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Mittwoch, 16. Oktober 2013

Unterm Messer



Kapitel 3 - Industrial Light & Magic 

Wie zu erwarten war Sven Niders alte Wohnung in Altona inzwischen wieder weiter vermietet worden. Eine blondierte und in den wildesten Farben gesträhnte, buntblusige Blödblinse namens Samantha Biwack glotzte debil aus der offenen Tür, als Sunetra und Lightning ihr als Reporter auf Storyhatz einen Besuch abstatteten. Dafür, dass wir uns mit dieser Nummer keinerlei Ergebnisse erhofft hatten, wurden wir reichhaltig entlohnt. Unser vercyberter Unbekannter hatte scheinbar keine lebenden Verwandten mehr gehabt, die hätten beerbt werden können. Vielleicht wusste man aber auch bloß nicht, wen man hätte informieren müssen. Jedenfalls hatte Frau Biwack noch eine große Kiste mit Krempel ihres Vormieters im Keller stehen und war froh sie den Journalistinnen von der Zeitschrift Critter & Hund für ihre Reportage über einen Großwildjäger, der ein Veteran der Eurokriege gewesen war, mitgeben zu können. Die Geschichte war so blöd, dass sie nicht mit einem einzigen Wort in Frage gestellt wurde. Sowas kann man sich einfach nicht ausdenken.        
           
Auf dem Weg zu einer Imbissbude durchstöberten wir auf der Rückbank den Inhalt der Kiste. Neben zwei Pokalen, die Sven Nider bei Körperverbesserungs-Bodybuilding-Wettbewerben gewonnen hatte, diversen Fotoalben mit professionell angefertigten Bildern seiner Cyberimplantat-Modelkarriere und Tand aus Shadowrunner Zeiten, befanden sich auch eine Reihe von Unterlagen darin. Unter Gehaltsabrechnungen, Urkunden, Behandlungs- und Wartungspläne seiner Körpermodifikationen, Kontoauszüge, nie eingelöste Rezepte für Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen, trollte ganz unten eine Durchschrift des Vertrags mit Third-Life-Inc.. Das war es, was wir gesucht hatten.    

Sonntag, 10. März 2013

Nur 48 Stunden


 Kapitel 1 - Kubanisches Gold
          Kratzend entzündete sich das Streichholz in einer zischenden Sonne, die sogleich erstarb und so der Geburt einer einzelnen Flamme Platz schaffte. Als das Streichholz die Position wechselte, um sich an einen fast verbrauchten Docht anzuschmiegen, sponn die Flamme schwarze Fäden, die sich kräuselnd von der Spitze lösten und im Raum verloren. Dankbar erwärmte sich der Docht und übernahm den brennenden Setzling. Nun entflammt verbrauchte er das Wachs im Stoff und pumpte aus dem größer werdenden See an seinem Fuße neuen Brennstoff empor.       
            Das Holz setzte seine Reise zu vier weiteren Kerzen fort, bis die Elfe den übrig gebliebenen Stummel zu ihren Lippen führte, um die Flamme auszupusten. Behutsam legte sie die Reste in ein Schüsselchen zu anderen abgebrannten Hölzern.
            Geschickt arrangierte die Elfe die Kerzen in einem perfekten Halbkreis um die Bastmatte, die in der Mitte des Raumes lag. Am Kopfende, zwischen zwei Kerzen, stand eine mit Sand gefüllte Schale. Räucherstäbchen steckten darin und verbreiteten einen würzigen Duft im abgedunkelten Raum. Die Elfin sog die Luft so tief ein, wie sie konnte und atmete ganz langsam aus. Lediglich in einen Kimono gekleidet, betrachtete sie zufrieden ihr Werk, trat an die Bastmatte und kniete sich so darauf nieder, dass ihr Gewand keine Falten warf.            
            Doch bevor sie beginnen konnte, nahm sie ein altertümlich wirkendes Teekesselchen von einem Stövchen aus weißer Keramik, auf dem allerlei Figuren und Tiere mit blauen Strichen abgebildet waren. Aus dem Kännchen goss die Elfe einen grünlichen Tee, den sie in einem tiefen Schälchen auffing. Sie nahm einen Schluck der dampfenden Flüssigkeit zu sich und fühlte, wie sie sich ihren Weg durch den Hals in den Magen bahnte.       
            Nun war sie soweit. Die Hände auf ihre Oberschenkel gelegt, schloss sie ihre Augen und atmete tief ein und aus - ein und aus - ein ... und ... aus. Das rhythmische Auf und Ab ihres Brustkastens und der Duft des ätherischen Rauchs in der Luft, beruhigten sie so sehr, dass  sich Puls und Atmung verlangsamten. Schließlich gab sie sich der hypnotischen Wirkung ganz hin und ließ sich von ihrem Körper wegtreiben.