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Mittwoch, 3. Juli 2013

Im Sog des Mahlstroms


Kapitel 7 - Operation Schnittmuster

            Ein sanftes Lüftchen spielte mit meinen schwarzen Haaren, als sich die Dead Man's Hand des Nächtens durch den innerstädtischen Teil der Elbe schob, die 2011 große Teile Hamburgs überflutet und in der Folge nur widerwillig und dann auch nur einen Teil ihrer Trophäe wieder hergegeben hatte. Bis auf wenige Wolken war es eine sternenklare Nacht, was eine willkommene Abwechslung zum Regen der vergangenen Tage war - selbst wenn es bedeutete, dass wir damit zum feuchtschwülen Juni zurückkehren mussten. Für den Moment allerdings waren die Wetterbedingungen optimal für die Mission, die uns bevorstand.
            "Irgendwann müssen wir uns mal den Laden von innen anschauen.", sagte Cone, der Big Willi grinsend angaffte - das Alcatraz Hamburgs, wenn man so will. Bevor jemand anderes etwas sagen konnte, bekam er von Alyssa, die etwas fröstelte, den passenden Kommentar: "So wie ich dich kenne, wirst du über kurz oder lang auf natürlichem Weg da drin landen. Aber wenn es soweit ist, sei bitte nicht sauer, wenn ich auf Abstand zu dir gehe."
            "Ach du! Das mein ich doch nicht."     
"Wenn du so begierig darauf aus bist dich zu prügeln, wirst du nachher noch genug Gelegenheit bekommen.", sagte ich mit einem tadelnden Seitenblick auf meinen Cousin. So sehr ich seinen Enthusiasmus schätzte, er neigte manchmal zu unüberlegten Aktionen und dann war es an uns ihn wieder etwas zu bremsen. Wir ließen die Gefängnisinsel hinter uns und passierten die ersten schwimmenden Bars und Clubs des dem Hafen vorgelagerten Vergnügungsviertels. In unserem Rücken beleuchteten die grellen Lichter der Sardinenstadt die Nacht, sodass sie die Sterne in einem großen Umkreis überstrahlten.  
            "Hat Largo eigentlich etwas nützliches über unser Ziel herausfinden können?", wollte Cone wissen, während wir, auf die Reling gestützt, den feiernden Leuten auf den Pontons zusahen. "Den markierten Ausweis von Frau Halvers konnte er in einem Haus im Südosten Harburgs aufspüren. Laut Stadtarchiv handelt es sich um ein leerstehendes Mietshaus. Allerdings ist die Gegend unter Kontrolle der Faschisten. Die HanSec hat den Bereich aufgegeben und sich schon vor vielen Jahren zurückgezogen. Seitdem ist das rechtsfreier Raum, in dem sich dieses Dreckspack seine eigenen Gesetze macht."    
            "Umso besser." Cone klopfte mir freudig auf die Schulter. "Das bedeutet, dass sich niemand für den Stapel Leichen interessieren wird, den wir dort heute Nacht zurücklassen werden."

Sonntag, 10. März 2013

Das Gesetz der Straße


 Kapitel 1 - Altona Allerlei

            Serhat spürte die sengende Hitze der Wüstensonne auf seinem Gesicht und eilte sich daher umso mehr, um sich in die schützenden Schatten der Palmen zu retten, die er in der Ferne entdeckt hatte. Hoffentlich jagte er nicht schon wieder einer Fata Morgana hinterher. Bereits seit Tagen wanderte er durch die Sahara. Einsam, allein, mit zur Neige gehenden Vorräten, nur in trauriger Gesellschaft von wachsender Verzweiflung und aufkeimender Panik. Mittlerweile wankte er mehr, als dass er aufrecht voran schritt. Wie lange würde er das wohl noch aushalten können?           
            Seinen kahlen Schädel zierte ein Kopfstützenbezug, den er aus dem liegen gebliebenen Wagen mitgenommen hatte und als improvisierte Mütze trug. Serhat hoffte sich damit wenigstens ein bisschen vor der unbarmherzigen Sonnenstrahlung schützen zu können. Nur mit allergrößter Beherrschung konnte er sich davon abhalten das Ding wieder auszuziehen, denn es hatte sich ein ganzes Meer unter dem Bezug gebildet, das sich in mehreren kleinen Sturzbächen seinen Nacken herab auf den Rücken ergoss. Das anthrazitfarbene Hemd klebte ihm am ganzen Leib. Es war ihm ein Rätsel, wie er unablässig schwitzen konnte, wenn er doch kaum etwas getrunken hatte. Fast hatte er die Palmen erreicht. Endlich ausruhen und etwas Kühlung im Schatten.  
             Schlurfend trugen die tauben Beine seinen Körper voran, Meter für Meter. Ein Stein ragte aus dem Wüstenboden und er wäre beinahe hingefallen. So stolperte er und knallte mit dem Kopf gegen den Stamm eines Baumes. Nur mit Müh und Not schaffte er es nicht hinzufallen. So hielt er den Stamm mit beiden Armen umschlungen und atmete so schwer aus, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen. 'Es ist erstaunlich, was der menschliche Körper alles aushalten kann.', dachte er und schöpfte etwas Hoffnung, als er hinter der Palme ein kleines Wasserloch entdeckte.   

