Heute geht es ausnahmsweise mal nicht um Shadowrun, sondern um das PnP Rollenspiel Call of Cthulhu. Abwechslung muss nun mal sein. Nachdem wir mehrere Jahre lang an einer großen Storyline von Shadowrun gespielt hatten, war es Zeit für etwas Neues. 20er Jahre Horror-Pulp-Geschichten kamen uns da gerade recht. Inzwischen haben wir auch keinen festen Spielleiter mehr, sondern wechseln uns in dem Job ab. Ab und an nutzen wir Kaufabenteuer, meist aber denken wir uns selber Geschichten aus.
Samstag, 11. November 2017
Freitag, 29. April 2016
Elektrobuch Invasion
Nach mehr als dreieinhalb Jahren ist das WildCards Projekt "endlich" abgeschlossen.
Einerseits hab ich die Arbeit sehr genossen, andererseits wird es Zeit sich wieder anderen Dingen zuzuwenden.
Über den Link könnt Ihr Euch (natürlich) kostenfrei PDF, Kindle E-Book Version und die Buch Printvorlagen ziehen, falls ihr auf physische Ausgaben steht. Weitere Infos zu der Printversion sind in der Datei enthalten.
Falls Ihr statt dem Kindle einen anderen Reader benutzt und ein ePub benötigt, könnt Ihr relativ unkompliziert mit dem kostenfreien Calibre Programm eine Version erstellen, die auf Euer Gerät zugeschnitten ist.
Falls jemand da draußen der Meinung ist, dass man das E-Book professioneller aussehen lassen kann (mir gelang es beispielsweise nicht alle Fonts einzubetten), dann freu ich mich über jede helfende Hand. ;)
Viel Spaß beim Lesen!
=======================================
WICHTIGES UPDATE!
Inzwischen produziere ich eine Hörbuchversion von Schattenland. Um alle Dateien unter einem Dach zu vereinen sind die Links zu den Druckversionen ebenfalls auf Schattengezückt.Blackdays.de zu finden.
Einerseits hab ich die Arbeit sehr genossen, andererseits wird es Zeit sich wieder anderen Dingen zuzuwenden.
Über den Link könnt Ihr Euch (natürlich) kostenfrei PDF, Kindle E-Book Version und die Buch Printvorlagen ziehen, falls ihr auf physische Ausgaben steht. Weitere Infos zu der Printversion sind in der Datei enthalten.
Falls Ihr statt dem Kindle einen anderen Reader benutzt und ein ePub benötigt, könnt Ihr relativ unkompliziert mit dem kostenfreien Calibre Programm eine Version erstellen, die auf Euer Gerät zugeschnitten ist.
Falls jemand da draußen der Meinung ist, dass man das E-Book professioneller aussehen lassen kann (mir gelang es beispielsweise nicht alle Fonts einzubetten), dann freu ich mich über jede helfende Hand. ;)
Viel Spaß beim Lesen!
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WICHTIGES UPDATE!
Inzwischen produziere ich eine Hörbuchversion von Schattenland. Um alle Dateien unter einem Dach zu vereinen sind die Links zu den Druckversionen ebenfalls auf Schattengezückt.Blackdays.de zu finden.
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| Und so schaut das ganze dann gedruckt und gebunden aus. |
Sonntag, 6. März 2016
Land in Sicht
Moin moin,
nach längerer Pause im Blog, wird es mal wieder Zeit für ein Status Update.
nach längerer Pause im Blog, wird es mal wieder Zeit für ein Status Update.
Samstag, 10. Oktober 2015
That's all, Folks! ... uhm almost...
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| Cover der Gesamtausgabe |
Seit dem Erscheinen des letzten Kapitels von "Schatten über Jigoku" ist inzwischen ein guter Monat vergangen. Es ist also längste Zeit für ein Update.
Samstag, 12. September 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 10 - Schrecken ohne Ende
Wo warst du, als die Welt unterging?
Der frisch gefallene Neuschnee knarzte unter ihren Winterstiefeln. Erbarmungslos pfiff der Ostwind über den Immanuel-Kant-Friedhof im Hamburger Stadtviertel Wandsbek. Er kündigte eine eisige Wetterfront an, die sich von Russland aus nach Westeuropa schob. Alyssa fröstelte und korrigierte den Sitz ihres Schals über der dicken Daunenjacke. Doch es war nicht nur das Wetter, das ihr zusetzte.
Schweren Herzens lenkte sie ihre Schritte an einer alten Krüppelkiefer vorbei zur Reihe Grabsteine dahinter. Nachdem sie etwas mehr als eine Minute gegangen war, erreichte sie eine Gruppe frisch angelegter Gräber. Im Gegensatz zu den anderen, kündeten keine steinernen Mahle von der Identität ihrer Bewohner, sondern schlichte Holzkreuze, die jemand mit wenig Liebe für die Verstorbenen schief und krumm in die Erde gerammt hatte. Niemand außer ihr hielt sich in diesem Teil des Friedhofs auf. Zumeist bettete man hier Runner zu ihrer letzten Ruhe. Für diesen Menschenschlag gab es selten positive Gefühle in der Bevölkerung. In diesem Metier bemühte man sich nach Leibeskräften erst gar nicht aufzufallen. Alles andere lockte meist bloß Probleme in Form von Konkurrenz, gegnerischen Teams, Missgunst und lokale Autoritäten an. Meist fielen nur die unangenehmen Exemplare in der Öffentlichkeit auf, berüchtigt für ihre Brutalität, Gier und Rücksichtslosigkeit.
Der frisch gefallene Neuschnee knarzte unter ihren Winterstiefeln. Erbarmungslos pfiff der Ostwind über den Immanuel-Kant-Friedhof im Hamburger Stadtviertel Wandsbek. Er kündigte eine eisige Wetterfront an, die sich von Russland aus nach Westeuropa schob. Alyssa fröstelte und korrigierte den Sitz ihres Schals über der dicken Daunenjacke. Doch es war nicht nur das Wetter, das ihr zusetzte.
Schweren Herzens lenkte sie ihre Schritte an einer alten Krüppelkiefer vorbei zur Reihe Grabsteine dahinter. Nachdem sie etwas mehr als eine Minute gegangen war, erreichte sie eine Gruppe frisch angelegter Gräber. Im Gegensatz zu den anderen, kündeten keine steinernen Mahle von der Identität ihrer Bewohner, sondern schlichte Holzkreuze, die jemand mit wenig Liebe für die Verstorbenen schief und krumm in die Erde gerammt hatte. Niemand außer ihr hielt sich in diesem Teil des Friedhofs auf. Zumeist bettete man hier Runner zu ihrer letzten Ruhe. Für diesen Menschenschlag gab es selten positive Gefühle in der Bevölkerung. In diesem Metier bemühte man sich nach Leibeskräften erst gar nicht aufzufallen. Alles andere lockte meist bloß Probleme in Form von Konkurrenz, gegnerischen Teams, Missgunst und lokale Autoritäten an. Meist fielen nur die unangenehmen Exemplare in der Öffentlichkeit auf, berüchtigt für ihre Brutalität, Gier und Rücksichtslosigkeit.
