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Donnerstag, 3. September 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 9 - Our Little Shop Of Horrors

                Dick und zäh drückten sich ölig riechende Rauchschwaden durch die zerschlissenen Papierwände der Schiebetüren und wanderten träge zum zerstörten Garten, wo sie sich auflösten. Sanadas Automatikgewehrfeuer und magische Geschosse aus dem Inneren des Tempels hatten die Türen mehrfach perforiert. Entschlossen schob der Japaner ein weiteres Magazin in seine Waffe und lud durch, während wir anderen die Munition, die wir entbehren konnten, an ihn abgaben. Er würde sie dringender brauchen als wir, wenn er unsere zahlreichen Feinde in Schach halten wollte. Das würde uns die Gelegenheit geben, ihrem Boss auf die Pelle zu rücken.  
            „Und du bist dir ganz sicher?“, fragte ich über den Lärm hinweg.
      
            „Ganz sicher. Ocyon ist in diesem Teil des Tempels.“           
Sunetra zeigte auf die massiven Holzwände des Gebäudes, die nur hier und da von Oberlichtern durchbrochen wurden, und an schönen Tagen die Sonnenstrahlen im Morgengrauen herein ließen.
              
            Sanada lehnte sich wieder aus seiner Deckung und bestrich den Raum dahinter mit einer Salve. Das wütend klingende Geschrei wurde noch ein wenig giftiger, aber es traute sich niemand zu uns herauszukommen. Soweit wir wussten, hatten sich dort lediglich Besessene verschanzt, was uns einen Vorteil verschaffte, denn sie bissen sich am Null-Magier die Zähne aus. Sie konnten so viele Manablitze, Energiegeschosse und was wusste ich noch alles auf ihn abfeuern, ohne dass er davon auch nur ein fitzekleines bisschen zu spüren bekam. Seine Aura absorbierte alles, was sie aufzubieten hatten. Es hätte ihn mehr gestört, wenn sie Kieselsteinchen geworfen hätten. Wahrscheinlich ahnten die Kerle nicht einmal, womit sie es zu tun hatten. Hatte sich Ocyon deshalb an die Front gewagt? Spürte er, dass etwas in der Nähe war, an dem selbst er sich die Zähne ausbeißen könnte? Ich beneidete den Japaner eine wenig um seine Fähigkeiten.
       

Freitag, 17. Juli 2015

Schatten über Jigoku

Kapitel 4 - Die Einöde des Hais

            Wasser so weit das Auge reichte.      
Bis zum Horizont und darüber hinaus war kein weiteres Land zu sehen. Dafür schimmerte das Meer, als enthielte es eine phosphoreszierende Substanz. Am nächtlichen Himmel funkelten die Sterne, doch sie schienen wahllos dort angebracht worden zu sein. Zu keinem bekannten Sternenbild wollten die Konstellationen passen. Dafür verschwanden einige von ihnen, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Sie glichen mehr weit entfernten alles beobachtenden kosmischen Augen, die sich öffneten und wieder schlossen.        

            Alyssa staunte mit offenem Mund über die atemberaubende Szenerie. Sie wusste, dass es nicht real war, doch als wolle sie diese Illusion eines Besseren belehren, kitzelte sie der Sand zwischen den Zehen. Die Magierin sah an sich herunter und grub die nackten Füße fester in den feinen, weißen Steinstaub. Es war fantastisch und beunruhigend zugleich. ‚Ob sich B.T.L.-Junkies so fühlen, wenn sie sich in die Erinnerungen eines anderen Menschen einklinken?‘   
            Der Strand an dem sie standen, umfasste nur einige Dutzend Quadratmeter. Nicht ein einzelner Grashalm wuchs auf der Insel. Lediglich ein hölzerner Steg führte von dem Eiland fort. Er war vom jahrzehntelangen Einfluss der Umwelt verwittert und weckte wenig Vertrauen in seine Stabilität. Nichts befand sich hier. Nichts außer Alyssa und ihrer Freundin.
            „Wie lange wird es dauern, bis er sich zeigt?“, fragte sie und erntete ein verschmitztes Lächeln, das ihre Augen leuchten ließ. Sunetra wartete kniend auf Susanoos Ankunft. Sie hatte die Menschenfrau von dem Moment an, seit sie hier gelandet waren, genau beobachtet. War sie sich bei ihrem ersten Besuch in seinem Refugium ebenso fremd und deplatziert vorgekommen? Wahrscheinlich, aber die Erinnerungen verschwanden in einem Nebel. Alles wirkte so fern. Dabei war sie erst in diesem Jahr die Verbindung zu dem Mentorgeist eingegangen.         
            „Bald, hab ein wenig Geduld!“
Alyssa seufzte und trat gerade so weit vor, dass die Wellen, die die Insel sanft umspülten, sie nicht erreichen konnten. Es war ihr bewusst, dass sie deswegen nicht mehr sehen konnte, als drei Meter zuvor, aber sie hatte Hummeln im Hintern. Geduld gehörte nun einmal nicht zu ihren Stärken, ganz besonders dann nicht, wenn etwas so aufregendes geschah.        

