waren ihre Farben. Silhouetten konnten alles in sich beinhalten, von tödlichen Gefahren bis zu besten Freunden. Dies erschien ihr stets als eine bessere Beschreibung der Welt, ohne dass sie dies jemals zum Anlass genommen hätte an ihr zu verzweifeln. Vielmehr lag darin ein Imperativ, eine fundamentale Herausforderung, und Sunetra hatte sich dieser stets gestellt.      

Montag, 26. Mai 2014

Eine Woche Ewigkeit




Kapitel 2 – Zurück zur Natur
 


            Donnerstag, 18:26 Uhr

            Selbst durch ausdauerndes Fuchteln mit der Hand ließ sich der beißende Geruch verbrannten Reifengummis nicht von der Nase verscheuchen. Wie ein räudiger Straßenköter mischte er sich unter die feuchtschwüle Hitze des ausklingenden Tages und erschwerte das ohnehin schon mühsame Atmen zusätzlich. Bald schon würden die Schatten länger werden und die Temperaturen in angenehme Bereiche rutschen. Für den Moment allerdings blieb nichts anderes übrig, als uns mit der brütenden Hitze zu arrangieren, die geduldig über dem Asphalt des Werlter Flughafens verharrte. Wie Schimmelpilz auf einem viel zu alten Duschvorhang lauerte sie dort auf ihre Opfer.     
            So trieb sie uns prompt ab dem Moment die Suppe aus allen Poren, als sich das Schott des Fluzeugs öffnete. In Rinnsalen ergossen sich die salzigen Säfte über Stirn und Rücken. Gegen diese Hitzewand versagte selbst die beste Klimaanlage.         
            „Boah, ist das ekelhaft.“, stöhnte Alyssa mit hängenden Schultern. Vergeblich suchte sie Kühlung, indem sie ihr Top vom Oberkörper zupfte. Der vermaledeite Stoff weigerte sich jedoch zu kooperieren und flitschte fortwährend wie ein Gummiband in seine klebrige Ausgangsposition zurück. Lightning wirkte, als hätte man ihr mit einem Knüppel vor den Kopf geschlagen. „Da war‘s ja selbst in Hamburg angenehmer. Ich dachte das hier wäre ein Erholungsgebiet.“    
            „Jammer nicht rum, Kurze! Sobald wir im Wald sind, wird’s angenehmer.“, unerbittlich scheuchte Largo die Magierin vor sich die Gangway herunter.            
 

Mittwoch, 14. Mai 2014

Eine Woche Ewigkeit

 

Kapitel 1 - Interessante Zeiten


            Gerade noch rechtzeitig duckte ich mich unter dem Messer hinweg, das durch die Luft auf mich zuflog. Ein kühler Lufthauch zog durch die neu entstandene Öffnung in mein Shirt , kroch über meine verschwitzte Haut und ermahnte mich das nächste Mal zeitiger zu reagieren. Mit einem scharfen Tock blieb die Klinge in einem Holzbalken in der Wand stecken. Noch bevor der Griff aufhörte von einer Seite zur anderen zu wippen, prasselten schon die nächsten Angriffe auf mich ein. Aus der abgeknieten Haltung, in der ich mich befand, blieben mir nicht viele Optionen übrig. Die ersten beiden Schläge konnte ich durch einen Block mit dem rechten Unterarm abfangen Der Dritte streifte mich schmerzhaft an der linken Schläfe. Sternchen tanzten vor meinen Augen einen konfusen, alkoholschwangeren Walzer auf dem Weg zum Saalausgang. Ein weiterer Schmerz gesellte sich zu den vielen anderen, über die sich mein Körper seit Beginn des Kampfs quengelnd beschwerte. Es war an der Zeit meine Position zu wechseln. Also stieß ich mich seitlich weg, ging in eine Rolle über, aus der ich in die Vertikale schoss.
            Zum ersten Mal in diesem Gefecht schlug er an mir vorbei. Erstaunt dass sein Ziel verschwunden war, hopste er ein Schrittchen zurück und wiegte sich erwartungsvoll in seinen Knien, bereit wieder auf mich loszugehen. Er grinste. Nicht wütend werden, Hendrik! Ruhe bewahren und auf die Situation konzentrieren! Doch das war einfacher gesagt als getan. Im Moment hätte ich mich am liebsten wie ein Berserker aufgeführt. Ein wenig Gebrüllt, Geflucht und den gesamten Raum in Einzelteile geschlagen. Ich wusste, dass er genau darauf wartete. Darauf wartete, dass ich die Kontrolle verlor. Versagte.          

