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Dienstag, 21. Oktober 2014

Die Nacht der langen Messer


Kapitel 1 - Die Oper ist erst zu Ende, wenn die fette Frau gesungen hat

                    Manchmal werden Worte umgehend Lügen gestraft.
'Ich wusst's! Ich wusst's! Ich wusst's!'
           
Zornig waberte die Erkenntnis durch das Zwergenhirn. Die Fäuste in den Taschen geballt, stapfte Largo den anderen Wild Cards hinterher ins Innere des Hel's Kitchen. Barrys Bar. Alyssas Kontaktmann zur Unterwelt der Hansestadt.   
            Wie viel lieber würde er noch immer an Bord der Dead Man's Hand den Abschluss der Mission und die Wiederwahl von Vesna Lyzhichko feiern, ein wohlverdientes, kühles Bier genießen.
            Schon vor Stunden hatte ihm sein Bauch geflüstert, dass der Mord an Karl Weißhaupt nicht das Ende der Geschichte sein konnte. Zu viel hatte er in seiner Karriere als Shadowrunner erlebt, um sich der Illusion hingeben zu können, so leicht aus der Sache herauszukommen. Ausgerechnet Sunetra, die er als erfahrene Kollegin und Freundin schätzte, hatte sich wie ein Anfänger mit der Sicherheit eines Blinden in einem Minenfeld über den Sieg gefreut. Sie hatte geglaubt, dass sich die gegnerischen Parteien aus Frankfurt nun kuschen würden.   
            'Zu früh gefreut, Spitzohr.'      
Keine zwei Minuten nach dem Anruf aus dem Büro der Bürgermeisterin klingelte Hendriks Telefon ein weiteres Mal. Sein Gesicht verwandelte sich in einen Korb gemischten sauren Obsts, als Yashida Himotos Antlitz im Videofenster erschien. Der Ork machte keinen Hehl daraus, dass er Sunetras Ex-Verlobten äußerst skeptisch gegenüber stand. Doch wenn er helfen wollte der Elfe den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, die ihr ihr ehemaliger Arbeitgeber MCT[1] um den Hals gelegt hatte, musste er wohl oder übel mit ihm zusammen arbeiten. Also schluckte er runter, was ihm als Erstes in den Sinn kam und gab sich betont freundlich. Irgendwie gelang es ihm auf diese Weise seine Antipathie besonders gut zum Ausdruck zu bringen.     
            "Konbanwa, Himoto-San."       
Der Japaner lächelte typisch asiatisch freudlos. Genauso gut hätte er 'Leck mich am Arsch, blöder Penner!' sagen können. Stattdessen kamen folgende Worte aus seinem Mund: "Summerset. Sehr gute Arbeit, die sie und ihre Truppe in Westphalen geleistet haben. Ich bin erfreut über das neu geschmiedete Bündnis mit dem Hamburger Senat. Damit ist MCT seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen."

Donnerstag, 18. Juli 2013

Back in Black




          Dunkelgraue bis schwarze Wolken, die den Himmel verstecken. Ein Nieselschauer, der die Kleidung über die Dauer der Zeremonie durchweicht und im Duett mit einem unerbittlich pfeifenden, eisigen Wind die Kälte bis in die Knochen treibt. So sehen Hollywoods Konventionen für eine anständige Trauerfeier aus. Doch weder waren wir in Amerikas Traumfabrik, noch wollten wir einen billigen Trivid-Film drehen. Dies war die Wirklichkeit - und die war auch an einem sonnigen Juli Tag schon kaum zu ertragen. Wer also der Meinung ist, dass gefälligst beschissenes Wetter zu herrschen habe, wenn man einem Freund das letzte Geleit gibt, der ignoriert einfach die Tatsache, dass ein laues Lüftchen die Blätter der Bäume rascheln ließ, Vöglein lustig zwitscherten und nicht eine einzige Wolke den blauen Himmel bedeckte.       
            Knapp zwei Wochen waren seit dem schicksalhaften Abend vergangen, an dem ein Neonazi meinem Cousin Cone aus nächster Nähe ein halbes Magazin in den Rücken entleert hatte. Das elende Dreckschwein war zwar von Sunetra in seine molekularen Einzelheiten zerlegt worden, aber das brachte unseren Freund leider nicht wieder zurück. Nun blieb uns nichts anderes übrig, als dem groben Klotz einen würdigen Abschied zu bereiten.    