Donnerstag, 18. Juli 2013

Back in Black




          Dunkelgraue bis schwarze Wolken, die den Himmel verstecken. Ein Nieselschauer, der die Kleidung über die Dauer der Zeremonie durchweicht und im Duett mit einem unerbittlich pfeifenden, eisigen Wind die Kälte bis in die Knochen treibt. So sehen Hollywoods Konventionen für eine anständige Trauerfeier aus. Doch weder waren wir in Amerikas Traumfabrik, noch wollten wir einen billigen Trivid-Film drehen. Dies war die Wirklichkeit - und die war auch an einem sonnigen Juli Tag schon kaum zu ertragen. Wer also der Meinung ist, dass gefälligst beschissenes Wetter zu herrschen habe, wenn man einem Freund das letzte Geleit gibt, der ignoriert einfach die Tatsache, dass ein laues Lüftchen die Blätter der Bäume rascheln ließ, Vöglein lustig zwitscherten und nicht eine einzige Wolke den blauen Himmel bedeckte.       
            Knapp zwei Wochen waren seit dem schicksalhaften Abend vergangen, an dem ein Neonazi meinem Cousin Cone aus nächster Nähe ein halbes Magazin in den Rücken entleert hatte. Das elende Dreckschwein war zwar von Sunetra in seine molekularen Einzelheiten zerlegt worden, aber das brachte unseren Freund leider nicht wieder zurück. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als dem groben Klotz einen würdigen Abschied zu bereiten.    

Sonntag, 10. März 2013

Viel Feind - viel Ehr!


            Sanft schaukelte die Dead Man's Hand auf der Ostsee hin und her, als sich eine Drohne mit der Silhouette einer Hummel aus der mit Rauputz verkleideten Wand löste. An zwei hakenartigen Gebilden unter ihrem Bauch war eine metallene Düse befestigt, die das Ende eines Schlauchs bildete. Sie schwebte zu dem Nordwerft Wind Schnellboot herüber und verharrte vor einer schmalen Öffnung. Dort angekommen veränderte sie die Ausrichtung der Düse um etwa vierzig Grad nach unten und führte sie in den Tankstutzen ein. Abschließend schoben zwei kleine Greifärmchen einen Verschluss nach vorne, der rasend schnell auf das an der Bordwand befestigte Gewinde geschraubt wurde. Nun versiegelt, begann der Roboter umgehend Treibstoff mit hohem Druck in den Tank des Schiffs zu pressen. Aus müden Augen blickend, standen wir etwas abseits am Pier der Bootstankstelle und sahen dem Schauspiel der Drohne zu. Die Ereignisse der letzten Tage hatten uns mehr mitgenommen, als uns lieb war.
            Nicht nur Piraten wollten uns ans Leder, nein auch die Vollversammlung der Wassergeister erwartete uns als schwimmenden Snack zur Halbzeitpause. Nur mit viel Glück waren wir ohne eine Schramme da durch gekommen. Und als wir endlich des nachts in Kopenhagen angekommen waren, tauchte dieser Japaner - Yashida Himoto - auf, der steif und fest behauptete der Verlobte unserer elfischen Spruchschleuder zu sein. Doch diese Enthüllung war nicht Schock genug. Nein! Ihm auf den Fersen waren auch noch irgendwelche Fremden, die uns mit einem Containerkran am Hafen den Garaus machen wollten.