Donnerstag, 3. September 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 9 - Our Little Shop Of Horrors
Dick und zäh drückten sich
ölig riechende Rauchschwaden durch die zerschlissenen Papierwände der
Schiebetüren und wanderten träge zum zerstörten Garten, wo sie sich auflösten.
Sanadas Automatikgewehrfeuer und magische Geschosse aus dem Inneren des Tempels
hatten die Türen mehrfach perforiert. Entschlossen schob der Japaner ein
weiteres Magazin in seine Waffe und lud durch, während wir anderen die
Munition, die wir entbehren konnten, an ihn abgaben. Er würde sie dringender
brauchen als wir, wenn er unsere zahlreichen Feinde in Schach halten wollte.
Das würde uns die Gelegenheit geben, ihrem Boss auf die Pelle zu rücken.
„Und du bist dir ganz sicher?“, fragte ich über den Lärm hinweg.
„Ganz sicher. Ocyon ist in diesem Teil des Tempels.“
Sunetra zeigte auf die massiven Holzwände des Gebäudes, die nur hier und da von Oberlichtern durchbrochen wurden, und an schönen Tagen die Sonnenstrahlen im Morgengrauen herein ließen.
Sanada lehnte sich wieder aus seiner Deckung und bestrich den Raum dahinter mit einer Salve. Das wütend klingende Geschrei wurde noch ein wenig giftiger, aber es traute sich niemand zu uns herauszukommen. Soweit wir wussten, hatten sich dort lediglich Besessene verschanzt, was uns einen Vorteil verschaffte, denn sie bissen sich am Null-Magier die Zähne aus. Sie konnten so viele Manablitze, Energiegeschosse und was wusste ich noch alles auf ihn abfeuern, ohne dass er davon auch nur ein fitzekleines bisschen zu spüren bekam. Seine Aura absorbierte alles, was sie aufzubieten hatten. Es hätte ihn mehr gestört, wenn sie Kieselsteinchen geworfen hätten. Wahrscheinlich ahnten die Kerle nicht einmal, womit sie es zu tun hatten. Hatte sich Ocyon deshalb an die Front gewagt? Spürte er, dass etwas in der Nähe war, an dem selbst er sich die Zähne ausbeißen könnte? Ich beneidete den Japaner eine wenig um seine Fähigkeiten.
„Und du bist dir ganz sicher?“, fragte ich über den Lärm hinweg.
„Ganz sicher. Ocyon ist in diesem Teil des Tempels.“
Sunetra zeigte auf die massiven Holzwände des Gebäudes, die nur hier und da von Oberlichtern durchbrochen wurden, und an schönen Tagen die Sonnenstrahlen im Morgengrauen herein ließen.
Sanada lehnte sich wieder aus seiner Deckung und bestrich den Raum dahinter mit einer Salve. Das wütend klingende Geschrei wurde noch ein wenig giftiger, aber es traute sich niemand zu uns herauszukommen. Soweit wir wussten, hatten sich dort lediglich Besessene verschanzt, was uns einen Vorteil verschaffte, denn sie bissen sich am Null-Magier die Zähne aus. Sie konnten so viele Manablitze, Energiegeschosse und was wusste ich noch alles auf ihn abfeuern, ohne dass er davon auch nur ein fitzekleines bisschen zu spüren bekam. Seine Aura absorbierte alles, was sie aufzubieten hatten. Es hätte ihn mehr gestört, wenn sie Kieselsteinchen geworfen hätten. Wahrscheinlich ahnten die Kerle nicht einmal, womit sie es zu tun hatten. Hatte sich Ocyon deshalb an die Front gewagt? Spürte er, dass etwas in der Nähe war, an dem selbst er sich die Zähne ausbeißen könnte? Ich beneidete den Japaner eine wenig um seine Fähigkeiten.
Sonntag, 23. August 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 8 - Odyssee
Es
verzehrte sich nach Macht und darum war es.
Gezeugt von einer gewaltigen Explosion, geboren in den kalten Sphären des unendlichen Alls, von Sonnenwinden durch den Äther getrieben, zermalmt vom unermesslichen Druck eines Schwarzen Lochs, durch hunderte Dimensionen gepresst und von der Energie einer Singularität zu neuem Leben erweckt worden: Es war schon alt, als die Zeit ihren Anfang nahm, bevor sich der kosmische Staub zu gewaltigen Ansammlungen verdichtete, in denen wie von Zauberhand Fusionen starteten und sie zu Sonnen werden ließen, die gediehen, ihren rauschenden Höhepunkt feierten, schließlich ausbrannten und vergingen. Rote Riesen, Braune Zwerge und Pulsare waren die Kadaver, die von ihrem einstigen Ruhm zeugten.
Diejenigen, die es nicht schafften sich in Sonnen zu verwandeln, komprimierten sich zu geringeren Objekten, den Planeten. Doch bestimmten sie nicht ihr eigenes Schicksal. Sie ihrerseits folgten den Sternen, die sie eingefangen hatten. Ihr Aufstieg und Fall war an das ihres Herrn und Meisters geknüpft. So mussten auch sie vergehen, wenn ihre Sonne starb. Verwandelte sie sich in eine Nova, riss sie sie in einem letzen Aufbäumen mit sich ins Nichts. Zurück blieben nur stumme Gerippe, dem Vergessen anheimgefallen, von niemandem betrauert.
Gezeugt von einer gewaltigen Explosion, geboren in den kalten Sphären des unendlichen Alls, von Sonnenwinden durch den Äther getrieben, zermalmt vom unermesslichen Druck eines Schwarzen Lochs, durch hunderte Dimensionen gepresst und von der Energie einer Singularität zu neuem Leben erweckt worden: Es war schon alt, als die Zeit ihren Anfang nahm, bevor sich der kosmische Staub zu gewaltigen Ansammlungen verdichtete, in denen wie von Zauberhand Fusionen starteten und sie zu Sonnen werden ließen, die gediehen, ihren rauschenden Höhepunkt feierten, schließlich ausbrannten und vergingen. Rote Riesen, Braune Zwerge und Pulsare waren die Kadaver, die von ihrem einstigen Ruhm zeugten.
Diejenigen, die es nicht schafften sich in Sonnen zu verwandeln, komprimierten sich zu geringeren Objekten, den Planeten. Doch bestimmten sie nicht ihr eigenes Schicksal. Sie ihrerseits folgten den Sternen, die sie eingefangen hatten. Ihr Aufstieg und Fall war an das ihres Herrn und Meisters geknüpft. So mussten auch sie vergehen, wenn ihre Sonne starb. Verwandelte sie sich in eine Nova, riss sie sie in einem letzen Aufbäumen mit sich ins Nichts. Zurück blieben nur stumme Gerippe, dem Vergessen anheimgefallen, von niemandem betrauert.
Donnerstag, 6. August 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 7 - Tanz auf dem Grab
Wie
ich dieses Pisswetter hasste.
