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Dienstag, 21. Oktober 2014

Die Nacht der langen Messer


Kapitel 1 - Die Oper ist erst zu Ende, wenn die fette Frau gesungen hat

                    Manchmal werden Worte umgehend Lügen gestraft.
'Ich wusst's! Ich wusst's! Ich wusst's!'
           
Zornig waberte die Erkenntnis durch das Zwergenhirn. Die Fäuste in den Taschen geballt, stapfte Largo den anderen Wild Cards hinterher ins Innere des Hel's Kitchen. Barrys Bar. Alyssas Kontaktmann zur Unterwelt der Hansestadt.   
            Wie viel lieber würde er noch immer an Bord der Dead Man's Hand den Abschluss der Mission und die Wiederwahl von Vesna Lyzhichko feiern, ein wohlverdientes, kühles Bier genießen.
            Schon vor Stunden hatte ihm sein Bauch geflüstert, dass der Mord an Karl Weißhaupt nicht das Ende der Geschichte sein konnte. Zu viel hatte er in seiner Karriere als Shadowrunner erlebt, um sich der Illusion hingeben zu können, so leicht aus der Sache herauszukommen. Ausgerechnet Sunetra, die er als erfahrene Kollegin und Freundin schätzte, hatte sich wie ein Anfänger mit der Sicherheit eines Blinden in einem Minenfeld über den Sieg gefreut. Sie hatte geglaubt, dass sich die gegnerischen Parteien aus Frankfurt nun kuschen würden.   
            'Zu früh gefreut, Spitzohr.'      
Keine zwei Minuten nach dem Anruf aus dem Büro der Bürgermeisterin klingelte Hendriks Telefon ein weiteres Mal. Sein Gesicht verwandelte sich in einen Korb gemischten sauren Obsts, als Yashida Himotos Antlitz im Videofenster erschien. Der Ork machte keinen Hehl daraus, dass er Sunetras Ex-Verlobten äußerst skeptisch gegenüber stand. Doch wenn er helfen wollte der Elfe den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, die ihr ihr ehemaliger Arbeitgeber MCT[1] um den Hals gelegt hatte, musste er wohl oder übel mit ihm zusammen arbeiten. Also schluckte er runter, was ihm als Erstes in den Sinn kam und gab sich betont freundlich. Irgendwie gelang es ihm auf diese Weise seine Antipathie besonders gut zum Ausdruck zu bringen.     
            "Konbanwa, Himoto-San."       
Der Japaner lächelte typisch asiatisch freudlos. Genauso gut hätte er 'Leck mich am Arsch, blöder Penner!' sagen können. Stattdessen kamen folgende Worte aus seinem Mund: "Summerset. Sehr gute Arbeit, die sie und ihre Truppe in Westphalen geleistet haben. Ich bin erfreut über das neu geschmiedete Bündnis mit dem Hamburger Senat. Damit ist MCT seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen."

Samstag, 9. August 2014

Eine Woche Ewigkeit

Kapitel 4 - Die Zaunkönige sind los

            Freitag, 23:10 Uhr

            „Was haben sie hier zu suchen?!“, blökte die Stimme in meinem Rücken.       
Noch bevor man mir die Gelegenheit gab, mich um Kopf und Kragen zu quasseln, zischte ein mit Magie erzeugtes Säuregeschoss knapp an mir vorbei und zerplatzte an der geöffneten, mehrere hundert Jahre alten, massiven Tür. Der Lack begann zu brodeln und warf Blasen. Doch bevor sie unter der Hitze der chemischen Reaktion in Flammen aufgehen konnte, verging die ätzende Substanz und hinterließ lediglich einen schwärzlichen Fleck, von dem übelriechende, dünne Rauchfäden aufstiegen.          
            Shitdrekscheißeverdammtnochmal!
Binnen weniger Sekunden hatte sich der schöne Plan in Wohlgefallen aufgelöst. Michael musste zwar ein wenig diskutieren, aber schließlich überzeugte er seine Ehefrau von dem mitternächtlichen Ausflug. Nachdem sie das Haus mit Sekt und einem Snack im Gepäck verlassen hatten, inspizierte ich mit Sunetra den ersten Stock. Vielleicht ließ sich etwas Nützliches finden oder einen guten Platz für einen Hinterhalt. Am Ende unserer Runde wollten wir Hank über unsere Ergebnisse informieren, der immer noch unter dem Fenster wartete, durch das wir eingestiegen waren. Dann hätten die restlichen WildCards den Generator sabotiert. Während dann das Familienoberhaupt oder dessen ältester Sohn in den Stall gegangen wäre, hätte ich mit der Elfe die Gesellschaft im Erdgeschoss ein wenig aufgemischt. Hauptsache so wenig Lärm und Aufmerksamkeit wie möglich erregen. Selbstverständlich hätten sich unsere Freunde ebenso liebevoll um ihren Gast im Stall gekümmert.   