Dienstag, 22. Oktober 2013

Hast du 'nen Schatten?!



     Dumm kommen wir auf die Welt. Und wenn wir ehrlich sind, bleiben die meisten das auch ihr Leben lang. Manch einer stirbt sogar in dümmerem Zustand als er geboren wurde. Darum will ich meinen Teil dazu beitragen das Gegenteil zu bewirken, indem ich ein klein wenig Wissen in die WeltWeiteWundertüte hinaustragen.
      Da es sich bei WildCards um einen Kurzgeschichtenblog handelt, dessen Erzählungen im Shadowrun Universum angesiedelt sind, wird es nach mehr als einem Jahr des Schreibens endlich Zeit ein Paar Worte über ebenjenes Universum zu verlieren. Dieser Eintrag soll all jenen einen kompakten Überblick verschaffen, die bei all dem Gerede über Magier, Sprawls und Matrix nur Bahnhof verstehen. Daher beschränke ich mich auf die notwendigsten Informationen. Die, die man braucht, um bei dem Kram auf diesem seltsamen Blog durchsteigen zu können. 

Montag, 19. August 2013

Unterm Messer




 Kapitel 1 - ARGUS Whitechapel
            Professor Doktor Markus Brandhorst fühlte sich zur Abwechslung wunderbar. Alles lief nach Plan und er konnte in Ruhe - und das bedeutete ganz alleine - im Labor arbeiten. Das Projekt an dem er die letzten achtzehn Monate so beharrlich geforscht hatte, war endlich in der finalen Phase angelangt. Sofern die Tests wie erwartet positiv ausfielen, konnten die Feldstudien mit den lebenden Patienten beginnen.  
            Für gewöhnlich arbeitete der Arzt solo, wenn er den dem Labor angeschlossenen Operationssaal nutzte. Wann immer er die Wahl hatte, zog er die Einsamkeit der Gesellschaft vor. Ohnehin bestand sie am Institut lediglich aus bestenfalls leidlich gebildeten Kollegen, die ihn mit dämlichen Fragen belästigten. Generell waren ihm andere Menschen nur im Weg. Mehr noch: er fühlte sich in ihrer Gegenwart unwohl. Während andere geradezu leichtfüßig um die Fettnäpfchen und Stolperfallen im Minenfeld der zwischenmenschlichen Kommunikation tanzten, schien er sie magisch anzuziehen. Roboter, Akten, komatöse Patienten, noch lieber waren ihm Leichen oder einzelne Organe – damit konnte er umgehen. Sein Ungeschick im sozialen Bereich ging so weit, dass er sogar seine Anschlussrehabilitation abgebrochen hatte. Allerdings glich seine Abreise mehr einer Flucht als einem strategischen Rückzug.         

Donnerstag, 18. Juli 2013

Back in Black




          Dunkelgraue bis schwarze Wolken, die den Himmel verstecken. Ein Nieselschauer, der die Kleidung über die Dauer der Zeremonie durchweicht und im Duett mit einem unerbittlich pfeifenden, eisigen Wind die Kälte bis in die Knochen treibt. So sehen Hollywoods Konventionen für eine anständige Trauerfeier aus. Doch weder waren wir in Amerikas Traumfabrik, noch wollten wir einen billigen Trivid-Film drehen. Dies war die Wirklichkeit - und die war auch an einem sonnigen Juli Tag schon kaum zu ertragen. Wer also der Meinung ist, dass gefälligst beschissenes Wetter zu herrschen habe, wenn man einem Freund das letzte Geleit gibt, der ignoriert einfach die Tatsache, dass ein laues Lüftchen die Blätter der Bäume rascheln ließ, Vöglein lustig zwitscherten und nicht eine einzige Wolke den blauen Himmel bedeckte.       
            Knapp zwei Wochen waren seit dem schicksalhaften Abend vergangen, an dem ein Neonazi meinem Cousin Cone aus nächster Nähe ein halbes Magazin in den Rücken entleert hatte. Das elende Dreckschwein war zwar von Sunetra in seine molekularen Einzelheiten zerlegt worden, aber das brachte unseren Freund leider nicht wieder zurück. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als dem groben Klotz einen würdigen Abschied zu bereiten.    