Seitdem wir das Mädchen im Dorf getroffen hatten, zog der Sturm über der Insel unentwegt Wolken zusammen, vermutlich für einen alles entscheidenden Angriff, um dieses Stückchen Dreck wieder in den Ozean zurück zu prügeln. Dichter Nebel kochte ein breiiges Süppchen, durch das dicke Regentropfen von weiter oben herunter kamen. Beschleunigt vom starken Wind peitschten sie wie Gewehrkugeln umher und zerplatzten trotzig auf unseren Helmen. Ich war heilfroh über die Schutzwesten, die wir trugen. Sie hielten neben dem Wasser auch einen Großteil der Kälte ab, die uns ebenfalls zuzusetzen begann.
Äste der umstehenden Bäume griffen gefährlich nach uns. Ein paar Mal krachten sie sogar auf die Stufen herab, weswegen wir erst den Weg frei räumen mussten, um weitergehen zu können. Und dann war da noch der Lärm, den das Wetter verursachte. Ein hohles, schrilles, modulierendes Pfeifen führte ein vielstimmiges Rascheln, Stöhnen, Knacken und Knarzen der Flora an, begleitet vom millionenfachen Trommeln der wässrigen Drumsets. Zusammen spielten sie die Uraufführung eines avantgardistischen New Age Stücks: dem Präludium zum WildCards Requiem. Es wirkt, als würde der Dschungel lebendig werden, um uns höchst selbst von Jigoku zu vertreiben.
Seitdem wir das Mädchen im Dorf getroffen hatten, zog der Sturm über der Insel unentwegt Wolken zusammen, vermutlich für einen alles entscheidenden Angriff, um dieses Stückchen Dreck wieder in den Ozean zurück zu prügeln. Dichter Nebel kochte ein breiiges Süppchen, durch das dicke Regentropfen von weiter oben herunter kamen. Beschleunigt vom starken Wind peitschten sie wie Gewehrkugeln umher und zerplatzten trotzig auf unseren Helmen. Ich war heilfroh über die Schutzwesten, die wir trugen. Sie hielten neben dem Wasser auch einen Großteil der Kälte ab, die uns ebenfalls zuzusetzen begann.
Äste der umstehenden Bäume griffen gefährlich nach uns. Ein paar Mal krachten sie sogar auf die Stufen herab, weswegen wir erst den Weg frei räumen mussten, um weitergehen zu können. Und dann war da noch der Lärm, den das Wetter verursachte. Ein hohles, schrilles, modulierendes Pfeifen führte ein vielstimmiges Rascheln, Stöhnen, Knacken und Knarzen der Flora an, begleitet vom millionenfachen Trommeln der wässrigen Drumsets. Zusammen spielten sie die Uraufführung eines avantgardistischen New Age Stücks: dem Präludium zum WildCards Requiem. Es wirkt, als würde der Dschungel lebendig werden, um uns höchst selbst von Jigoku zu vertreiben.
Freitag, 31. Juli 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 6 - In der Höhle des Löwen
Tausendfach spuckte uns der Pazifische
Ozean ins Gesicht, beziehungsweise versuchte er es mit bewundernswerter
Hartnäckigkeit. Doch jeder einzelne Spritzer scheiterte an der Frontscheibe
unseres Schnellbootes. Sanada hatte es kurzfristig besorgt, zusammen mit weiterer
Ausrüstung, die wir womöglich auf unserem Trip gebrauchen konnten.
Als hätte das Meer von unseren Absichten gewusst, stemmte es sich uns mit aller Gewalt entgegen- Einem bösen Omen gleich verfinsterten Wolkenbänder wie mehrlagige, schwere Vorhänge den Himmel, um Largo die Sicht zu erschweren. Zusätzlich prasselte ein unangenehmer Nieselregen auf uns nieder. Die Tropfen schienen jedoch den physikalischen Eigenschaften von Dihydrogenmonoxid zu trotzen. Anstatt einfach von den Scheiben abzuperlen und sich am Heck des Schiffs mit ihren Genossen zu vereinen und ins Meer zurück zu hüpfen, bildeten sie einen öligen Film, den auch die Scheibenwischer nicht vertreiben konnten. Am Ende erschwerten die schmierigen Schlieren, die dabei entstanden, die Sicht nur noch mehr. Schließlich gab Largo auf und konzentrierte sich auf die Daten, die ihm die Außenkameras und seine vorausgeflogenen Überwachungsdrohnen übermittelten. Die kleine FlySpy hatte Schwierigkeiten bei der aktuellen Wetterlage mitzuhalten, aber die deutlich größere Wartungsdrohne, die der Rigger von Yoshis Schrottplatz mitgenommen hatte, verrichtete ohne Murren ihren Dienst.
Als hätte das Meer von unseren Absichten gewusst, stemmte es sich uns mit aller Gewalt entgegen- Einem bösen Omen gleich verfinsterten Wolkenbänder wie mehrlagige, schwere Vorhänge den Himmel, um Largo die Sicht zu erschweren. Zusätzlich prasselte ein unangenehmer Nieselregen auf uns nieder. Die Tropfen schienen jedoch den physikalischen Eigenschaften von Dihydrogenmonoxid zu trotzen. Anstatt einfach von den Scheiben abzuperlen und sich am Heck des Schiffs mit ihren Genossen zu vereinen und ins Meer zurück zu hüpfen, bildeten sie einen öligen Film, den auch die Scheibenwischer nicht vertreiben konnten. Am Ende erschwerten die schmierigen Schlieren, die dabei entstanden, die Sicht nur noch mehr. Schließlich gab Largo auf und konzentrierte sich auf die Daten, die ihm die Außenkameras und seine vorausgeflogenen Überwachungsdrohnen übermittelten. Die kleine FlySpy hatte Schwierigkeiten bei der aktuellen Wetterlage mitzuhalten, aber die deutlich größere Wartungsdrohne, die der Rigger von Yoshis Schrottplatz mitgenommen hatte, verrichtete ohne Murren ihren Dienst.
Samstag, 25. Juli 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 5 - Ocyons Ruf
Falls
es jemals unter Shadowrunnern so etwas wie den Stereotyp des stillen Teilhabers
geben sollte, lieferte Sanada die Blaupause dafür. Unser mandeläugiger
Begleiter mit den feisten Backen, der sich auffällig darum bemühte unauffällig
zu wirken, war zwar fast die ganze Zeit über an unserer Seite gewesen, konnte aber
mit jeglicher Umgebung verschmelzen. Egal wo wir unsere Ermittlungen
durchführten, er schien augenblicklich unsichtbar zu werden, sobald wir uns
nicht von A nach B bewegten. Wahrscheinlich waren die wenigsten in der Lage
sich spontan an ihn zu erinnern, wenn man sie nach ihm fragen würde.