Mittwoch, 18. Juni 2014

Eine Woche Ewigkeit





Kapitel 3 –Unverhofft kommt oft



            Freitag 08:40 Uhr



            Am Ende einer langen Nacht des geschäftigen Suchens nach Beute legte sich der Fuchs im Unterholz des Wäldchens zur Ruhe. Zwei magere Wühlmäuse hatte er in ihren Verstecken aufgestöbert und anschließend im spärlichem Mondschein verspeist. Ein voller Magen sieht anders aus, aber verhungern würde er heute nicht. Nein, Hunger würde er nicht mehr leiden müssen, aber wenn das Tier geahnt hätte, dass es gerade seine Henkersmahlzeit zu sich genommen hatte, es wäre die Sache mit mehr Genuss angegangen. Hätte sich Zeit gelassen statt die grauen Nager gierig hinunter zu schlingen. Aber da der Fuchs nichts von seinem Schicksal wissen konnte, rollte er sich erschöpft zusammen und schloss die Augen. Wahrscheinlich hätte er sein Ende sogar im Frieden des Schlafs gefunden, wenn ihn nicht ein Geräusch aufgeschreckt hätte. Sofort war er hellwach. Die Ohren aufrecht gestellt, den Kopf in die Höhe gereckt, horchte er in den Wald hinein. Was war das? Es hatte wie knackendes Holz geklungen. Ein Geräusch, das für gewöhnlich von schweren Schritten verursacht wurde. War jemand in seiner Nähe? Menschen etwa?           
            Vorsichtig schnupperte der Vierbeiner aus der Familie der Hundeartigen, konnte aber keine entlarvenden Gerüche ausmachen. Zu seinem Unglück ging dem Tier der Intellekt ab, die Quelle des Geräuschs mit der Windrichtung zu kombinieren. So entging ihm die lebensrettende Erkenntnis, dass sich ihm jemand aus der Richtung näherte, in die der Wind blies. So aber trug er den Geruch des Angreifers von dem Fuchs fort.    

Montag, 26. Mai 2014

Eine Woche Ewigkeit




Kapitel 2 – Zurück zur Natur
 


            Donnerstag, 18:26 Uhr

            Selbst durch ausdauerndes Fuchteln mit der Hand ließ sich der beißende Geruch verbrannten Reifengummis nicht von der Nase verscheuchen. Wie ein räudiger Straßenköter mischte er sich unter die feuchtschwüle Hitze des ausklingenden Tages und erschwerte das ohnehin schon mühsame Atmen zusätzlich. Bald schon würden die Schatten länger werden und die Temperaturen in angenehme Bereiche rutschen. Für den Moment allerdings blieb nichts anderes übrig, als uns mit der brütenden Hitze zu arrangieren, die geduldig über dem Asphalt des Werlter Flughafens verharrte. Wie Schimmelpilz auf einem viel zu alten Duschvorhang lauerte sie dort auf ihre Opfer.     
            So trieb sie uns prompt ab dem Moment die Suppe aus allen Poren, als sich das Schott des Fluzeugs öffnete. In Rinnsalen ergossen sich die salzigen Säfte über Stirn und Rücken. Gegen diese Hitzewand versagte selbst die beste Klimaanlage.         
            „Boah, ist das ekelhaft.“, stöhnte Alyssa mit hängenden Schultern. Vergeblich suchte sie Kühlung, indem sie ihr Top vom Oberkörper zupfte. Der vermaledeite Stoff weigerte sich jedoch zu kooperieren und flitschte fortwährend wie ein Gummiband in seine klebrige Ausgangsposition zurück. Lightning wirkte, als hätte man ihr mit einem Knüppel vor den Kopf geschlagen. „Da war‘s ja selbst in Hamburg angenehmer. Ich dachte das hier wäre ein Erholungsgebiet.“    
            „Jammer nicht rum, Kurze! Sobald wir im Wald sind, wird’s angenehmer.“, unerbittlich scheuchte Largo die Magierin vor sich die Gangway herunter.            
 

Donnerstag, 18. Juli 2013

Back in Black




          Dunkelgraue bis schwarze Wolken, die den Himmel verstecken. Ein Nieselschauer, der die Kleidung über die Dauer der Zeremonie durchweicht und im Duett mit einem unerbittlich pfeifenden, eisigen Wind die Kälte bis in die Knochen treibt. So sehen Hollywoods Konventionen für eine anständige Trauerfeier aus. Doch weder waren wir in Amerikas Traumfabrik, noch wollten wir einen billigen Trivid-Film drehen. Dies war die Wirklichkeit - und die war auch an einem sonnigen Juli Tag schon kaum zu ertragen. Wer also der Meinung ist, dass gefälligst beschissenes Wetter zu herrschen habe, wenn man einem Freund das letzte Geleit gibt, der ignoriert einfach die Tatsache, dass ein laues Lüftchen die Blätter der Bäume rascheln ließ, Vöglein lustig zwitscherten und nicht eine einzige Wolke den blauen Himmel bedeckte.       
            Knapp zwei Wochen waren seit dem schicksalhaften Abend vergangen, an dem ein Neonazi meinem Cousin Cone aus nächster Nähe ein halbes Magazin in den Rücken entleert hatte. Das elende Dreckschwein war zwar von Sunetra in seine molekularen Einzelheiten zerlegt worden, aber das brachte unseren Freund leider nicht wieder zurück. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als dem groben Klotz einen würdigen Abschied zu bereiten.    