Mittwoch, 3. Juli 2013

Im Sog des Mahlstroms


Kapitel 7 - Operation Schnittmuster

            Ein sanftes Lüftchen spielte mit meinen schwarzen Haaren, als sich die Dead Man's Hand des Nächtens durch den innerstädtischen Teil der Elbe schob, die 2011 große Teile Hamburgs überflutet und in der Folge nur widerwillig und dann auch nur einen Teil ihrer Trophäe wieder hergegeben hatte. Bis auf wenige Wolken war es eine sternenklare Nacht, was eine willkommene Abwechslung zum Regen der vergangenen Tage war - selbst wenn es bedeutete, dass wir damit zum feuchtschwülen Juni zurückkehren mussten. Für den Moment allerdings waren die Wetterbedingungen optimal für die Mission, die uns bevorstand.
            "Irgendwann müssen wir uns mal den Laden von innen anschauen.", sagte Cone, der Big Willi grinsend angaffte - das Alcatraz Hamburgs, wenn man so will. Bevor jemand anderes etwas sagen konnte, bekam er von Alyssa, die etwas fröstelte, den passenden Kommentar: "So wie ich dich kenne, wirst du über kurz oder lang auf natürlichem Weg da drin landen. Aber wenn es soweit ist, sei bitte nicht sauer, wenn ich auf Abstand zu dir gehe."
            "Ach du! Das mein ich doch nicht."     
"Wenn du so begierig darauf aus bist dich zu prügeln, wirst du nachher noch genug Gelegenheit bekommen.", sagte ich mit einem tadelnden Seitenblick auf meinen Cousin. So sehr ich seinen Enthusiasmus schätzte, er neigte manchmal zu unüberlegten Aktionen und dann war es an uns ihn wieder etwas zu bremsen. Wir ließen die Gefängnisinsel hinter uns und passierten die ersten schwimmenden Bars und Clubs des dem Hafen vorgelagerten Vergnügungsviertels. In unserem Rücken beleuchteten die grellen Lichter der Sardinenstadt die Nacht, sodass sie die Sterne in einem großen Umkreis überstrahlten.  
            "Hat Largo eigentlich etwas nützliches über unser Ziel herausfinden können?", wollte Cone wissen, während wir, auf die Reling gestützt, den feiernden Leuten auf den Pontons zusahen. "Den markierten Ausweis von Frau Halvers konnte er in einem Haus im Südosten Harburgs aufspüren. Laut Stadtarchiv handelt es sich um ein leerstehendes Mietshaus. Allerdings ist die Gegend unter Kontrolle der Faschisten. Die HanSec hat den Bereich aufgegeben und sich schon vor vielen Jahren zurückgezogen. Seitdem ist das rechtsfreier Raum, in dem sich dieses Dreckspack seine eigenen Gesetze macht."    
            "Umso besser." Cone klopfte mir freudig auf die Schulter. "Das bedeutet, dass sich niemand für den Stapel Leichen interessieren wird, den wir dort heute Nacht zurücklassen werden."

Freitag, 14. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 6 - Arische Kronen

            Es gibt Tage an denen ich am liebsten alles hinschmeißen würde. An diesem war ich bereits als Abschleppdienstleister unterwegs gewesen, hatte eine Leiche untersucht, war mehrfach durch halb Hamburg gedüst, um mich aus einem zwielichtigen Casino werfen zu lassen, um einen Aufmarsch von Neonazis aufzulösen (Und das wohlbemerkt lediglich mit einem Telefon bewaffnet!), nur um bei einem simplen Überwachungseinsatz fast eine Freundin zu verlieren und versehentlich einen unschuldigen Mann anzuschießen, als ich eingreifen musste. Dass uns Doc Wagon auf unserer Flucht beinahe das Fell über die Ohren gezogen hatte, erwähne ich besser gar nicht. Ich will endlich ins Bett.          
            Stattdessen stand ich kurz vor Mitternacht mit stetig sinkender Laune im sechsten Stock einer verlassenen Baustelle, die einmal ein Bürogebäude hatte werden sollen bevor die wirtschaftliche Realität sie eingeholt hatte, und verhörte eine der Glatzen, die wir im Hotel gefangen nehmen konnten. Obwohl Lightning ihn fest mit Kabelbinder verschnürt hatte, windete sich der Bastard als hielte er sich für Houdini höchstpersönlich. Aus der Misere brachte ihn das allerdings nicht. Nachdem ihn auch nettes Fragen, höfliches Drohen und grobes Argumentieren nicht zum Reden gebracht hatte, packte ich ihn am Schlafittchen und hing ihn durch ein brüstungsfreies Fenster am Rand der Baustelle über den Abgrund. Doch auch dann weigerte er sich partout sein Maul aufzumachen. Nebenbei bemerkt trugen seine permanenten Beleidigungen nicht dazu bei meine Stimmung zu heben.    