Er bekam die Zähne kaum auseinander und selbst wenn man ihn direkt ansprach, musste man ihm die Würmer einzeln aus der Nase ziehen. Nur selten sprach er mehr als einen zusammenhängenden Satz mit uns. Ich war mir sicher, dass es nicht daran lag, dass er mit uns ein Problem hatte. Er war schlicht ein schweigsamer Kerl. Doch auch wenn er sich nur dann und wann mitteilte, bedeutete das nicht, dass er kurz vorm Einschlafen war. Stets behielt er mit wachen, aufmerksamen Augen alles um ihn herum im Blick, wie ein lauerndes Raubtier. Am Flughafen hatte er bereits bewiesen, dass er sich seiner Haut erwehren konnte. Sanada würde uns in einem Kampf also nicht alleine lassen.
Dennoch war da etwas an ihm, das ich nicht ergründen konnte. Ein Geheimnis umgab den Mann, genauer gesagt: ein arkanes Geheimnis. So viel hatten wir bereits auf dem Flug nach Japan festgestellt. Nur was?! Die Frauen hatten mehrere Vermutungen geäußert, aber wirklich sicher waren sie nicht gewesen. Und würde sich sein Status positiv oder negativ auf unsere Mission auswirken? Diese Frage ging mir immer wieder durch den Kopf, lediglich die Antwort blieb ich mir auch am Ende des zweiten Tages schuldig.
Nachdem unsere Magierinnen ihren Schwatz mit dem Mentorgeist beendet hatten, informierten sie uns über ihre neu gewonnenen Erkenntnisse.
„Wir müssen also nur noch herausfinden, wo Miruku seine Anhänger rekrutiert. Sanada-San, sie sind hier ortskundig. Können sie uns sagen, wo wir mit der Suche beginnen sollten?“, fragte Alyssa schließlich. Alle Anwesenden sahen ihn erwartungsvoll an.
Er bekam die Zähne kaum auseinander und selbst wenn man ihn direkt ansprach, musste man ihm die Würmer einzeln aus der Nase ziehen. Nur selten sprach er mehr als einen zusammenhängenden Satz mit uns. Ich war mir sicher, dass es nicht daran lag, dass er mit uns ein Problem hatte. Er war schlicht ein schweigsamer Kerl. Doch auch wenn er sich nur dann und wann mitteilte, bedeutete das nicht, dass er kurz vorm Einschlafen war. Stets behielt er mit wachen, aufmerksamen Augen alles um ihn herum im Blick, wie ein lauerndes Raubtier. Am Flughafen hatte er bereits bewiesen, dass er sich seiner Haut erwehren konnte. Sanada würde uns in einem Kampf also nicht alleine lassen.
Dennoch war da etwas an ihm, das ich nicht ergründen konnte. Ein Geheimnis umgab den Mann, genauer gesagt: ein arkanes Geheimnis. So viel hatten wir bereits auf dem Flug nach Japan festgestellt. Nur was?! Die Frauen hatten mehrere Vermutungen geäußert, aber wirklich sicher waren sie nicht gewesen. Und würde sich sein Status positiv oder negativ auf unsere Mission auswirken? Diese Frage ging mir immer wieder durch den Kopf, lediglich die Antwort blieb ich mir auch am Ende des zweiten Tages schuldig.
Nachdem unsere Magierinnen ihren Schwatz mit dem Mentorgeist beendet hatten, informierten sie uns über ihre neu gewonnenen Erkenntnisse.
„Wir müssen also nur noch herausfinden, wo Miruku seine Anhänger rekrutiert. Sanada-San, sie sind hier ortskundig. Können sie uns sagen, wo wir mit der Suche beginnen sollten?“, fragte Alyssa schließlich. Alle Anwesenden sahen ihn erwartungsvoll an.
Freitag, 17. Juli 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 4 - Die Einöde des Hais
Wasser
so weit das Auge reichte.
Bis zum Horizont und darüber hinaus war kein weiteres Land zu sehen. Dafür schimmerte das Meer, als enthielte es eine phosphoreszierende Substanz. Am nächtlichen Himmel funkelten die Sterne, doch sie schienen wahllos dort angebracht worden zu sein. Zu keinem bekannten Sternenbild wollten die Konstellationen passen. Dafür verschwanden einige von ihnen, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Sie glichen mehr weit entfernten alles beobachtenden kosmischen Augen, die sich öffneten und wieder schlossen.
Alyssa staunte mit offenem Mund über die atemberaubende Szenerie. Sie wusste, dass es nicht real war, doch als wolle sie diese Illusion eines Besseren belehren, kitzelte sie der Sand zwischen den Zehen. Die Magierin sah an sich herunter und grub die nackten Füße fester in den feinen, weißen Steinstaub. Es war fantastisch und beunruhigend zugleich. ‚Ob sich B.T.L.-Junkies so fühlen, wenn sie sich in die Erinnerungen eines anderen Menschen einklinken?‘
Der Strand an dem sie standen, umfasste nur einige Dutzend Quadratmeter. Nicht ein einzelner Grashalm wuchs auf der Insel. Lediglich ein hölzerner Steg führte von dem Eiland fort. Er war vom jahrzehntelangen Einfluss der Umwelt verwittert und weckte wenig Vertrauen in seine Stabilität. Nichts befand sich hier. Nichts außer Alyssa und ihrer Freundin.
„Wie lange wird es dauern, bis er sich zeigt?“, fragte sie und erntete ein verschmitztes Lächeln, das ihre Augen leuchten ließ. Sunetra wartete kniend auf Susanoos Ankunft. Sie hatte die Menschenfrau von dem Moment an, seit sie hier gelandet waren, genau beobachtet. War sie sich bei ihrem ersten Besuch in seinem Refugium ebenso fremd und deplatziert vorgekommen? Wahrscheinlich, aber die Erinnerungen verschwanden in einem Nebel. Alles wirkte so fern. Dabei war sie erst in diesem Jahr die Verbindung zu dem Mentorgeist eingegangen.
„Bald, hab ein wenig Geduld!“
Alyssa seufzte und trat gerade so weit vor, dass die Wellen, die die Insel sanft umspülten, sie nicht erreichen konnten. Es war ihr bewusst, dass sie deswegen nicht mehr sehen konnte, als drei Meter zuvor, aber sie hatte Hummeln im Hintern. Geduld gehörte nun einmal nicht zu ihren Stärken, ganz besonders dann nicht, wenn etwas so aufregendes geschah.
Bis zum Horizont und darüber hinaus war kein weiteres Land zu sehen. Dafür schimmerte das Meer, als enthielte es eine phosphoreszierende Substanz. Am nächtlichen Himmel funkelten die Sterne, doch sie schienen wahllos dort angebracht worden zu sein. Zu keinem bekannten Sternenbild wollten die Konstellationen passen. Dafür verschwanden einige von ihnen, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Sie glichen mehr weit entfernten alles beobachtenden kosmischen Augen, die sich öffneten und wieder schlossen.