Mittwoch, 3. Juli 2013

Im Sog des Mahlstroms


Kapitel 7 - Operation Schnittmuster

            Ein sanftes Lüftchen spielte mit meinen schwarzen Haaren, als sich die Dead Man's Hand des Nächtens durch den innerstädtischen Teil der Elbe schob, die 2011 große Teile Hamburgs überflutet und in der Folge nur widerwillig und dann auch nur einen Teil ihrer Trophäe wieder hergegeben hatte. Bis auf wenige Wolken war es eine sternenklare Nacht, was eine willkommene Abwechslung zum Regen der vergangenen Tage war - selbst wenn es bedeutete, dass wir damit zum feuchtschwülen Juni zurückkehren mussten. Für den Moment allerdings waren die Wetterbedingungen optimal für die Mission, die uns bevorstand.
            "Irgendwann müssen wir uns mal den Laden von innen anschauen.", sagte Cone, der Big Willi grinsend angaffte - das Alcatraz Hamburgs, wenn man so will. Bevor jemand anderes etwas sagen konnte, bekam er von Alyssa, die etwas fröstelte, den passenden Kommentar: "So wie ich dich kenne, wirst du über kurz oder lang auf natürlichem Weg da drin landen. Aber wenn es soweit ist, sei bitte nicht sauer, wenn ich auf Abstand zu dir gehe."
            "Ach du! Das mein ich doch nicht."     
"Wenn du so begierig darauf aus bist dich zu prügeln, wirst du nachher noch genug Gelegenheit bekommen.", sagte ich mit einem tadelnden Seitenblick auf meinen Cousin. So sehr ich seinen Enthusiasmus schätzte, er neigte manchmal zu unüberlegten Aktionen und dann war es an uns ihn wieder etwas zu bremsen. Wir ließen die Gefängnisinsel hinter uns und passierten die ersten schwimmenden Bars und Clubs des dem Hafen vorgelagerten Vergnügungsviertels. In unserem Rücken beleuchteten die grellen Lichter der Sardinenstadt die Nacht, sodass sie die Sterne in einem großen Umkreis überstrahlten.  
            "Hat Largo eigentlich etwas nützliches über unser Ziel herausfinden können?", wollte Cone wissen, während wir, auf die Reling gestützt, den feiernden Leuten auf den Pontons zusahen. "Den markierten Ausweis von Frau Halvers konnte er in einem Haus im Südosten Harburgs aufspüren. Laut Stadtarchiv handelt es sich um ein leerstehendes Mietshaus. Allerdings ist die Gegend unter Kontrolle der Faschisten. Die HanSec hat den Bereich aufgegeben und sich schon vor vielen Jahren zurückgezogen. Seitdem ist das rechtsfreier Raum, in dem sich dieses Dreckspack seine eigenen Gesetze macht."    
            "Umso besser." Cone klopfte mir freudig auf die Schulter. "Das bedeutet, dass sich niemand für den Stapel Leichen interessieren wird, den wir dort heute Nacht zurücklassen werden."

Freitag, 14. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 6 - Arische Kronen

            Es gibt Tage an denen ich am liebsten alles hinschmeißen würde. An diesem war ich bereits als Abschleppdienstleister unterwegs gewesen, hatte eine Leiche untersucht, war mehrfach durch halb Hamburg gedüst, um mich aus einem zwielichtigen Casino werfen zu lassen, um einen Aufmarsch von Neonazis aufzulösen (Und das wohlbemerkt lediglich mit einem Telefon bewaffnet!), nur um bei einem simplen Überwachungseinsatz fast eine Freundin zu verlieren und versehentlich einen unschuldigen Mann anzuschießen, als ich eingreifen musste. Dass uns Doc Wagon auf unserer Flucht beinahe das Fell über die Ohren gezogen hatte, erwähne ich besser gar nicht. Ich will endlich ins Bett.          
            Stattdessen stand ich kurz vor Mitternacht mit stetig sinkender Laune im sechsten Stock einer verlassenen Baustelle, die einmal ein Bürogebäude hatte werden sollen bevor die wirtschaftliche Realität sie eingeholt hatte, und verhörte eine der Glatzen, die wir im Hotel gefangen nehmen konnten. Obwohl Lightning ihn fest mit Kabelbinder verschnürt hatte, windete sich der Bastard als hielte er sich für Houdini höchstpersönlich. Aus der Misere brachte ihn das allerdings nicht. Nachdem ihn auch nettes Fragen, höfliches Drohen und grobes Argumentieren nicht zum Reden gebracht hatte, packte ich ihn am Schlafittchen und hing ihn durch ein brüstungsfreies Fenster am Rand der Baustelle über den Abgrund. Doch auch dann weigerte er sich partout sein Maul aufzumachen. Nebenbei bemerkt trugen seine permanenten Beleidigungen nicht dazu bei meine Stimmung zu heben.    

Samstag, 8. Juni 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 5 - Totgesagte leben länger

            Ohne übertriebene Hektik steuerte Hrabnaz den alten, von Rost zerfressenen, klapprigen Golf 13 auf einen der wenigen Parkplätze vor dem Hotel. Auch wenn er sich dank seiner magischen Künste sehr gut seiner Haut erwehren konnte, war er froh, dass eine der wenigen funktionstüchtigen Lampen in der Straße diesen Platz erhellte. Die Gegend war ziemlich herunter gekommen. Müll lag auf der Straße und dem Gehsteig. Die mit zerfledderten Plakatresten beklebte Litfaßsäule, ein Relikt aus den Tagen vor der Erfindung des Augmented Reality, stand so schief, dass man meinen konnte, sie wolle sich auf den erstbesten Passanten fallen lassen, der so dumm war sich ihr zu nähern. Der Putz bröckelte bereits von der Fassade des Hotels 'Heitere Springflut'. Der Name ließ den Schamanen abfällig grunzen. Sein bester Freund, der zeitgleich auch sein Boss war, sah fragend vom Beifahrersitz zu ihm herüber. "Guck dir die Gegend an! Das Einzige, das hier für Heiterkeit sorgt, ist die Straße, die von dem Drecksloch wieder weg führt." 
            Heinrich lächelte sein bitteres Lächeln - wie er es immer tat, wenn er zynisch wurde. "Ich weiß gar nicht, was du hast. In solchen Gegenden hatte ich bisher immer am meisten Spaß" Dabei fuhr er mit seinem Kampfmesser sanft seinen Zeigefinger ab und blickte ihn über die Klinge hinweg an. Sein Boss liebte den Zweikampf und war berüchtigt für seine brutale Vorgehensweise, besonders wenn er ein Messer führte. Hatte er einen Gegner erwischt, stach er nicht erneut zu um die Sache zu beenden. Nein, Heinrich bevorzugte es die Klinge um die eigene Achse zu drehen und sich durch die Eingeweide zu sägen und zu schneiden.

Sonntag, 26. Mai 2013

Im Sog des Mahlstroms



The truth is out there - or at least behind the Screen.