Samstag, 8. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 5 - Totgesagte leben länger

            Ohne übertriebene Hektik steuerte Hrabnaz den alten, von Rost zerfressenen, klapprigen Golf 13 auf einen der wenigen Parkplätze vor dem Hotel. Auch wenn er sich dank seiner magischen Künste sehr gut seiner Haut erwehren konnte, war er froh, dass eine der wenigen funktionstüchtigen Lampen in der Straße diesen Platz erhellte. Die Gegend war ziemlich herunter gekommen. Müll lag auf der Straße und dem Gehsteig. Die mit zerfledderten Plakatresten beklebte Litfaßsäule, ein Relikt aus den Tagen vor der Erfindung des Augmented Reality, stand so schief, dass man meinen konnte, sie wolle sich auf den erstbesten Passanten fallen lassen, der so dumm war sich ihr zu nähern. Der Putz bröckelte bereits von der Fassade des Hotels 'Heitere Springflut'. Der Name ließ den Schamanen abfällig grunzen. Sein bester Freund, der zeitgleich auch sein Boss war, sah fragend vom Beifahrersitz zu ihm herüber. "Guck dir die Gegend an! Das Einzige, das hier für Heiterkeit sorgt, ist die Straße, die von dem Drecksloch wieder weg führt." 
            Heinrich lächelte sein bitteres Lächeln - wie er es immer tat, wenn er zynisch wurde. "Ich weiß gar nicht, was du hast. In solchen Gegenden hatte ich bisher immer am meisten Spaß" Dabei fuhr er mit seinem Kampfmesser sanft seinen Zeigefinger ab und blickte ihn über die Klinge hinweg an. Sein Boss liebte den Zweikampf und war berüchtigt für seine brutale Vorgehensweise, besonders wenn er ein Messer führte. Hatte er einen Gegner erwischt, stach er nicht erneut zu um die Sache zu beenden. Nein, Heinrich bevorzugte es die Klinge um die eigene Achse zu drehen und sich durch die Eingeweide zu sägen und zu schneiden.

Samstag, 1. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



Kapitel 4 - Breaking News

Hendrik, 19:43 Uhr

            "Hab ich die Scheiße ihnen zu verdanken?"   
Kaum hatte ich den Anruf auf dem billigen, aber dafür anonymen Wegwerfkomlink angenommen, schnauzte mich unser Auftraggeber barsch an. Ich blinzelte sein Videobild im AR verdattert an und bekam von einem ungelenken 'Ähm...?!' abgesehen keinen Pieps heraus. Mein Blick verriet ihm, dass ich keine Ahnung hatte, wovon er sprach, weshalb er seinen rüden Tonfall wieder etwas zurücknahm: "Schalten sie NDR Kanal 4 ein!"         
            Folgsam startete ich die TV-App meines Komlinks und wartete, bis der Minibildschirm vor der linken Hälfte meines Gesichtsfelds erschien. Die Nachrichten liefen gerade und verhießen nichts Gutes.          
            "
... wurde eine Mitarbeiterin der PR-Abteilung von Bürgermeisterin Lyzhichko bereits seit Dienstag Abend vermisst.", salbaderte die Moderatorin von Hamburg Heute mit einem süffisant unbeeindruckter Lächeln.      
            Als der NDR ein Bild von Stefanie Halvers einblendete, war klar, dass es sich tatsächlich um 'unsere' Vermisste handelte. Zunächst dachte ich mir nichts dabei. Früher oder später musste noch jemand anderes auf die Idee kommen nach ihr zu suchen. Vielleicht hatte jemand einen Kontrollanruf bei ihren Verwandten getätigt oder hatte versucht sie zu erreichen und war misstrauisch geworden. Ich gebe zu, dass es naiv von mir gewesen war, so eine Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben, denn am Ende des Beitrags ließ die Nachrichtensprecherin die eigentliche Bombe platzen:          
            "
Unbestätigten Gerüchten zufolge handelt es sich bei Stefanie Halvers um die Geliebte der Bürgermeisterin. Rudolf Neukollen von der Christlichen Volkspartei Hamburgs nahm dies zum Anlass den lockeren Lebenswandel der Bürgermeisterin scharf zu kritisieren."      

Sonntag, 26. Mai 2013

Im Sog des Mahlstroms



The truth is out there - or at least behind the Screen.