Alyssa staunte mit offenem Mund über die atemberaubende Szenerie. Sie wusste, dass es nicht real war, doch als wolle sie diese Illusion eines Besseren belehren, kitzelte sie der Sand zwischen den Zehen. Die Magierin sah an sich herunter und grub die nackten Füße fester in den feinen, weißen Steinstaub. Es war fantastisch und beunruhigend zugleich. ‚Ob sich B.T.L.-Junkies so fühlen, wenn sie sich in die Erinnerungen eines anderen Menschen einklinken?‘
Der Strand an dem sie standen, umfasste nur einige Dutzend Quadratmeter. Nicht ein einzelner Grashalm wuchs auf der Insel. Lediglich ein hölzerner Steg führte von dem Eiland fort. Er war vom jahrzehntelangen Einfluss der Umwelt verwittert und weckte wenig Vertrauen in seine Stabilität. Nichts befand sich hier. Nichts außer Alyssa und ihrer Freundin.
„Wie lange wird es dauern, bis er sich zeigt?“, fragte sie und erntete ein verschmitztes Lächeln, das ihre Augen leuchten ließ. Sunetra wartete kniend auf Susanoos Ankunft. Sie hatte die Menschenfrau von dem Moment an, seit sie hier gelandet waren, genau beobachtet. War sie sich bei ihrem ersten Besuch in seinem Refugium ebenso fremd und deplatziert vorgekommen? Wahrscheinlich, aber die Erinnerungen verschwanden in einem Nebel. Alles wirkte so fern. Dabei war sie erst in diesem Jahr die Verbindung zu dem Mentorgeist eingegangen.
„Bald, hab ein wenig Geduld!“
Alyssa seufzte und trat gerade so weit vor, dass die Wellen, die die Insel sanft umspülten, sie nicht erreichen konnten. Es war ihr bewusst, dass sie deswegen nicht mehr sehen konnte, als drei Meter zuvor, aber sie hatte Hummeln im Hintern. Geduld gehörte nun einmal nicht zu ihren Stärken, ganz besonders dann nicht, wenn etwas so aufregendes geschah.
Freitag, 10. Juli 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 3 - Dem roten Faden nach
Es
war kurz nach Elf, als ich aufwachte.
Zwischen den Ritzen der Jalousien schlüpften Sonnenstrahlen hindurch und kitzelten in meiner Nase. Sie provozierten ein kräftiges, dreifaches Niesen, das mich aus unruhigen Träumen über vielarmige Tentakelmonster und andere Abscheulichkeiten jenseits dieser Existenzebene rissen.
Ich blinzelte ins morgendliche Licht, das den Farben die Intensität nahm und die Welt wie ein leicht verblasstes Foto wirken ließ. Verwirrt nahm ich einen Moment lang den Raum in Augenschein. Wie die anderen lag ich auf einem Futon, der sich als bequemere Schlafgelegenheit als zunächst vermutet herausgestellt hatte. Largos sonores Schnarchen zerteilte die verstreichende Zeit in gleich große Häppchen. Sunetra schlief ebenfalls noch tief und fest, während Alyssa gelangweilt einen Tetris-Klon auf der AR-Brille ihres Komlinks spielte. Müde winkte sie mit den Fingern einer Hand und lächelte gequält. Die Ringe unter ihren Augen verrieten mir, dass sie nicht viel geschlafen hatte.
"Liegt's an Largo?", flüsterte ich.
Die Menschenfrau seufzte: "Nach zwei abgesägten Regenwäldern hab ich mich daran gewöhnt. Hanks Furzkonzert hat mir den Rest gegeben."
Zwischen den Ritzen der Jalousien schlüpften Sonnenstrahlen hindurch und kitzelten in meiner Nase. Sie provozierten ein kräftiges, dreifaches Niesen, das mich aus unruhigen Träumen über vielarmige Tentakelmonster und andere Abscheulichkeiten jenseits dieser Existenzebene rissen.
Ich blinzelte ins morgendliche Licht, das den Farben die Intensität nahm und die Welt wie ein leicht verblasstes Foto wirken ließ. Verwirrt nahm ich einen Moment lang den Raum in Augenschein. Wie die anderen lag ich auf einem Futon, der sich als bequemere Schlafgelegenheit als zunächst vermutet herausgestellt hatte. Largos sonores Schnarchen zerteilte die verstreichende Zeit in gleich große Häppchen. Sunetra schlief ebenfalls noch tief und fest, während Alyssa gelangweilt einen Tetris-Klon auf der AR-Brille ihres Komlinks spielte. Müde winkte sie mit den Fingern einer Hand und lächelte gequält. Die Ringe unter ihren Augen verrieten mir, dass sie nicht viel geschlafen hatte.
"Liegt's an Largo?", flüsterte ich.
Die Menschenfrau seufzte: "Nach zwei abgesägten Regenwäldern hab ich mich daran gewöhnt. Hanks Furzkonzert hat mir den Rest gegeben."
Samstag, 4. Juli 2015
Schatten über Jigoku
Kapitel 2
- Das andere Ende der Sechsten Welt
Vor uns strahlten Myriaden Lichter des Neu-Tokioter Sprawls gegen die Finsternis an und erzeugten eine
in schillerndsten Farben leuchtende, leicht pulsierende Photonenkuppel. Direkt
über unseren Köpfen verharrte jedoch eine
sternenklare Nacht. Es herrschte frostiges,
fernöstliches Klima. Zu meiner Überraschung waren die Temperaturen auf der
anderen Seite des Globus genauso enttäuschend wie daheim. Doch war es nicht der
eigentliche Grund, der mich frösteln ließ. In der Dunkelheit konnte ich mehrere
Gestalten erkennen. Sie trugen Lederkluft und Motorradhelme, sogar die, die aus
dem Jeep gestiegen waren. Etwas an ihnen blitzte und funkelte böse, wie die
Sterne, die mit silbriger Kälte vom Himmel auf uns herab starrten. Gänsehaut
wuchs auf meinen Armen und die Nackenhaare stellten sich auf, als ich erkannte,
was einige von ihnen in ihren Händen hielten.
Kurzschwerter.
Na das fängt ja gut an.
Kurzschwerter.
Na das fängt ja gut an.
Freitag, 26. Juni 2015
Schatten über Jigoku
Prolog
‚Schatten dominieren
diesen Ort.‘
Der Priester spürte die hasserfüllte Präsenz durch
jede Ritze, jede Spalte quellen, wie sie wucherte, sich tumorartig ausbreitete,
die Seelen der Menschen infiltrierte und korrumpierte, alles und jeden ins Böse
verkehrte. Shinta war unwohl in seiner Haut, doch er wusste tief in seinem
Inneren, dass er nun, im entscheidenden Moment, nicht mehr zögern durfte. Seine
Mission war, den Schatten zu bannen, der vor einiger Zeit damit begonnen hatte,
von der Neu-Tokioter Unterwelt aus sein Netz zu spinnen.
Viele
Mühen und unzählige Gefallen hatte es ihn gekostet die Spur bis zu dieser Bar
zu verfolgen. Karaoke und leichte Mädchen wurden hier neben Sake, Whiskey und
Snacks auf der Karte angeboten. Unter normalen Umständen würde sich der
Priester einen Dreck um die zwielichtigen Geschäfte scheren, die hier
abgewickelt wurden. Bezahlter Sex stand nicht besonders hoch auf seiner
Beliebtheitsskala, aber es gab weiß Gott schlimmere Verfehlungen. Doch unlängst
hatte sich der Amüsierschuppen in eines der Nester verwandelt, in dem Es zu hausen pflegte. Während seiner
Recherchen hatte der Shintopriester herausgefunden, dass sich das Wesen
besonders in der Nähe von Außenseitern der Gesellschaft wohlfühlte.