 Kapitel 3 - Amy Rigor-Mortis

            Unter metallischem Ächzen riss die Verriegelung im Inneren der Konstruktion. Von dem unerwartet aufgegebenen Widerstand überrascht konnte Alyssa den magischen Druck, den sie auf das Schloss ausübte, nicht mehr rechtzeitig zurücknehmen, sodass der Kofferraumdeckel nach oben schnellte, gefährlich gegen die Heckscheibe schlug und beinahe aus seinen Scharnieren gerissen wurde - nur um sogleich wieder in die geschlossene Position zurück zu krachen. Ohne funktionierenden Verschluss blieb der Deckel aber nicht unten, sondern wippte noch einige Male von jammernden Geräuschen begleitet auf und ab, bis er jegliche Bewegungen einstellte. Von dem plötzlichen Lärm erschrocken, steckten Cone, Largo und Hendrik fragend die Köpfe aus dem Fond der schwarzen Limousine, wo sie schon seit einer Weile versuchten den Bordcomputer zu starten. Sunetra schüttelte tadelnd den Kopf. "Geht das auch mit ein bisschen mehr Gefühl, Gajin?!"
            "Immer locker durch die Hose atmen! Alles ist in Ordnung. Es ist nichts passiert." Beschwichtigend hob die menschliche Zauberin ihre Hände und grinste verlegen. Die beiden Orks stiegen aus und kamen zu ihr, während sich der Rigger wieder dem Computer zuwandte. Nachdem sie im Eppendorf See den Mercedes CL entdeckt hatten, rief Iron Frau Schmitt an. Ihre Kontaktperson im Rathaus sollte ihnen bei gewissen bürokratischen Hürden unter die Arme greifen. Wie zu erwarten verwies Frau Schmitt aus der 'Verwaltung' den Runner an eine andere Abteilung. 'Typisch für diese Sesselfurzer. Ja nichts machen, wofür man nicht zuständig sein könnte.', dachte Alyssa bitter. 

Sonntag, 21. April 2013

Das Gesetz der Straße



 Kapitel 4 - Rumble in Altona

            Schon seit dem frühen Morgen donnerte die Sonne unerbittlich auf die dichte Wolkendecke und verwandelte Hamburg in einen hitzig-schwülen Dampfkochtopf, als wir am nächsten Tag zu Wus Wohnung fuhren. Glücklicherweise hatte uns der Mann verraten, dass wir aufs Dach des Gebäudes mussten. Sonst hätten wir wohl vor den Klingelschildern kapitulieren müssen. Nahezu alle sechzig Namen waren in den verschiedensten asiatischen Sprachen geschrieben. Scheinbar erwartete man hier keine einheimischen Besucher oder gar Post. Am Ende war es vielleicht auch nur ein geschickter Trick, um Schlipsträger von den Behörden zu verwirren. Das Viertel jedenfalls schien fest in fernöstlicher Hand zu sein.
            Wie zu erwarten war die Haustür nicht abgeschlossen. Daher betraten wir das Erdgeschoss und sahen uns um. Der baufällige Wohnblock besaß einen bescheidenen Innenhof, in dem wild durcheinander, kreuz und quer Wäscheleinen gespannt waren. Alte Kartons und anderer Müll stapelten sich zu kleinen Türmen an den Flurwänden. Die Wände selbst waren, sofern überhaupt Tapete auf ihnen klebte, in die schrillsten, Augenkrebs fördernden Farben gekleidet. Meist sahen wir auf nackten Stein, verziert mit herunter bröckelndem Putz oder auf dünne Rigipsplatten. Von den Treppen schallte der Lärm vieler spielender Kinder herunter, weswegen einige Hausfrauen - vermutlich ihre Mütter - aus Leibeskräften nach oben schrien. Als ob das dem allgemeinen Lärmpegel zuträglich gewesen wäre.            
            Hier und da unterhielten sich Leute im Stehen bei einem Tässchen Tee in den Hauseingängen miteinander. Wir hielten vor dem Aufzug an und sparten uns beim Anblick der weit offen stehenden Türen auf den Knopf zu drücken. Nachdem der Aufzug eines Tages den Weg alles Irdischen gegangen war, hatte die Vermietungsfirma nicht unnötig in einen Ersatz investiert, sodass die Anwohner den Schacht als Müllkippe nutzten. Damit meine ich den Kram, mit dem selbst diese Menschen nichts mehr anfangen konnten. Ich wollte gar nicht wissen, was sie noch alles im finsteren Abgrund versteckten.

Dienstag, 26. März 2013

Das Gesetz der Straße



Kapitel 3 - Auf der Suche nach dem Einarmigen Banditen 
 
           Übellaunig brachte Boris Tsurikov seinen amateurhaft schwarzlackierten, mit Rostflecken übersäten VW Lupus vor der alten Flaschenabfüllfabrik zum Stehen. Er war in der besten Laune, um ein paar Hälse zu schneiden. Seit einiger Zeit lief es nicht besonders gut für die Holsten Zombies und er war mehr als willens das wieder zu ändern. Nachdem sein bester Freund mit einem Gift umgebracht worden war, suchte er nach dem Schwein, das ihm das angetan hatte. Boris fühlte, dass sie kurz davor standen ihr Ziel zu erreichen, aber dummerweise versuchten einige Hohlköpfe ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen. Dafür, das schwor er sich, würden diese Mistfliegen leiden.            
            Zu seinem Wagen gesellten sich noch drei Vans, die ebenfalls mit Schwarz überlackiert worden waren und zwei ramponierte Motorräder. Zweiunddreißig bewaffnete Mitglieder seiner Gang stiegen aus den Transportern. An der Hafenkante hatten diese Pisser seinen Jungs übel mitgespielt, aber gegen diese Übermacht würden auch sie nichts ausrichten können - zumal alle derart mit Drogen vollgepumpt waren, dass sie Schmerzen nur am Rande wahrnehmen konnten.       

