Mittwoch, 14. Mai 2014

Eine Woche Ewigkeit

 

Kapitel 1 - Interessante Zeiten


            Gerade noch rechtzeitig duckte ich mich unter dem Messer hinweg, das durch die Luft auf mich zuflog. Ein kühler Lufthauch zog durch die neu entstandene Öffnung in mein Shirt , kroch über meine verschwitzte Haut und ermahnte mich das nächste Mal zeitiger zu reagieren. Mit einem scharfen Tock blieb die Klinge in einem Holzbalken in der Wand stecken. Noch bevor der Griff aufhörte von einer Seite zur anderen zu wippen, prasselten schon die nächsten Angriffe auf mich ein. Aus der abgeknieten Haltung, in der ich mich befand, blieben mir nicht viele Optionen übrig. Die ersten beiden Schläge konnte ich durch einen Block mit dem rechten Unterarm abfangen Der Dritte streifte mich schmerzhaft an der linken Schläfe. Sternchen tanzten vor meinen Augen einen konfusen, alkoholschwangeren Walzer auf dem Weg zum Saalausgang. Ein weiterer Schmerz gesellte sich zu den vielen anderen, über die sich mein Körper seit Beginn des Kampfs quengelnd beschwerte. Es war an der Zeit meine Position zu wechseln. Also stieß ich mich seitlich weg, ging in eine Rolle über, aus der ich in die Vertikale schoss.
            Zum ersten Mal in diesem Gefecht schlug er an mir vorbei. Erstaunt dass sein Ziel verschwunden war, hopste er ein Schrittchen zurück und wiegte sich erwartungsvoll in seinen Knien, bereit wieder auf mich loszugehen. Er grinste. Nicht wütend werden, Hendrik! Ruhe bewahren und auf die Situation konzentrieren! Doch das war einfacher gesagt als getan. Im Moment hätte ich mich am liebsten wie ein Berserker aufgeführt. Ein wenig Gebrüllt, Geflucht und den gesamten Raum in Einzelteile geschlagen. Ich wusste, dass er genau darauf wartete. Darauf wartete, dass ich die Kontrolle verlor. Versagte.          

Sonntag, 26. Januar 2014

Unterm Messer


                                             Kapitel 5 - Akronym des Todes

Das wütende Krächzen eines unsichtbaren, vielstimmigen Rabenchors, der sich um fette Beute zankte, erfüllte Sunetras magisches Refugium. In der Mitte, kniend auf einem weichen Kissen, umgeben von drei ineinander verflochtenen Kreisen aus brennenden Stumpenkerzen, die sie wie ein stilisiertes Dreieck einrahmten, verharrte die junge weißhaarige Frau. Schon seit Minuten murmelte sie fremdartige Worte, während sie in einem Schüsselchen vor sich ein Pulvergemisch aus Kohle, Beifuß, Ingwer, Blut und Haaren verbrannte. Leise hatte sie begonnen, steigerte sich aber schon bald in einen geradezu manischen Singsang hinein, der von unkontrollierten Zuckungen ihres Oberkörpers begleitet wurde.            

Freitag, 22. November 2013

Unterm Messer



Kapitel 4 – Überraschungsparty

            Als hätte sich eine unsichtbare Tür geöffnet, schlüpfte das Wesen aus dem Nichts in unsere Welt. Feine Wellen waberten über die Oberfläche des zunächst unscheinbaren, durchsichtigen Balls, der unbeholfen zu Boden plumpste. Nachdem er dreimal aufgetitscht war und feuchtglänzende Stellen auf dem Linoleum hinterlassen hatte, stülpten sich mehrere Protuberanzen aus der Masse hervor. Sie verdickten sich und wuchsen in die Länge, bis sich das Wesen in etwas verwandelt hatte, das wie eine Katze aussah. 
            Sie benötigte einen Moment, um sich zu orientieren.
Dabei entdeckte sie zu allererst den in Flammen stehenden Köter vor sich, der sie böse anknurrte. Sofort sträubte sich ihr wässriges Fell. Sie buckelte, hob eine Vorderpfote zur Verteidigung und fauchte giftig zurück. Dampf stieg in dicken Schwaden von der liquiden Lebensform auf. Dennoch machte sie keine Anstalten in ihrer Größe zu schrumpfen. Wo auch immer das Wasser hergekommen war, aus dem sie bestand, seine Quelle schien diesseits unserer Sphären zu liegen.        

Dienstag, 22. Oktober 2013

Hast du 'nen Schatten?!



