Posts mit dem Label Trollhammer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Trollhammer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 10. März 2013

Einmal Schwarzwald und zurück



 Kapitel 2 - The Hound of Blackwood Forest
          Bedrohlich dunkel, riesenhaft, geradezu angriffslustig huschten links und rechts der Landstraße die nächtlichen Fratzen des Waldes vorbei. Anhänglich waren sie - die Bilder, die wir in den Bäumen zu erkennen glaubten. Bilder, die dem Rover immerzu dicht auf den Fersen waren und unsere fluchtartige Abreise aus der Urlaubshütte des Grauens antrieben.
          Zudem war uns kalt. Doch war es nicht die Sorte Kälte, die man durch eine hochgefahrene Heizung vertreiben kann. Es war die Kälte, die Angst und Panik wie der erzwungene dritte Skatkumpel begleitete. Sie kriecht einem zuerst unter die Haut, dann den Nacken hoch, bis sie einen am Schlafittchen gepackt hat. Schließlich krallt sich dieser Parasit in den Knochen fest und lässt einen nicht mehr los.
Ich hatte seit unserer Abfahrt eine hartnäckige Gänsehaut, selbst jetzt noch, nachdem wir fast sechs Kilometer Abstand zwischen uns und die unheimliche Hütte gebracht hatten.
          Niemanden hatte das Ereignis unbeeindruckt gelassen. Auch unsere toughen Magierinnen konnten nicht die Anwesenheit des unsichtbaren fünften Fahrgasts leugnen. Besorgt blickten Lightning und Sunetra zu ihren Türfenstern nach draußen und hielten nach Dingen Ausschau, die man für gewöhnlich, selbst in der Erwachten Welt, nicht auf normalen Wege sehen kann.
Largo, unser zwergischer Rigger, versuchte die Kälte der Angst durch Wut zu vertreiben und redete sich selbst in Rage: "Verdammte Magie! Verdammte Drecksgeister - und verdammt seien die Zauberer mit ihren unseligen Experimenten!"
          Frustriert schlug er so hart auf die Mittelkonsole, dass ich befürchtete, er könnte den Airbag auslösen. Während Sunetra den Zwerg ignorierte, nahm Lightning die Aufforderung zum Wortgefecht nur zu gerne an und ließ ebenfalls Dampf ab: "Ey, Kurzer! Deine ach so verfluchten Zauberrinnen haben dir mit ihren arkanen Fertigkeiten schon ein paarmal den Arsch gerettet!"
"Ach, ich meine doch nicht euch... du weißt, dass ich... ach es ist nur all das Gerede  von Blutmagie, Menschenopfern und Geistern, die uns an den Kragen wollen..."    
          Er seufzte schwer und sank ein wenig in sich zusammen. Ich konnte seine Frustration verstehen. Wenn man sich nur mit physischen Mitteln gegen etwas wehren kann, das diese Ebene der Existenz hinter sich gelassen hatte, fühlt man sich ziemlich hilflos. Wir hatten in der Hütte Glück gehabt, dass niemand von uns ernsthaft zu Schaden gekommen war. Sunetra erholte sich rasch von dem Schlummer, in den ich sie schicken musste und mein Cousin Cone hatte kaum Erinnerung daran, dass ein blutgieriger Geist sich seines Verstandes bemächtigt hatte. Auf der anderen Seite muss es auch ein sehr einseitiger Kampf für den Geist gewesen sein.        
          Cone jedenfalls war nicht so einfach klein zu kriegen. Kaum fünf Minuten, nachdem wir den Geist vertrieben hatten, saß er schon wieder auf seiner Trollhammer und düste hinter uns die Straße den Berg hinab.     