Montag, 18. März 2013

Das Gesetz der Straße



Kapitel 2 - Gang War Z 

            Wie besprochen sahen sich Sunetra und Largo am Tatort - einem ausgebrannten türkischen Gemüseladen - um und interviewten die Nachbarn - naja, jedenfalls versuchten sie es. Die, die halbwegs Deutsch sprechen konnten, schlossen meist sofort wieder die Türen und schickten sie weg. Erst in einem Nagelstudio in der Nähe, erfuhren sie, was die Menschen so in Angst und Schrecken versetzt hatte. Das Mädel, das dort arbeitete, war so sauer auf die Holsten Zombies, dass sie ihre Vorsicht über Bord warf und uns ohne Umschweife erzählte, was sie beobachtet hatte. Scheinbar trieben die Untoten in dieser Gegend Schutzgelder ein. Dabei wären sie stets zu viert unterwegs.   
            "Bis auf ihren Anführer 'Blondie' hatten sie schwarze Haare und kamen einmal in der Woche vorbei. Angeblich hatte sich Blondie fürchterlich mit dem Inhaber des Gemüseladens gestritten. Kurz darauf sind sie aber unverrichteter Dinge wieder abgezogen. Worum es genau bei dem Streit ging, wusste sie leider nicht."        
            "Mist!", entfuhr es Hendrik, "Ich hatte gehofft, dass Sunetra mehr in Erfahrung bringen würde. - Hat sie noch etwas gesagt?"  "Ja, wenn die Zombies ihren Turnus einhalten, kommen sie morgen wieder in die Straße, um die Gebühren einzutreiben."
             Der über zwei Meter große Ork, der trotz der warmen Mai-Sonne seinen langen, dunkelbraunen Mantel trug, vergrub seine Hände tiefer in den Taschen und brummte: "Wenn alle Stricke reißen wissen wir wenigstens, wo wir diesen Blondschopf abgreifen können. Komm, vielleicht haben wir mehr Glück!"  
            Alyssa warf die Beifahrertür des Toyota Coaster zu und eilte Hendrik hinterher, mit dessen Schritten sie Mühe hatte mitzuhalten. Vor ihnen baute sich die Klinik in all ihrer Hässlichkeit auf. Früher einmal hieß die Einrichtung Albertinenkrankenhaus und stand unter der Fuchtel der Kirche. Da die faschistoiden Cheftunten der Kirchenobrigkeit im Zuge der UGE (
Ungeklärte Genetische Expression) 2011 und der Goblinisierungs-welle zehn Jahre später bereits unter chronischer Schnappatmung litten, waren die Eurokriege zu viel des Guten gewesen. Nicht nur, dass ausgerechnet im ansonsten sehr toleranten Altona viele Orks, Trolle und Zwerge lebten, nein, man musste sich auch noch mit Muslimen und Atheisten aus aller Herren Länder abgeben.        

Sonntag, 10. März 2013

Das Gesetz der Straße


 Kapitel 1 - Altona Allerlei

            Serhat spürte die sengende Hitze der Wüstensonne auf seinem Gesicht und eilte sich daher umso mehr, um sich in die schützenden Schatten der Palmen zu retten, die er in der Ferne entdeckt hatte. Hoffentlich jagte er nicht schon wieder einer Fata Morgana hinterher. Bereits seit Tagen wanderte er durch die Sahara. Einsam, allein, mit zur Neige gehenden Vorräten, nur in trauriger Gesellschaft von wachsender Verzweiflung und aufkeimender Panik. Mittlerweile wankte er mehr, als dass er aufrecht voran schritt. Wie lange würde er das wohl noch aushalten können?           
            Seinen kahlen Schädel zierte ein Kopfstützenbezug, den er aus dem liegen gebliebenen Wagen mitgenommen hatte und als improvisierte Mütze trug. Serhat hoffte sich damit wenigstens ein bisschen vor der unbarmherzigen Sonnenstrahlung schützen zu können. Nur mit allergrößter Beherrschung konnte er sich davon abhalten das Ding wieder auszuziehen, denn es hatte sich ein ganzes Meer unter dem Bezug gebildet, das sich in mehreren kleinen Sturzbächen seinen Nacken herab auf den Rücken ergoss. Das anthrazitfarbene Hemd klebte ihm am ganzen Leib. Es war ihm ein Rätsel, wie er unablässig schwitzen konnte, wenn er doch kaum etwas getrunken hatte. Fast hatte er die Palmen erreicht. Endlich ausruhen und etwas Kühlung im Schatten.  
             Schlurfend trugen die tauben Beine seinen Körper voran, Meter für Meter. Ein Stein ragte aus dem Wüstenboden und er wäre beinahe hingefallen. So stolperte er und knallte mit dem Kopf gegen den Stamm eines Baumes. Nur mit Müh und Not schaffte er es nicht hinzufallen. So hielt er den Stamm mit beiden Armen umschlungen und atmete so schwer aus, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen. 'Es ist erstaunlich, was der menschliche Körper alles aushalten kann.', dachte er und schöpfte etwas Hoffnung, als er hinter der Palme ein kleines Wasserloch entdeckte.   