Nur 48 Stunden



Kapitel 2 - An der Nordseeküste...
 
            "Was?!"
Beunruhigt wirbelte ich herum und stürmte aus der Kabine zum Heck des Schiffs.  Mein Haar wogte im Wind wie Seetang unter Wasser hin und her als ich in die Ferne blickte. Tatsächlich näherten sich uns drei Schnellboote mit hoher Geschwindigkeit von Achtern.
            Obwohl es tiefste Nacht war, konnte ich sehen, wie weiße Gischt hinter ihnen von den Motoren in den Himmel geschleudert wurde. Sie waren so schnell, dass sich ihre Buge Speerspitzen gleich gen Himmel gerichtet hatten.       
            Der zweite Ork an Bord trat an meine Seite. "Kannst du etwas erkennen?"     
            "Nein. Weder Waffen, Besatzungen... noch nicht mal so etwas wie Hoheitszeichen oder Konzernzugehörigkeiten. Aber so zielstrebig, wie die näher kommen, sind die nicht auf einen Plausch über einem Bierchen aus."     
            "Ja", knurrte Cone, "das da bedeutet garantiert Ärger. Ich frage mich, wie der Zwerg ihr Kommen bemerken konnte."   
            Bevor ich etwas erwidern konnte, öffnete Largo einen Kanal im Komlink: "Entweder leidest du an Demenz oder du hast noch nicht mitbekommen, dass ich der Dead Man's Hand eine Riggeradaption verpasst habe. Sobald ich eingeloggt bin, werde ich eins mit dem Fahrzeug. Alles, was das Radar und die Sensoren aufzeichnen, wird direkt an mich weiter geleitet. Diese Flitzpiepen haben am Hafen auf uns gewartet. Ich hab sie schon seit unserer Abfahrt auf dem Schirm."          
            "Warum hast du nicht vorher was gesagt? Eine kleine Warnung wäre fantastisch gewesen."       
            "Bis jetzt hatten sie genug Abstand gehalten und es gab keinen Grund Panik zu schieben. Es hätte genauso gut Zufall sein können."
             Der ehemalige Ganger zog die Augenbrauen zusammen und sah grimmig zu unseren Verfolgern rüber. "Naja, Zufall können wir ja dann von der Liste streichen."   
            Stumm pflichtet ich meinem Cousin bei. Wir befanden uns noch innerhalb der Grenzen des Hamburger Elbteils, aber seit der schwarzen Flut von 2011 war dieses Gebiet so weitläufig, dass man schon fast von einem kleinen Binnenmeer sprechen konnte. Ein Schusswechsel so weit entfernt vom Ufer fiel also bei entsprechender Witterung nicht einmal besonders auf. Und ich fand, dass uns das in dieser Nacht zum Vorteil gereichte.      