Viel Feind - viel Ehr!


            Sanft schaukelte die Dead Man's Hand auf der Ostsee hin und her, als sich eine Drohne mit der Silhouette einer Hummel aus der mit Rauputz verkleideten Wand löste. An zwei hakenartigen Gebilden unter ihrem Bauch war eine metallene Düse befestigt, die das Ende eines Schlauchs bildete. Sie schwebte zu dem Nordwerft Wind Schnellboot herüber und verharrte vor einer schmalen Öffnung. Dort angekommen veränderte sie die Ausrichtung der Düse um etwa vierzig Grad nach unten und führte sie in den Tankstutzen ein. Abschließend schoben zwei kleine Greifärmchen einen Verschluss nach vorne, der rasend schnell auf das an der Bordwand befestigte Gewinde geschraubt wurde. Nun versiegelt, begann der Roboter umgehend Treibstoff mit hohem Druck in den Tank des Schiffs zu pressen. Aus müden Augen blickend, standen wir etwas abseits am Pier der Bootstankstelle und sahen dem Schauspiel der Drohne zu. Die Ereignisse der letzten Tage hatten uns mehr mitgenommen, als uns lieb war.
            Nicht nur Piraten wollten uns ans Leder, nein auch die Vollversammlung der Wassergeister erwartete uns als schwimmenden Snack zur Halbzeitpause. Nur mit viel Glück waren wir ohne eine Schramme da durch gekommen. Und als wir endlich des nachts in Kopenhagen angekommen waren, tauchte dieser Japaner - Yashida Himoto - auf, der steif und fest behauptete der Verlobte unserer elfischen Spruchschleuder zu sein. Doch diese Enthüllung war nicht Schock genug. Nein! Ihm auf den Fersen waren auch noch irgendwelche Fremden, die uns mit einem Containerkran am Hafen den Garaus machen wollten.

Mittwoch, 6. März 2013

Hanse Wasabi

Kapitel 1 - Rekrutierungen

        Der Volksmund sagt, dass Erinnerung schmerzhaft sein können. Das gleiche gilt aber auch dafür sich NICHT zu erinnern. Nein, ich meine nicht diese kleinen Erinnerungslücken, die einen nach einer durchzechten Nacht plagen können. Ich rede von einer ausgewachsenen Amnesie. Keinerlei Erinnerung mehr an den eigenen Namen, wo man her kommt, wer oder was man ist.
         Ein Zustand, in dem man mit aller Kraft zumindest ein paar kleine Bröckchen der Erinnerung an die Oberfläche der geistigen Suppe in seinem Schädel zu spülen versucht. Eine Anstrengung, die schon fast körperliche Schmerzen verursacht.
         Die Elfin jedenfalls verspürte die Auswirkungen eines solchen Versuches am eigenen Leib, als sie sich von ihrer Liegestatt aufbäumte, dann zusammenkrümmte als hätte man ihr einen Schwinger in die Magengrube verpasst, um anschließend dem Dekor der wanzenverseuchten kleinen Kabine eine persönliche Note hinzuzufügen. Matt wischte sie sich mit dem Handrücken den Mund trocken und ließ sich an der gegenüberliegenden Wand langsam zu Boden sinken. Sie fragte sich, wie man mit leerem Magen überhaupt noch kotzen kann.
         Der Flashback kam mit einer solchen Gewalt über sie, dass sie sich kaum auf das Gesehene konzentrieren konnte. Als die Elfin sicher war, dass sich ihr Bauch wieder beruhigt hatte, schloss sie ihre Augen, um noch einmal die Bilder Revue passieren zu lassen. Was hatte sie vorhin gesehen? Eine Lagerhalle, gigantisch hoch. Sie rannte. Allerdings konnte sie nicht sagen, ob sie jemanden verfolgte oder selber verfolgt wurde. Die Szenerie wechselte. Sie befand sich nun unter freiem Himmel. Über ihr schwebten irgendwelche chromblitzende Fluggeräte. Dann plötzlich zuckten blaue und grüne Blitze zwischen ihnen umher. Wurde da gezaubert?
         Auf einmal war sie von schemenhaften, schwarzen Gestalten umringt. Einer hob einen Arm und sie sah noch einen grell leuchtenden Strahl daraus hervor zucken. Durch die Dunkelheit, die sie umfing hörte sie nur noch eine heisere Stimme "Xerxes" flüstern.
         Ab da endete es. Die Übelkeit kam plötzlich wieder zurück. Doch bevor ihr Magen erneut revoltieren konnte, öffnete die Elfin die Augen und befand sich erneut in der tristen Wirklichkeit ihrer Schiffskabine.