Nur 48 Stunden


 Kapitel 1 - Kubanisches Gold
          Kratzend entzündete sich das Streichholz in einer zischenden Sonne, die sogleich erstarb und so der Geburt einer einzelnen Flamme Platz schaffte. Als das Streichholz die Position wechselte, um sich an einen fast verbrauchten Docht anzuschmiegen, sponn die Flamme schwarze Fäden, die sich kräuselnd von der Spitze lösten und im Raum verloren. Dankbar erwärmte sich der Docht und übernahm den brennenden Setzling. Nun entflammt verbrauchte er das Wachs im Stoff und pumpte aus dem größer werdenden See an seinem Fuße neuen Brennstoff empor.       
            Das Holz setzte seine Reise zu vier weiteren Kerzen fort, bis die Elfe den übrig gebliebenen Stummel zu ihren Lippen führte, um die Flamme auszupusten. Behutsam legte sie die Reste in ein Schüsselchen zu anderen abgebrannten Hölzern.
            Geschickt arrangierte die Elfe die Kerzen in einem perfekten Halbkreis um die Bastmatte, die in der Mitte des Raumes lag. Am Kopfende, zwischen zwei Kerzen, stand eine mit Sand gefüllte Schale. Räucherstäbchen steckten darin und verbreiteten einen würzigen Duft im abgedunkelten Raum. Die Elfin sog die Luft so tief ein, wie sie konnte und atmete ganz langsam aus. Lediglich in einen Kimono gekleidet, betrachtete sie zufrieden ihr Werk, trat an die Bastmatte und kniete sich so darauf nieder, dass ihr Gewand keine Falten warf.            
            Doch bevor sie beginnen konnte, nahm sie ein altertümlich wirkendes Teekesselchen von einem Stövchen aus weißer Keramik, auf dem allerlei Figuren und Tiere mit blauen Strichen abgebildet waren. Aus dem Kännchen goss die Elfe einen grünlichen Tee, den sie in einem tiefen Schälchen auffing. Sie nahm einen Schluck der dampfenden Flüssigkeit zu sich und fühlte, wie sie sich ihren Weg durch den Hals in den Magen bahnte.       
            Nun war sie soweit. Die Hände auf ihre Oberschenkel gelegt, schloss sie ihre Augen und atmete tief ein und aus - ein und aus - ein ... und ... aus. Das rhythmische Auf und Ab ihres Brustkastens und der Duft des ätherischen Rauchs in der Luft, beruhigten sie so sehr, dass  sich Puls und Atmung verlangsamten. Schließlich gab sie sich der hypnotischen Wirkung ganz hin und ließ sich von ihrem Körper wegtreiben.

Einmal Schwarzwald und zurück



Kapitel 6 - Das alte Rein-Raus-Spiel
C-Level

          Routine. Das war es, was Paul Adams an seinem Job am meisten schätzte und was er in den letzten achtzehn Stunden so schrecklich vermisst hatte.      
          Seit mehr als drei Jahren leitete er die Sicherheitskräfte der geheimen Forschungseinrichtung mitten im Niemandsland des Schwarzwaldes und nie war es auch nur zu dem geringsten Zwischenfall gekommen. Nie wurden die Experimente der Magier gestört und es gab keine Beschwerden. Herrlich langweilig war es gewesen und darauf war Paul mächtig stolz. Doch seit letzter Nacht stand seine wohlsortierte und geordnete Welt Kopf.        
          Statt Stille erfüllte nun geschäftige Betriebsamkeit die Gänge der Anlage und über jedem Handgriff und jedem Gespräch lag eine ungewohnte Nervosität. Hektisch sicherten die Sesselfurzer unter den Augen der Wachmannschaften alle Daten, katalogisierten das Inventar und packten die wichtigsten Sachen vorsorglich ein. Kurz: man bereitete sich darauf vor die geheime Anlage zu evakuieren, denn sie war nicht länger geheim. Die Flucht der fünf Testpersonen war für seine Abteilung geradezu beschämend gewesen, zumal sie auch noch fünf Tote zu beklagen hatten. Beim Gedanken an die Schreiben, die er den Angehören zustellen würde müssen, wurde Paul wütend.
          Inständig hoffte er, dass das Aufräumkommando, das 'BlackTechs' Mutterkonzern 'AG Chemie' aus Ludwigshafen kurzfristig eingeflogen hatte, erfolgreich war und die Ausreißer finden konnte - auch wenn die Anwesenheit der Söldner ihn an sein Versagen erinnerte.        
          Es beunruhigte ihn, dass sie sich noch nicht zurückgemeldet hatten. Nur zu gerne würde er die Notevakuierung abblasen und die erlittene Blamage zumindest teilweise wieder auszubügeln.   
          Wenn er sich im Augenblick nur nicht so nutzlos fühlen würde.    
          Unschlüssig und nur oberflächlich ging er einige Berichte durch, um erfolglos das Treiben um ihn herum auszublenden, als die Glastür zur Sicherheitszentrale zur Seite glitt und Herbert mit zwei gepanzerten Söldnern  den Raum betrat. Sein Kollege hatte ebenfalls schon bessere Tage erlebt. Ständig fummelte er mit seinen Händen an der Krawatte und blickte ängstlich zu Boden.
Zwei weitere Söldner bezogen vor der Tür Posten. Ein Stein fiel Paul vom Herzen. Beinahe übermütig sprang er aus seinem Bürostuhl auf und grüßte militärisch.
Hoffentlich hatten sie gute Nachrichten

Einmal Schwarzwald und zurück


 Kapitel 5 - Grillen wie die Spartaner
          Wenn man in der Unterzahl und zudem noch waffenmäßig unterlegen ist, sollte man besser die Beine in die Hand nehmen, schön den Mittelfinger zeigen und das Weite suchen.     
          Blöd ist aber, wenn man sich nicht mehr verpissen kann. Nach unserer Flucht aus der 'Life Research Independent Ltd.'-Anlage wurde uns klar, dass uns diese Dreksäcke nicht in Ruhe lassen würden. Im Bewusstsein, dass zumindest Cones und meine Identität kein Geheimnis mehr waren und die Nummernschilder unserer Vehikel sie geradewegs ins stinkende Hamburg führen würden, mussten wir schnell handeln. Um ihren Schaden zu minimieren hatten sie uns sicherlich bereits ein Aufräumteam auf den Hals gehetzt.       
          Sie wähnten uns auf der Flucht - ein Umstand den wir uns zunutze machen konnten. Da Angriff bekanntlich die beste Verteidigung ist, heckten wir einen Plan aus, um die Konzernsöldner in eine Falle zu locken. 