Nur 48 Stunden


 Kapitel 1 - Kubanisches Gold
          Kratzend entzündete sich das Streichholz in einer zischenden Sonne, die sogleich erstarb und so der Geburt einer einzelnen Flamme Platz schaffte. Als das Streichholz die Position wechselte, um sich an einen fast verbrauchten Docht anzuschmiegen, sponn die Flamme schwarze Fäden, die sich kräuselnd von der Spitze lösten und im Raum verloren. Dankbar erwärmte sich der Docht und übernahm den brennenden Setzling. Nun entflammt verbrauchte er das Wachs im Stoff und pumpte aus dem größer werdenden See an seinem Fuße neuen Brennstoff empor.       
            Das Holz setzte seine Reise zu vier weiteren Kerzen fort, bis die Elfe den übrig gebliebenen Stummel zu ihren Lippen führte, um die Flamme auszupusten. Behutsam legte sie die Reste in ein Schüsselchen zu anderen abgebrannten Hölzern.
            Geschickt arrangierte die Elfe die Kerzen in einem perfekten Halbkreis um die Bastmatte, die in der Mitte des Raumes lag. Am Kopfende, zwischen zwei Kerzen, stand eine mit Sand gefüllte Schale. Räucherstäbchen steckten darin und verbreiteten einen würzigen Duft im abgedunkelten Raum. Die Elfin sog die Luft so tief ein, wie sie konnte und atmete ganz langsam aus. Lediglich in einen Kimono gekleidet, betrachtete sie zufrieden ihr Werk, trat an die Bastmatte und kniete sich so darauf nieder, dass ihr Gewand keine Falten warf.            
            Doch bevor sie beginnen konnte, nahm sie ein altertümlich wirkendes Teekesselchen von einem Stövchen aus weißer Keramik, auf dem allerlei Figuren und Tiere mit blauen Strichen abgebildet waren. Aus dem Kännchen goss die Elfe einen grünlichen Tee, den sie in einem tiefen Schälchen auffing. Sie nahm einen Schluck der dampfenden Flüssigkeit zu sich und fühlte, wie sie sich ihren Weg durch den Hals in den Magen bahnte.       
            Nun war sie soweit. Die Hände auf ihre Oberschenkel gelegt, schloss sie ihre Augen und atmete tief ein und aus - ein und aus - ein ... und ... aus. Das rhythmische Auf und Ab ihres Brustkastens und der Duft des ätherischen Rauchs in der Luft, beruhigten sie so sehr, dass  sich Puls und Atmung verlangsamten. Schließlich gab sie sich der hypnotischen Wirkung ganz hin und ließ sich von ihrem Körper wegtreiben.

Einmal Schwarzwald und zurück


 Kapitel 5 - Grillen wie die Spartaner
          Wenn man in der Unterzahl und zudem noch waffenmäßig unterlegen ist, sollte man besser die Beine in die Hand nehmen, schön den Mittelfinger zeigen und das Weite suchen.     
          Blöd ist aber, wenn man sich nicht mehr verpissen kann. Nach unserer Flucht aus der 'Life Research Independent Ltd.'-Anlage wurde uns klar, dass uns diese Dreksäcke nicht in Ruhe lassen würden. Im Bewusstsein, dass zumindest Cones und meine Identität kein Geheimnis mehr waren und die Nummernschilder unserer Vehikel sie geradewegs ins stinkende Hamburg führen würden, mussten wir schnell handeln. Um ihren Schaden zu minimieren hatten sie uns sicherlich bereits ein Aufräumteam auf den Hals gehetzt.       
          Sie wähnten uns auf der Flucht - ein Umstand den wir uns zunutze machen konnten. Da Angriff bekanntlich die beste Verteidigung ist, heckten wir einen Plan aus, um die Konzernsöldner in eine Falle zu locken. 

          Tief im Wald auf einer Lichtung, inmitten eines gigantischen Funklochs, in dem Komlinks nur auf kurze Distanz funktionierten, befand sich eine Grillhütte. In erster Linie für Trolle konstruiert, war sie deutlich größer und geräumiger als gewohnt, aber am Ende auch nicht mehr als eine Feuerstelle mit einem lecken Dach darüber.
Der Ort war perfekt für einen Hinterhalt. Nun mussten die Gegner nur noch wissen, wo wir waren.     
          Sunetra hatte für den zu erwartenden gegnerischen Magier im Astralraum Brotkrümel ausgelegt, während wir anderen im Dorf keinen Hehl daraus gemacht hatten, wo wir hin wollten - sicher ist sicher. 
          Offiziell wollten wir wandern und etwas Wild jagen. Dazu hatten wir einem alten Ork einige Tierfallen und sein noch älteres Jagdgewehr mit Zielfernrohr abgeschwatzt. Und um die Runde der Wissenden noch zu erhöhen haben wir uns beim Trollmetzger im Dorf gleich noch einen Schwung Fleisch gekauft, damit wir auf alle Fälle was zum Grillen dabei hatten.   
          Wir hofften, dass der Gegner nach einem Interview der Dorfbewohner dachte, dass wir glaubten vor ihnen in Sicherheit zu sein und sie in uns nur einige unbedarfte Trottel sahen.