     Dumm kommen wir auf die Welt. Und wenn wir ehrlich sind, bleiben die meisten das auch ihr Leben lang. Manch einer stirbt sogar in dümmerem Zustand als er geboren wurde. Darum will ich meinen Teil dazu beitragen das Gegenteil zu bewirken, indem ich ein klein wenig Wissen in die WeltWeiteWundertüte hinaustragen.
      Da es sich bei WildCards um einen Kurzgeschichtenblog handelt, dessen Erzählungen im Shadowrun Universum angesiedelt sind, wird es nach mehr als einem Jahr des Schreibens endlich Zeit ein Paar Worte über ebenjenes Universum zu verlieren. Dieser Eintrag soll all jenen einen kompakten Überblick verschaffen, die bei all dem Gerede über Magier, Sprawls und Matrix nur Bahnhof verstehen. Daher beschränke ich mich auf die notwendigsten Informationen. Die, die man braucht, um bei dem Kram auf diesem seltsamen Blog durchsteigen zu können. 

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Unterm Messer



Kapitel 3 - Industrial Light & Magic 

Wie zu erwarten war Sven Niders alte Wohnung in Altona inzwischen wieder weiter vermietet worden. Eine blondierte und in den wildesten Farben gesträhnte, buntblusige Blödblinse namens Samantha Biwack glotzte debil aus der offenen Tür, als Sunetra und Lightning ihr als Reporter auf Storyhatz einen Besuch abstatteten. Dafür, dass wir uns mit dieser Nummer keinerlei Ergebnisse erhofft hatten, wurden wir reichhaltig entlohnt. Unser vercyberter Unbekannter hatte scheinbar keine lebenden Verwandten mehr gehabt, die hätten beerbt werden können. Vielleicht wusste man aber auch bloß nicht, wen man hätte informieren müssen. Jedenfalls hatte Frau Biwack noch eine große Kiste mit Krempel ihres Vormieters im Keller stehen und war froh sie den Journalistinnen von der Zeitschrift Critter & Hund für ihre Reportage über einen Großwildjäger, der ein Veteran der Eurokriege gewesen war, mitgeben zu können. Die Geschichte war so blöd, dass sie nicht mit einem einzigen Wort in Frage gestellt wurde. Sowas kann man sich einfach nicht ausdenken.        
           
Auf dem Weg zu einer Imbissbude durchstöberten wir auf der Rückbank den Inhalt der Kiste. Neben zwei Pokalen, die Sven Nider bei Körperverbesserungs-Bodybuilding-Wettbewerben gewonnen hatte, diversen Fotoalben mit professionell angefertigten Bildern seiner Cyberimplantat-Modelkarriere und Tand aus Shadowrunner Zeiten, befanden sich auch eine Reihe von Unterlagen darin. Unter Gehaltsabrechnungen, Urkunden, Behandlungs- und Wartungspläne seiner Körpermodifikationen, Kontoauszüge, nie eingelöste Rezepte für Medikamente zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen, trollte ganz unten eine Durchschrift des Vertrags mit Third-Life-Inc.. Das war es, was wir gesucht hatten.    

Samstag, 12. Oktober 2013

Samstag, 21. September 2013

Unterm Messer



Kapitel 2 - Ein Schritt vor und zwei zurück

            "Na das ist ja mal prächtig gelaufen! Und jetzt?! Was sollen wir deiner Meinung nach machen? Denn egal was wir anstellen, die werden Bescheid wissen. Weil sie uns jetzt als Köder benutzen werden. So schaut es nämlich aus. - Also sei nicht so blöd und ruf Frank mit einem verwanzten Komlink an!"    
            Viel weniger als ihre Worte, ging mir Alyssas Tonfall auf den Zeiger. In dem vergeblichen Versuch die Magierin zu ignorieren, schaltete ich mein Komlink ein und rief die Kontaktliste auf. 
            "Sag mal: Hörst du mir überhaupt zu!?", echauffierte sie sich, wobei ihre Stimme schriller wurde. Mein Geduldsfaden riss endgültig und ich antwortete ihr deutlich ungehaltener als ich gewollt hatte: "Ich hör dir schon zu, aber du sagst leider nichts, das hörenswert wäre. Seit zehn Minuten bist du dich unablässig am Beschweren, quengelst und jammerst uns die Ohren voll. Dir hat meine Performance in der Bib nicht gefallen? - Fein!
            Ist ja nicht so, als ob ich allzu viele Optionen gehabt hätte.
Du warst übrigens genauso wenig hilfreich in der Situation wie alle anderen. Wenn du dich im Selbstmitleid suhlen willst, weil wir einen auf den Sack bekommen haben, dann mach das!       
            Ich jedenfalls werde das nicht auf mir sitzen lassen. Diese Arschlöcher werden noch von mir hören, das verspreche ich dir! Also werde ich, statt die Hände in den Schoß zu legen, das einzig Richtige tun und mit der Mission weitermachen."         
            Von meinem Ausbruch verstört, begann Alyssa zu stammeln: "Aber dein... dein Komlink!"