          Tief im Wald auf einer Lichtung, inmitten eines gigantischen Funklochs, in dem Komlinks nur auf kurze Distanz funktionierten, befand sich eine Grillhütte. In erster Linie für Trolle konstruiert, war sie deutlich größer und geräumiger als gewohnt, aber am Ende auch nicht mehr als eine Feuerstelle mit einem lecken Dach darüber.
Der Ort war perfekt für einen Hinterhalt. Nun mussten die Gegner nur noch wissen, wo wir waren.     
          Sunetra hatte für den zu erwartenden gegnerischen Magier im Astralraum Brotkrümel ausgelegt, während wir anderen im Dorf keinen Hehl daraus gemacht hatten, wo wir hin wollten - sicher ist sicher. 
          Offiziell wollten wir wandern und etwas Wild jagen. Dazu hatten wir einem alten Ork einige Tierfallen und sein noch älteres Jagdgewehr mit Zielfernrohr abgeschwatzt. Und um die Runde der Wissenden noch zu erhöhen haben wir uns beim Trollmetzger im Dorf gleich noch einen Schwung Fleisch gekauft, damit wir auf alle Fälle was zum Grillen dabei hatten.   
          Wir hofften, dass der Gegner nach einem Interview der Dorfbewohner dachte, dass wir glaubten vor ihnen in Sicherheit zu sein und sie in uns nur einige unbedarfte Trottel sahen.

Einmal Schwarzwald und zurück


Kapitel 4 - F.U.B.A.R.
          Wenn einem das letzte Stündlein geschlagen hat, sieht man sein Leben in einer Art 'Best-of' vor seinen Augen vorbei ziehen. - Zumindest wird das immer wieder gerne behauptet.
          Bullshit, sag ich dazu!      
Das, was ich vor meinem Verstand vorübereiern sah, war mehr das schäbige 'Making-of' zu 'Wie zum Teufel bin ich jetzt wieder in diese Scheiße geraten?'.

          Seit wir in der Hütte angekommen waren, hatte man uns fortwährend den Arsch versohlt. Zuerst war es ein freier Geist, der unter unserer Behausung 'Poltergeist 1 bis 3' nachgespielt hatte. Dann hätte uns ein Höllenhund fast das Fell über die Ohren gezogen. Passenderweise lief es letztendlich umgekehrt.         
          Schließlich waren uns Spezialstreitkräfte auf der Spur, die uns in eine Bunkeranlage getrieben hatten, in der irgendwelche Magier mit Crittern experimentierten.

          Da wir in der Unterzahl waren, und dazu auch noch hoffnungslos unterbewaffnet, wollten wir verständlicherweise diskret das Weite suchen. Doch bevor wir in der Tiefgarage einen Transporter kurzschließen konnten, war das Fähnlein Fieselschweif aufgetaucht und nahm uns mit Unterstützung von Kampfdrohnen in die Mangel.
          Inzwischen musste in der gesamten Anlage der Alarm ausgelöst worden sein. Und mit jedem Gegner, der durch die Tür in die Garage kam, gingen uns mehr und mehr die Optionen aus.

Einmal Schwarzwald und zurück



Kapitel 3 - Im Stollen ist die Hölle los
 
T-1-Level


          Dumpf hallte der Schlag von den Wänden des Überwachungsraums wider. Der an dem Stuhl gefesselte und geknebelte Wachmann Max sank in sich zusammen, als er sich in Morpheus Arme begab.     
          "So, der sollte eine Zeit lang Ruhe geben."    
Frustriert trat Cone gegen die Leiche des zweiten Wachmannes, der, wie wir nun wussten, einst auf den Namen 'Marc' hörte. Der Verlust des Grip zwischen Kopf und Hals sollte zukünftige Anrufungen seines Namens obsolet machen. Wenigstens ließ mein Cousin den Kopf in Ruhe. Die Szene war so schon grotesk genug.    

           
"Das Verhör hat ja mal grad gar nix gebracht. Was sollen wir denn jetzt machen?"    
          "Nun, wir wissen jetzt immerhin, dass wir uns in einer Anlage von 'Life Research Independent Ltd.' befinden, die irgendwann in den Dreißigern entstanden sein muss. Wir wissen außerdem, dass man hier irgendwelche Forschungen mit Crittern betreibt und dass es eine Tiefgarage geben muss."
          "HA! Eine Tiefgarage, die noch weiter unter uns sein soll? Das macht doch keinen Sinn. Ganz unten sind normalerweise die wichtigsten und empfindlichsten Bereiche unterirdischer Anlagen. Die Garage müsste doch hier oben sein."
          Dem Argument konnte ich nicht widersprechen, aber es war unsere bislang beste, weil einzige Spur. "Vielleicht hätte ich ihn mit einer Geistsonde bearbeiten sollen."        
          "Ich glaube nicht, Lightning, dass wir dann mehr erfahren hätten. Hier wissen die Mitarbeiter scheinbar nur über ihren unmittelbaren Arbeitsbereich Bescheid."   

          Inzwischen hatte Sunetra ihr Katana von Marcs Blut befreit und schob es besorgt in das Saya, wie die Schwertscheide in Japan genannt wird, auf ihrem Rücken zurück.
          "Vergesst nicht den Wendigo, den er erwähnt hat!", gab sie zu bedenken.         