Einmal Schwarzwald und zurück




 Kapitel 1 - Wir sind dann mal weg...
          "Mach doch endlich mal diesen verdammten Krach aus!" Nur mit Mühe konnte ich Alyssas Schrei vom Rücksitz aus wahrnehmen. Viel zu laut beschallten die Lautsprecher des Rover die Fahrgastzelle. Abgesehen davon kam ich aus dem Lachen nicht mehr heraus. Klickend rastete der Lautstärkeregler des Autoradios ein und die Musik verstummte. "Mann, Largo, was ist DAS denn für ein derbes Geschredder?"
          "'Ripped Throat Raping Ghouls'. Die Knüppeln live noch derber aufs Trommelfell ein."  
          Immer noch in mich hinein giggelnd wischte ich mir mit dem Handrücken Tränen aus den Augen und versuchte dabei die Straße im Blick zu behalten.   
          "Cyberporn-Grind, ja?!" Beim Aussprechen des Genrenamens musste ich wieder lachen. Ebenfalls amüsiert entfernte Largo seinen Musikdatenstick aus dem Radio.
"Bin über eine Musikempfehlung von Sunetra drüber gestolpert."
          "Echt? Du hörst auch so einen Scheiß?"
Der einzige Mensch in unserer Gruppe wandte sich der Elfin entsetzt zu. Unbeeindruckt gab diese eine eindrucksvolle Kostprobe des Gesangs solcher Bands wieder - sofern man das Gegrunze und Gejaule so bezeichnen möchte.
          "Ach - du - scheiße! OK, ich glaub dir ja, dass du den Mist wirklich hörst."         
          "Es kann ja nicht jeder Enya hören, wie du."  
Abwehrend warf die Zauberin die Hände in die Luft: "Nur weil ich EIN Album von ihr hab..." Allerdings musste auch sie nun lachen.   
          Ja, wir hatten zur Abwechslung richtig gute Stimmung, denn wir machten Urlaub. Da wir auf unserem letzten Run ziemlich übel zugerichtet worden waren, würden uns ein paar Tage Ruhe sicherlich gut tun. Nachdem wir Aan und ihren Mann Juan am Hafen abgeliefert hatten, war unser Auftrag beendet, denn das Paar galt nun offiziell als vermisst, die Geschäftspartner ihres Vaters waren tot und von uns war nur noch die Hälfte einsatzbereit. Netterweise bezahlte uns Onkel Herb für die gesamte Woche und etwa vierzehn Tage später bekamen wir über Tyler einen Umschlag zugeschickt. Darin war eine Postkarte von Aan und ein Lotterielos. Normalerweise gewinne ich nicht mal abgelaufene Affenscheiße. Darum war ich sehr überrascht, als mich letzten Freitag eine E-Mail darüber informierte, dass wir eine Reise in den Schwarzwald gewonnen hatten.

Dienstag, 5. März 2013

Familienangelegenheiten




        Die verfluchte Stadt hat mich wieder.
Dresden - oder besser gesagt, das was davon übrig geblieben ist. Seit den Europakriegen von 2031/32 ist hier nichts mehr wie früher - nicht dass ich das je persönlich gekannt hätte. Ich war noch Quark im Schaufenster, als die Russen damals hier einfielen, um Sachsen zu annektieren. Sie konnten zurückgeschlagen werden, aber eine Junta aus Bundeswehrgenerälen errichtete auf den Ruinen des ehemaligen Freistaats das Herzogtum Sachsen. Dresden wandelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Stadt gewordenen Tumor aus Industrie, Slums,  Schickimicki-Wohnbezirken und Mülldeponien. Letztenendes war es ein Polizeistaat. Nur dass hier die Armee die Gewalt hatte.
Ich konnte diese Stadt noch nie leiden. Drecksarmee... arrogantes Pack!
        Und jetzt saß ich hier fest. So lange, bis ich Kontakt herstellen konnte.Bei einer Observierung gibt es nur eine feste Regel: Lass dein Ziel nie aus den Augen!
          Aber leider ließ mich höhere Gewalt diese Regel brechen. Meine Blase, das dämliche Organ, beging Insubordination. Ich musste mal. Dem einen oder anderen mag es peinlich sein so etwas zu erwähnen, aber so spielt das Leben halt.