Montag, 20. Mai 2013

Im Sog des Mahlstroms



 Kapitel 2 - Abgetaucht

           Dass sich Konzerne gerne Euphemismen bedienen ist nichts Neues. Dennoch musste ich lachen, als wir am Wohnblock 'Schattige Gärten' angekommen waren. Der Eingang lag in einem schmalen Seitengässchen, das von Efeuranken bereits halb zugewuchert war und dem von deutlich höheren Gebäuden umgebenen Betonklotz immerhin ein klein wenig Farbe verpasste. Die anderen in die Jahre gekommenen Bauten hatten die Gärten wie hässliche Neonaziglatzen umringt und spendeten bedrohlichen Schatten. Eines Tages werden sie einstürzen und dabei den armen Tropf in ihrer Mitte mit sich zu Boden reißen, so viel ist sicher. Ich konnte spontan verstehen, warum Stefanie Halvers es vorzog bis spät in die Nacht zu arbeiten anstatt mehr Zeit in diesem ungastlichen Viertel zu verbringen. Zugegeben: dass ihre Bettgenossin im Rathaus das Sagen hatte, spielte sicherlich auch eine entscheidende Rolle.    
            In ihre Wohnung zu kommen stellte wie zu erwarten eine geringere Herausforderung dar, als mit einem Guhl ein Steak zu teilen. Dank der Zugangsberechtigung zum Haus, die wir vom Schmidt bekommen hatten, ließ uns das Sicherheitssystem des Wohnblocks automatisch bis zur Wohnungstür im vierten Stock vor. Erst dort wurde es etwas spannend, als wir Männer uns beim knacken der Türverriegelung gegenseitig im Weg herumstanden und sich Largo beim Aufstemmen des kleinen Kästchens an der Wand fast die Finger gebrochen hatte. Glücklicherweise verkniff sich der Zwerg das Fluchen, als ihm zum wiederholten Mal der Schraubendreher schmerzhaft in seine linke Hand abgerutscht war, weil Cone und ich ebenfalls helfen wollten. Hätte er losgezetert, wäre nämlich die Wachdrohne sofort auf uns aufmerksam geworden, die im Seitengang auf uns zu schwebte. So konnte ich die Kabel im geöffneten Kästchen neu verdrahten um das Türschloss zu entriegeln. Geschwind versteckten wir uns in Halvers Bude und schlossen gerade noch rechtzeitig die Tür hinter uns, bevor die Drohne um die Ecke düste. Das war mir eine Spur zu knapp gewesen. Wenigstens hatten die Magierinnen uns dabei nicht zusehen können. Über dieses Schauspiel hätten die sich noch in zehn Jahren kaputtgelacht. 

Sonntag, 10. März 2013

Das Gesetz der Straße


 Kapitel 1 - Altona Allerlei

            Serhat spürte die sengende Hitze der Wüstensonne auf seinem Gesicht und eilte sich daher umso mehr, um sich in die schützenden Schatten der Palmen zu retten, die er in der Ferne entdeckt hatte. Hoffentlich jagte er nicht schon wieder einer Fata Morgana hinterher. Bereits seit Tagen wanderte er durch die Sahara. Einsam, allein, mit zur Neige gehenden Vorräten, nur in trauriger Gesellschaft von wachsender Verzweiflung und aufkeimender Panik. Mittlerweile wankte er mehr, als dass er aufrecht voran schritt. Wie lange würde er das wohl noch aushalten können?           
            Seinen kahlen Schädel zierte ein Kopfstützenbezug, den er aus dem liegen gebliebenen Wagen mitgenommen hatte und als improvisierte Mütze trug. Serhat hoffte sich damit wenigstens ein bisschen vor der unbarmherzigen Sonnenstrahlung schützen zu können. Nur mit allergrößter Beherrschung konnte er sich davon abhalten das Ding wieder auszuziehen, denn es hatte sich ein ganzes Meer unter dem Bezug gebildet, das sich in mehreren kleinen Sturzbächen seinen Nacken herab auf den Rücken ergoss. Das anthrazitfarbene Hemd klebte ihm am ganzen Leib. Es war ihm ein Rätsel, wie er unablässig schwitzen konnte, wenn er doch kaum etwas getrunken hatte. Fast hatte er die Palmen erreicht. Endlich ausruhen und etwas Kühlung im Schatten.  
             Schlurfend trugen die tauben Beine seinen Körper voran, Meter für Meter. Ein Stein ragte aus dem Wüstenboden und er wäre beinahe hingefallen. So stolperte er und knallte mit dem Kopf gegen den Stamm eines Baumes. Nur mit Müh und Not schaffte er es nicht hinzufallen. So hielt er den Stamm mit beiden Armen umschlungen und atmete so schwer aus, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen. 'Es ist erstaunlich, was der menschliche Körper alles aushalten kann.', dachte er und schöpfte etwas Hoffnung, als er hinter der Palme ein kleines Wasserloch entdeckte.   

Viel Feind - viel Ehr!


            Sanft schaukelte die Dead Man's Hand auf der Ostsee hin und her, als sich eine Drohne mit der Silhouette einer Hummel aus der mit Rauputz verkleideten Wand löste. An zwei hakenartigen Gebilden unter ihrem Bauch war eine metallene Düse befestigt, die das Ende eines Schlauchs bildete. Sie schwebte zu dem Nordwerft Wind Schnellboot herüber und verharrte vor einer schmalen Öffnung. Dort angekommen veränderte sie die Ausrichtung der Düse um etwa vierzig Grad nach unten und führte sie in den Tankstutzen ein. Abschließend schoben zwei kleine Greifärmchen einen Verschluss nach vorne, der rasend schnell auf das an der Bordwand befestigte Gewinde geschraubt wurde. Nun versiegelt, begann der Roboter umgehend Treibstoff mit hohem Druck in den Tank des Schiffs zu pressen. Aus müden Augen blickend, standen wir etwas abseits am Pier der Bootstankstelle und sahen dem Schauspiel der Drohne zu. Die Ereignisse der letzten Tage hatten uns mehr mitgenommen, als uns lieb war.
            Nicht nur Piraten wollten uns ans Leder, nein auch die Vollversammlung der Wassergeister erwartete uns als schwimmenden Snack zur Halbzeitpause. Nur mit viel Glück waren wir ohne eine Schramme da durch gekommen. Und als wir endlich des nachts in Kopenhagen angekommen waren, tauchte dieser Japaner - Yashida Himoto - auf, der steif und fest behauptete der Verlobte unserer elfischen Spruchschleuder zu sein. Doch diese Enthüllung war nicht Schock genug. Nein! Ihm auf den Fersen waren auch noch irgendwelche Fremden, die uns mit einem Containerkran am Hafen den Garaus machen wollten.