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Donnerstag, 18. Juli 2013

Back in Black




          Dunkelgraue bis schwarze Wolken, die den Himmel verstecken. Ein Nieselschauer, der die Kleidung über die Dauer der Zeremonie durchweicht und im Duett mit einem unerbittlich pfeifenden, eisigen Wind die Kälte bis in die Knochen treibt. So sehen Hollywoods Konventionen für eine anständige Trauerfeier aus. Doch weder waren wir in Amerikas Traumfabrik, noch wollten wir einen billigen Trivid-Film drehen. Dies war die Wirklichkeit - und die war auch an einem sonnigen Juli Tag schon kaum zu ertragen. Wer also der Meinung ist, dass gefälligst beschissenes Wetter zu herrschen habe, wenn man einem Freund das letzte Geleit gibt, der ignoriert einfach die Tatsache, dass ein laues Lüftchen die Blätter der Bäume rascheln ließ, Vöglein lustig zwitscherten und nicht eine einzige Wolke den blauen Himmel bedeckte.       
            Knapp zwei Wochen waren seit dem schicksalhaften Abend vergangen, an dem ein Neonazi meinem Cousin Cone aus nächster Nähe ein halbes Magazin in den Rücken entleert hatte. Das elende Dreckschwein war zwar von Sunetra in seine molekularen Einzelheiten zerlegt worden, aber das brachte unseren Freund leider nicht wieder zurück. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als dem groben Klotz einen würdigen Abschied zu bereiten.    

Samstag, 8. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 5 - Totgesagte leben länger

            Ohne übertriebene Hektik steuerte Hrabnaz den alten, von Rost zerfressenen, klapprigen Golf 13 auf einen der wenigen Parkplätze vor dem Hotel. Auch wenn er sich dank seiner magischen Künste sehr gut seiner Haut erwehren konnte, war er froh, dass eine der wenigen funktionstüchtigen Lampen in der Straße diesen Platz erhellte. Die Gegend war ziemlich herunter gekommen. Müll lag auf der Straße und dem Gehsteig. Die mit zerfledderten Plakatresten beklebte Litfaßsäule, ein Relikt aus den Tagen vor der Erfindung des Augmented Reality, stand so schief, dass man meinen konnte, sie wolle sich auf den erstbesten Passanten fallen lassen, der so dumm war sich ihr zu nähern. Der Putz bröckelte bereits von der Fassade des Hotels 'Heitere Springflut'. Der Name ließ den Schamanen abfällig grunzen. Sein bester Freund, der zeitgleich auch sein Boss war, sah fragend vom Beifahrersitz zu ihm herüber. "Guck dir die Gegend an! Das Einzige, das hier für Heiterkeit sorgt, ist die Straße, die von dem Drecksloch wieder weg führt." 
            Heinrich lächelte sein bitteres Lächeln - wie er es immer tat, wenn er zynisch wurde. "Ich weiß gar nicht, was du hast. In solchen Gegenden hatte ich bisher immer am meisten Spaß" Dabei fuhr er mit seinem Kampfmesser sanft seinen Zeigefinger ab und blickte ihn über die Klinge hinweg an. Sein Boss liebte den Zweikampf und war berüchtigt für seine brutale Vorgehensweise, besonders wenn er ein Messer führte. Hatte er einen Gegner erwischt, stach er nicht erneut zu um die Sache zu beenden. Nein, Heinrich bevorzugte es die Klinge um die eigene Achse zu drehen und sich durch die Eingeweide zu sägen und zu schneiden.

Samstag, 1. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



Kapitel 4 - Breaking News

Hendrik, 19:43 Uhr

            "Hab ich die Scheiße ihnen zu verdanken?"   
Kaum hatte ich den Anruf auf dem billigen, aber dafür anonymen Wegwerfkomlink angenommen, schnauzte mich unser Auftraggeber barsch an. Ich blinzelte sein Videobild im AR verdattert an und bekam von einem ungelenken 'Ähm...?!' abgesehen keinen Pieps heraus. Mein Blick verriet ihm, dass ich keine Ahnung hatte, wovon er sprach, weshalb er seinen rüden Tonfall wieder etwas zurücknahm: "Schalten sie NDR Kanal 4 ein!"         
            Folgsam startete ich die TV-App meines Komlinks und wartete, bis der Minibildschirm vor der linken Hälfte meines Gesichtsfelds erschien. Die Nachrichten liefen gerade und verhießen nichts Gutes.          
            "
... wurde eine Mitarbeiterin der PR-Abteilung von Bürgermeisterin Lyzhichko bereits seit Dienstag Abend vermisst.", salbaderte die Moderatorin von Hamburg Heute mit einem süffisant unbeeindruckter Lächeln.      
            Als der NDR ein Bild von Stefanie Halvers einblendete, war klar, dass es sich tatsächlich um 'unsere' Vermisste handelte. Zunächst dachte ich mir nichts dabei. Früher oder später musste noch jemand anderes auf die Idee kommen nach ihr zu suchen. Vielleicht hatte jemand einen Kontrollanruf bei ihren Verwandten getätigt oder hatte versucht sie zu erreichen und war misstrauisch geworden. Ich gebe zu, dass es naiv von mir gewesen war, so eine Möglichkeit in Betracht gezogen zu haben, denn am Ende des Beitrags ließ die Nachrichtensprecherin die eigentliche Bombe platzen:          
            "
Unbestätigten Gerüchten zufolge handelt es sich bei Stefanie Halvers um die Geliebte der Bürgermeisterin. Rudolf Neukollen von der Christlichen Volkspartei Hamburgs nahm dies zum Anlass den lockeren Lebenswandel der Bürgermeisterin scharf zu kritisieren."