 Kapitel 3 - Amy Rigor-Mortis

            Unter metallischem Ächzen riss die Verriegelung im Inneren der Konstruktion. Von dem unerwartet aufgegebenen Widerstand überrascht konnte Alyssa den magischen Druck, den sie auf das Schloss ausübte, nicht mehr rechtzeitig zurücknehmen, sodass der Kofferraumdeckel nach oben schnellte, gefährlich gegen die Heckscheibe schlug und beinahe aus seinen Scharnieren gerissen wurde - nur um sogleich wieder in die geschlossene Position zurück zu krachen. Ohne funktionierenden Verschluss blieb der Deckel aber nicht unten, sondern wippte noch einige Male von jammernden Geräuschen begleitet auf und ab, bis er jegliche Bewegungen einstellte. Von dem plötzlichen Lärm erschrocken, steckten Cone, Largo und Hendrik fragend die Köpfe aus dem Fond der schwarzen Limousine, wo sie schon seit einer Weile versuchten den Bordcomputer zu starten. Sunetra schüttelte tadelnd den Kopf. "Geht das auch mit ein bisschen mehr Gefühl, Gajin?!"
            "Immer locker durch die Hose atmen! Alles ist in Ordnung. Es ist nichts passiert." Beschwichtigend hob die menschliche Zauberin ihre Hände und grinste verlegen. Die beiden Orks stiegen aus und kamen zu ihr, während sich der Rigger wieder dem Computer zuwandte. Nachdem sie im Eppendorf See den Mercedes CL entdeckt hatten, rief Iron Frau Schmitt an. Ihre Kontaktperson im Rathaus sollte ihnen bei gewissen bürokratischen Hürden unter die Arme greifen. Wie zu erwarten verwies Frau Schmitt aus der 'Verwaltung' den Runner an eine andere Abteilung. 'Typisch für diese Sesselfurzer. Ja nichts machen, wofür man nicht zuständig sein könnte.', dachte Alyssa bitter. 

Montag, 20. Mai 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 2 - Abgetaucht

           Dass sich Konzerne gerne Euphemismen bedienen ist nichts Neues. Dennoch musste ich lachen, als wir am Wohnblock 'Schattige Gärten' angekommen waren. Der Eingang lag in einem schmalen Seitengässchen, das von Efeuranken bereits halb zugewuchert war und dem von deutlich höheren Gebäuden umgebenen Betonklotz immerhin ein klein wenig Farbe verpasste. Die anderen in die Jahre gekommenen Bauten hatten die Gärten wie hässliche Neonaziglatzen umringt und spendeten bedrohlichen Schatten. Eines Tages werden sie einstürzen und dabei den armen Tropf in ihrer Mitte mit sich zu Boden reißen, so viel ist sicher. Ich konnte spontan verstehen, warum Stefanie Halvers es vorzog bis spät in die Nacht zu arbeiten anstatt mehr Zeit in diesem ungastlichen Viertel zu verbringen. Zugegeben: dass ihre Bettgenossin im Rathaus das Sagen hatte, spielte sicherlich auch eine entscheidende Rolle.    
            In ihre Wohnung zu kommen stellte wie zu erwarten eine geringere Herausforderung dar, als mit einem Guhl ein Steak zu teilen. Dank der Zugangsberechtigung zum Haus, die wir vom Schmidt bekommen hatten, ließ uns das Sicherheitssystem des Wohnblocks automatisch bis zur Wohnungstür im vierten Stock vor. Erst dort wurde es etwas spannend, als wir Männer uns beim knacken der Türverriegelung gegenseitig im Weg herumstanden und sich Largo beim Aufstemmen des kleinen Kästchens an der Wand fast die Finger gebrochen hatte. Glücklicherweise verkniff sich der Zwerg das Fluchen, als ihm zum wiederholten Mal der Schraubendreher schmerzhaft in seine linke Hand abgerutscht war, weil Cone und ich ebenfalls helfen wollten. Hätte er losgezetert, wäre nämlich die Wachdrohne sofort auf uns aufmerksam geworden, die im Seitengang auf uns zu schwebte. So konnte ich die Kabel im geöffneten Kästchen neu verdrahten um das Türschloss zu entriegeln. Geschwind versteckten wir uns in Halvers Bude und schlossen gerade noch rechtzeitig die Tür hinter uns, bevor die Drohne um die Ecke düste. Das war mir eine Spur zu knapp gewesen. Wenigstens hatten die Magierinnen uns dabei nicht zusehen können. Über dieses Schauspiel hätten die sich noch in zehn Jahren kaputtgelacht. 