Unter den Verzweifelten und
Ausgestoßenen, die nichts mehr zu verlieren hatten, rekrutierte es auch seine
Söldner. Manche von ihnen unterwarfen sich freiwillig seinem unbeugsamen
Willen, andere zwang es mit Gewalt unter seine Kontrolle. Der traurige Rest
bekam keine Chance von der Begegnung mit dem Leibhaftigen zu erzählen.
Donnerstag, 12. Februar 2015
Kalte Wasser
Sunetra
betrachtete die Regentropfen, die langsam an der Fensterscheibe wie kleine
Glaskugeln herunter rutschten. Obwohl die Fensterfront geschlossen war und die
automatische Raumtemperatur die Kälte auf der anderen Seite zuverlässig in
Schach hielt, meinte sie den Wind an ihren Armen und Beinen spüren zu können.
Das laute Pfeifen des nächtlichen Windes tat sein übriges.
Die Nacht war ihr immer lieber gewesen als die blendende Klarheit der Sonne, die die Welt in Hell und Dunkel unterteilt oder gar alles mit ihrer Helligkeit für sich beansprucht. Die andere Hälfte des Tages erschien ihr stets passender, mit den wechselnden Bedingungen von Vollmond, Wolken, künstlichem und natürlichem Licht. Der Tag war die Domäne der Optimisten und ironischerweise, der Träumer. Seine Welt war klar und hell, ganz von selbst und offen für jeden, der in sie hinein trat. Die Nacht hingegen erforderte, dass man sich mit ihr auseinander setzte, Licht und Möglichkeiten mussten den Schatten und der Dunkelheit abgerungen werden. Grau und Schwarz waren ihre Farben. Silhouetten konnten alles in sich beinhalten, von tödlichen Gefahren bis zu besten Freunden. Dies erschien ihr stets als eine bessere Beschreibung der Welt, ohne dass sie dies jemals zum Anlass genommen hätte an ihr zu verzweifeln. Vielmehr lag darin ein Imperativ, eine fundamentale Herausforderung, und Sunetra hatte sich dieser stets gestellt.
Die Nacht war ihr immer lieber gewesen als die blendende Klarheit der Sonne, die die Welt in Hell und Dunkel unterteilt oder gar alles mit ihrer Helligkeit für sich beansprucht. Die andere Hälfte des Tages erschien ihr stets passender, mit den wechselnden Bedingungen von Vollmond, Wolken, künstlichem und natürlichem Licht. Der Tag war die Domäne der Optimisten und ironischerweise, der Träumer. Seine Welt war klar und hell, ganz von selbst und offen für jeden, der in sie hinein trat. Die Nacht hingegen erforderte, dass man sich mit ihr auseinander setzte, Licht und Möglichkeiten mussten den Schatten und der Dunkelheit abgerungen werden. Grau und Schwarz waren ihre Farben. Silhouetten konnten alles in sich beinhalten, von tödlichen Gefahren bis zu besten Freunden. Dies erschien ihr stets als eine bessere Beschreibung der Welt, ohne dass sie dies jemals zum Anlass genommen hätte an ihr zu verzweifeln. Vielmehr lag darin ein Imperativ, eine fundamentale Herausforderung, und Sunetra hatte sich dieser stets gestellt.
Samstag, 8. November 2014
Die Nacht der langen Messer
Kapitel 3 – Iden des März
So zu tun, als wäre man nicht auf der Flucht, obwohl man gerade auf schnellstem Wege das Weite sucht, ist nicht mal im Ansatz so einfach, wie es in billigen Trivid Filmen immer wieder kolportiert wird. Ganz besonders, wenn einem dabei Überwachungsdrohnen wie Scheiße am Hacken kleben.
Wir verluden gerade eine der Metallboxen aus dem Anhänger des Lastwagens in das Wild Card Mobil, als sie Largo auffielen.
Zwei Objekte von der Größe einer Schokoladentafel schwebten in etwa dreißig Metern Höhe über dem LKW. Ohne Cyberaugen war für uns andere schwer zu erkennen, dass da überhaupt etwas war.
Der Zwerg hielt inne und musterte sie einen Moment lang. „Militärische Bauweise. Sind verdammt gut ausgestattet. Die haben bestimmt meine Fly-Spy entdeckt, die dem Truck folgen sollte.“
„Deshalb haben die Penner also gewusst, dass wir kommen!“, fluchte Alyssa und warf die Heckklappe des Toyota mit mehr Kraftaufwand als nötig zu.
„Auf geht’s! Wir sollten die Dinger so schnell wie möglich los werden.“ Hank, Largo und die menschliche Magierin stiegen in den Wagen ein, während ich wieder hinter Sunetra auf der Mirage Platz nahm. Knatternd startete die Maschine. Ihre Stimme ging in ein leierndes Nölen über, als sie mit durchdrehenden Reifen davon brauste, unserm zweiten Fahrzeug hinterher.
Wir verluden gerade eine der Metallboxen aus dem Anhänger des Lastwagens in das Wild Card Mobil, als sie Largo auffielen.
Zwei Objekte von der Größe einer Schokoladentafel schwebten in etwa dreißig Metern Höhe über dem LKW. Ohne Cyberaugen war für uns andere schwer zu erkennen, dass da überhaupt etwas war.
Der Zwerg hielt inne und musterte sie einen Moment lang. „Militärische Bauweise. Sind verdammt gut ausgestattet. Die haben bestimmt meine Fly-Spy entdeckt, die dem Truck folgen sollte.“
„Deshalb haben die Penner also gewusst, dass wir kommen!“, fluchte Alyssa und warf die Heckklappe des Toyota mit mehr Kraftaufwand als nötig zu.
„Auf geht’s! Wir sollten die Dinger so schnell wie möglich los werden.“ Hank, Largo und die menschliche Magierin stiegen in den Wagen ein, während ich wieder hinter Sunetra auf der Mirage Platz nahm. Knatternd startete die Maschine. Ihre Stimme ging in ein leierndes Nölen über, als sie mit durchdrehenden Reifen davon brauste, unserm zweiten Fahrzeug hinterher.
Sonntag, 2. November 2014
Die Nacht der langen Messer
Kapitel 2 – Heißer Reifen
Dämmerlicht drang durch die frisch
geputzten Fensterscheiben und vermischte sich mit dem spärlichen, weißkalten
Kunstlicht der Deckenlampen. Die Sonne enthüllte nichts, das Ricardo nicht
bereits mit Hilfe seiner künstlichen Augen hatte sehen können. Viel zu entdecken
gab es eh nicht. Nackte, in schlichtes Weiß getünchte Betonwände standen
ringsum. Nur ein Pin-Up-Kalender mit drittklassigen Weibern und ihren
viertklassigen, künstlichen Titten, schmückte den Raum. In regelmäßigen
Abständen ragten Träger der stützenden Stahlkonstruktion aus den Wänden hervor.