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 Kapitel 2 - The Hound of Blackwood Forest
          Bedrohlich dunkel, riesenhaft, geradezu angriffslustig huschten links und rechts der Landstraße die nächtlichen Fratzen des Waldes vorbei. Anhänglich waren sie - die Bilder, die wir in den Bäumen zu erkennen glaubten. Bilder, die dem Rover immerzu dicht auf den Fersen waren und unsere fluchtartige Abreise aus der Urlaubshütte des Grauens antrieben.
          Zudem war uns kalt. Doch war es nicht die Sorte Kälte, die man durch eine hochgefahrene Heizung vertreiben kann. Es war die Kälte, die Angst und Panik wie der erzwungene dritte Skatkumpel begleitete. Sie kriecht einem zuerst unter die Haut, dann den Nacken hoch, bis sie einen am Schlafittchen gepackt hat. Schließlich krallt sich dieser Parasit in den Knochen fest und lässt einen nicht mehr los.
Ich hatte seit unserer Abfahrt eine hartnäckige Gänsehaut, selbst jetzt noch, nachdem wir fast sechs Kilometer Abstand zwischen uns und die unheimliche Hütte gebracht hatten.
          Niemanden hatte das Ereignis unbeeindruckt gelassen. Auch unsere toughen Magierinnen konnten nicht die Anwesenheit des unsichtbaren fünften Fahrgasts leugnen. Besorgt blickten Lightning und Sunetra zu ihren Türfenstern nach draußen und hielten nach Dingen Ausschau, die man für gewöhnlich, selbst in der Erwachten Welt, nicht auf normalen Wege sehen kann.
Largo, unser zwergischer Rigger, versuchte die Kälte der Angst durch Wut zu vertreiben und redete sich selbst in Rage: "Verdammte Magie! Verdammte Drecksgeister - und verdammt seien die Zauberer mit ihren unseligen Experimenten!"
          Frustriert schlug er so hart auf die Mittelkonsole, dass ich befürchtete, er könnte den Airbag auslösen. Während Sunetra den Zwerg ignorierte, nahm Lightning die Aufforderung zum Wortgefecht nur zu gerne an und ließ ebenfalls Dampf ab: "Ey, Kurzer! Deine ach so verfluchten Zauberrinnen haben dir mit ihren arkanen Fertigkeiten schon ein paarmal den Arsch gerettet!"
"Ach, ich meine doch nicht euch... du weißt, dass ich... ach es ist nur all das Gerede  von Blutmagie, Menschenopfern und Geistern, die uns an den Kragen wollen..."    
          Er seufzte schwer und sank ein wenig in sich zusammen. Ich konnte seine Frustration verstehen. Wenn man sich nur mit physischen Mitteln gegen etwas wehren kann, das diese Ebene der Existenz hinter sich gelassen hatte, fühlt man sich ziemlich hilflos. Wir hatten in der Hütte Glück gehabt, dass niemand von uns ernsthaft zu Schaden gekommen war. Sunetra erholte sich rasch von dem Schlummer, in den ich sie schicken musste und mein Cousin Cone hatte kaum Erinnerung daran, dass ein blutgieriger Geist sich seines Verstandes bemächtigt hatte. Auf der anderen Seite muss es auch ein sehr einseitiger Kampf für den Geist gewesen sein.        
          Cone jedenfalls war nicht so einfach klein zu kriegen. Kaum fünf Minuten, nachdem wir den Geist vertrieben hatten, saß er schon wieder auf seiner Trollhammer und düste hinter uns die Straße den Berg hinab.     

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 Kapitel 1 - Wir sind dann mal weg...
          "Mach doch endlich mal diesen verdammten Krach aus!" Nur mit Mühe konnte ich Alyssas Schrei vom Rücksitz aus wahrnehmen. Viel zu laut beschallten die Lautsprecher des Rover die Fahrgastzelle. Abgesehen davon kam ich aus dem Lachen nicht mehr heraus. Klickend rastete der Lautstärkeregler des Autoradios ein und die Musik verstummte. "Mann, Largo, was ist DAS denn für ein derbes Geschredder?"
          "'Ripped Throat Raping Ghouls'. Die Knüppeln live noch derber aufs Trommelfell ein."  
          Immer noch in mich hinein giggelnd wischte ich mir mit dem Handrücken Tränen aus den Augen und versuchte dabei die Straße im Blick zu behalten.   
          "Cyberporn-Grind, ja?!" Beim Aussprechen des Genrenamens musste ich wieder lachen. Ebenfalls amüsiert entfernte Largo seinen Musikdatenstick aus dem Radio.
"Bin über eine Musikempfehlung von Sunetra drüber gestolpert."
          "Echt? Du hörst auch so einen Scheiß?"
Der einzige Mensch in unserer Gruppe wandte sich der Elfin entsetzt zu. Unbeeindruckt gab diese eine eindrucksvolle Kostprobe des Gesangs solcher Bands wieder - sofern man das Gegrunze und Gejaule so bezeichnen möchte.
          "Ach - du - scheiße! OK, ich glaub dir ja, dass du den Mist wirklich hörst."         
          "Es kann ja nicht jeder Enya hören, wie du."  
Abwehrend warf die Zauberin die Hände in die Luft: "Nur weil ich EIN Album von ihr hab..." Allerdings musste auch sie nun lachen.   
          Ja, wir hatten zur Abwechslung richtig gute Stimmung, denn wir machten Urlaub. Da wir auf unserem letzten Run ziemlich übel zugerichtet worden waren, würden uns ein paar Tage Ruhe sicherlich gut tun. Nachdem wir Aan und ihren Mann Juan am Hafen abgeliefert hatten, war unser Auftrag beendet, denn das Paar galt nun offiziell als vermisst, die Geschäftspartner ihres Vaters waren tot und von uns war nur noch die Hälfte einsatzbereit. Netterweise bezahlte uns Onkel Herb für die gesamte Woche und etwa vierzehn Tage später bekamen wir über Tyler einen Umschlag zugeschickt. Darin war eine Postkarte von Aan und ein Lotterielos. Normalerweise gewinne ich nicht mal abgelaufene Affenscheiße. Darum war ich sehr überrascht, als mich letzten Freitag eine E-Mail darüber informierte, dass wir eine Reise in den Schwarzwald gewonnen hatten.