Kapitel 2 – Heißer Reifen
Dämmerlicht drang durch die frisch
geputzten Fensterscheiben und vermischte sich mit dem spärlichen, weißkalten
Kunstlicht der Deckenlampen. Die Sonne enthüllte nichts, das Ricardo nicht
bereits mit Hilfe seiner künstlichen Augen hatte sehen können. Viel zu entdecken
gab es eh nicht. Nackte, in schlichtes Weiß getünchte Betonwände standen
ringsum. Nur ein Pin-Up-Kalender mit drittklassigen Weibern und ihren
viertklassigen, künstlichen Titten, schmückte den Raum. In regelmäßigen
Abständen ragten Träger der stützenden Stahlkonstruktion aus den Wänden hervor.
Förderbänder lieferten Fracht vom Verladedock durch die Anlage, an Scannern
vorbei und aus der Halle heraus in den Außenbereich, wo sie auf Zügen und
Lastwagen ihre weitere Reise antraten.
Ricardo war es unmöglich die Schlichtheit der Architektur, die Sauberkeit oder die Effizienz zu schätzen, mit der hier gearbeitet wurde. Es war nicht so, dass es ihm an blumigen Ausdrücken gemangelt hätte. Er kannte sie alle aus der Zeit vor seiner Metamorphose. Doch seit er nach umfangreichen Operationen mehr Maschine denn Mensch war, hatte vieles um ihn herum an Bedeutung verloren. Genuss, leichtfüßiger Umgang mit Frauen, Pflege sozialer Kontakte… Ricardo spürte keine Leidenschaft mehr in seinem Leib. Selbst der Begriff Langeweile war etwas, das mit jedem Tag fremder klang. Ihm war spätestens seit der letzten Operation das Gefühl für Zeit vollständig entglitten. Geduldig konnte er stunden-, ja tagelang, ausharren und warten, ohne dass es ihm etwas ausgemacht hätte. Stoisch wie ein Roboter auf Abruf.
Ricardo war es unmöglich die Schlichtheit der Architektur, die Sauberkeit oder die Effizienz zu schätzen, mit der hier gearbeitet wurde. Es war nicht so, dass es ihm an blumigen Ausdrücken gemangelt hätte. Er kannte sie alle aus der Zeit vor seiner Metamorphose. Doch seit er nach umfangreichen Operationen mehr Maschine denn Mensch war, hatte vieles um ihn herum an Bedeutung verloren. Genuss, leichtfüßiger Umgang mit Frauen, Pflege sozialer Kontakte… Ricardo spürte keine Leidenschaft mehr in seinem Leib. Selbst der Begriff Langeweile war etwas, das mit jedem Tag fremder klang. Ihm war spätestens seit der letzten Operation das Gefühl für Zeit vollständig entglitten. Geduldig konnte er stunden-, ja tagelang, ausharren und warten, ohne dass es ihm etwas ausgemacht hätte. Stoisch wie ein Roboter auf Abruf.