Förderbänder lieferten Fracht vom Verladedock durch die Anlage, an Scannern
vorbei und aus der Halle heraus in den Außenbereich, wo sie auf Zügen und
Lastwagen ihre weitere Reise antraten.
Ricardo war es unmöglich die Schlichtheit der Architektur, die Sauberkeit oder die Effizienz zu schätzen, mit der hier gearbeitet wurde. Es war nicht so, dass es ihm an blumigen Ausdrücken gemangelt hätte. Er kannte sie alle aus der Zeit vor seiner Metamorphose. Doch seit er nach umfangreichen Operationen mehr Maschine denn Mensch war, hatte vieles um ihn herum an Bedeutung verloren. Genuss, leichtfüßiger Umgang mit Frauen, Pflege sozialer Kontakte… Ricardo spürte keine Leidenschaft mehr in seinem Leib. Selbst der Begriff Langeweile war etwas, das mit jedem Tag fremder klang. Ihm war spätestens seit der letzten Operation das Gefühl für Zeit vollständig entglitten. Geduldig konnte er stunden-, ja tagelang, ausharren und warten, ohne dass es ihm etwas ausgemacht hätte. Stoisch wie ein Roboter auf Abruf.
Ricardo war es unmöglich die Schlichtheit der Architektur, die Sauberkeit oder die Effizienz zu schätzen, mit der hier gearbeitet wurde. Es war nicht so, dass es ihm an blumigen Ausdrücken gemangelt hätte. Er kannte sie alle aus der Zeit vor seiner Metamorphose. Doch seit er nach umfangreichen Operationen mehr Maschine denn Mensch war, hatte vieles um ihn herum an Bedeutung verloren. Genuss, leichtfüßiger Umgang mit Frauen, Pflege sozialer Kontakte… Ricardo spürte keine Leidenschaft mehr in seinem Leib. Selbst der Begriff Langeweile war etwas, das mit jedem Tag fremder klang. Ihm war spätestens seit der letzten Operation das Gefühl für Zeit vollständig entglitten. Geduldig konnte er stunden-, ja tagelang, ausharren und warten, ohne dass es ihm etwas ausgemacht hätte. Stoisch wie ein Roboter auf Abruf.
Dienstag, 21. Oktober 2014
Die Nacht der langen Messer
Kapitel 1 - Die Oper ist erst zu Ende,
wenn die fette Frau gesungen hat
Manchmal werden Worte umgehend Lügen gestraft.
'Ich wusst's! Ich wusst's! Ich wusst's!'
Zornig waberte die Erkenntnis durch das Zwergenhirn. Die Fäuste in den Taschen geballt, stapfte Largo den anderen Wild Cards hinterher ins Innere des Hel's Kitchen. Barrys Bar. Alyssas Kontaktmann zur Unterwelt der Hansestadt.
Wie viel lieber würde er noch immer an Bord der Dead Man's Hand den Abschluss der Mission und die Wiederwahl von Vesna Lyzhichko feiern, ein wohlverdientes, kühles Bier genießen.
Schon vor Stunden hatte ihm sein Bauch geflüstert, dass der Mord an Karl Weißhaupt nicht das Ende der Geschichte sein konnte. Zu viel hatte er in seiner Karriere als Shadowrunner erlebt, um sich der Illusion hingeben zu können, so leicht aus der Sache herauszukommen. Ausgerechnet Sunetra, die er als erfahrene Kollegin und Freundin schätzte, hatte sich wie ein Anfänger mit der Sicherheit eines Blinden in einem Minenfeld über den Sieg gefreut. Sie hatte geglaubt, dass sich die gegnerischen Parteien aus Frankfurt nun kuschen würden.
'Zu früh gefreut, Spitzohr.'
Keine zwei Minuten nach dem Anruf aus dem Büro der Bürgermeisterin klingelte Hendriks Telefon ein weiteres Mal. Sein Gesicht verwandelte sich in einen Korb gemischten sauren Obsts, als Yashida Himotos Antlitz im Videofenster erschien. Der Ork machte keinen Hehl daraus, dass er Sunetras Ex-Verlobten äußerst skeptisch gegenüber stand. Doch wenn er helfen wollte der Elfe den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, die ihr ihr ehemaliger Arbeitgeber MCT[1] um den Hals gelegt hatte, musste er wohl oder übel mit ihm zusammen arbeiten. Also schluckte er runter, was ihm als Erstes in den Sinn kam und gab sich betont freundlich. Irgendwie gelang es ihm auf diese Weise seine Antipathie besonders gut zum Ausdruck zu bringen.
"Konbanwa, Himoto-San."
Der Japaner lächelte typisch asiatisch freudlos. Genauso gut hätte er 'Leck mich am Arsch, blöder Penner!' sagen können. Stattdessen kamen folgende Worte aus seinem Mund: "Summerset. Sehr gute Arbeit, die sie und ihre Truppe in Westphalen geleistet haben. Ich bin erfreut über das neu geschmiedete Bündnis mit dem Hamburger Senat. Damit ist MCT seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen."
'Ich wusst's! Ich wusst's! Ich wusst's!'
Zornig waberte die Erkenntnis durch das Zwergenhirn. Die Fäuste in den Taschen geballt, stapfte Largo den anderen Wild Cards hinterher ins Innere des Hel's Kitchen. Barrys Bar. Alyssas Kontaktmann zur Unterwelt der Hansestadt.
Wie viel lieber würde er noch immer an Bord der Dead Man's Hand den Abschluss der Mission und die Wiederwahl von Vesna Lyzhichko feiern, ein wohlverdientes, kühles Bier genießen.
Schon vor Stunden hatte ihm sein Bauch geflüstert, dass der Mord an Karl Weißhaupt nicht das Ende der Geschichte sein konnte. Zu viel hatte er in seiner Karriere als Shadowrunner erlebt, um sich der Illusion hingeben zu können, so leicht aus der Sache herauszukommen. Ausgerechnet Sunetra, die er als erfahrene Kollegin und Freundin schätzte, hatte sich wie ein Anfänger mit der Sicherheit eines Blinden in einem Minenfeld über den Sieg gefreut. Sie hatte geglaubt, dass sich die gegnerischen Parteien aus Frankfurt nun kuschen würden.
'Zu früh gefreut, Spitzohr.'
Keine zwei Minuten nach dem Anruf aus dem Büro der Bürgermeisterin klingelte Hendriks Telefon ein weiteres Mal. Sein Gesicht verwandelte sich in einen Korb gemischten sauren Obsts, als Yashida Himotos Antlitz im Videofenster erschien. Der Ork machte keinen Hehl daraus, dass er Sunetras Ex-Verlobten äußerst skeptisch gegenüber stand. Doch wenn er helfen wollte der Elfe den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, die ihr ihr ehemaliger Arbeitgeber MCT[1] um den Hals gelegt hatte, musste er wohl oder übel mit ihm zusammen arbeiten. Also schluckte er runter, was ihm als Erstes in den Sinn kam und gab sich betont freundlich. Irgendwie gelang es ihm auf diese Weise seine Antipathie besonders gut zum Ausdruck zu bringen.