Einmal Schwarzwald und zurück


Kapitel 4 - F.U.B.A.R.
          Wenn einem das letzte Stündlein geschlagen hat, sieht man sein Leben in einer Art 'Best-of' vor seinen Augen vorbei ziehen. - Zumindest wird das immer wieder gerne behauptet.
          Bullshit, sag ich dazu!      
Das, was ich vor meinem Verstand vorübereiern sah, war mehr das schäbige 'Making-of' zu 'Wie zum Teufel bin ich jetzt wieder in diese Scheiße geraten?'.

          Seit wir in der Hütte angekommen waren, hatte man uns fortwährend den Arsch versohlt. Zuerst war es ein freier Geist, der unter unserer Behausung 'Poltergeist 1 bis 3' nachgespielt hatte. Dann hätte uns ein Höllenhund fast das Fell über die Ohren gezogen. Passenderweise lief es letztendlich umgekehrt.         
          Schließlich waren uns Spezialstreitkräfte auf der Spur, die uns in eine Bunkeranlage getrieben hatten, in der irgendwelche Magier mit Crittern experimentierten.

          Da wir in der Unterzahl waren, und dazu auch noch hoffnungslos unterbewaffnet, wollten wir verständlicherweise diskret das Weite suchen. Doch bevor wir in der Tiefgarage einen Transporter kurzschließen konnten, war das Fähnlein Fieselschweif aufgetaucht und nahm uns mit Unterstützung von Kampfdrohnen in die Mangel.
          Inzwischen musste in der gesamten Anlage der Alarm ausgelöst worden sein. Und mit jedem Gegner, der durch die Tür in die Garage kam, gingen uns mehr und mehr die Optionen aus.

Samstag, 9. März 2013

Ángel de la Muerte

Tag 1 - Zerbrechliche Lieferung


"Ich könnte längst mit dem Umlackieren unseres Schnellbootes fertig sein!" Largo sah sichtlich unzufrieden drein, als er an seinem neuen Anzug herum zupfte und sich immer wieder die Hose von der Kimme weg zog.       
          "Hast du eigentlich Mäuse unter deinen Klamotten rumlaufen?", stichelte Lightning schelmisch. Der Zwerg sah missmutig zu ihr rüber: " Dieser Zwirn treibt mich noch in den Wahnsinn."     
          "Willst du mir etwa weiß machen, dass ein bisschen Stoff schafft, was selbst Lightning noch nicht hinbekommen hat?"
          "Heeeeeeey!" Wieder einmal boxte mich die Zauberin in die Seite. "Das war nicht nett."  
          Largo zuckte mit den Achseln: "Ach, ich will nur schnellstmöglich wieder in meine Freizeitkluft und raus aus diesem steifen Brett."       
           
"Stell dich nicht so an. Dein Anzug sitzt wie angegossen. Außerdem gehört er zu unserem neuen Auftrag."
          Daraufhin kniff er ein Auge zu und fixierte Lightning mit dem anderen: "Stimmt ja, das haben wir ja DIR zu verdanken!"

          Tatsächlich hatte die Zauberin Tags zuvor einen Auftrag für unsere kleine Runneragentur an Land gezogen, und einen recht lukrativen noch dazu, wie ich betonen möchte.

          Der Unternehmer Beust gedachte seinen Geburtstag richtig groß zu feiern. Um sicher zu stellen, dass alle Gäste ohne Zwischenfälle die exklusive Feier genießen konnten, verlangte es Herrn Beust nach Bodyguards. Der mit Alyssa bekannte Barkeeper Barry hatte uns den Kontakt zur Bodyguardagentur vermittelt, die von Herrn Beust beauftragt worden war: ein Mensch auf dessen Glatze zwei metallisch schimmernde Streifen zu sehen waren und sich selber nur "Onkel Herb" nannte.      
          Wenn ihr mich fragt, klingt das nach einem 1A Decknamen für einen Kinderpornohändler. Nun, der offensichtlich vercyberte Herb hatte mit solchen Geschäften allerdings nichts am Hut. Er war von uns so angetan, dass wir sogleich für eine ganze Woche engagiert wurden.  Nach der Feier standen nämlich noch Geschäftsverhandlungen mit Partnern aus Südamerika auf dem Plan. Pro Mann und Nase winkten 1.500 Euro am Tag. Als Onkel Herb uns mitteilte, dass wir lediglich Beusts jüngste Tochter Aan zu beschützen hätten, dachte ich mir: "Für DIE Kohle pass ich sogar auf das Häufchen seines Köters auf."    