Sonntag, 5. Mai 2013

Im Sog des Mahlstroms




Kapitel 1 - Talk im Turm

            Der affektierte Fatzke hatte ein penetrantes Dauergrinsen im Gesicht, das man ihm entweder in die Fresse operiert hatte oder ein Muskelkrampf nach einem Schlaganfall gewesen sein musste. Er bat den nächsten Gast herein. Der Kerl, der den Raum betrat, wirkte allerdings nicht weniger arrogant und unausstehlich. Einem Pennäler gleich stakste er in seinem Konfirmandenanzug steif wie ein Brett zum Moderator und schüttelte ihm ebenso steif die Hand. Hat man dem Typ einen Besenstecken in den Arsch gerammt?!            
            Eins steht jedenfalls fest: wenn ich etwas noch weniger leiden kann als das verlogene Politikerpack, dann ist es die heuchlerische Berichterstattung während der Wahlen. Heute stand Ulrich Wolfsen auf dem Speiseplan des NDR und das aufstrebende Moderatorenzäpfchen Eike Tüünlüüd hielt gierig das Besteck in den Händen. Nach ewigem Geplänkel über triviale Nichtigkeiten, wie dass Wolfsen doch so dankbar und geehrt sei, weil der NDR ihm Gehör schenken würde, und wie ihm doch die Leute von Altona am Herzen liegen würden, wechselte Tüünlüüd rasch zu ernsteren Themen.    
           
"Herr Wolfsen, sie gehören der etablierten CDU an. Was haben sie als erstes gedacht, als Linda Schiller - eine Parteienlose - nach einer rasanten Aufholjagd in der letzten Woche laut den letzten Hochrechnungen von heute Morgen in der Wählergunst an ihnen vorbeigezogen ist?"           
                "Ach wissen sie, diese Vorhersagen sind doch im Grunde nicht mehr als ein trüber Blick in die Kristallkugel. An den Wahlurnen wird sich entscheiden, wem die Bürger wirklich ihr Vertrauen schenken."        
                "Aber hatten sie sich denn nicht selbst bereits vor drei Wochen nach der Bekanntgabe der damaligen Umfrageergebnisse zum Sieger der Wahl erklärt?"
Ich mochte den Kerl nicht, aber in dem Punkt musste ich ihm Recht geben.       

Sonntag, 21. April 2013

Das Gesetz der Straße



 Kapitel 4 - Rumble in Altona

            Schon seit dem frühen Morgen donnerte die Sonne unerbittlich auf die dichte Wolkendecke und verwandelte Hamburg in einen hitzig-schwülen Dampfkochtopf, als wir am nächsten Tag zu Wus Wohnung fuhren. Glücklicherweise hatte uns der Mann verraten, dass wir aufs Dach des Gebäudes mussten. Sonst hätten wir wohl vor den Klingelschildern kapitulieren müssen. Nahezu alle sechzig Namen waren in den verschiedensten asiatischen Sprachen geschrieben. Scheinbar erwartete man hier keine einheimischen Besucher oder gar Post. Am Ende war es vielleicht auch nur ein geschickter Trick, um Schlipsträger von den Behörden zu verwirren. Das Viertel jedenfalls schien fest in fernöstlicher Hand zu sein.
            Wie zu erwarten war die Haustür nicht abgeschlossen. Daher betraten wir das Erdgeschoss und sahen uns um. Der baufällige Wohnblock besaß einen bescheidenen Innenhof, in dem wild durcheinander, kreuz und quer Wäscheleinen gespannt waren. Alte Kartons und anderer Müll stapelten sich zu kleinen Türmen an den Flurwänden. Die Wände selbst waren, sofern überhaupt Tapete auf ihnen klebte, in die schrillsten, Augenkrebs fördernden Farben gekleidet. Meist sahen wir auf nackten Stein, verziert mit herunter bröckelndem Putz oder auf dünne Rigipsplatten. Von den Treppen schallte der Lärm vieler spielender Kinder herunter, weswegen einige Hausfrauen - vermutlich ihre Mütter - aus Leibeskräften nach oben schrien. Als ob das dem allgemeinen Lärmpegel zuträglich gewesen wäre.            
            Hier und da unterhielten sich Leute im Stehen bei einem Tässchen Tee in den Hauseingängen miteinander. Wir hielten vor dem Aufzug an und sparten uns beim Anblick der weit offen stehenden Türen auf den Knopf zu drücken. Nachdem der Aufzug eines Tages den Weg alles Irdischen gegangen war, hatte die Vermietungsfirma nicht unnötig in einen Ersatz investiert, sodass die Anwohner den Schacht als Müllkippe nutzten. Damit meine ich den Kram, mit dem selbst diese Menschen nichts mehr anfangen konnten. Ich wollte gar nicht wissen, was sie noch alles im finsteren Abgrund versteckten.