"Konbanwa, Himoto-San."
Der Japaner lächelte typisch asiatisch freudlos. Genauso gut hätte er 'Leck mich am Arsch, blöder Penner!' sagen können. Stattdessen kamen folgende Worte aus seinem Mund: "Summerset. Sehr gute Arbeit, die sie und ihre Truppe in Westphalen geleistet haben. Ich bin erfreut über das neu geschmiedete Bündnis mit dem Hamburger Senat. Damit ist MCT seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen."
Samstag, 9. August 2014
Eine Woche Ewigkeit
Kapitel 4 - Die Zaunkönige sind los
Freitag, 23:10 Uhr
„Was
haben sie hier zu suchen?!“, blökte die Stimme in meinem Rücken.
Noch bevor man mir die Gelegenheit gab, mich um Kopf und Kragen zu quasseln, zischte ein mit Magie erzeugtes Säuregeschoss knapp an mir vorbei und zerplatzte an der geöffneten, mehrere hundert Jahre alten, massiven Tür. Der Lack begann zu brodeln und warf Blasen. Doch bevor sie unter der Hitze der chemischen Reaktion in Flammen aufgehen konnte, verging die ätzende Substanz und hinterließ lediglich einen schwärzlichen Fleck, von dem übelriechende, dünne Rauchfäden aufstiegen.
Shitdrekscheißeverdammtnochmal!
Binnen weniger Sekunden hatte sich der schöne Plan in Wohlgefallen aufgelöst. Michael musste zwar ein wenig diskutieren, aber schließlich überzeugte er seine Ehefrau von dem mitternächtlichen Ausflug. Nachdem sie das Haus mit Sekt und einem Snack im Gepäck verlassen hatten, inspizierte ich mit Sunetra den ersten Stock. Vielleicht ließ sich etwas Nützliches finden oder einen guten Platz für einen Hinterhalt. Am Ende unserer Runde wollten wir Hank über unsere Ergebnisse informieren, der immer noch unter dem Fenster wartete, durch das wir eingestiegen waren. Dann hätten die restlichen WildCards den Generator sabotiert. Während dann das Familienoberhaupt oder dessen ältester Sohn in den Stall gegangen wäre, hätte ich mit der Elfe die Gesellschaft im Erdgeschoss ein wenig aufgemischt. Hauptsache so wenig Lärm und Aufmerksamkeit wie möglich erregen. Selbstverständlich hätten sich unsere Freunde ebenso liebevoll um ihren Gast im Stall gekümmert.
Noch bevor man mir die Gelegenheit gab, mich um Kopf und Kragen zu quasseln, zischte ein mit Magie erzeugtes Säuregeschoss knapp an mir vorbei und zerplatzte an der geöffneten, mehrere hundert Jahre alten, massiven Tür. Der Lack begann zu brodeln und warf Blasen. Doch bevor sie unter der Hitze der chemischen Reaktion in Flammen aufgehen konnte, verging die ätzende Substanz und hinterließ lediglich einen schwärzlichen Fleck, von dem übelriechende, dünne Rauchfäden aufstiegen.
Shitdrekscheißeverdammtnochmal!
Binnen weniger Sekunden hatte sich der schöne Plan in Wohlgefallen aufgelöst. Michael musste zwar ein wenig diskutieren, aber schließlich überzeugte er seine Ehefrau von dem mitternächtlichen Ausflug. Nachdem sie das Haus mit Sekt und einem Snack im Gepäck verlassen hatten, inspizierte ich mit Sunetra den ersten Stock. Vielleicht ließ sich etwas Nützliches finden oder einen guten Platz für einen Hinterhalt. Am Ende unserer Runde wollten wir Hank über unsere Ergebnisse informieren, der immer noch unter dem Fenster wartete, durch das wir eingestiegen waren. Dann hätten die restlichen WildCards den Generator sabotiert. Während dann das Familienoberhaupt oder dessen ältester Sohn in den Stall gegangen wäre, hätte ich mit der Elfe die Gesellschaft im Erdgeschoss ein wenig aufgemischt. Hauptsache so wenig Lärm und Aufmerksamkeit wie möglich erregen. Selbstverständlich hätten sich unsere Freunde ebenso liebevoll um ihren Gast im Stall gekümmert.
Mittwoch, 18. Juni 2014
Eine Woche Ewigkeit
Kapitel 3 –Unverhofft kommt oft
Freitag 08:40 Uhr
Am
Ende einer langen Nacht des geschäftigen Suchens nach Beute legte sich der
Fuchs im Unterholz des Wäldchens zur Ruhe. Zwei magere Wühlmäuse hatte er in
ihren Verstecken aufgestöbert und anschließend im spärlichem Mondschein
verspeist. Ein voller Magen sieht anders aus, aber verhungern würde er heute
nicht. Nein, Hunger würde er nicht mehr leiden müssen, aber wenn das Tier
geahnt hätte, dass es gerade seine Henkersmahlzeit zu sich genommen hatte, es
wäre die Sache mit mehr Genuss angegangen. Hätte sich Zeit gelassen statt die
grauen Nager gierig hinunter zu schlingen. Aber da der Fuchs nichts von seinem
Schicksal wissen konnte, rollte er sich erschöpft zusammen und schloss die
Augen. Wahrscheinlich hätte er sein Ende sogar im Frieden des Schlafs gefunden,
wenn ihn nicht ein Geräusch aufgeschreckt hätte. Sofort war er hellwach. Die
Ohren aufrecht gestellt, den Kopf in die Höhe gereckt, horchte er in den Wald
hinein. Was war das? Es hatte wie knackendes Holz geklungen. Ein Geräusch, das
für gewöhnlich von schweren Schritten verursacht wurde. War jemand in seiner
Nähe? Menschen etwa?
Vorsichtig schnupperte der Vierbeiner aus der Familie der Hundeartigen, konnte aber keine entlarvenden Gerüche ausmachen. Zu seinem Unglück ging dem Tier der Intellekt ab, die Quelle des Geräuschs mit der Windrichtung zu kombinieren. So entging ihm die lebensrettende Erkenntnis, dass sich ihm jemand aus der Richtung näherte, in die der Wind blies. So aber trug er den Geruch des Angreifers von dem Fuchs fort.
Vorsichtig schnupperte der Vierbeiner aus der Familie der Hundeartigen, konnte aber keine entlarvenden Gerüche ausmachen. Zu seinem Unglück ging dem Tier der Intellekt ab, die Quelle des Geräuschs mit der Windrichtung zu kombinieren. So entging ihm die lebensrettende Erkenntnis, dass sich ihm jemand aus der Richtung näherte, in die der Wind blies. So aber trug er den Geruch des Angreifers von dem Fuchs fort.
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