Freitag, 8. März 2013

Hanse Wasabi

Kapitel 3 - Pommes Tot-Weiß

        Es gibt gute Gründe, warum ich keine Kinder habe. Zum einen habe ich noch nicht die Frau gefunden, mit der ich mein Leben verbringen will. Zum anderen ist das Leben als Runner sehr gefährlich und wenig beständig - schließlich gehören Kugeln, die einem um die Ohren pfeifen durchaus zum Alltag. Wer weiß schon wann man dem final beschleunigten Metalltropfen begegnet?  
         So ein Leben will man nicht unbedingt einer Partnerin antun. Der beste Grund aber keine Kinder zu haben ist für mich immer noch: Sie rauben mir den letzten Nerv!        
         Wir waren gerade mal fünf Minuten von der Halle weg und hatten Kryscha über Komlink über die Rettung der vierzehnjährigen Tochter ihres Champions informiert, da begann Bianca zu quengeln. Unglaublich wie schnell sich diese Göre an ihren Magen erinnern konnte. Noch kurz zuvor ist sie fast abgemurkst worden und schon verlangt sie nach einem Burger. - Und das laut, ausdauernd und in einer nerv tötenden Tonlage.          Notiz an mich selber: kleine Mädchen sind wie Lightning auf Speed!        
         Um des Friedens willen verließ ich die Autobahn bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit und lenkte den Rover zu einem der Stuffer Shack Filialen. Es gibt noch nicht allzu viele Filialen in den ADL - meiner Meinung nach aber sind es schon zu viele - also sollte ich über diese nordamerikanische Junkfood Kette ein paar Worte verlieren.
         Die Chefs von Stuffer Shack dachten sich bei der Gründung wohl, dass ein Supermarkt alleine viel zu langweilig ist. Also kombinierten sie das Geschäftsprinzip eines Lebensmitteldiscounters mit einem Elektronikmarkt und Burgerladen Schrägstrich Café. Jetzt sollte man meinen, dass sich die Leute irgendwann endlich mal auf einen gewissen Qualitätsmindeststandard für Nahrung einigen konnten. Der Dreck, den man in einem Stuffer Shack kaufen kann, ist so mies, dass selbst Hunde einen Bogen darum machen. Unser kleiner Gourmet allerdings fuhr total auf den Fraß ab.    

Montag, 4. März 2013

Schattengeburt

        Eigentlich wollte ich nach einem beschissenen Tag auf Jobsuche nur mein Bier in einer der zahllosen abgeranzten Kneipen in der Herbertstraße genießen, aber es hat wohl nicht sollen sein. Schon als ich herein kam, bemerkte ich, dass ein Jugendlicher sich für irgendetwas Dummes Mut antrank. Er kochte vor Wut und sah ständig zu den Spitfires Gangmitgliedern rüber, die sich am Billardtisch betranken. Noch bevor ich meine Bestellung aufgeben konnte, nahm er einen Schlagring aus der Hosentasche und stand auf. Ohne zu zögern schnappte ich ihn mir. Trotz meinem starken Griff, zappelte er ganz schön.  
          "HEY HEY! Nun kühl mal dein Mütchen ab, Kleiner! Bist wohl neu hier, was?! Mit Straßengangs legt man sich nicht an! Ganz besonders nicht, wenn man sich in einer solch üblen Spelunke herum treibt, in der jeder bewaffnet ist!      
          Sei froh, dass ich dich zurück gehalten habe. Die hätten dich ausgeweidet und dir in deine aufgeschlitzte Kehle gepisst - und so willst du doch nicht enden, oder?

         
Was? Der Typ hat dir die Freundin ausgespannt? Ach Junge, vergiss die Braut! Wenn sie sich mit so einem Spitfire-Down-Lump aus den Gassen eingelassen hat, hat sie sich selbst deklassiert. Außer Drogen, SimSinn-Schrott und Randale haben die nichts im Schädel. Vergiss sie! Sie ist es nicht wert. Keine Frau ist es wert, dass du dafür dein Leben wegwirfst.
          Du glaubst, du wärst betrogen worden?