Dienstag, 26. März 2013

Das Gesetz der Straße



Kapitel 3 - Auf der Suche nach dem Einarmigen Banditen 
 
           Übellaunig brachte Boris Tsurikov seinen amateurhaft schwarzlackierten, mit Rostflecken übersäten VW Lupus vor der alten Flaschenabfüllfabrik zum Stehen. Er war in der besten Laune, um ein paar Hälse zu schneiden. Seit einiger Zeit lief es nicht besonders gut für die Holsten Zombies und er war mehr als willens das wieder zu ändern. Nachdem sein bester Freund mit einem Gift umgebracht worden war, suchte er nach dem Schwein, das ihm das angetan hatte. Boris fühlte, dass sie kurz davor standen ihr Ziel zu erreichen, aber dummerweise versuchten einige Hohlköpfe ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Dafür, das schwor er sich, würden diese Mistfliegen leiden.            
            Zu seinem Wagen gesellten sich noch drei Vans, die ebenfalls mit Schwarz überlackiert worden waren und zwei ramponierte Motorräder. Zweiunddreißig bewaffnete Mitglieder seiner Gang stiegen aus den Transportern. An der Hafenkante hatten diese Pisser seinen Jungs übel mitgespielt, aber gegen diese Übermacht würden auch sie nichts ausrichten können - zumal alle derart mit Drogen vollgepumpt waren, dass sie Schmerzen nur am Rande wahrnehmen konnten.       

Montag, 18. März 2013

Das Gesetz der Straße



Kapitel 2 - Gang War Z 

            Wie besprochen sahen sich Sunetra und Largo am Tatort - einem ausgebrannten türkischen Gemüseladen - um und interviewten die Nachbarn - naja, jedenfalls versuchten sie es. Die, die halbwegs Deutsch sprechen konnten, schlossen meist sofort wieder die Türen und schickten sie weg. Erst in einem Nagelstudio in der Nähe, erfuhren sie, was die Menschen so in Angst und Schrecken versetzt hatte. Das Mädel, das dort arbeitete, war so sauer auf die Holsten Zombies, dass sie ihre Vorsicht über Bord warf und uns ohne Umschweife erzählte, was sie beobachtet hatte. Scheinbar trieben die Untoten in dieser Gegend Schutzgelder ein. Dabei wären sie stets zu viert unterwegs.   
            "Bis auf ihren Anführer 'Blondie' hatten sie schwarze Haare und kamen einmal in der Woche vorbei. Angeblich hatte sich Blondie fürchterlich mit dem Inhaber des Gemüseladens gestritten. Kurz darauf sind sie aber unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Worum es genau bei dem Streit ging, wusste sie leider nicht."        
            "Mist!", entfuhr es Hendrik, "Ich hatte gehofft, dass Sunetra mehr in Erfahrung bringen würde. - Hat sie noch etwas gesagt?"  "Ja, wenn die Zombies ihren Turnus einhalten, kommen sie morgen wieder in die Straße, um die Gebühren einzutreiben."
             Der über zwei Meter große Ork, der trotz der warmen Mai-Sonne seinen langen, dunkelbraunen Mantel trug, vergrub seine Hände tiefer in den Taschen und brummte: "Wenn alle Stricke reißen wissen wir wenigstens, wo wir diesen Blondschopf abgreifen können. Komm, vielleicht haben wir mehr Glück!"  
            Alyssa warf die Beifahrertür des Toyota Coaster zu und eilte Hendrik hinterher, mit dessen Schritten sie Mühe hatte mitzuhalten. Vor ihnen baute sich die Klinik in all ihrer Hässlichkeit auf. Früher einmal hieß die Einrichtung Albertinenkrankenhaus und stand unter der Fuchtel der Kirche. Da die faschistoiden Cheftunten der Kirchenobrigkeit im Zuge der UGE (
Ungeklärte Genetische Expression) 2011 und der Goblinisierungs-welle zehn Jahre später bereits unter chronischer Schnappatmung litten, waren die Eurokriege zu viel des Guten gewesen. Nicht nur, dass ausgerechnet im ansonsten sehr toleranten Altona viele Orks, Trolle und Zwerge lebten, nein, man musste sich auch noch mit Muslimen und Atheisten aus aller Herren Länder abgeben.        

Sonntag, 10. März 2013

Das Gesetz der Straße


 Kapitel 1 - Altona Allerlei

            Serhat spürte die sengende Hitze der Wüstensonne auf seinem Gesicht und eilte sich daher umso mehr, um sich in die schützenden Schatten der Palmen zu retten, die er in der Ferne entdeckt hatte. Hoffentlich jagte er nicht schon wieder einer Fata Morgana hinterher. Bereits seit Tagen wanderte er durch die Sahara. Einsam, allein, mit zur Neige gehenden Vorräten, nur in trauriger Gesellschaft von wachsender Verzweiflung und aufkeimender Panik. Mittlerweile wankte er mehr, als dass er aufrecht voran schritt. Wie lange würde er das wohl noch aushalten können?           
            Seinen kahlen Schädel zierte ein Kopfstützenbezug, den er aus dem liegen gebliebenen Wagen mitgenommen hatte und als improvisierte Mütze trug. Serhat hoffte sich damit wenigstens ein bisschen vor der unbarmherzigen Sonnenstrahlung schützen zu können. Nur mit allergrößter Beherrschung konnte er sich davon abhalten das Ding wieder auszuziehen, denn es hatte sich ein ganzes Meer unter dem Bezug gebildet, das sich in mehreren kleinen Sturzbächen seinen Nacken herab auf den Rücken ergoss. Das anthrazitfarbene Hemd klebte ihm am ganzen Leib. Es war ihm ein Rätsel, wie er unablässig schwitzen konnte, wenn er doch kaum etwas getrunken hatte. Fast hatte er die Palmen erreicht. Endlich ausruhen und etwas Kühlung im Schatten.  
             Schlurfend trugen die tauben Beine seinen Körper voran, Meter für Meter. Ein Stein ragte aus dem Wüstenboden und er wäre beinahe hingefallen. So stolperte er und knallte mit dem Kopf gegen den Stamm eines Baumes. Nur mit Müh und Not schaffte er es nicht hinzufallen. So hielt er den Stamm mit beiden Armen umschlungen und atmete so schwer aus, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen. 'Es ist erstaunlich, was der menschliche Körper alles aushalten kann.', dachte er und schöpfte etwas Hoffnung, als er hinter der Palme ein kleines Wasserloch entdeckte.   

Die zweieinhalb Leben des Käpt'n Knudson


            'Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.'      
Ich hab keine Ahnung welche Pfeife diesen Aphorismus als Erster in den Äther genuschelt hat, aber was für geistig minderbegabte Fußballer gilt, hat in diesem Fall auch im Schattenbusiness Bestand. Nachdem wir die Geschäfte, für die wir nach Kopenhagen gekommen waren, erledigt hatten, war es an der Zeit die Heimreise in Angriff zu nehmen. Da wir wieder mit unserem Schnellboot nach Hamburg zurückschippern würden, war es klug, wenn wir keine Leerfahrt machen würden. Für irgendwas muss ja unser Schmuggelfach gut sein. So entschieden wir aufgrund eines Tipps von Sunetras alter Freundin Lina einer berüchtigten Hafenkneipe einen Besuch abzustatten. Vielleicht konnten wir ja dort einen kleinen Transportauftrag ergattern. 
            Am frühen Nachmittag schlenderten wir gemütlichen Schrittes an der Hafenpromenade entlang, vorbei an Anlegestellen mit vertäuten Fischerbooten und privaten Schiffen wie unserer Dead Man's Hand, Tante Emma Lädchen - ja, die gibt's tatsächlich noch in Dänemark -  Spirituosen-Geschäften, Puffs und Fischmärkten. Die Gebäude waren nahezu alle verklinkert und versprühten diesen gewissen ursprünglichen, abgerissenen, dezent herunter-gekommenen Charme, der Gemütlichkeit verheißt. Ein laues Lüftchen tanzte uns mit einer olfaktorischen Melange aus Salzwasser, frischem Fisch und Gebratenem um die Nase, während am weitgehend wolkenfreien Himmel einige Möwen kreischten.           In der Nähe der Marktstände hielten sich Nutten an den Seitengassen auf, um ihr Glück dabei zu versuchen die Herren der Schöpfung auf ihrem Heimweg zu Frauchen abzufangen. Allzu viel edles Material war nicht dabei. Eher würde ich einen Karpfen zum Fellatio missbrauchen als mich freiwillig auf eine der Dirnen zu legen. Diese Bazillenmutterschiffe wären wahrscheinlich sogar für meine Konstitution zu viel gewesen.